<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Friedrich Meinecke, Heidelberg, 16.6.1907, 4 S., hs. (lat. Schrift), Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, VI. HA Nl Friedrich Meinecke Nr. 53, Brief 281</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000489-0"/><style type="text/css">
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Windelband an Meinecke vom 12.6.1907.&#xD;&#xA;">Enttäuschung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Enttäuschung ] der Nichtberufung nach Heidelberg, vgl. Windelband an Meinecke vom 12.6.1907.">[1]</a>: denn der Mensch hofft doch schliesslich, solange es irgend angeht, und so habe ichs auch getan. ich konnte mir noch immer nicht vorstellen, dass Bedenken, die mir im letzten Grunde ungerechtfertigt erscheinen, über die grossen Interessen siegen würden, die in dieser Sache <abbr title="meines Erachtens" class="ED-abbr">m. E.</abbr> für Freiburg ebenso wie für Heidelberg und für den badischen Staat auf dem Spiele standen. ich fürchte, dass die Regierung ihren Entschluss sehr bald zu bereuen haben wird und dass daraus nach mehr als einer Richtung nicht wieder einzubringende Schäden erwachsen werden. Und ich beklage besonders die allgemeinen Zustände, auf die doch in letzter Instanz diese Entscheidung <span class="ED-pb">|</span> zurückzuführen ist, welche an keiner Stelle befriedigen und überall einen Stachel zurücklassen wird. Diese allgemeinen Erwägungen werden für mich dadurch verschärft, dass ich persönlich dabei eine der wertvollsten Hoffnungen begraben muss: ich brauche Ihnen nicht zu wiederholen, wie lieb mir die Aussicht war, mit Ihnen wieder in die Gemeinschaft der Tätigkeit und in den förderlichen Verkehr zu treten, die zu meinen besten <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Strassburger Erinnerungen ] Windelband und Meinecke waren 1901–03 Kollegen an der Universität Straßburg gewesen.&#xD;&#xA;">Strassburger Erinnerungen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Strassburger Erinnerungen ] Windelband und Meinecke waren 1901–03 Kollegen an der Universität Straßburg gewesen.">[2]</a> gehören. Und ich darf hinzufügen, wie lebhaft auch meine Frau bedauert, auf die Erneuerung des freundlichen Verhältnisses zu <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="der Ihrigen ] Antonie Meinecke, geb. Delhaes (1875–1971, NDB).&#xD;&#xA;">der Ihrigen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="der Ihrigen ] Antonie Meinecke, geb. Delhaes (1875–1971, NDB).">[3]</a> verzichten zu sollen.</p><p class="ED-p">Das Alles müssen wir nun wie einen schönen Traum vergessen. Wir hier werden versuchen, uns <span class="ED-pb">|</span> im Fortgang des alltäglichen Lebens mit <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Ihrem Ersatz ] Nachfolger von Erich Marcks in Heidelberg wurde Hermann Oncken (1869–1945), 1898 in Berlin habilitiert, 1905/06 Austauschprofessor in Chicago, 1906 o. Prof. für mittlere und neuere Geschichte in Gießen, 1907 in Heidelberg. 1915–18 nationalliberaler Abgeordneter des badischen Landtages. 1923 o. Prof. in München, 1928 in Berlin, 1935 emeritiert (NDB).&#xD;&#xA;">Ihrem Ersatz</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Ihrem Ersatz ] Nachfolger von Erich Marcks in Heidelberg wurde Hermann Oncken (1869–1945), 1898 in Berlin habilitiert, 1905/06 Austauschprofessor in Chicago, 1906 o. Prof. für mittlere und neuere Geschichte in Gießen, 1907 in Heidelberg. 1915–18 nationalliberaler Abgeordneter des badischen Landtages. 1923 o. Prof. in München, 1928 in Berlin, 1935 emeritiert (NDB).">[4]</a> zu begnügen: am meisten bedaure ich für Sie selbst, dass Ihnen ein Stück von Freudigkeit an Ihrer Freiburger Tätigkeit geraubt sein wird und dass vielleicht sogar vorübergehend für Sie etwas Peinliches daraus erwachsen wird, wenn, wie es in unsern kleinen Verhältnissen wohl kaum vermeidlich ist, doch etwas von der Bereitwilligkeit durchsickert, die Sie unserm Wunsche zu unsrer grossen Freude und Genugtuung entgegenbrachten. Da bleibt denn wirklich kein andrer Trost, als der, von dem Ihr Brief spricht: die freie Gemeinsamkeit des wissenschaftlichen Lebens. Wir haben hier einen schönen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Kreis ] gemeint ist vermutlich (auch) der unter dem Namen Eranos zusammentreffende religionswissenschaftlich orientierte private Kreis Heidelberger Gelehrter unter Ausschluß der Damen (vgl. Marie Luise Gothein: Eberhard Gothein. Ein Lebensbild seinen Briefen nacherzählt. Stuttgart 1931, S. 151), darunter Adolf Deißmann, Max Weber, Ernst Troeltsch, Hans von Schubert, Georg Jellinek, Windelband, Albrecht Dieterich, Erwin Rohde, Alfred von Domaszewski, Carl Neumann, Eberhard Gothein (M. Rainer Lepsius: Der Eranos-Kreis Heidelberger Gelehrter 1904–1908. Ein Stück Heidelberger Wissenschaftsgeschichte anhand der neu aufgefundenen Protokollbücher des Eranos. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1983. Heidelberg: Carl Winter 1984, S. 46–48; Michael Maurer: Eberhard Gothein (1853–1923). Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2007, S. 223 ff.; Hubert Treiber: Zwischen ‚Dichtung‘ und ‚Wahrheit‘. Max Weber und das Heidelberger Gelehrtenkränzchen „Eranos“ (1904–1908/09). In: Achenbach/Arneth (Hg.): „Gerechtigkeit und Recht zu üben“ (Gen 18,19). Festschrift für Eckart Otto. Wiesbaden: Harassowitz 2009, S. 458–493; ders.: Der „Eranos“ – Das Glanzstück im Heidelberger Mythenkranz? In: Schluchter/Graf (Hg.): Asketischer Protestantismus und der ‚Geist‘ des modernen Kapitalismus. Tübingen: Mohr Siebeck 2005, S. 75–153).&#xD;&#xA;">Kreis</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Kreis ] gemeint ist vermutlich (auch) der unter dem Namen Eranos zusammentreffende religionswissenschaftlich orientierte private Kreis Heidelberger Gelehrter unter Ausschluß der Damen (vgl. Marie Luise Gothein: Eberhard Gothein. Ein Lebensbild seinen Briefen nacherzählt. Stuttgart 1931, S. 151), darunter Adolf Deißmann, Max Weber, Ernst Troeltsch, Hans von Schubert, Georg Jellinek, Windelband, Albrecht Dieterich, Erwin Rohde, Alfred von Domaszewski, Carl Neumann, Eberhard Gothein (M. Rainer Lepsius: Der Eranos-Kreis Heidelberger Gelehrter 1904–1908. Ein Stück Heidelberger Wissenschaftsgeschichte anhand der neu aufgefundenen Protokollbücher des Eranos. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1983. Heidelberg: Carl Winter 1984, S. 46–48; Michael Maurer: Eberhard Gothein (1853–1923). Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2007, S. 223 ff.; Hubert Treiber: Zwischen ‚Dichtung‘ und ‚Wahrheit‘. Max Weber und das Heidelberger Gelehrtenkränzchen „Eranos“ (1904–1908/09). In: Achenbach/Arneth (Hg.): „Gerechtigkeit und Recht zu üben“ (Gen 18,19). Festschrift für Eckart Otto. Wiesbaden: Harassowitz 2009, S. 458–493; ders.: Der „Eranos“ – Das Glanzstück im Heidelberger Mythenkranz? In: Schluchter/Graf (Hg.): Asketischer Protestantismus und der ‚Geist‘ des modernen Kapitalismus. Tübingen: Mohr Siebeck 2005, S. 75–153).">[5]</a> von lebhafter Bewegtheit, in ihm ist die Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts ein gern gepflegtes Interesse, und er durfte von Ihnen die besten Anregungen erwarten. Ihm <span class="ED-pb">|</span> gehören Sie geistig an, auch wenn uns die nahe und tägliche Berührung mit Ihnen versagt bleibt, und in ihm werden Sie wie bisher nun erst recht geistig immer gegenwärtig sein. Davon bitte ich Sie überzeugt zu sein: in dieser Ueberzeugung werde ich selbst versuchen, über den Schmerz unsrer Enttäuschung mit Hilfe der Zeit hinwegzukommen, und in ihr bleibe ich mit herzlichen Empfehlungen und Grüssen von Haus zu Haus getreulich der Ihrige</p><p class="ED-signed">W Windelband</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Enttäuschung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>der Nichtberufung nach Heidelberg, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an <span class="ED-name">Meinecke</span> vom 12.6.1907.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Strassburger Erinnerungen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Windelband und <span class="ED-name">Meinecke</span> waren 1901–03 Kollegen an der Universität Straßburg gewesen.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">der Ihrigen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Antonie Meinecke</span>, <abbr title="geboren" class="ED-abbr">geb.</abbr> <span class="ED-name">Delhaes</span> (1875–1971, <abbr title="Neue Deutsche Biographie" class="ED-abbr">NDB</abbr>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihrem Ersatz</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Nachfolger von <span class="ED-name">Erich Marcks</span> in Heidelberg wurde <span class="ED-name">Hermann Oncken</span> (1869–1945), 1898 in Berlin habilitiert, 1905/06 Austauschprofessor in Chicago, 1906 <abbr title="ordentlicher Professor" class="ED-abbr">o. Prof.</abbr> für mittlere und neuere Geschichte in Gießen, 1907 in Heidelberg. 1915–18 nationalliberaler Abgeordneter des badischen Landtages. 1923 <abbr title="ordentlicher Professor" class="ED-abbr">o. Prof.</abbr> in München, 1928 in Berlin, 1935 emeritiert (<abbr title="Neue Deutsche Biographie" class="ED-abbr">NDB</abbr>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Kreis</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>gemeint ist vermutlich (auch) der unter dem Namen <span class="ED-rdg">Eranos</span> zusammentreffende religionswissenschaftlich orientierte private Kreis Heidelberger Gelehrter unter Ausschluß der Damen (<abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Marie Luise Gothein: Eberhard Gothein. Ein Lebensbild seinen Briefen nacherzählt. Stuttgart 1931, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 151), darunter <span class="ED-name">Adolf Deißmann</span>, <span class="ED-name">Max Weber</span>, <span class="ED-name">Ernst Troeltsch</span>, <span class="ED-name">Hans von Schubert</span>, <span class="ED-name">Georg Jellinek</span>, Windelband, <span class="ED-name">Albrecht Dieterich</span>, <span class="ED-name">Erwin Rohde</span>, <span class="ED-name">Alfred von Domaszewski</span>, <span class="ED-name">Carl Neumann</span>, <span class="ED-name">Eberhard Gothein</span> (M. Rainer Lepsius: Der Eranos-Kreis Heidelberger Gelehrter 1904–1908. Ein Stück Heidelberger Wissenschaftsgeschichte anhand der neu aufgefundenen Protokollbücher des Eranos. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 1983. Heidelberg: Carl Winter 1984, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 46–48; Michael Maurer: Eberhard Gothein (1853–1923). Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2007, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 223 <abbr title="folgende" class="ED-abbr">ff.</abbr>; Hubert Treiber: Zwischen ‚Dichtung‘ und ‚Wahrheit‘. Max Weber und das Heidelberger Gelehrtenkränzchen „Eranos“ (1904–1908/09). In: Achenbach/Arneth (<abbr title="Herausgeber" class="ED-abbr">Hg.</abbr>): „Gerechtigkeit und Recht zu üben“ (Gen 18,19). Festschrift für Eckart Otto. Wiesbaden: Harassowitz 2009, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 458–493; <abbr title="derselbe" class="ED-abbr">ders.</abbr>: Der „Eranos“ – Das Glanzstück im Heidelberger Mythenkranz? In: Schluchter/Graf (<abbr title="Herausgeber" class="ED-abbr">Hg.</abbr>): Asketischer Protestantismus und der ‚Geist‘ des modernen Kapitalismus. Tübingen: Mohr Siebeck 2005, S. 75–153).</div></div></body></html>