TY - THES AB - Als Antwort auf Katastrophen oder soziale Krisen zeigt sich häufig eine hohe Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Freiwillige außerhalb von etablierten Einsatzorganisationen unterstützen die Betroffenen ohne große Vorplanung solidarisch bei der Lagebewältigung. Diese Spontanhelfenden setzen sich zum Wohle der Gemeinschaft allerdings auch offensichtlichen und latenten Gefährdungen für ihre Sicherheit und Gesundheit aus, unter anderem aufgrund von mangelnden Informationen über vorhandene Gefährdungen oder fehlender Ausrüstung. Dies wird in der Literatur als besondere Herausforderung betont. Damit einhergehend befürchten Einsatzorganisationen bei der Zusammenarbeit mit Spontanhelfenden rechtliche Unsicherheiten, wodurch diese gehemmt wird. Trotz dieser Erkenntnis fehlen umfangreiche Studien zur Sicherheit von Spontanhelfenden. Probleme werden meist kursorisch ohne Analyse potenzieller Einflussfaktoren skizziert sowie mögliche Schutzmaßnahmen nur anekdotisch, aber nicht aufeinander abgestimmt betrachtet. Ziel dieser Arbeit ist daher ein detaillierter Erkenntnisgewinn ihres Arbeits- und Gesundheitsschutzes und die Ableitung eines geeigneten Präventionskonzepts auf Basis einer Feldstudie zur Spontanhilfe nach dem Sturmtief „Bernd“ 2021. Das Ereignis führte durch starkregeninduzierte Sturzfluten besonders im Westen Deutschlands zu immensen Personenschäden sowie Schäden an Gebäuden und Infrastruktur, bei deren Bewältigung eine große Anzahl an Spontanhelfenden partizipierte. Eine systematische Literaturrecherche gab zunächst Einblicke in bereits verwendete oder entwickelte Gestaltungselemente. Dabei zeigte sich besonders die Relevanz einer adäquaten Wissensvermittlung und Koordination von Spontanhelfenden. Bei deren Ausgestaltung ist die Literatur jedoch von verschiedenen Perspektiven und Kontextualisierungen geprägt. Durch eine anschließende methodisch triangulierte Feldstudie wurden Herausforderungen, Einflussfaktoren sowie Verbesserungspotenziale und implementierte Gestaltungselemente im Hinblick auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz von Spontanhelfenden bei der Bewältigung des Starkregereignisses 2021 in Deutschland eruiert. Hierfür erfolgten eine Analyse von Unfallstatistiken, Beobachtungen im digitalen und physischen Raum, eine Umfrage unter Spontanhelfenden und Interviews mit Personen, die teilweise mehrere Tausend Freiwillige durch verschiedene Angebote koordinierten. Die Freiwilligen führten verschiedenste Tätigkeiten aus, insbesondere im Rahmen von Aufräumarbeiten, Abbruch- und Stemmtätigkeiten sowie der Spendenkoordination. Sie informierten sich vor allem über soziale Medien, insbesondere Facebook, oder durch private Gespräche über die Hilfsmöglichkeiten und halfen mehrere Tage, Wochen oder Monate. Zur Koordination bildeten sich unterschiedliche Organisationsformen, von Facebook-Gruppen und digitalen Plattformen zur Selbstorganisation über emergente Anlaufstellen mit Shuttle-Service bis hin zu erweiterten Angeboten bestehender Organisationen. Vereinzelt fand auch eine Einbindung in Strukturen der Einsatzorganisationen statt. Herausforderungen ergaben sich insbesondere durch unzureichende Kommunikation sowie anfangs fehlende Koordination und Arbeitsmittel, inklusive persönlicher Schutzausstattung. Sie wurden zudem durch die hohe Gefährdungslage verstärkt, unter anderem durch den mit Gefahr- und Biostoffen kontaminierten und mechanische Verletzungen begünstigenden Schlamm, die beschädigte Infrastruktur und die physisch sowie psychisch belastenden Tätigkeiten. Darüber hinaus begaben sich einige Freiwillige unbedacht ins Schadensgebiet und ihre Risikobereitschaft stieg aufgrund der erlebten Not der Betroffenen. Mehr als 900 Unfälle von Not- bzw. Spontanhelfenden – knapp ein Drittel davon mit mehr als drei und bis zu 518 Tagen Arbeitsunfähigkeit – wurden den Unfallkassen RLP und NRW gemeldet und im Rahmen dieser Arbeit analysiert. Hinzu kamen eine Vielzahl kleinerer, nicht dokumentierter Verletzungen sowie latente Folgen durch die erlebten psychischen Belastungen. Die Helfenden, insbesondere Koordinierende, entwickelten allerdings auch wirkungsvolle Gestaltungselemente zur Begegnung dieser Gefährdungen, die erfolgreich von anderen Freiwilligen angenommen wurden. Dazu zählten Koordinierungs- und lokale Anlaufstellen mit präventiven sowie reaktiven Schutzmaßnahmen und digitale Sammlungen sicherheitsrelevanter Verhaltensweisen. Zur Synthese der eruierten Erkenntnisse wurde ein zweiphasiges Präventionskonzept entwickelt, das an verschiedene Organisationsformen der Spontanhilfe sowie lokal bedingte Verhältnisse adaptiert werden kann. In der ersten Phase des Konzepts liegt der Fokus auf einer guten Vorplanung und Vernetzung mit der Bevölkerung. Ergänzend stellt die zweite Phase Handlungsmöglichkeiten in der Lagebewältigung dar, die auch ohne Vorplanung kurzfristig umgesetzt werden können. Akteure für die Vorplanung sind vor allem Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und von ihnen berufene Mittlerorganisationen. Aber auch Unfallversicherungsträger können die Wissensvermittlung fördern und bei dem Aufbau einer sicherheitsgerechten, unterstützenden Koordination mitwirken. Die zweite Phase des Präventionskonzepts ist zusätzlich für emergente Koordinierungsangebote ausgelegt. Außerdem wurden anhand der Ergebnisse acht verschiedene Unfall- bzw. Entwicklungsphasen der Spontanhilfe identifiziert, deren Gültigkeit in zukünftigen Lagen zu überprüfen ist. Unter Berücksichtigung der erfassten Erkenntnisse und Implementierung des Präventionskonzepts ist eine Verminderung von Personenschäden bei Spontanhelfenden in zukünftigen Schadensereignissen zu erwarten. AU - Bier, Marina CY - Wuppertal DO - 10.25926/BUW/0-930 DP - Bergische Universität Wuppertal KW - Spontanhelfende KW - Sicherheit KW - Arbeitsschutz KW - Gesundheitsschutz KW - Bevölkerungsschutz KW - Starkregenereignis KW - Präventionskonzept KW - Sturmtief Bernd KW - Feldstudie KW - Katastrophenbewältigung KW - Katastrophenschutz KW - Koordination von Freiwilligen KW - Gefährdungsexposition KW - Persönliche Schutzausrüstung KW - Unfallprävention KW - Unfallstatistik KW - Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement KW - Koordinierungsstelle KW - Ahrtal KW - Sturzfluten KW - Hochwasser KW - Belastungen KW - Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben KW - Unfallversicherung KW - Vorplanung KW - Spontaneous volunteers KW - Safety KW - Occupational health and safety KW - Civil protection KW - Extreme rainfall event KW - Prevention concept KW - Low-pressure system Bernd KW - Field study KW - Disaster response KW - Disaster relief KW - Volunteer coordination KW - Risk exposure KW - Personal protective equipment KW - Accident prevention KW - accident statistic KW - Health and safety management KW - volunteer reception center KW - Ahr valley KW - physical and psychological strain KW - flood KW - pre-planning KW - Disaster risk preparedness LA - ger N1 - Bergische Universität Wuppertal, Dissertation, 2025 PB - Veröffentlichungen der Universität PY - 2025 SP - 1 Online-Ressource (XIX, 374 Seiten) : Illustrationen T2 - Sicherheitstechnik TI - Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Spontanhelfenden: Ableitung eines Präventionskonzepts auf Basis einer Feldstudie zum Starkregenereignis 2021 UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:468-2-6510 Y2 - 2026-02-05T00:46:38 ER -