<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Karl Dilthey, Straßburg, 7.8.1896 u. 10.8.1896, 5 S., hs. (dt. Schrift), Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000248-7"/><style type="text/css">
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Windelband an Karl Dilthey vom 11.7. u. 13.7.1894&#xD;&#xA;">des Wiedersehens</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="des Wiedersehens ] vgl. Windelband an Karl Dilthey vom 11.7. u. 13.7.1894">[1]</a> mit Dir freute, fuhr mit grauser Geschäftslast über mich hin, bis er mit der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Friedrichsruher Angelegenheit ] Windelband hatte als Vertreter der Universität Straßburg an der Feier zu Bismarcks 80. Geburtstag am 1.4.1895 teilgenommen, vgl. Windelband an Wilhelm Dilthey vom 25.3.1895 sowie Windelband: Jahresbericht. Erstattet von dem Prorector. In: Das Stiftungsfest der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg am 1. Mai 1895. Strassburg: J. H. E. Heitz (Heitz &amp; Mündel) 1895, S. 17.&#xD;&#xA;">Friedrichsruher Angelegenheit</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Friedrichsruher Angelegenheit ] Windelband hatte als Vertreter der Universität Straßburg an der Feier zu Bismarcks 80. Geburtstag am 1.4.1895 teilgenommen, vgl. Windelband an Wilhelm Dilthey vom 25.3.1895 sowie Windelband: Jahresbericht. Erstattet von dem Prorector. In: Das Stiftungsfest der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg am 1. Mai 1895. Strassburg: J. H. E. Heitz (Heitz &amp; Mündel) 1895, S. 17.">[2]</a> sein erfreuliches Ende fand. Dann aber fand der Neid der Götter im Sommer das Mittel, mir gründlichen Katzenjammer zu bereiten – Die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Venen-Entzündung ] vgl. Windelband an Jellinek vom 8.12.1895&#xD;&#xA;">Venen-Entzündung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Venen-Entzündung ] vgl. Windelband an Jellinek vom 8.12.1895">[3]</a>, an der ich zwölf Semesterwochen im Bette lag und an deren Folgen ich noch immer etwas zu laboriren habe. Vorm Jahr, in den Herbstferien, hab ich in Freudenstadt, – in schönen ebnen Tannenwäldern auf frischer Schwarzwaldhöhe – wieder gehen gelernt, aber ich muß es immer noch mit Maß betreiben, und wenn nicht mit all dem Stille liegen-müssen eine <span class="ED-pb">|</span> unvermeidliche Nötigung zum Ausruhen des Gehirns verbunden gewesen wäre, so hätt’ ich wohl noch mehr von Frische eingebüßt, als es so schon geschehen sein mag. Dazu kommt, daß ich mich vielfach neu einleben muß, und das ist in unserm Alter schwer, schwerer als ich gedacht. Gewohnt im Stehen zu arbeiten und dazwischen peripatetisch zu philosophiren, bin ich jetzt, wo Stehen verboten und Gehen beschränkt ist, auf den Schreibstuhl gebannt, und es ist nicht zu glauben, wie schwer man sich in solche Veränderung der physischen Arbeitsart gewöhnt. Dabei muß ich, um nicht dick zu werden, noch allerlei an Diät und sonstiger Lebensweise ändern – und dieser ganze dumme Zwang, fortwährend mit dem „Thier“ zu rechnen, in dem man wohnt, hat etwas gräulich Unbehagliches und Deprimirendes, – wenigstens für mich, der ich bisher – dem Himmel sei’s geklagt – in dieser Hinsicht als <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Johann der muntre Seifensieder ] Gedicht von Friedrich von Hagedorn.&#xD;&#xA;">Johann der muntre Seifensieder</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Johann der muntre Seifensieder ] Gedicht von Friedrich von Hagedorn.">[4]</a> drauflosgelebt habe. Es geht eben doch nicht spurlos an Einem vorüber, wenn man so wochenlang mit dem Bewußtsein stille liegt, daß, <span class="ED-pb">|</span> wenn es so einem kleinen Blutgerinsel gefällt, an unzweckmässige Stellen zu bummeln, man jeden Augenblick abfahren kann. Und freut man sich nachher um so mehr, daß es noch Tag geblieben ist, so wird der doch immerhin etwas herbstlicher, wenn es immer heißt: vorsichtig sein!</p><p class="ED-p">In solcher Stimmung brachte mir nun der letzte Winter große Sorge um meine Frau, die ernsthaftest an schwerer Influenza lange Wochen litt, und mitten drin den Schreck von <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Wallach’s Unfall ] Otto Wallach (1847–1931), Freund Windelbands seit der gemeinsamen Zeit am Potsdamer Gymnasium. Unfall nicht ermittelt.&#xD;&#xA;">Wallach</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Wallach’s Unfall ] Otto Wallach (1847–1931), Freund Windelbands seit der gemeinsamen Zeit am Potsdamer Gymnasium. Unfall nicht ermittelt.&#xD;&#xA;">’s Unfall</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Wallach’s Unfall ] Otto Wallach (1847–1931), Freund Windelbands seit der gemeinsamen Zeit am Potsdamer Gymnasium. Unfall nicht ermittelt.">[5]</a>, des alten Freundes, der mir von den Tertianertagen an treu verbunden ist. Du hast mich damals so liebenswürdig in Kenntniß erhalten, daß ich mich immer schäme, wenn ich bedenke, daß in der trüben Sorgenstimmung ich Dir nicht einmal gedankt habe. – Und doch waren mir Deine Briefe Trost und Freude. Nachher in den Ferien hab’ ich mich allmählich wieder innerlich rangiert; fange nun auch wieder an, in der neuen Weise mich wohl zu fühlen, und was das Barometer dafür bekanntlich ist – zu arbeiten, sodaß ich wieder Licht und freie Bahn vor mir sehe. Ja, solche Zeiten wollen eben durchgemacht sein. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p">Nun aber, liebster Freund, höre ich mit großer Betrübniß, daß Dir Aehnliches widerfahren ist, – daß Du Dir im Frühjahr in Italien so etwas Malariahaftes geholt und es noch nicht so ganz abgestreift hast. Da werden hoffentlich die Ferien den Rest des Uebels mit sich nehmen! Du schienst Dich eben in dem neuen Heim – ein freier Mann auf freiem Grunde – so glücklich eingerichtet zu haben: ich wünsche von Herzen, daß Du Dich Deiner behaglichen Eigeneinrichtung recht gut erfreuen darfst! Wenn es sich irgend so macht – vielleicht zum Spätherbst –, faß ich Dich bei Deinem liebenswürdigen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="„Komm und sieh“ ] Anspielung auf Johannes 1,46 u. 11,34.&#xD;&#xA;">„Komm und sieh“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="„Komm und sieh“ ] Anspielung auf Johannes 1,46 u. 11,34.">[6]</a>, und wenn ich nach Göttingen komme, hoffe ich mich bei Dir selbst von Deinem Wohlergehen zu überzeugen. Oder soll ich vorher die Freude haben? Wenn’s anginge! Du gehst doch gewiß in den Süden – solltest Du nicht irgendwie uns treffen können? Meine Frau würde sich sehr freuen, Dich wieder zu sehen, und die Töchter nicht minder, Dich kennen zu lernen: denn viel weiß ich die Dora nicht mehr von Dir. Wir <span class="ED-pb">|</span> gehen in den nächsten Tagen in die Schweiz, nach <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="Kurhaus Nunalphorn auf Flüehli-Ranft ] vgl. z. B. Die Schweiz nebst den angrenzenden Teilen von Oberitalien, Savoyen und Tirol. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker. 30. Aufl. Leipzig 1903, S. 156.&#xD;&#xA;">Kurhaus Nunalphorn auf Flüehli-Ranft</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="Kurhaus Nunalphorn auf Flüehli-Ranft ] vgl. z. B. Die Schweiz nebst den angrenzenden Teilen von Oberitalien, Savoyen und Tirol. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker. 30. Aufl. Leipzig 1903, S. 156.">[7]</a>, einem Bergrücken zwischen Sarner See und Melonthal, Station Sachseln der Brünigbahn. Wenn Du also in die Nähe kommst – es ist ein einfaches und behagliches Haus, wie ich höre –, so mache einen Umweg dahin oder laß mich’s wissen, dann treffe ich Dich gern irgendwo. <span class="ED-name">Wallach</span> will mich auch dort aufsuchen. Ihr Junggesellen seid ja leichter gesattelt als unser einer. Gegen Mitte September kommen wir hierher zurück, – und wenn Du dann Deinen Rückweg über Str<span class="ED-add">[assburg]</span> nehmen wolltest und mir hier selbst einige Tage schenken könntest, das wäre vielleicht das Allerbeste. Ueberleg’s – Eins läßt sich gewiß machen! ich bin <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-8" title="Deines Winks gewärtig ] ein Treffen fand statt, vgl. Windelband an Karl Dilthey vom 11.10.1896.&#xD;&#xA;">Deines Winks gewärtig</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-8" id="app-editorial-8-ref" title="Deines Winks gewärtig ] ein Treffen fand statt, vgl. Windelband an Karl Dilthey vom 11.10.1896.">[8]</a>.</p><p class="ED-p">Und nun für heut mit den herzlichsten Grüßen Dein getreuer</p><p class="ED-signed"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="W Windelband ] auf S. 6v (S. 6r leer) nicht zugehörige Notizen von anderer Hand (Karl Dilthey) mit Bleistift, um 90° gedreht, u. a. zu Motiven auf antiken Keramiken und zum Frankfurter Römerbrunnen&#xD;&#xA;">W Windelband</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="W Windelband ] auf S. 6v (S. 6r leer) nicht zugehörige Notizen von anderer Hand (Karl Dilthey) mit Bleistift, um 90° gedreht, u. a. zu Motiven auf antiken Keramiken und zum Frankfurter Römerbrunnen">[a]</a></p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">W Windelband</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>auf <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 6v (<abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 6r leer) nicht zugehörige Notizen von anderer Hand (Karl Dilthey) mit Bleistift, um 90° gedreht, <abbr title="unter anderem; und andere" class="ED-abbr">u. a.</abbr> zu Motiven auf antiken Keramiken und zum Frankfurter Römerbrunnen</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">des Wiedersehens</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Karl Dilthey vom 11.7. <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> 13.7.1894</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Friedrichsruher Angelegenheit</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Windelband hatte als Vertreter der Universität Straßburg an der Feier zu <span class="ED-name">Bismarck</span>s 80. Geburtstag am 1.4.1895 teilgenommen, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an <span class="ED-name">Wilhelm Dilthey</span> vom 25.3.1895 sowie Windelband: Jahresbericht. Erstattet von dem Prorector. In: Das Stiftungsfest der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg am 1. Mai 1895. Strassburg: J. H. E. Heitz (Heitz &amp; Mündel) 1895, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S. </abbr>17.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Venen-Entzündung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an <span class="ED-name">Jellinek</span> vom 8.12.1895</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Johann der muntre Seifensieder</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Gedicht von <span class="ED-name">Friedrich von Hagedorn</span>.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Wallach</span>’s Unfall</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Otto Wallach</span> (1847–1931), Freund Windelbands seit der gemeinsamen Zeit am Potsdamer Gymnasium. Unfall nicht ermittelt.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„Komm und sieh“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Anspielung auf Johannes 1,46 <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> 11,34.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Kurhaus Nunalphorn auf Flüehli-Ranft</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> Die Schweiz nebst den angrenzenden Teilen von Oberitalien, Savoyen und Tirol. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker. 30. <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> Leipzig 1903, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 156.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-8"><span class="ED-app-num">8</span><a href="#app-editorial-8-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Deines Winks gewärtig</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>ein Treffen fand statt, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Karl Dilthey vom 11.10.1896.</div></div></body></html>