<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Franz Böhm an Windelband, Karlsruhe, 27.3.1909, 8 S., hs., Briefkopf: Ministerium | der | Justiz, des Kultus und des Unterrichts | Karlsruhe, den … 190, UA Heidelberg, HAW 1</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000546-2"/><style type="text/css">
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Das Schreiben Böhms steht im Kontext der Heidelberger Planungen, eine Akademie der Wissenschaften zu gründen.">[1]</a>!</p><p class="ED-p">Die Ministerialakten über den Plan der Gründung einer gelehrten Gesellschaft in Heidelberg sind sehr dürftig und lückenhaft. Die Angelegenheit ist im wesentlichen mündlich verhandelt worden. In Gesprächen des Großherzogs mit Heidelberger Professoren während der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Jubiläumstage 1886 ] 1886 hatte die Universität Heidelberg ihr 500jähriges Bestehen gefeiert.&#xD;&#xA;">Jubiläumstage 1886</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Jubiläumstage 1886 ] 1886 hatte die Universität Heidelberg ihr 500jähriges Bestehen gefeiert.">[2]</a> ist der Gedanke erstmals ernstlich erörtert worden. Herr Geheimrat Professor <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Kühne ] Wilhelm Kühne (1837–1900), Mediziner und Physiologe, 1868 o. Prof. für Physiologie in Amsterdam, 1871 in Heidelberg (NDB).&#xD;&#xA;">Kühne</span></span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Kühne ] Wilhelm Kühne (1837–1900), Mediziner und Physiologe, 1868 o. Prof. für Physiologie in Amsterdam, 1871 in Heidelberg (NDB).">[3]</a> war der Vorkämpfer; er hat dem Großherzog den Plan unterbreitet, eine <span class="ED-pb">|</span> wissenschaftliche Gesellschaft nach dem Vorbilde der wissenschaftlichen Societät in Göttingen zu gründen. Herr Staatsminister <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> <span class="ED-name">Nokk</span> hat darüber im Auftrage des Großherzogs Erkundigungen eingezogen und besonders noch Herrn Geheimrat Professor <span class="ED-name">Fischer</span> um seine Ansicht gefragt. Die Antwort desselben vom 6 November 1887 hat dem Projekte ein rasches Ende bereitet. Nach einigen freundlichen Worten über die Allerhöchste Anregung schreibt er:</p><p class="ED-p">„Um nun die Wirksamkeit und das Ansehen der Universität durch die Gründung einer wissenschaftlichen <span class="ED-pb">|</span> Zeitschrift und Gesellschaft und auf diesem Wege die großgestimmten Absichten Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs zu erfüllen: dazu ist, da es sich doch um ein gedeihliches Zusammenwirken handelt, vonseiten der Universität vor allem das bereitwilligste Entgegenkommen, das Bedürfniß zur Vereinigung der wissenschaftlichen Interessen und Arbeiten und ein guter akademischer Gemeingeist notwendig.</p><p class="ED-p">Euere Excellenz wissen, wie getheilt die wissenschaftliche Arbeit unserer Tage ist und sein muß, wie es der heutige Zustand der Wissenschaften mit sich gebracht hat, daß ihre Fragen und <span class="ED-pb">|</span> Fächer sich immer mehr und mehr specificieren. Die Mittheilung der gelehrten Forschung geschieht in <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Fachjournalen ] unterstrichen&#xD;&#xA;">Fachjournalen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Fachjournalen ] unterstrichen">[a]</a>, neben welchen eine Universitätszeitschrift zwar recht wohl existieren und sich auch nützlich erweisen aber keine glänzende Wirksamkeit entfalten kann. Die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Heidelberger Jahrbücher ] 1808–1872&#xD;&#xA;">Heidelberger Jahrbücher</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Heidelberger Jahrbücher ] 1808–1872">[4]</a> haben ihre Zeit gehabt und sind untergegangen, die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Göttinger gelehrten Nachrichten ] (Anzeigen), seit 1739&#xD;&#xA;">Göttinger gelehrten Nachrichten</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Göttinger gelehrten Nachrichten ] (Anzeigen), seit 1739">[5]</a> haben auch aufgehört eine Berühmtheit zu sein, sie fristen ein ehrwürdiges aber kein leuchtendes Dasein. Es ist die Frage, ob die Gründung etwa neuer Heidelberger Jahrbücher durch ihren Erfolge <span class="ED-pb">|</span> den Aufwand der Kosten und Mühen lohnen wird.</p><p class="ED-p">Ich setze die Tüchtigkeit und die Eintracht der akademischen Kräfte für das neue Unternehmen voraus, das ohne diese Grundbedingungen nicht auszuführen wäre; ich bin bei meinem ganz zurückgezogenen, auf meine lehramtliche und schriftstellerische Tätigkeit eingeschränkten Leben nicht wohl im Stande zu beurteilen, wie sich der hiesige akademische Gemeingeist einer solchen Aufgabe gegenüber verhalten wird. Frühere Erfahrungen <span class="ED-pb">|</span> lehren mich manche Schwierigkeiten befürchten.</p><p class="ED-p">Es giebt Hemmungen, die in den Schicksalen liegen, mit welchen nach dem Sprichwort die Götter vergebens kämpfen. Solche Hemmungen haben die neueren Zeitverhältnisse auch uns gebracht: ich meine die kleineren nicht preußischen Universitäten. Umso energischer müssen sich die <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Lehrkräfte ] unterstrichen&#xD;&#xA;">Lehrkräfte</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Lehrkräfte ] unterstrichen">[b]</a> aufraffen, um der Unzucht der Verhältnisse Widerstand zu leisten. Als die Universität Berlin gegründet wurde, sagte der damalige Kultusminister W<span class="ED-add">[ilhelm]</span> v<span class="ED-add">[on]</span> <span class="ED-name">Humboldt</span>: <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="„Für … wird.“ ] Wilhelm von Humboldt in einem Schreiben an Johann Gottlieb Fichte, vgl. z. B. Kuno Fischer: Fichtes Leben, Werke und Lehre. 3., durchgearbeitete Aufl. Heidelberg: C.Winter 1900 (Geschichte der neuern Philosophie Bd. 6), S. 204.&#xD;&#xA;">„Für die Universität ist es genug, </span><span class="ED-pb"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="„Für … wird.“ ] Wilhelm von Humboldt in einem Schreiben an Johann Gottlieb Fichte, vgl. z. B. Kuno Fischer: Fichtes Leben, Werke und Lehre. 3., durchgearbeitete Aufl. Heidelberg: C.Winter 1900 (Geschichte der neuern Philosophie Bd. 6), S. 204.&#xD;&#xA;">|</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="„Für … wird.“ ] Wilhelm von Humboldt in einem Schreiben an Johann Gottlieb Fichte, vgl. z. B. Kuno Fischer: Fichtes Leben, Werke und Lehre. 3., durchgearbeitete Aufl. Heidelberg: C.Winter 1900 (Geschichte der neuern Philosophie Bd. 6), S. 204.&#xD;&#xA;"> wenn jede Wissenschaft vom besten Professor vorgetragen wird.“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="„Für … wird.“ ] Wilhelm von Humboldt in einem Schreiben an Johann Gottlieb Fichte, vgl. z. B. Kuno Fischer: Fichtes Leben, Werke und Lehre. 3., durchgearbeitete Aufl. Heidelberg: C.Winter 1900 (Geschichte der neuern Philosophie Bd. 6), S. 204.">[6]</a> Und die Geschichte unsere Universität unter der vorigen Regierung der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="Zähringer ] Beinahme des Badischen Herrscherhauses&#xD;&#xA;">Zähringer</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="Zähringer ] Beinahme des Badischen Herrscherhauses">[7]</a> bezeugt die Richtigkeit dieses Wortes.“</p><p class="ED-p">Diese kalte Dusche und der Mangel an Geld haben damals dem schönen Plane ein rasches Ende bereitet. Hoffen wir, daß der neue Plan, gegründet auf eine sichere finanzielle Grundlage und getragen von dem erfreulicherweise zur Zeit vorhandenen akademischen Gemeingeiste, recht bald schöne Wirklichkeit wird. Ich sehe mit Spannung Ihren weiteren <span class="ED-pb">|</span> Nachrichten entgegen.</p><p class="ED-p">In bekannter Verehrung Eurer Magnifizenz ergebenster</p><p class="ED-signed">Böhm</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Fachjournalen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Lehrkräfte</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Prorektor</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Windelbands Amt im akademischen Jahr 1909/10. Das Schreiben Böhms steht im Kontext der Heidelberger Planungen, eine Akademie der Wissenschaften zu gründen.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Jubiläumstage 1886</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>1886 hatte die Universität Heidelberg ihr 500jähriges Bestehen gefeiert.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Kühne</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Wilhelm Kühne</span> (1837–1900), Mediziner und Physiologe, 1868 <abbr title="ordentlicher Professor" class="ED-abbr">o. Prof.</abbr> für Physiologie in Amsterdam, 1871 in Heidelberg (<abbr title="Neue Deutsche Biographie" class="ED-abbr">NDB</abbr>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Heidelberger Jahrbücher</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>1808–1872</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Göttinger gelehrten Nachrichten</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>(Anzeigen), seit 1739</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">„Für … wird.“</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> <span class="ED-name">Wilhelm von Humboldt</span> in einem Schreiben an <span class="ED-name">Johann Gottlieb Fichte</span>, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> Kuno Fischer: Fichtes Leben, Werke und Lehre. 3., durchgearbeitete <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> Heidelberg: C.Winter 1900 (Geschichte der neuern Philosophie <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 6), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 204.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Zähringer</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Beinahme des Badischen Herrscherhauses</div></div></body></html>