<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Heinrich Rickert, Straßburg, 3.5.1894, 4 S., hs. (dt. Schrift), UB Heidelberg, http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_12</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000219-6"/><style type="text/css">
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In: Das Stiftungsfest der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg am 1. Mai 1894. Strassburg: Universitätsbuchdruckerei J. H. Ed. Heitz (Heitz &amp; Mündel) 1894, S. 15–41.&#xD;&#xA;">unserm 1 Mai</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="unserm 1 Mai ] dem Tag des Stiftungsfestes der Universität Straßburg; vgl. Windelband: Geschichte und Naturwissenschaft . Rede. In: Das Stiftungsfest der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg am 1. Mai 1894. Strassburg: Universitätsbuchdruckerei J. H. Ed. Heitz (Heitz &amp; Mündel) 1894, S. 15–41.">[1]</a> mit Allem, was darum und daran hängt, haben mich völlig in Anspruch genommen, und heute habe ich den ersten Ruhetag, nur weil der Himmel den Studentenausflug hat zu Wasser werden lassen.</p><p class="ED-p">Nun aber zum Ausdruck der großen Freude über Ihre <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Mitteilung ] nicht ermittelt&#xD;&#xA;">Mitteilung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Mitteilung ] nicht ermittelt">[2]</a>. Sie sind ein Tausendkünstler und haben gewaltigen Einfluß! Hüten Sie Sich, daß Sie nicht in die Hände irgend einer Missionsgesellschaft fallen! Die schickt Sie sonst <span class="ED-pb">|</span> als großen Bekehrer zu den hartnäckigsten  <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Uateki ] so wörtlich&#xD;&#xA;">Uateki</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Uateki ] so wörtlich">[a]</a>! Ernstlich aber – ich finde es wirklich sehr nett! und es ist von <span class="ED-name">Riehl</span> ein sehr ehrenwerther Entschluß, der mich ihm wiederum sehr gewinnt. Hoffen wir also auf eine gemeinsame Fahrt! Sobald ich von den Heidelbergern etwas erfahre, Näheres! Was eine <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="gemeinsame Festschrift ] gemeint ist: zu Kuno Fischers 70. Geburtstag – kam nicht zustande, vgl. Windelband an Rickert vom 19.7.1894.&#xD;&#xA;">gemeinsame Festschrift</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="gemeinsame Festschrift ] gemeint ist: zu Kuno Fischers 70. Geburtstag – kam nicht zustande, vgl. Windelband an Rickert vom 19.7.1894.">[3]</a> von R<span class="ED-add">[iehl]</span> und Ihnen anlangt, so wäre meine Meinung, R<span class="ED-add">[iehl]</span> daran nicht festzuhalten, garnicht zu drängen und ihm den Rückzug so leicht wie irgend möglich zu machen. Wenn es ihm in andrer persönlicher <span class="ED-pb">|</span> Beziehung peinlich würde, so könnte ein dauerndes Mißbehagen bei ihm zurückbleiben, dem gegenüber der Erfolg der Freude bei K<span class="ED-add">[uno]</span> F<span class="ED-add">[ischer]</span> und uns nicht überwöge. Ich würde das also ruhig bei R<span class="ED-add">[iehl]</span> sich abklären lassen; wenn er Schwierigkeiten findet, <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="sogar vielleicht auch eigne haben ] so wörtlich&#xD;&#xA;">sogar vielleicht auch eigne haben</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="sogar vielleicht auch eigne haben ] so wörtlich">[b]</a>, damit es auch vor ihm nicht so scheint, als sei es an ihm allein gescheitert. Wenn er aber mit vollen Segeln – pardon, man sagt jetzt mit Volldampf weiter drauf los steuert, dann sehe ich gar keinen Grund, den sehr guten Gedanken von der Ausführung zurückzuhalten. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p">In K<span class="ED-add">[uno]</span> F<span class="ED-add">[ischers]</span> Seele würde ich mich sogar um so mehr darüber freuen, weil ich selbst leider mit leeren Händen kommen muß. Die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Rectoratsrede ] über Geschichte und Naturwissenschaft. Darüber ein Bericht aus Straßburg von Paul Hensel an Heinrich Rickert vom 2.5.1894: Was nun Windelbands Rede angeht, so hätte er es m. E. nicht nötig gehabt, die Lektüre Ihres Aufsatzes zu verschieben (was er freilich nicht wissen konnte). Sie ging von wesentlich anderen Gesichtspunkten aus und wollte weniger die Grenzen der naturwissenschaftlichen resp. historischen Begriffsbildung als ihre essentielle Verschiedenheit charakterisieren und so das Vorurteil, als könne auf historischem Boden mit naturwissenschaftlichen Methoden gearbeitet werden, analysieren. Das Resultat, zu welchem er hier gelangte, war natürlich mit dem Ihren verwandt: er bewies, daß die Naturwissenschaft es immer mit allgemeinen Gesetzen, die Geschichte mit individuellen Bildungen zu tun habe, daß die Methode der einen – nach seiner, wie mir schien, nicht ganz glücklichen Terminologie – idiographisch, die der anderen nomothetisch sei. Daran schlossen sich nun eine ganze Anzahl feiner Entwicklungen: den Zweifel, ob Geschichte Wissenschaft sein könne, führte er auf die auch uns gemeinsame griechische Art der Logik zurück, die als die Form des Begreifens nur die Subsumption, also das Verschwinden des Einzelnen unter das Allgemeine kennt, deshalb hätte es auch unsere Logik vermocht, die feinsten Ausgestaltungen naturwissenschaftlicher Methode nach ihrem Erkenntniswert zu würdigen, während sie dem historischen und philologischen etc. Beweise recht ratlos gegenüberstünde, wie die kümmerlichen Abschnitte der diesem Verfahren gewidmeten Werke über Logik dartäten. Hier habe die Reform der Logik einzusetzen. Eine andere sehr feine Ausführung betraf den μέγας ένιαυτός und die gleiche Wiederkehr der Dinge in der Stoa, zu welcher Annahme auch manche Richtungen der neuen Naturwissenschaft zielen. Der entgegengesetzte Standpunkt gehe von der Wertschätzung des Individuums aus, sei christlichen Ursprungs (es fehlte der Hinweis auf die Wertung der Heilsgeschichte, die m. E. den Kern dieser Ansicht bildet) und habe erst eine Geschichtsphilosophie möglich gemacht. Endlich ging W. dazu über, an dem Beispiel des Syllogismus zu zeigen, daß aus dem Obersatz, der die allgemeine Regel enthalte, der Untersatz, der das einzelne Faktum, das individuelle Geschehnis enthalte, niemals herausgefunden werden könne, daß sich hier eine Vereinigung beider Methoden veranschaulichen ließe und das es unmöglich sei, aus den allgemeinen Formeln über das Geschehen überhaupt, das Eintreffen eines bestimmten Geschehnisses abzuleiten, daß also die Laplace’sche Weltformel eine Unmöglichkeit sein und bleiben würde. Dies wurde mit sehr hübschen Ausführungen über die doppelte Kausalität Spinozas sowie über die vérites des faits und die vérites éternelles bei Leibniz verbunden. Ich hoffe, mit dieser (natürlich sehr auszugsweisen) Skizze Ihnen gezeigt zu haben, daß Sie und W. einander durchaus nicht ins Gehege gekommen sind – was mir allerdings auch schon vorher wahrscheinlich war. Wohl aber glaube ich, daß die beiden Arbeiten sich aufs glücklichste ergänzen werden, und wenn sie ungefähr gleichzeitig erscheinen, einen umso größeren Eindruck machen werden. Ich brauche kaum zu sagen, daß die Rede stilistisch ganz meisterhaft war, ebenso vorgetragen wurde und einen sehr tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht hat; man hatte doch allgemein die Empfindung, daß die Philosophie doch noch einiges für sich anzuführen weiß und durchaus nicht gesonnen sei, sich in eitel Psychologie auflösend ihre eigene Dysthanasie zu erklären. Dieser Eindruck machte mir natürlich den allergrößten Spaß, entsprechend der Angst, die ich vorher ausgestanden und die jedenfalls größer war als W.’s Kanonenfieber. Ein Echec wäre doch höchst unangenehm gewesen … (Elisabeth Hensel (Hg.): Paul Hensel: Sein Leben in seinen Briefen. Frankfurt a. M.: Societäts-Vlg. 1937 (identisch mit der Titelauflage Wolfenbüttel 1947), S. 90–91). Die Rede ist von Rickerts Aufsatz: Zur Theorie der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 18 (1894), S. 277–319.&#xD;&#xA;">Rectoratsrede</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Rectoratsrede ] über Geschichte und Naturwissenschaft. Darüber ein Bericht aus Straßburg von Paul Hensel an Heinrich Rickert vom 2.5.1894: Was nun Windelbands Rede angeht, so hätte er es m. E. nicht nötig gehabt, die Lektüre Ihres Aufsatzes zu verschieben (was er freilich nicht wissen konnte). Sie ging von wesentlich anderen Gesichtspunkten aus und wollte weniger die Grenzen der naturwissenschaftlichen resp. historischen Begriffsbildung als ihre essentielle Verschiedenheit charakterisieren und so das Vorurteil, als könne auf historischem Boden mit naturwissenschaftlichen Methoden gearbeitet werden, analysieren. Das Resultat, zu welchem er hier gelangte, war natürlich mit dem Ihren verwandt: er bewies, daß die Naturwissenschaft es immer mit allgemeinen Gesetzen, die Geschichte mit individuellen Bildungen zu tun habe, daß die Methode der einen – nach seiner, wie mir schien, nicht ganz glücklichen Terminologie – idiographisch, die der anderen nomothetisch sei. Daran schlossen sich nun eine ganze Anzahl feiner Entwicklungen: den Zweifel, ob Geschichte Wissenschaft sein könne, führte er auf die auch uns gemeinsame griechische Art der Logik zurück, die als die Form des Begreifens nur die Subsumption, also das Verschwinden des Einzelnen unter das Allgemeine kennt, deshalb hätte es auch unsere Logik vermocht, die feinsten Ausgestaltungen naturwissenschaftlicher Methode nach ihrem Erkenntniswert zu würdigen, während sie dem historischen und philologischen etc. Beweise recht ratlos gegenüberstünde, wie die kümmerlichen Abschnitte der diesem Verfahren gewidmeten Werke über Logik dartäten. Hier habe die Reform der Logik einzusetzen. Eine andere sehr feine Ausführung betraf den μέγας ένιαυτός und die gleiche Wiederkehr der Dinge in der Stoa, zu welcher Annahme auch manche Richtungen der neuen Naturwissenschaft zielen. Der entgegengesetzte Standpunkt gehe von der Wertschätzung des Individuums aus, sei christlichen Ursprungs (es fehlte der Hinweis auf die Wertung der Heilsgeschichte, die m. E. den Kern dieser Ansicht bildet) und habe erst eine Geschichtsphilosophie möglich gemacht. Endlich ging W. dazu über, an dem Beispiel des Syllogismus zu zeigen, daß aus dem Obersatz, der die allgemeine Regel enthalte, der Untersatz, der das einzelne Faktum, das individuelle Geschehnis enthalte, niemals herausgefunden werden könne, daß sich hier eine Vereinigung beider Methoden veranschaulichen ließe und das es unmöglich sei, aus den allgemeinen Formeln über das Geschehen überhaupt, das Eintreffen eines bestimmten Geschehnisses abzuleiten, daß also die Laplace’sche Weltformel eine Unmöglichkeit sein und bleiben würde. Dies wurde mit sehr hübschen Ausführungen über die doppelte Kausalität Spinozas sowie über die vérites des faits und die vérites éternelles bei Leibniz verbunden. Ich hoffe, mit dieser (natürlich sehr auszugsweisen) Skizze Ihnen gezeigt zu haben, daß Sie und W. einander durchaus nicht ins Gehege gekommen sind – was mir allerdings auch schon vorher wahrscheinlich war. Wohl aber glaube ich, daß die beiden Arbeiten sich aufs glücklichste ergänzen werden, und wenn sie ungefähr gleichzeitig erscheinen, einen umso größeren Eindruck machen werden. Ich brauche kaum zu sagen, daß die Rede stilistisch ganz meisterhaft war, ebenso vorgetragen wurde und einen sehr tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht hat; man hatte doch allgemein die Empfindung, daß die Philosophie doch noch einiges für sich anzuführen weiß und durchaus nicht gesonnen sei, sich in eitel Psychologie auflösend ihre eigene Dysthanasie zu erklären. Dieser Eindruck machte mir natürlich den allergrößten Spaß, entsprechend der Angst, die ich vorher ausgestanden und die jedenfalls größer war als W.’s Kanonenfieber. Ein Echec wäre doch höchst unangenehm gewesen … (Elisabeth Hensel (Hg.): Paul Hensel: Sein Leben in seinen Briefen. Frankfurt a. M.: Societäts-Vlg. 1937 (identisch mit der Titelauflage Wolfenbüttel 1947), S. 90–91). Die Rede ist von Rickerts Aufsatz: Zur Theorie der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 18 (1894), S. 277–319.">[4]</a> kann ich ihm nicht dediciren, Anderes wird bis dahin kaum fertig. Sollte mir noch etwas gelingen – es regt sich sowas, ganz embryonal –, dann schreibe ich’s Ihnen.</p><p class="ED-p">Für heute die herzlichsten Grüße von Haus zu Haus! Treulichst Ihr</p><p class="ED-signed">Windelband</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Uateki</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>so wörtlich</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">sogar vielleicht auch eigne haben</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>so wörtlich</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">unserm 1 Mai</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>dem Tag des Stiftungsfestes der Universität Straßburg; <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband: Geschichte und Naturwissenschaft . Rede. In: Das Stiftungsfest der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg am 1. Mai 1894. Strassburg: Universitätsbuchdruckerei J. H. Ed. Heitz (Heitz &amp; Mündel) 1894, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 15–41.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Mitteilung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht ermittelt</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">gemeinsame Festschrift</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>gemeint ist: zu <span class="ED-name">Kuno Fischer</span>s 70. Geburtstag – kam nicht zustande, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 19.7.1894.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Rectoratsrede</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>über Geschichte und Naturwissenschaft. Darüber ein Bericht aus Straßburg von <span class="ED-name">Paul Hensel</span> an <span class="ED-name">Heinrich Rickert</span> vom 2.5.1894: <span class="ED-rdg">Was nun Windelbands Rede angeht, so hätte er es m. E. nicht nötig gehabt, die Lektüre Ihres Aufsatzes zu verschieben (was er freilich nicht wissen konnte). Sie ging von wesentlich anderen Gesichtspunkten aus und wollte weniger die Grenzen der naturwissenschaftlichen resp. historischen Begriffsbildung als ihre essentielle Verschiedenheit charakterisieren und so das Vorurteil, als könne auf historischem Boden mit naturwissenschaftlichen Methoden gearbeitet werden, analysieren. Das Resultat, zu welchem er hier gelangte, war natürlich mit dem Ihren verwandt: er bewies, daß die Naturwissenschaft es immer mit allgemeinen Gesetzen, die Geschichte mit individuellen Bildungen zu tun habe, daß die Methode der einen – nach seiner, wie mir schien, nicht ganz glücklichen Terminologie – idiographisch, die der anderen nomothetisch sei. Daran schlossen sich nun eine ganze Anzahl feiner Entwicklungen: den Zweifel, ob Geschichte Wissenschaft sein könne, führte er auf die auch uns gemeinsame griechische Art der Logik zurück, die als die Form des Begreifens nur die Subsumption, also das Verschwinden des Einzelnen unter das Allgemeine kennt, deshalb hätte es auch unsere Logik vermocht, die feinsten Ausgestaltungen naturwissenschaftlicher Methode nach ihrem Erkenntniswert zu würdigen, während sie dem historischen und philologischen etc. Beweise recht ratlos gegenüberstünde, wie die kümmerlichen Abschnitte der diesem Verfahren gewidmeten Werke über Logik dartäten. Hier habe die Reform der Logik einzusetzen. Eine andere sehr feine Ausführung betraf den μέγας ένιαυτός und die gleiche Wiederkehr der Dinge in der Stoa, zu welcher Annahme auch manche Richtungen der neuen Naturwissenschaft zielen. Der entgegengesetzte Standpunkt gehe von der Wertschätzung des Individuums aus, sei christlichen Ursprungs (es fehlte der Hinweis auf die Wertung der Heilsgeschichte, die m. E. den Kern dieser Ansicht bildet) und habe erst eine Geschichtsphilosophie möglich gemacht. Endlich ging W. dazu über, an dem Beispiel des Syllogismus zu zeigen, daß aus dem Obersatz, der die allgemeine Regel enthalte, der Untersatz, der das einzelne Faktum, das individuelle Geschehnis enthalte, niemals herausgefunden werden könne, daß sich hier eine Vereinigung beider Methoden veranschaulichen ließe und das es unmöglich sei, aus den allgemeinen Formeln über das Geschehen überhaupt, das Eintreffen eines bestimmten Geschehnisses abzuleiten, daß also die Laplace’sche Weltformel eine Unmöglichkeit sein und bleiben würde. Dies wurde mit sehr hübschen Ausführungen über die doppelte Kausalität Spinozas sowie über die vérites des faits und die vérites éternelles bei Leibniz verbunden. Ich hoffe, mit dieser (natürlich sehr auszugsweisen) Skizze Ihnen gezeigt zu haben, daß Sie und W. einander durchaus nicht ins Gehege gekommen sind – was mir allerdings auch schon vorher wahrscheinlich war. Wohl aber glaube ich, daß die beiden Arbeiten sich aufs glücklichste ergänzen werden, und wenn sie ungefähr gleichzeitig erscheinen, einen umso größeren Eindruck machen werden. Ich brauche kaum zu sagen, daß die Rede stilistisch ganz meisterhaft war, ebenso vorgetragen wurde und einen sehr tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht hat; man hatte doch allgemein die Empfindung, daß die Philosophie doch noch einiges für sich anzuführen weiß und durchaus nicht gesonnen sei, sich in eitel Psychologie auflösend ihre eigene Dysthanasie zu erklären. Dieser Eindruck machte mir natürlich den allergrößten Spaß, entsprechend der Angst, die ich vorher ausgestanden und die jedenfalls größer war als W.’s Kanonenfieber. Ein Echec wäre doch höchst unangenehm gewesen … </span>(Elisabeth Hensel (<abbr title="Herausgeber" class="ED-abbr">Hg.</abbr>): Paul Hensel: Sein Leben in seinen Briefen. Frankfurt <abbr title="am Main" class="ED-abbr">a. M.</abbr>: Societäts-<abbr title="Verlag" class="ED-abbr">Vlg.</abbr> 1937 (identisch mit der Titelauflage Wolfenbüttel 1947), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 90–91). Die Rede ist von <span class="ED-name">Rickert</span>s Aufsatz: Zur Theorie der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 18 (1894), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 277–319.</div></div></body></html>