<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Gustav Schmoller, Heidelberg, 1.3.1907, 1 S., Ts. mit eigenhändiger Unterschrift, Wasserzeichen [S]UPERIEURE, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl. Schmoller, Nr. 199a</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000478-7"/><style type="text/css">
.ED-TEI {
font-family: serif;
line-height: 1.2em;
}
.ED-text {
border: 1px solid LightGray;
padding: 1em;
}
.ED-titleStmt,
.ED-app-title {
font-size: 1.1em;
font-family: serif;
font-style: italic;
font-weight: normal;
margin: 2em 0em 1em;
}
.ED-dateline {
text-align: right;
margin: 0em;
margin-top: 1em;
}
.ED-title,
.ED-p,
.ED-salute,
.ED-signed,
.ED-docAuthor {
text-indent: 0em;
margin: 0em;
margin-top: 1em;
}
.ED-p + .ED-p {
text-indent: 1em;
margin: 0em;
}
.ED-title + .ED-title,
.ED-dateline  + .ED-dateline,
.ED-salute    + .ED-salute,
.ED-signed    + .ED-signed,
.ED-docAuthor + .ED-docAuthor {
margin: 0em;
}
.ED-back,
.ED-postscript {
border: 1px solid LightGray;
margin: 1em 0em;
}
.ED-add,
.ED-pb {
color: Gray;
}
.ED-label-formprint {
font-family: sans-serif;
}
sup {
vertical-align: super;
font-size: 80%;
line-height: 100%;
}
a.ED-anchor {
font-style: normal;
vertical-align: super;
font-size: 80%;
line-height: 100%;
}
.ED-text-lem {
text-decoration: underline dotted;
}
.ED-app-philological,
.ED-app-editorial {
position: relative;
margin: .3em 0em;
margin-left: 2.5em;
font-style: italic;
}
.ED-app-num {
left: -2.5em;
}
.ED-app-corresp {
left: -.8em;
}
.ED-app-num,
.ED-app-corresp {
position: absolute;
text-indent: 0em;
font-style: normal;
}
.ED-lem,
.ED-lem-sep,
.ED-rdg {
font-style: normal;
}</style></head><body><div class="ED-TEI"><p class="ED-titleStmt"><span class="ED-persName-sent">Windelband</span> an <span class="ED-persName-received">Gustav Schmoller</span>, <span class="ED-location-sent">Heidelberg</span>, <span class="ED-date">1.3.1907</span>, <span class="ED-note">1 S., Ts. mit eigenhändiger Unterschrift, Wasserzeichen </span><span class="ED-rdg">[S]UPERIEURE</span>, <span class="ED-pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl. Schmoller, Nr. 199a</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-dateline"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Heidelberg ] links oben Notiz von vermutlich Schmollers Hd.: beantw[ortet] u[nd] gedankt&#xD;&#xA;">Heidelberg</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Heidelberg ] links oben Notiz von vermutlich Schmollers Hd.: beantw[ortet] u[nd] gedankt">[a]</a>, den 1. März 1907.</p><p class="ED-salute">Hochgeehrter Herr Kollege!</p><p class="ED-p">Wie Ihnen meine Herrn Kollegen mitgeteilt haben werden, war eine gichtig-rheumatische <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Erkrankung meiner rechten Hand ] vgl. Windelband an Heinrich Rickert vom 7.1.1907 u. an Breitkopf &amp; Härtel vom 27.2.1907&#xD;&#xA;">Erkrankung meiner rechten Hand</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Erkrankung meiner rechten Hand ] vgl. Windelband an Heinrich Rickert vom 7.1.1907 u. an Breitkopf &amp; Härtel vom 27.2.1907">[1]</a> daran Schuld, dass ich der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Einladung zu der Sitzung des Aktions-Komités im Anfang Januar ] Ende 1906 war der Reichstag aufgelöst worden, weil am 13.12.1906 durch die Gegenstimmen der Fraktionen von Zentrum und Sozialdemokraten der Nachtragsetat zur Finanzierung des Kolonialkriegs in Deutsch-Südwestafrika (1904–08) nicht bewilligt wurde. Am 25.1.1907 fanden Neuwahlen statt. Die Sozialdemokraten verloren dabei wegen Blockbildung und Wahlabsprachen der übrigen Parteien eine erhebliche Anzahl ihrer Mandate trotz deutlichen Zuwachses an Wählerstimmen. Im Vorfeld der Wahlen gründete sich das die Regierung unterstützende Kolonialpolitische Aktionskomitee unter wesentlicher Beteilung Gustav Schmollers. Dieses Kommitee hatte für den 8.1.1906 eine Agitationsversammlung einberufen, vgl. Kolonialpolitisches Aktionskomitee (Hg.): Über Reichstagsauflösung und Kolonialpolitik. Offizieller stenographischer Bericht über die Versammlung in der Berliner Hochschule für Musik am 8. Januar 1907. Berlin: Wedekind 1907 sowie den Bericht in der Freiburger Zeitung v. 9.1.1907, 1. Blatt, S. 1–2, dort den Text der Einladung: Dernburg über unsere Kolonien. Zu der auf Dienstagabend im Konzertsaale der kgl. Hochschule für Musik in Berlin anberaumten Versammlung, die zu der brennenden Tagesfrage der Kolonialpolitik Stellung nahm, erging durch das unter dem Vorsitze von Professor Schmoller stehende kolonialpolitische Aktionskomitee folgende Einladung: | In der Krisis, die das Deutsche Reich heute durchzumachen hat, spielt die Frage der Kolonialpolitik eine wesentliche Rolle. Die Politik, die unserem Vaterlande so bedeutende überseeische Interessen gab, erscheint bei wissenschaftlicher und geschichtlicher Betrachtung nicht als eine Folge persönlicher Neigungen und Liebhabereien leitender Staatsmänner, sondern als ein Ergebnis der Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins wie der deutschen Volkswirtschaft, des deutschen Handels, der deutschen Schiffahrt, des deutschen Exports; in allen größeren entwickelten Staaten Europas und Amerikas sind ähnliche weltpolitische Tendenzen zu Tage getreten. Das deutsche Volk, das erst allmählich in diese Stellung hineinwächst, ist aufzuklären darüber, daß an eine Preisgabe der Weltmachtstellung und insbesondere der Kolonien nicht mehr zu denken ist, wenn es sich nicht selbst preisgeben will. Man mag über einzelne Fragen in unserer Staatspolitik denken wie man will, die weltpolitische Tendenz in unserer Senatspolitik wird man nie und nimmer aufhalten können. Von gegnerischer Seite wird man sich bemühen, den Wert unserer Kolonien überhaupt möglich herabzusetzen; man wird alles versuchen, um das ohnehin erst in kurzer Entwicklung begriffene Verantwortungsgefühl des deutschen Volkes für seine Weltmachtstellung zu ersticken. Hier muß eine Gegenaktion einsetzen. Von den einzelnen politischen Parteien werden wohl im Wahlkampf auch andere Fragen besonders die der inneren Politik aufgerollt werden. | Ueber diese Fragen denken auch die Unterzeichner dieser Einladung verschieden und sind überzeugt, dass auch in dem neuen Reichstag diese alten Gegensätze wirtschaftlicher und politischer Natur fortbestehen werden und müssen; einig aber sind sie in dem Punkte, daß eine starke und entschlossene Majorität zur Durchführung der Kolonialpolitik für die Zukunft des deutschen Volkes unentbehrlich und unerlässlich ist. Unsere Gegenaktion gegen das kleinmütige Begehren, Deutschland auf eine bloße Binnenpolitik zu beschränken und damit die Lebensfähigkeit unseres Volkes, das jährlich fast um eine Millionen Seelen wächst, zu unterbinden, soll in die weiteren Kreise des Volkes über unsere Kolonialpolitik Aufklärung bringen. Wenn Sie mit dem Plane einer solchen Gegenaktion einverstanden sind und wenn Sie es für richtig halten, daß die Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und der Literatur, der liberalen Berufe, versuchen ganz unabhängig von ihrer Parteistellung gemeinsam ihre Ueberzeugung in die Wagschale des öffentlichen Kampfes zu werfen, so laden wir Sie ergebenst ein, am Dienstag zu erscheinen, und mit uns Unterzeichneten die Frage, was geschehen soll, zu beraten. Danach folgt ein ausführliches Referat über die Reden, u. a. von Bernhard Dernburg, dem neu ernannten Leiter der Kolonialbehörde (http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/FreiburgerZeitung1907-01-09.htm (5.7.2017)).&#xD;&#xA;">Einladung zu der Sitzung des Aktions-Komités im Anfang Januar</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Einladung zu der Sitzung des Aktions-Komités im Anfang Januar ] Ende 1906 war der Reichstag aufgelöst worden, weil am 13.12.1906 durch die Gegenstimmen der Fraktionen von Zentrum und Sozialdemokraten der Nachtragsetat zur Finanzierung des Kolonialkriegs in Deutsch-Südwestafrika (1904–08) nicht bewilligt wurde. Am 25.1.1907 fanden Neuwahlen statt. Die Sozialdemokraten verloren dabei wegen Blockbildung und Wahlabsprachen der übrigen Parteien eine erhebliche Anzahl ihrer Mandate trotz deutlichen Zuwachses an Wählerstimmen. Im Vorfeld der Wahlen gründete sich das die Regierung unterstützende Kolonialpolitische Aktionskomitee unter wesentlicher Beteilung Gustav Schmollers. Dieses Kommitee hatte für den 8.1.1906 eine Agitationsversammlung einberufen, vgl. Kolonialpolitisches Aktionskomitee (Hg.): Über Reichstagsauflösung und Kolonialpolitik. Offizieller stenographischer Bericht über die Versammlung in der Berliner Hochschule für Musik am 8. Januar 1907. Berlin: Wedekind 1907 sowie den Bericht in der Freiburger Zeitung v. 9.1.1907, 1. Blatt, S. 1–2, dort den Text der Einladung: Dernburg über unsere Kolonien. Zu der auf Dienstagabend im Konzertsaale der kgl. Hochschule für Musik in Berlin anberaumten Versammlung, die zu der brennenden Tagesfrage der Kolonialpolitik Stellung nahm, erging durch das unter dem Vorsitze von Professor Schmoller stehende kolonialpolitische Aktionskomitee folgende Einladung: | In der Krisis, die das Deutsche Reich heute durchzumachen hat, spielt die Frage der Kolonialpolitik eine wesentliche Rolle. Die Politik, die unserem Vaterlande so bedeutende überseeische Interessen gab, erscheint bei wissenschaftlicher und geschichtlicher Betrachtung nicht als eine Folge persönlicher Neigungen und Liebhabereien leitender Staatsmänner, sondern als ein Ergebnis der Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins wie der deutschen Volkswirtschaft, des deutschen Handels, der deutschen Schiffahrt, des deutschen Exports; in allen größeren entwickelten Staaten Europas und Amerikas sind ähnliche weltpolitische Tendenzen zu Tage getreten. Das deutsche Volk, das erst allmählich in diese Stellung hineinwächst, ist aufzuklären darüber, daß an eine Preisgabe der Weltmachtstellung und insbesondere der Kolonien nicht mehr zu denken ist, wenn es sich nicht selbst preisgeben will. Man mag über einzelne Fragen in unserer Staatspolitik denken wie man will, die weltpolitische Tendenz in unserer Senatspolitik wird man nie und nimmer aufhalten können. Von gegnerischer Seite wird man sich bemühen, den Wert unserer Kolonien überhaupt möglich herabzusetzen; man wird alles versuchen, um das ohnehin erst in kurzer Entwicklung begriffene Verantwortungsgefühl des deutschen Volkes für seine Weltmachtstellung zu ersticken. Hier muß eine Gegenaktion einsetzen. Von den einzelnen politischen Parteien werden wohl im Wahlkampf auch andere Fragen besonders die der inneren Politik aufgerollt werden. | Ueber diese Fragen denken auch die Unterzeichner dieser Einladung verschieden und sind überzeugt, dass auch in dem neuen Reichstag diese alten Gegensätze wirtschaftlicher und politischer Natur fortbestehen werden und müssen; einig aber sind sie in dem Punkte, daß eine starke und entschlossene Majorität zur Durchführung der Kolonialpolitik für die Zukunft des deutschen Volkes unentbehrlich und unerlässlich ist. Unsere Gegenaktion gegen das kleinmütige Begehren, Deutschland auf eine bloße Binnenpolitik zu beschränken und damit die Lebensfähigkeit unseres Volkes, das jährlich fast um eine Millionen Seelen wächst, zu unterbinden, soll in die weiteren Kreise des Volkes über unsere Kolonialpolitik Aufklärung bringen. Wenn Sie mit dem Plane einer solchen Gegenaktion einverstanden sind und wenn Sie es für richtig halten, daß die Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und der Literatur, der liberalen Berufe, versuchen ganz unabhängig von ihrer Parteistellung gemeinsam ihre Ueberzeugung in die Wagschale des öffentlichen Kampfes zu werfen, so laden wir Sie ergebenst ein, am Dienstag zu erscheinen, und mit uns Unterzeichneten die Frage, was geschehen soll, zu beraten. Danach folgt ein ausführliches Referat über die Reden, u. a. von Bernhard Dernburg, dem neu ernannten Leiter der Kolonialbehörde (http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/FreiburgerZeitung1907-01-09.htm (5.7.2017)).">[2]</a> nicht Folge leisten konnte: je dankbarer ich Ihnen für die freundliche Aufforderung war, umsomehr habe ich bedauert, dieser illustren Versammlung fern bleiben zu müssen und auch nachher mich nicht in den Dienst der Sache stellen zu können. Denn jenes Leiden hat sich bis jetzt hingezogen; es hat dadurch, dass ich ihm täglich teils mit Sand-, teils mit Wasserbädern Stunden widmen musste, und dass ich in erster Linie den akademischen Pflichten, den Fakultätssachen und meinen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="im Druck befindlichen Büchern ] Geschichte der neueren Philosophie, Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, jeweils in 4. Aufl. 1907.&#xD;&#xA;">im Druck befindlichen Büchern</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="im Druck befindlichen Büchern ] Geschichte der neueren Philosophie, Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, jeweils in 4. Aufl. 1907.">[3]</a> meine Zeit zu widmen hatte, mich von allen andern Angelegenheiten zu meinem grossen Leidwesen ferngehalten, sodass ich erst jetzt, wo das Semester zu Ende geht, an deren Abwicklung denken kann. Deshalb bitte und hoffe ich, dass Sie es mir nicht verübeln werden, wenn ich Ihrem Rufe in diesem Falle versagt habe: und als Bittgänger wird in den nächsten Tagen ein Exemplar der neuen Auflage meiner <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="„Geschichte der Philosophie“ ] vgl. Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. 4., vermehrte Aufl. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1907.&#xD;&#xA;">„Geschichte der Philosophie“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="„Geschichte der Philosophie“ ] vgl. Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. 4., vermehrte Aufl. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1907.">[4]</a> sich bei Ihnen einstellen, das Sie freundlich aufnehmen wollen als ein Zeichen der dauernden Hochschätzung und Verehrung mit der ich verbleibe Ihr ergebenster</p><p class="ED-signed"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Windelband ] eigenhändige Unterschrift&#xD;&#xA;">Windelband</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Windelband ] eigenhändige Unterschrift">[b]</a></p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Heidelberg</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>links oben Notiz von vermutlich Schmollers <abbr title="Hand" class="ED-abbr">Hd.</abbr>: <span class="ED-rdg">beantw[ortet] u[nd] gedankt</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Windelband</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>eigenhändige Unterschrift</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Erkrankung meiner rechten Hand</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Heinrich Rickert vom 7.1.1907 <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> an Breitkopf &amp; Härtel vom 27.2.1907</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Einladung zu der Sitzung des Aktions-Komités im Anfang Januar</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Ende 1906 war der Reichstag aufgelöst worden, weil am 13.12.1906 durch die Gegenstimmen der Fraktionen von Zentrum und Sozialdemokraten der Nachtragsetat zur Finanzierung des Kolonialkriegs in Deutsch-Südwestafrika (1904–08) nicht bewilligt wurde. Am 25.1.1907 fanden Neuwahlen statt. Die Sozialdemokraten verloren dabei wegen Blockbildung und Wahlabsprachen der übrigen Parteien eine erhebliche Anzahl ihrer Mandate trotz deutlichen Zuwachses an Wählerstimmen. Im Vorfeld der Wahlen gründete sich das die Regierung unterstützende Kolonialpolitische Aktionskomitee unter wesentlicher Beteilung <span class="ED-name">Gustav Schmoller</span>s. Dieses Kommitee hatte für den 8.1.1906 eine Agitationsversammlung einberufen, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Kolonialpolitisches Aktionskomitee (<abbr title="Herausgeber" class="ED-abbr">Hg.</abbr>): Über Reichstagsauflösung und Kolonialpolitik. Offizieller stenographischer Bericht über die Versammlung in der Berliner Hochschule für Musik am 8. Januar 1907. Berlin: Wedekind 1907 sowie den Bericht in der Freiburger Zeitung <abbr title="von" class="ED-abbr">v.</abbr> 9.1.1907, 1. Blatt, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 1–2, dort den Text der Einladung: <span class="ED-rdg">Dernburg über unsere Kolonien. Zu der auf Dienstagabend im Konzertsaale der kgl. Hochschule für Musik in Berlin anberaumten Versammlung, die zu der brennenden Tagesfrage der Kolonialpolitik Stellung nahm, erging durch das unter dem Vorsitze von Professor Schmoller stehende kolonialpolitische Aktionskomitee folgende Einladung: | In der Krisis, die das Deutsche Reich heute durchzumachen hat, spielt die Frage der Kolonialpolitik eine wesentliche Rolle. Die Politik, die unserem Vaterlande so bedeutende überseeische Interessen gab, erscheint bei wissenschaftlicher und geschichtlicher Betrachtung nicht als eine Folge persönlicher Neigungen und Liebhabereien leitender Staatsmänner, sondern als ein Ergebnis der Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins wie der deutschen Volkswirtschaft, des deutschen Handels, der deutschen Schiffahrt, des deutschen Exports; in allen größeren entwickelten Staaten Europas und Amerikas sind ähnliche weltpolitische Tendenzen zu Tage getreten. Das deutsche Volk, das erst allmählich in diese Stellung hineinwächst, ist aufzuklären darüber, daß an eine Preisgabe der Weltmachtstellung und insbesondere der Kolonien nicht mehr zu denken ist, wenn es sich nicht selbst preisgeben will. Man mag über einzelne Fragen in unserer Staatspolitik denken wie man will, die weltpolitische Tendenz in unserer Senatspolitik wird man nie und nimmer aufhalten können. Von gegnerischer Seite wird man sich bemühen, den Wert unserer Kolonien überhaupt möglich herabzusetzen; man wird alles versuchen, um das ohnehin erst in kurzer Entwicklung begriffene Verantwortungsgefühl des deutschen Volkes für seine Weltmachtstellung zu ersticken. Hier muß eine Gegenaktion einsetzen. Von den einzelnen politischen Parteien werden wohl im Wahlkampf auch andere Fragen besonders die der inneren Politik aufgerollt werden. | Ueber diese Fragen denken auch die Unterzeichner dieser Einladung verschieden und sind überzeugt, dass auch in dem neuen Reichstag diese alten Gegensätze wirtschaftlicher und politischer Natur fortbestehen werden und müssen; einig aber sind sie in dem Punkte, daß eine starke und entschlossene Majorität zur Durchführung der Kolonialpolitik für die Zukunft des deutschen Volkes unentbehrlich und unerlässlich ist. Unsere Gegenaktion gegen das kleinmütige Begehren, Deutschland auf eine bloße Binnenpolitik zu beschränken und damit die Lebensfähigkeit unseres Volkes, das jährlich fast um eine Millionen Seelen wächst, zu unterbinden, soll in die weiteren Kreise des Volkes über unsere Kolonialpolitik Aufklärung bringen. Wenn Sie mit dem Plane einer solchen Gegenaktion einverstanden sind und wenn Sie es für richtig halten, daß die Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und der Literatur, der liberalen Berufe, versuchen ganz unabhängig von ihrer Parteistellung gemeinsam ihre Ueberzeugung in die Wagschale des öffentlichen Kampfes zu werfen, so laden wir Sie ergebenst ein, am Dienstag zu erscheinen, und mit uns Unterzeichneten die Frage, was geschehen soll, zu beraten.</span> Danach folgt ein ausführliches Referat über die Reden, <abbr title="unter anderem; und andere" class="ED-abbr">u. a.</abbr> von <span class="ED-name">Bernhard Dernburg</span>, dem neu ernannten Leiter der Kolonialbehörde (<span class="ED-link"><a href="http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/FreiburgerZeitung1907-01-09.htm">http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/FreiburgerZeitung1907-01-09.htm</a></span> (5.7.2017)).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">im Druck befindlichen Büchern</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Geschichte der neueren Philosophie, Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, jeweils in 4. <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> 1907.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„Geschichte der Philosophie“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. 4., vermehrte <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1907.</div></div></body></html>