TY - THES AB - Körperlicher Distress bezeichnet das Spektrum anhaltender, beeinträchtigender körperlicher Symptome, die häufig im Zusammenhang mit maladaptiven psychischen Reaktionen auftreten. Körperlicher Distress dient als Oberbegriff für somatoforme Störungen, neuere diagnostische Klassifikationen, die psychobehaviorale Faktoren in den Fokus rücken, wie die somatische Belastungsstörung, aber auch für funktionelle somatische Syndrome, etwa das chronische Erschöpfungssyndrom (chronic fatigue syndrome, CFS), Reizdarmsyndrom und Fibromyalgie. Trotz der klinischen Relevanz ist die Evidenzbasis für psychotherapeutische Interventionen fragmentiert. Während die konventionelle kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kleine bis mittlere Effekte in der Behandlung körperlichen Distresses zeigte, werden neuere Variationen kognitiv-behavioraler Interventionen, die auf Akzeptanz und Achtsamkeit basieren – so genannte „dritte Welle“-Verfahren – vermehrt als wirksam bei der Behandlung dieses Störungsbereichs gehandelt. Es fehlen jedoch umfassende Evidenzsynthesen in diesem Forschungsfeld, insbesondere zu relativen Effekten zwischen den Ansätzen. Diese Dissertation untersucht Wirksamkeit und Akzeptanz konventioneller KVT und Verfahren der „dritten Welle“ bei Erwachsenen mit körperlichem Distress. Unter Verwendung paarweiser und Netzwerk-meta-analytischer Methoden werden die Ergebnisse randomisierter kontrollierter Studien zum Subsyndrom CFS und zum gesamten Spektrum körperlichen Distresses zusammengefasst.Studie 1 evaluiert den Einsatz von KVT bei CFS mithilfe meta-analytischer Evidenzsynthesen basierend auf 15 Studien mit 2015 Teilnehmenden und bestätigt die absolute Wirksamkeit von KVT in der Reduktion von Erschöpfungssymptomatik und komorbider Psychopathologie im Vergleich zu Kontrollgruppen; bei gleichzeitig hoher Behandlungsakzeptanz, die sich in niedrigen Raten von Behandlungsverweigerung und vorzeitigem Abbruch in den Behandlungsgruppen widerspiegelt. Studie 2 untersucht achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Therapien bei Erwachsenen mit körperlichem Distress. Die Meta-Analyse (16 Studien, 1288 Teilnehmende) zeigt, dass diese „dritte Welle“-Verfahren den Schweregrad somatischer Symptome signifikant reduzieren und sekundäre Outcomes wie Angst, Depression, der wahrgenommene Gesundheitsstatus, Achtsamkeit und Akzeptanz von Schmerzen im Vergleich zu Kontrollbedingungen verbessern. In Studie 3 wird eine Netzwerk-Metaanalyse durchgeführt, um KVT und „dritte Welle“-Verfahren bei körperlichem Distress zu vergleichen. Die Ergebnisse basieren auf einer großen Datenbasis von 74 Studien (mit 8277 Teilnehmenden) und deuten auf eine vergleichbare Wirksamkeit bei der Reduktion somatischer Symptome hin, wobei die „dritte Welle“-Verfahren zusätzliche Vorteile bei der Reduktion von Angst und Depression aufweisen. Insgesamt ist es auf Basis dieser Ergebnisse gerechtfertigt, KVT als gesichert wirksam zu bewerten, insbesondere für CFS, ausgezeichnet durch eine hohe Therapieadhärenz und nachhaltige Effekte. Zudem stützen die Ergebnisse die Behandlungen der „dritten Welle“ als vielversprechende Alternativen zur konventionellen CBT in der Behandlung körperlichen Distresses und verwandten Störungen. Die Dissertation unterstreicht auch den methodischen Nutzen der meta-analytischen Evidenzsynthese und der Netzwerk-Meta-Analyse, um Forschungslücken mithilfe indirekter Behandlungsvergleiche zu schließen. Trotz vielversprechender Ergebnisse weisen Limitationen wie die Heterogenität zwischen den Studien und die begrenzte Datenlage zu Langzeiteffekten auf die Notwendigkeit weiterer direkter Vergleiche und der Erforschung von Moderatoren und Mechanismen der Behandlung hin. Diese Ergebnisse unterstützen die Aufnahme kognitiv-behavioraler Interventionen in Behandlungsleitlinien und zeigen gleichzeitig auf, dass die Patientenversorgung noch Optimierung bedarf. AU - Maas genannt Bermpohl, Frederic CY - Wuppertal DA - 2025 DO - 10.25926/BUW/0-1027 DP - Bergische Universität Wuppertal KW - Anhaltende Körperbeschwerden KW - Somatoforme Störung KW - Somatische Belastungsstörung KW - Psychologische Behandlungen KW - Psychotherapie KW - Behandlungsevaluation KW - Metaanalyse KW - Persistent physical symptoms KW - Somatoform disorder KW - Somatic symptom disorder KW - Psychological treatments KW - Psychotherapy KW - Treatment evaluation KW - Meta-analysis LA - eng N1 - Bergische Universität Wuppertal, Dissertation, 2026 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - Oktober 2025 SP - 1 Online-Ressource (VII, 396 Seiten) T2 - Psychologie TI - Efficacy of cognitive behavioral interventions in somatic symptom disorder and related disorders: meta-analytic evidence synthesis UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:468-2-7130 Y2 - 2026-06-18T10:46:02 ER -