Titelaufnahme
Titelaufnahme
- TitelSuffizienz als Geschäftsmodell für die Multinationale Unternehmung : Antworten auf Steigerungsdynamiken und Kopplungsherausforderungen in der modernen Gesellschaft / vorgelegt von Michael Ersparmer
- Weitere TitelSufficiency as a Business Model for the Multinational Corporation : Responses to Dynamics of Expansion and Coupling Challenges in Modern Society
- Verfasser
- Gutachter
- Erschienen
- Umfang1 Online-Ressource (XV, 259 Seiten)
- HochschulschriftBergische Universität Wuppertal, Dissertation, 2026
- Verteidigung2026-03-09
- SpracheDeutsch
- DokumenttypDissertation
- SchlagwörterSuffizienz / Geschäftsmodell / Multinationale Unternehmung / Systemtheorie / Nachhaltigkeit / Transformation / Road Pricing / Innenstadtmaut / Urbane Mobilitätswende / Exnovation / Sufficiency / Business Model / Multinational Corporation / Systems Theory / Sustainability / Urban Mobility Transition / Congestion Charging
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Zusammenfassung
Aus weniger mehr machen, Innovation durch Exnovation und Suffizienz als Geschäftsmodell. Was auf den ersten Blick wie eine Aneinanderreihung von Widersprüchen klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als vielversprechende Antwort auf die Steigerungsdynamiken und Kopplungsherausforderungen der modernen Gesellschaft. Und damit ist die zentrale Forschungsaufgabe der vorliegenden Arbeit bereits treffend beschrieben: Der Beitrag von Multinationalen Unternehmen zur Lösung der wohl dringendsten Frage unserer Zeit, der Nachhaltigkeitsfrage. In dieser Dissertationsschrift wird der Versuch unternommen, gängige Denk- und Lösungspfade zu verlassen. Schumpeters Idee der schöpferischen Zerstörung folgend, werden bisherige etablierte Denkansätze verworfen und Konzepte wie Wachstum oder Suffizienz in neuen Zusammenhängen gedacht. Als Theoriegerüst dient die Luhmannsche Systemtheorie, mit deren Hilfe die wesentlichen Problemlagen der modernen Gesellschaft herausgearbeitet werden. Die Ausdifferenzierung in funktionale Teilsysteme ist eines der wesentlichen Merkmale der Moderne. Die einzelnen Funktionssysteme wie Politik und Wirtschaft erschaffen und erhalten ihre jeweilige Funktionsfähigkeit durch Selbstorganisation und unter wechselnden Beziehungen zu ihrer Umwelt und den anderen Funktionssystemen. Sie sind weitestgehend autonom und bedürfen keiner zentralen Steuerungsinstanz mehr. Jedes Funktionssystem agiert nach seiner teilsystemeigenen Logik und lässt sich durch andere Teilsysteme maximal irritieren, jedoch nicht durch direkten Eingriff steuern. Daneben ist die Moderne von einer ungeheuren Steigerungsdynamik, in Teilen sogar von einem systemimmanenten Wachstumszwang geprägt. Die auf ständiges Wachstum programmierte Wirtschaft erzeugt damit erhebliche ökologische und soziale Nebenfolgen. Unendliches Wachstum ist mit einer Welt mit endlichen materiellen Ressourcen auf Dauer nicht vereinbar. Bisherige Lösungsansätze wie „Grünes Wachstum“ – der Widerspruch liegt bereits in der Bezeichnung – verfehlen ihr Ziel. Wirkliche Lösungsansätze müssen daher die Funktionsweise der Moderne ins Zentrum der Analyse stellen, um Antworten auf das Steuerungsdilemma und den Wachstumszwang zu finden. Bezogen auf die Fragen der Nachhaltigkeit bedeutet dies das Finden von Steuerungsmechanismen, die es erlauben, die funktional ausdifferenzierten gesellschaftlichen Teilsysteme trotz ihrer Autonomie auf ein übergeordnetes Ziel hin zu koordinieren. Die Systemtheorie kennt dafür das Konzept der strukturellen Kopplung. In Form von Lenkpreisen oder Lenkungssteuern gelingt zum Beispiel die Kopplung der Funktionssysteme Politik und Wirtschaft. Die Multinationale Unternehmung als global agierendes und börsennotiertes Unternehmen kann in diesem Zusammenhang ein wichtiger Akteur bei der Vermittlung und Gestaltung von struktureller Kopplung verschiedener Funktionssysteme sein. Die Lösung des Steuerungsdilemmas reicht jedoch nicht aus, um ökologischen und sozialen Risiken entgegenzuwirken. Vielmehr muss eine absolute Entkopplung des Ressourcenverbrauchs vom Wirtschaftswachstum gelingen. Exnovation als Quelle für Innovation und Suffizienz als Leitmotiv bei der Gestaltung nachhaltiger Geschäftsmodelle gewinnen an Bedeutung. Die Arbeit zeigt, wie Suffizienz als Handlungsleitfaden für die Geschäftsmodellentwicklung für Multinationale Unternehmen gelingen kann, und stellt die Bedeutung der Digitalisierung als Ausgangspunkt der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in den Fokus.Die urbane Mobilitätswende als eine der zentralen Nachhaltigkeitsherausforderungen unserer Zeit bietet einen großen Möglichkeitsraum, um Suffizienz als Leitmotiv für die Geschäftsmodellentwicklung anzuwenden. Ausgehend von bereits bestehenden Ansätzen wie etwa der autofreien Innenstadt in Oslo, dient die urbane Mobilitätswende als Plattform für die Konzeption von Pricing-Modellen mit dem Ziel, die urbane Mobilitätswende voranzutreiben und finanzielle Möglichkeiten für den Modal Shift und den Ausbau des ÖPNV zu generieren. Dieser Ansatz wird am Beispiel der Stadt Wuppertal in Form einer Fallstudie konkretisiert. Als Stadt mit mehreren Zentren, einer reichen Historie als Wiege der deutschen Industrialisierung und mit der Ausrichtung der BUGA31 als Zukunftsperspektive ist Wuppertal ein passender Möglichkeitsraum zur konzeptionellen Erprobung neuer Gestaltungsansätze des urbanen Verkehrs, wie sie Road Pricing- und Innenstadtmautkonzepte repräsentieren. Diese werden auf Basis realistischer Verkehrsdaten in unterschiedlichen Modellen für vier Betrachtungsräumeentwickelt. Die Ergebnisse sind ein Indikator für das große ökonomische Potential, das Pricing-Modelle in ihrer Anwendung im Bereich der urbanen Mobilität haben. Der internationale Vergleich mit Italien zeigt, dass die Umsetzung großflächig gelingen kann. Eine kritische Betrachtung unterstreicht die Bedeutung von Suffizienz als Geschäftsmodell für die Gestaltung der Nachhaltigkeitstransformation, wie sie im Rahmen der urbanen Mobilitätswende erfolgt. Die Berücksichtigung und Einbindung aller beteiligten Interessensgruppen und eine schrittweise Erprobung der neuen Konzepte sind in diesem Zusammenhang elementare Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Umsetzung.
Abstract
Creating more with less, innovation through exnovation and sufficiency as a business model. What at first glance appears to be a juxtaposition of contradictions reveals itself, upon closer inspection, as a promising response to the dynamics of escalation and the coupling challenges characteristic of modern society. In doing so, the central research objective of this dissertation is already concisely articulated: the contribution of multinational corporations to addressing what is arguably the most urgent question of our time - the question of sustainability. This dissertation deliberately seeks to depart from conventional patterns of thought and established solution pathways. Following Schumpeter’s concept of creative destruction, previously dominant and institutionalized perspectives are critically discarded, and core concepts such as growth and sufficiency are reconsidered within new analytical contexts. The theoretical framework is provided by Niklas Luhmann’s systems theory, which serves as a lens for systematically identifying and analyzing the key problem constellations of modern society. One of the defining characteristics of modernity is its differentiation into functional subsystems. Individual functional systems - such as politics and the economy - create and maintain their operational capacities through self-organization and through changing relationships with their environment and with other functional systems. These systems are largely autonomous and no longer require a central steering authority. Each functional system operates according to its own subsystem-specific logic and may at most be irritated by other subsystems, but it cannot be directly controlled through external intervention. At the same time, modern society is characterized by an immense dynamic of escalation and, in parts, by a system-immanent imperative toward growth. An economy programmed for continuous expansion generates substantial ecological and social externalities. Unlimited economic growth is, in the long term, incompatible with a world of finite material resources. Existing approaches such as so-called “green growth” - the contradiction already embedded in the term - fail to provide a viable solution. Meaningful responses must therefore place the mode of operation of modern society at the center of analysis in order to address both the governance dilemma and the structural growth imperative. With regard to sustainability, this entails identifying governance mechanisms capable of coordinating functionally differentiated societal subsystems toward a higher-order objective, despite their autonomy. Systems theory offers the concept of structural coupling for this purpose. Instruments such as steering prices or regulatory taxes, for example, enable the coupling of the functional systems of politics and the economy. In this context, the multinational enterprise - as a globally operating and publicly listed organization - can play a pivotal role as an intermediary and shaper of structural couplings between different functional systems. However, resolving the governance dilemma alone is insufficient to counter ecological and social risks. Rather, achieving an absolute decoupling of resource consumption from economic growth is imperative. Exnovation as a source of innovation and sufficiency as a guiding principle in the design of sustainable business models are therefore gaining increasing relevance. This dissertation demonstrates how sufficiency can function as a guiding framework for business model development in multinational corporations and foregrounds the role of digitalization as a catalyst for the emergence of new business models. The urban mobility transition—one of the central sustainability challenges of our time—offers a particularly promising opportunity space for applying sufficiency as a guiding principle in business model design. Building on existing approaches, such as the car-free city center in Oslo, the urban mobility transition serves as a platform for the development of pricing models aimed at advancing sustainable urban mobility while simultaneously generating financial resources for modal shift initiatives and the expansion of public transport infrastructure. This approach is concretized through a case study of the city of Wuppertal. As a polycentric city with a rich history as a cradle of German industrialization and with the Federal Garden Show (BUGA 2031) as a future-oriented development perspective, Wuppertal provides a suitable opportunity space for the conceptual testing of new approaches to urban transport governance, as represented by road pricing and inner-city toll concepts. On the basis of realistic traffic data, different pricing models are developed for four spatial units of analysis. The results indicate the considerable economic potential of pricing models when applied to urban mobility systems. An international comparison with Italy demonstrates that large-scale implementation is feasible. A critical discussion underscores the relevance of sufficiency as a business model for shaping the sustainability transformation in the context of the urban mobility transition. In this regard, the consideration and integration of all relevant stakeholder groups, as well as the gradual piloting of new concepts, emerge as essential prerequisites for long-term successful implementation.
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