Titelaufnahme
Titelaufnahme
- TitelArbeitszeit in Deutschland : Herausbildung und Entwicklung industrieller Arbeitszeiten von der frühen Industrialisierung bis zum Kampf um die 35 Stunden-Woche / vorgelegt von Eberhard K. Seifert
- Verfasser
- Gutachter
- Erschienen
- Umfang1 Online-Ressource (936 Seiten) : Diagramme
- HochschulschriftBergische Universität Wuppertal, Dissertation, 1985
- Verteidigung1985-11-28
- SpracheDeutsch
- DokumenttypDissertation
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Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung der Arbeitszeitentwicklung in Deutschland - ausgehend von der sog. Protoindustrialisierung bis zu den Arbeitskämpfen 1984 um den Einstieg in die 35-Stunden-Woche - gliedert sich in 3 Haupteile: Im 1. Hauptteil wird zunächst der Prozess der Herausbildung des modernen Zielbewusstseins und dem folgender 'industrieförmiger' Zeitstrukturen untersucht . Damit soll einem in vorgängigen Studien zu industriellen Arbeitszeiten zumeist zu kurz greifenden Verständnis von 'Industrialisierung' sowie dem daraus folgenden 'ex-ovo'-Ansatz von industriellen Arbeitszeiten begegnet werden . Mit Blick auf den langwierigen, vom Mittelalter über die Renaissance in die 'Proto-Industrialisierung' hineinwirkenden Entwicklungsprozess, können über Arbeitszeiten verständlicherweise für diese Vorgeschichte nur Aussagen qualitativer Natur getroffen werden, denn statistische im modernen Sinne fehlen völlig; dem Forschungsstand entsprechend beruhen entsprechende 'Daten' eher auf approximativen Annäherungen und Schätzungen für frühere Arbeitsbedingungen . Eine offizielle Arbeitszeitstatistik setzte hingegen - zumal wegen politischer Widerstände gegen den Aufbau einer 'Arbeiter-Statistik' im Deutschen Reich - erst sehr spät ein. Auf die damit beginnende und trotz zu würdigender Fortschritte bis heute wirkende Tradition des 'Elends' einer angemessenen Sozial- und Arbeitszeitstatistik geht der 2 . Abschnitt ein und skizziert somit den leitmotivischen Hintergrund vorliegender Untersuchung: eine methoden-kritische Überprüfung der uns geschichtlich, aber auch gegenwärtig zur Verfügung stehen Arbeitszeitdaten. So naheliegend eine solche Herangehensweise erscheinen muss, so kann doch andererseits konstatiert werden, dass sie bislang fehlte , wenn man einmal von speziellen - in der Arbeit genannten - Ausnahmen absieht. Der 2. Hauptteil rekonstruiert mittels dieser methodenkritisch geschärften Sicht die relevanten Primär- und teilweise auch Sekundärquellen zur Arbeitszeitentwicklung seit den frühen Industrialisierungsprozessen bis zum Ende des 2. Weltkrieges . Dabei werden die wesentlichen Etappen der Auseinandersetzungen um Arbeitszeitverkürzungen zum einen auf dem Hintergrund wirtschafts- und sozialpolitischer Entwicklungen untersucht; zum anderen werden insbesondere auch die Fortschritte sowie Versäumnisse in der Ausgestaltung einer sozialstatistisch adäquaten Arbeitszeiterfassung diskutiert , deren Validität hier wohl erstmals zum durchgängig angesetzten Prüfstein der Aussagekraft quantitativer Daten zur von Abbildung Arbeitszeitrealitäten in die Betrachtung mit einbezogen wird . Während die Phasen bis zur Weimarer Republik hinsichtlich des zur Verfügung stehenden Materials noch als vergleichsweise gut untersucht gelten dürfen, stellt vorliegende Untersuchung u. W. wohl den ersten Ansatz zur Untersuchung der Arbeitszeitentwicklung unter nationalsozialistischer Herrschaft dar. Der bislang noch nirgendwo aufgearbeitete arbeitszeitstatistische Methodenstreit zwischen der 'Deutschen Arbeitsfront (DAF)' und der amtlichen Statistik hatte damals nicht nur 'akademischen' Wert, sondern infolgedessen führte die DAF fortlaufend eigenständige arbeitszeitstatistische Erhebungen durch. Mittels dieser erhebungsmethodisch anders (im Gegensatz zu der amtlichen 'Summenmethode' verwendete die DAF die 'Individualmethode') konzipierten Erhebungsinstrumente und der daraus resultierenden Daten lässt sich nun¬ mehr die noch immer zumeist vertretene Auffassung einer gleichsam 'normalen' Arbeitszeitentwicklung im 3. Reich konterkarieren und ein z. T. gravierendes Ansteigen von Arbeitszeiten für bestimmte Arbeitnehmer (-Gruppen) belegen . Der 3. Hauptteil umfasst den in der Literatur bis dato interessanterweise am wenigsten durchgängig und systematisch erforschten Entwicklungsprozess seit 1945; daher und aufgrund eingehender, z. T. sehr detaillierter methodenkritischer Evaluationen der verschiedenen Reformphasen der amtlichen (Arbeitszeit-) Statistik in der Bundesrepublik , stellt dieser Teil zugleich der umfangreichste innerhalb der Arbeit dar . Die verfügbaren Arbeitszeitdaten werden wiederum auf dem Hintergrund wirtschafts- und sozialpolitischer Entwicklungen seit dem 'Wiederaufbau', den Wirtschaftswunderjahren sowie den späteren krisenhaften Erscheinungen insbesondere auf den Arbeitsmärkten rekonstruiert . Hauptstationen der Reformen zur amtlichen Statistik werden in der Weise gewürdigt, dass trotz einiger Modifikationen und Neuerungen wesentliche sozialpolitische Ansprüche an eine Arbeitszeitstatistik unbefriedigt geblieben sind. Dieses mitunter selbst von semistaatlichen Institutionen - wie dem IAB - konstatierte Faktum wird hier in die Tradition des politisch bedingten 'Elends' der deutschen Sozialstatistik (s. l. Hauptteil) gestellt . In Konkretisierung der systematischen Evaluationen (methodisch und datenorientiert) des Systems der bundesrepublikanischen Arbeitszeitstatistik wird diese These an dem 'arbeitsmarktpolitischen Skandalen': der Mehrarbeitsproblematik belegt. Neben anderen Komponenten des Arbeitsvolumens wird insbesondere der Mehrarbeit eine maßgebende Rolle für die Tendenzen zur 'abnehmenden Verbindlichkeit tarifvertraglicher Regelungen' beigemessen . Den Abschluss dieses Hauptteils bildet eine Auswertung der Tarifkämpfe 1984 um die 35-Std. Woche bzw. die betriebsbezogenen Flexibilisierungskonzeptionen der Arbeitgeber sowie eine Zusammenfassung der Hauptergebnisse im Hinblick auf diese historisch neuartige Konfliktlinie und die daraus erwachsenden, weiteren Anforderungen an die Arbeitszeitstatistik . Umrahmt werden die Hauptteile zum einen von einer Einleitung zum Forschungskontext und Forschungsstand samt einem erst¬ en Überblick zu den forschungsleitenden Fragen einer Geschichtsschreibung des neuzeitlichen 'Arbeits-Freizeit'-Verhältnisses . Zum anderen von einer Schlussbemerkung, die in Aufnahme der einleitend angesprochenen Diskussion zum mutmaßlichen 'Ende der Arbeitsgesellschaft' nunmehr ein 'Ende des starren (Normalarbeits-) Zeit-Regimes' für die Suche nach neuen Zeitstrukturen postindustrieller Gesellschaften thematisiert .
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