Titelaufnahme
Titelaufnahme
- TitelOn the interpretation of perspective-dependent expressions in the complement clauses of propositional attitude verbs / vorgelegt von Christopher Saure
- Verfasser
- Gutachter
- Erschienen
- Umfang1 Online-Ressource (VIII, 290 Seiten)
- HochschulschriftBergische Universität Wuppertal, Dissertation, 2025
- Verteidigung2025-07-23
- SpracheEnglisch
- DokumenttypDissertation
- SchlagwörterPerspektive / Blickwinkel / Perspektivwechsel / Indirekte Rede / IR / Erlebte Rede / ER / Direkte Rede / DR / Deixis / Deiktischer Ausdruck / perspektivabhängig / temporaldeiktisch / Narration / Doppelkontextanalyse / Diskursprominenz / perspektivisches Zentrum / Propositionale Einstellungsverben / Ereignisvariable / Denkereignis / Erzähler / narrativer Kontext / homodiegetisch / Ich-Erzähler / experimentelle Studie / Akzeptabilitätsstudie / perspective / viewpoint / perspective shift / indirect discourse / ID / free indirect discourse / FID / direct discourse / DD / deixis / indexical / perspective-dependent / temporal indexical / narration / double-context analysis / discourse prominence / prominence-lending cues / perspectival center / propositional attitude verbs / event variable / thought event / narrator / narrative context / homodiegetic / first-person narrator / experimental study / acceptability rating study / forced choice study / continuous scale choice study
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Zusammenfassung
Die Dissertation untersucht, inwieweit perspektivabhängige Ausdrücke aus der Sicht eines vom Sprecher verschiedenen Diskursreferenten interpretiert werden können, wenn sie in eine Form der Rede- oder Gedankenwiedergabe eingebettet sind. In der Forschungsliteratur herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die indirekte Rede (IR) im Gegensatz zur direkten Rede (DR) und zur erlebten Rede (ER) nur den Kontext des aktuellen Sprechers widerspiegeln kann, der in der Regel als standardmäßiges perspektivisches Zentrum fungiert. Das primäre Ziel der Arbeit ist es, substanzielle theoretische und empirische Evidenz gegen den etablierten Konsens zu erbringen: Ich stelle die These auf, dass bestimmte perspektivabhängige Ausdrücke, insbesondere temporaldeiktische Ausdrücke wie „heute“, die Perspektive des Matrixsubjekts - den eigentlichen 'Autor' der wiedergegebenen Äußerung/des wiedergegebenen Gedankens - des IR-Satzes widerspiegeln können, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Die Arbeit konzentriert sich auf drei Schlüsselfaktoren, die ich als entscheidend für die Ermöglichung eines Perspektivwechsels in IR betrachte: (i) narrativer Kontext; (ii) Diskursprominenz und (iii) Art des propositionalen Einstellungsverbs. Ich führe eine Reihe experimenteller Studien durch, um den Einfluss der ersten beiden Faktoren auf die Perspektivinterpretation sowohl bei IR als auch bei ER zu ermitteln. Es ist eine der zentralen Thesen der Arbeit, dass Sätze der IR in einen eindeutig narrativen Kontext eingebettet sein müssen, um ihr volles perspektivisches Potenzial auszuschöpfen, da der Erzählung ein inhärentes Potenzial für Multiperspektivität innewohnt. Die Ergebnisse des ersten Experiments, einer Akzeptabilitätsstudie, zeigen, dass bei einem klar narrativen Kontext verschobene Lesarten von temporaldeiktischen Ausdrücken von deutschen Muttersprachlern in der IR als völlig natürlich empfunden werden, selbst wenn sie in direktem Kontrast mit vergleichbaren DR- und ER-Sätzen stehen. Die Ergebnisse einer weiteren Studie, in der die möglichen Interpretationen von IR in narrativen und konversationellen Kontexten verglichen wurden, bestätigen, dass im letzteren Fall der Sprecher das stark bevorzugte perspektivische Zentrum darstellt. Im Gegensatz dazu zeigten Items mit narrativem Kontext stattdessen eine klare Präferenz für den Protagonisten. Beide Studien untersuchten zugleich den Einfluss von Diskursprominenz: Wie in Hinterwimmer (2019) argumentiert, stehen nur Diskursreferenten, die im vorangehenden Diskurskontext als maximal prominent hervorgehoben werden, als perspektivischer Anker der ER zur Verfügung. Bisherige empirische Studien haben gezeigt, dass die Interpretation von ER signifikant von der relativen Prominenz der Protagonisten und des Erzählers beeinflusst wird: Lokal prominente Protagonisten werden insgesamt als perspektivische Zentren bevorzugt, obwohl diese Präferenz in Kontexten abgeschwächt wird, in denen die Prominenz des Erzählers durch die Verwendung von Pronomen der ersten Person erhöht wurde. Die zweite zentrale These der Dissertation lautet, dass Diskursprominenz eine vergleichbare Rolle bei der Bestimmung des perspektivischen Zentrums von IR spielt. Dies wird durch die Ergebnisse der Studie belegt: Während der Protagonist in narrativen Kontexten im Allgemeinen als perspektivisches Zentrum bevorzugt wurde, zeigten die Ergebnisse eine signifikant höhere Tendenz zur Auswahl des Erzählers in Geschichten mit einem homodiegetischen Ich-Erzähler, was dem Effekt bei der ER entspricht. Abschließend stelle ich eine Klassifizierung von propositionalen Einstellungsverben vor, die in erster Linie darauf basiert, ob das jeweilige Einstellungsverb eine neo-davidsonische Ereignisvariable in seiner Argumentstruktur enthält. Ich argumentiere, dass die weitverbreiteten Annahmen über das vermeintliche Verbot von Perspektivwechseln in der IR teilweise darauf zurückzuführen sind, dass die potenziellen Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen von Einstellungsverben nicht erkannt und berücksichtigt werden: Propositionale Einstellungsverben bilden jedoch eine sehr heterogene Klasse, welche nicht nur Verben umfasst, die bewusste Sprech- oder Denkereignisse wiedergeben, sondern auch Verben wie „glauben“ oder „wissen“, die stattdessen eher einen abstrakten mentalen Zustand des Diskursreferenten beschreiben. Da ER-Sätze hingegen immer tatsächliche Sprach- oder Gedankenereignisse abbilden, sollten für eine vergleichende Analyse von IR und ER nur die erstgenannte Gruppe von Verben betrachtet werden. Es werden erste theoretische Belege vorgelegt, um zu veranschaulichen, dass Sätze der IR mit einer forcierten Lesart als Denkereignis ein erhöhtes Potenzial für Multiperspektivität besitzen, ähnlich dem der ER. Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen somit, dass für dieselben Elemente in der IR ein Perspektivwechsel möglich ist wie in der ER, welche häufig als Hybridform von IR und DR definiert wurde, und dass darüber hinaus Perspektivwechsel bei beiden Formen der Rede- und Gedankenwiedergabe durch dieselben Faktoren ermöglicht werden. Die Ergebnisse deuten somit auf eine viel engere Beziehung zwischen IR und ER hin, als bisher in der Forschung angenommen wurde.
Abstract
The dissertation investigates the potential for perspective-dependent expressions to be interpreted from the point of view of a discourse referent different from the speaker when embedded in a speech or thought report. There is an overall consensus in the literature that indirect discourse (ID), in contrast to direct discourse (DD) and free indirect discourse (FID), can only reflect the context of the current speaker, who generally serves as the default perspectival center. The primary aim of the thesis is to provide substantial theoretical and empirical evidence to the contrary: I propose that certain perspective-dependent expressions, namely temporal indexicals like "heute", can shift to the perspective of the ID clause’s matrix subject; i.e., the actual author of the reported speech or thought event, as long as certain conditions are fulfilled. The thesis focuses on three key factors that I identify as incremental in enabling perspective-shift in ID: (i) narrative context; (ii) discourse prominence and (iii) type of propositional attitude verb. I conduct a series of experimental studies to examine the impact of the first two factors on perspective interpretation in both ID and FID. One of the central claims of the thesis is that ID clauses need to be embedded in an unambiguously narrative context to unlock ID’s full perspectival potential, due to narration’s inherent potential for multiperspectivity. The results of the first experiment, an acceptability rating study, demonstrate that, given a clear narrative context, shifted readings of temporal indexicals are deemed to be completely natural by native speakers in German ID, even in direct contrast with equivalent DD and FID reports. The results of a subsequent continuous scale choice study, which compared the potential interpretations of ID in narrative and conversational contexts, confirm that in the latter case, the speaker constitutes the strongly preferred perspectival center. In contrast, items featuring a narrative context displayed a clear preference for the protagonist instead. Both of these experimental studies simultaneously tested the effect of discourse prominence: As argued in Hinterwimmer (2019), only discourse referents who are made maximally prominent in the preceding discourse context are available as perspectival anchor for FID. Previous empirical studies have shown that the interpretation of FID is significantly affected by the relative prominence of the protagonists and the narrator: Locally prominent protagonists are overall preferred as perspectival centers, though this preference is weakened in contexts where the narrator’s prominence has been increased via the use of first-person pronouns. The second major claim of the dissertation is that discourse prominence plays a comparable role in determining the perspectival center of ID. This is shown to be the case via the results of the aforementioned continuous scale choice study: While the protagonist was generally preferred as the perspectival center in narrative contexts, the results displayed a significantly higher tendency to select the narrator in stories featuring a homodiegetic first-person narrator, thereby mirroring the effect on FID. Finally, I present a classification of propositional attitude verbs which is primarily based on whether the given attitude verb contains a Neo-Davidsonian event variable in its argument structure. My argument entails that misconceptions about ID’s perceived prohibition of perspective shift partially stem from a lack of recognition of the potential differences between the individual types of propositional attitude verbs: Propositional attitude verbs form a very heterogeneous class of verbs which encompass not only verbs reporting conscious speech or thought events but also verbs like "glauben" or "wissen" which instead describe a discourse referents abstract mental state. As FID clauses always constitute actual speech or thought events, however, only the former types of verbs should be used for a comparative analysis between ID and FID. Initial theoretical evidence is provided to illustrate how ID clauses with a forced thought event reading possess an increased potential for multiperspectivity, akin to that of FID. The results of the investigation illustrate that the same elements are able to shift in ID and FID, which is commonly defined as a 'hybrid' of ID and DD, and that, furthermore, perspective shift is facilitated by the same factors for both types of speech and thought representation. The findings thus suggest a much closer relationship between ID and FID than has previously been assumed.
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