<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Paul Siebeck, Straßburg, 28.1.1889, Text nach einer Transkription von Klaus Christian Köhnke, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000172-2"/><style type="text/css">
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Laut telefonischer Auskunft von Roland Klein, Referat für Nachlässe und Autographen der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz vom 21.11. und 2.12.2016 ist die Erfassung des Nachlasses 488 (Verlagsarchiv Mohr-Siebeck) noch nicht abgeschlossen.&#xD;&#xA;">Transkription von Klaus Christian Köhnke</span></span><span class="ED-note"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Transkription von Klaus Christian Köhnke ] Kollation derzeit nicht möglich. Der Transkription liegt die Datei Manuskript: Windelband Briefe | herauszugeben von K. C. Köhnke | Ausdruck vom 1.3.2012 zugrunde, die den Herausgebern zur Verfügung steht. Ein Ausdruck dieser Datei befindet sich in öffentlichem Besitz (Universität Leipzig, Nachlass Klaus Christian Köhnke NL 330/3/1/2). Die Signatur des Originals ist mit Stichtag 14.5.2018 noch nicht bekannt. Laut telefonischer Auskunft von Roland Klein, Referat für Nachlässe und Autographen der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz vom 21.11. und 2.12.2016 ist die Erfassung des Nachlasses 488 (Verlagsarchiv Mohr-Siebeck) noch nicht abgeschlossen.">[1]</a>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</span>, <span class="ED-pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-dateline"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Strassburg i E. 28.1.89 ] mit Vermerk über Antwortschreiben (nicht ermittelt) am 5/II.89.&#xD;&#xA;">Strassburg </span><abbr class="ED-abbr"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Strassburg i E. 28.1.89 ] mit Vermerk über Antwortschreiben (nicht ermittelt) am 5/II.89.&#xD;&#xA;">i E.</span></abbr><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Strassburg i E. 28.1.89 ] mit Vermerk über Antwortschreiben (nicht ermittelt) am 5/II.89.&#xD;&#xA;"> 28.1.89</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Strassburg i E. 28.1.89 ] mit Vermerk über Antwortschreiben (nicht ermittelt) am 5/II.89.">[a]</a></p><p class="ED-salute">Sehr verehrter Herr Siebeck,</p><p class="ED-p">Sei’n Sie mir nicht böse, daß Ihr freundlicher Neujahrbrief so gar lange hat auf Antwort warten müssen: wegen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="meiner Logik ] vgl. über diesen nicht in einer Monographie ausgeführten Plan erstmals Windelband an Jellinek vom 9.10.1888; sowie Windelband an Siebeck vom 30.1.1888, 11.6.1888, 10.3.1902, 7.7.1904, 31.7.1904, 5.10.1906; sowie letztmals Siebeck an Windelband am 21.10.1906, wo das Erscheinungsdatum Sommer/Herbst 1907 avisiert wird.&#xD;&#xA;">meiner Logik</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="meiner Logik ] vgl. über diesen nicht in einer Monographie ausgeführten Plan erstmals Windelband an Jellinek vom 9.10.1888; sowie Windelband an Siebeck vom 30.1.1888, 11.6.1888, 10.3.1902, 7.7.1904, 31.7.1904, 5.10.1906; sowie letztmals Siebeck an Windelband am 21.10.1906, wo das Erscheinungsdatum Sommer/Herbst 1907 avisiert wird.">[2]</a>, die ja nothwendigerweise langsam nur fortschreiten kann und mit der ich eben doch sehr vorsichtig sein muß; wegen der Logik, dachte ich, würden Sie keine Sorge haben. Vor Ende des Jahres wird sie doch auf keinen Fall fertig, und wenn’s Ihnen dann nicht paßt, so verschlägt es mir auch nichts, noch ein paar Monate mit dem Druck zu warten. Und ich überlegte mir dabei immer wieder, ob ich Ihrem Wunsche in bezug auf ein <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Lehrbuch der Geschichte der Philosophie ] vgl. Windelband: Geschichte der Philosophie. Freiburg i. B.: Akademische Verlagsbuchhandlung J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1892. Vorwort: Straßburg, im November 1891. Zunächst in drei Lieferungen: 1. u. 2. Lieferung (S. 1–256) 1890. Prospekt zur 1. Lieferung: Strassburg i. E., Herbst 1889. – 3. u. 4. Lieferung (VII u. S. 257–516) Freiburg i. B. 1892. Vorwort: Straßburg, im November 1891. Vgl. den Verlagsvertrag vom 15./17.9.1889, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 B 1, 6, M. 1. Seit der 3. Aufl. (1903) u. d. T. Lehrbuch der Geschichte der Philosophie (zu Lebzeiten Windelbands insgesamt 6 Aufl.).&#xD;&#xA;">Lehrbuch der Geschichte der Philosophie</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Lehrbuch der Geschichte der Philosophie ] vgl. Windelband: Geschichte der Philosophie. Freiburg i. B.: Akademische Verlagsbuchhandlung J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1892. Vorwort: Straßburg, im November 1891. Zunächst in drei Lieferungen: 1. u. 2. Lieferung (S. 1–256) 1890. Prospekt zur 1. Lieferung: Strassburg i. E., Herbst 1889. – 3. u. 4. Lieferung (VII u. S. 257–516) Freiburg i. B. 1892. Vorwort: Straßburg, im November 1891. Vgl. den Verlagsvertrag vom 15./17.9.1889, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 B 1, 6, M. 1. Seit der 3. Aufl. (1903) u. d. T. Lehrbuch der Geschichte der Philosophie (zu Lebzeiten Windelbands insgesamt 6 Aufl.).">[3]</a> doch irgendwie nachkommen könnte, ohne meinen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="beiden eigenen Büchern ] vgl. Windelband: Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. 2 Bde. Leipzig: Breitkopf u. Härtel 1878–80.&#xD;&#xA;">beiden eigenen Büchern</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="beiden eigenen Büchern ] vgl. Windelband: Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. 2 Bde. Leipzig: Breitkopf u. Härtel 1878–80.">[4]</a> und deren Verlegern eine thörichte und durch den Anstand verbotene Concurrenz zu machen.</p><p class="ED-p">Es ist schließlich nur eine einzige Möglichkeit, deren Gedanke mir vor etwa acht Tagen aufging, und mich seitdem fast ausschließlich beschäftigt hat: wir müssen eine gänzlich neue Art in der Behandlung des Gegenstandes wählen. Die bisherige Uebung an der im wesentlichen doch auch meine Bücher festhalten, liefert immer auch eine Geschichte mehr der Philosophen als der Philosop<span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="hie ] Wortteil unterstrichen&#xD;&#xA;">hie</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="hie ] Wortteil unterstrichen">[b]</a>. Was es noch nicht giebt, ist eine solche Geschichte der Philosophie, d. h. eine Geschichte der Probleme, ihres pragmatischen Ursprungs, ihrer Lösungen und Lösungsversuche, ihrer Verschiebungen und Verzweigungen. Zwar habe ich auf diesen Gesichtspunkt schon in meinen bisherigen Behandlungen mehr Rücksicht genommen, als irgend ein Andrer seit <span class="ED-name">Hegel</span> (und irre ich nicht, so hat das wesentlichen Antheil an dem Beifall, den ich eben gefunden habe); aber man sollte ihn nun einmal rein herausstellen und schüfe damit wenigstens etwas, womit man sich sehen lassen könnte.</p><p class="ED-p">Es würden also die Männer und Männerchen, sowie ihre Lebensumstände und das eigentlich literarhistorische und textkritische Material nur auf das allerknappste und als Nebensache, vielleicht in kleinerem Druck behandelt, dagegen mit aller Genauigkeit und Schärfe die Probleme entwickelt und <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="die … sind ] frühestes Auftreten der Formel, mit der Windelband sein Programm umriß, z. B. in der Einleitung seines späteren Lehrbuchs der Geschichte der Philosophie.&#xD;&#xA;">die Begriffe aufgezeigt werden, welche zu ihrer Lösung erzeugt worden sind</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="die … sind ] frühestes Auftreten der Formel, mit der Windelband sein Programm umriß, z. B. in der Einleitung seines späteren Lehrbuchs der Geschichte der Philosophie.">[5]</a>. Diese Leistungen der Philosophie sollen genau bestimmt und gewerthet werden. Es würde auf diese Weise kein literarhistorisches und spezifisch gelehrtes, sondern selbst ein philosophisches Buch. Es enthielte aber damit auch alles, was der gebildete Mensch an der Geschichte der Philosophie brauchen kann und aus ihr wissen soll – es enthielte (praktisch gesprochen, da es sich um ein Lehrbuch handelt) auch Alles, was vernünftigerweise in einem Examen über Philosophie von dem, der nicht Fachphilosoph ist, gefordert und gefragt werden kann.</p><p class="ED-p">Einen solchen Extract der Gesch<span class="ED-add">[ichte]</span> der Philosophie zu geben, halte ich mich für berechtigt: nachdem die früheren Darstellungen bewiesen haben, daß ich das Einzelne durcharbeitet habe, darf ich wohl in Anspruch nehmen, daß man mir auch bei dieser Behandlung aus der Vogelperspective traut, und brauche ich nicht zu fürchten, daß man darin nur eine freie Phantasie oder eine willkürliche Construction sieht.</p><p class="ED-p">Könnten Sie sich mit diesem Plane (der freilich <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Ihrer ursprünglichen Absicht ] vgl. Windelband an Siebeck vom 7.3.1881 und an Glogau vom 22.7.1883&#xD;&#xA;">Ihrer ursprünglichen Absicht</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Ihrer ursprünglichen Absicht ] vgl. Windelband an Siebeck vom 7.3.1881 und an Glogau vom 22.7.1883">[6]</a> nicht ganz entsprechen dürfte) doch befreunden, so wäre er in verhältnißmäßig kurzer Zeit ausführbar. Denn das Material habe ich fast vollständig beisammen, nicht nur weil ich auf diesen Punct schon immer in den früheren Arbeiten aufmerksam war, sondern auch diese besonderen Studien, die ich bisher zu solchen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="Vorlesungen ] in Freiburg (WS 1878/79) u. Straßburg (WS 1882/83, SS 1886, SS 1888).&#xD;&#xA;">Vorlesungen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="Vorlesungen ] in Freiburg (WS 1878/79) u. Straßburg (WS 1882/83, SS 1886, SS 1888).">[7]</a> wie „Hauptprobleme der theoretischen und der praktischen Philosophie“ ausgeschlachtet habe. Das Ganze würde ich in einem Format wie dem <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-8" title="Beck’schen ] bei Beck war erschienen Windelband: Geschichte der alten Philosophie. In: Geschichte der antiken Naturwissenschaft und Philosophie Bd. 5, Abt. 1. Nördlingen: C. H. Beck 1888, S. 115–337.&#xD;&#xA;">Beck’schen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-8" id="app-editorial-8-ref" title="Beck’schen ] bei Beck war erschienen Windelband: Geschichte der alten Philosophie. In: Geschichte der antiken Naturwissenschaft und Philosophie Bd. 5, Abt. 1. Nördlingen: C. H. Beck 1888, S. 115–337.">[8]</a> auf 20–25 Bogen veranschlagen <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> da ich per Woche etwa <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-9" title="einen Bogen ] entspricht 16 Druckseiten&#xD;&#xA;">einen Bogen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-9" id="app-editorial-9-ref" title="einen Bogen ] entspricht 16 Druckseiten">[9]</a> sicher leisten kann, so könnte das Manuskript noch <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-10" title="im Sommersemester fertig ] vgl. die Datierung des Prospekts zur 1. Lieferung: Strassburg i. E., Herbst 1889. Vgl. den Verlagsvertrag vom 15./17.9.1889, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 B 1, 6, M. 1&#xD;&#xA;">im Sommersemester fertig</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-10" id="app-editorial-10-ref" title="im Sommersemester fertig ] vgl. die Datierung des Prospekts zur 1. Lieferung: Strassburg i. E., Herbst 1889. Vgl. den Verlagsvertrag vom 15./17.9.1889, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 B 1, 6, M. 1">[10]</a> werden.</p><p class="ED-p">Nun schreiben Sie mir aber, bitte, verehrter Herr, ganz offen, was Sie davon halten. Wenn es Sie von Ihrer Absicht zu weit abführt, so will ich Ihre Kreise damit durchaus nicht stören; dann lege ich den Plan auf später zurück, aber in der üblichen Weise ein Lehrbuch für Sie zu schreiben, bin ich meinen beiden Büchern und Verlegern gegenüber wirklich nicht im Stande.</p><p class="ED-p">Bei diesen Ueberlegungen – in Betracht der liebenswürdigen Voreingenommenheit, mit der Sie gerade von mir so ein Lehrbuch wünschen – zugleich aus besonderer Veranlassung – bin ich auch meinem älteren <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-11" title="Plane ] der im folgenden entwickelt gelangte nicht zur Ausführung&#xD;&#xA;">Plane</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-11" id="app-editorial-11-ref" title="Plane ] der im folgenden entwickelt gelangte nicht zur Ausführung">[11]</a> wieder näher getreten, den ich bei dieser Gelegenheit wenigstens, mit der Bitte um Discretion, erwähnen, aber nur ganz problematisch hinstellen will, weil ich ein paar Tage lang daran dachte, Ihnen denselben statt der Gesch<span class="ED-add">[ichte]</span> d<span class="ED-add">[er]</span> Philos<span class="ED-add">[ophie]</span> unterzuschieben. Da wäre ein Lehrbuch der philosophischen Propädeutik für den Unterricht auf den Gymnasien eines der nothwendigsten Desiderata. Wie oft werde ich von Lehrern, denen das plötzlich zufällt, befragt, was sie machen sollen! Und in der That weiß selten einer was d’raus zu machen, ein rechtes Lehrbuch giebt’s nicht, und so bleibt die Sache dürftig und langweilig. Da trag’ ich mich nun schon seit meiner Zürcher Zeit, wo der Nothstand mir sehr nahe trat, mit einem Gedanken: man könnte aus diesem Unterricht wirklich den organischen Abschluß der ganzen Gymnasialerziehung machen, wenn man ihn um den Begriff der Wissenschaft gruppirte, für die doch jene ganze Erziehung vorbilden soll. Aus der empirischen Psychologie ausgewählt, was aus dem Vorstellungs- und Willensleben erforderlich ist, um Wesen und Werth der Wissenschaft zu verstehen – formal Logik und Methodologie in allgemeinsten Umrissen, vielleicht Encyklopädie, um die Zusammengehörigkeit der Einzelwissenschaften dem Abiturienten fühlbar zu machen, – endlich eine kurze Uebersicht über die Geschichte der Philosophie, Hauptgegensätze der Weltanschauung und Wechsel der wissenschaftlichen Bewegung. Alles so behandelt, daß ein kurzer, klarer einfacher Text für den Schüler da wäre, während Anmerkungen dem Lehrer Beispiele und literarische Winke an die Hand gäben, letztere auf einen relativ kleinen Kreis von verbreiteteren Bücher möglichst beschränkt. Im Ganzen vielleicht 6–8 Bogen. Als Anfang eine <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="Chrestomathie ] Crysthomatie&#xD;&#xA;">Chrestomathie</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="Chrestomathie ] Crysthomatie">[c]</a> philosophischer Originalstücke mit Noten zur Erleichterung der Interpretation. – Was halten Sie davon?</p><p class="ED-p">Und nun nochmals die Bitte, mein Zögern zu entschuldigen! Mögen diese Zeilen Sie wohl treffen! Wie ich höre, wollen auch Sie das schöne <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-12" title="Freiburg verlassen ] der Verlagssitz der Firma Mohr (Siebeck) wurde 1899 von Freiburg zurück nach Tübingen verlegt.&#xD;&#xA;">Freiburg verlassen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-12" id="app-editorial-12-ref" title="Freiburg verlassen ] der Verlagssitz der Firma Mohr (Siebeck) wurde 1899 von Freiburg zurück nach Tübingen verlegt.">[12]</a> und in unser großes Centrum gravitiren: Glück auf!</p><p class="ED-p">Mit bestem Gruß in treuer Hochschätzung Ihr</p><p class="ED-signed">Windelband</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Strassburg <abbr class="ED-abbr">i E.</abbr> 28.1.89</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>mit Vermerk über Antwortschreiben (nicht ermittelt) am <span class="ED-rdg">5/II.89.</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">hie</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Wortteil unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Chrestomathie</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">Crysthomatie</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-note">Transkription von Klaus Christian Köhnke</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Kollation derzeit nicht möglich. Der Transkription liegt die Datei <span class="ED-rdg">Manuskript: Windelband Briefe | herauszugeben von K. C. Köhnke | Ausdruck vom 1.3.2012</span> zugrunde, die den Herausgebern zur Verfügung steht. Ein Ausdruck dieser Datei befindet sich in öffentlichem Besitz (Universität Leipzig, Nachlass Klaus Christian Köhnke NL 330/3/1/2). Die Signatur des Originals ist mit Stichtag 14.5.2018 noch nicht bekannt. Laut telefonischer Auskunft von Roland Klein, Referat für Nachlässe und Autographen der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz vom 21.11. und 2.12.2016 ist die Erfassung des Nachlasses 488 (Verlagsarchiv Mohr-Siebeck) noch nicht abgeschlossen.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">meiner Logik</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> über diesen nicht in einer Monographie ausgeführten Plan erstmals Windelband an <span class="ED-name">Jellinek</span> vom 9.10.1888; sowie Windelband an <span class="ED-name">Siebeck</span> vom 30.1.1888, 11.6.1888, 10.3.1902, 7.7.1904, 31.7.1904, 5.10.1906; sowie letztmals <span class="ED-name">Siebeck</span> an Windelband am 21.10.1906, wo das Erscheinungsdatum Sommer/Herbst 1907 avisiert wird.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Lehrbuch der Geschichte der Philosophie</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband: Geschichte der Philosophie. Freiburg i. B.: Akademische Verlagsbuchhandlung J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1892. Vorwort: Straßburg, im November 1891. Zunächst in drei Lieferungen: 1. <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> 2. Lieferung (<abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 1–256) 1890. Prospekt zur 1. Lieferung: Strassburg i. E., Herbst 1889. – 3. u. 4. Lieferung (VII <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 257–516) Freiburg i. B. 1892. Vorwort: Straßburg, im November 1891. <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">Vgl.</abbr> den Verlagsvertrag vom 15./17.9.1889, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 B 1, 6, M. 1. Seit der 3. <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> (1903) <abbr title="unter dem Titel" class="ED-abbr">u. d. T.</abbr> Lehrbuch der Geschichte der Philosophie (zu Lebzeiten Windelbands insgesamt 6 <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">beiden eigenen Büchern</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband: Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. 2 <abbr title="Bände" class="ED-abbr">Bde.</abbr> Leipzig: Breitkopf <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> Härtel 1878–80.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">die … sind</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> frühestes Auftreten der Formel, mit der Windelband sein Programm umriß, <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> in der Einleitung seines späteren Lehrbuchs der Geschichte der Philosophie.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihrer ursprünglichen Absicht</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Siebeck vom 7.3.1881 und an Glogau vom 22.7.1883</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Vorlesungen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>in Freiburg (<abbr title="Wintersemester" class="ED-abbr">WS</abbr> 1878/79) <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> Straßburg (<abbr title="Wintersemester" class="ED-abbr">WS</abbr> 1882/83, SS 1886, <abbr title="Sommersemester" class="ED-abbr">SS</abbr> 1888).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-8"><span class="ED-app-num">8</span><a href="#app-editorial-8-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Beck’schen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>bei Beck war erschienen Windelband: Geschichte der alten Philosophie. In: Geschichte der antiken Naturwissenschaft und Philosophie <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 5, <abbr title="Abteilung" class="ED-abbr">Abt.</abbr> 1. Nördlingen: C. H. Beck 1888, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 115–337.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-9"><span class="ED-app-num">9</span><a href="#app-editorial-9-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">einen Bogen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>entspricht 16 Druckseiten</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-10"><span class="ED-app-num">10</span><a href="#app-editorial-10-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">im Sommersemester fertig</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> die Datierung des Prospekts zur 1. Lieferung: Strassburg i. E., Herbst 1889. <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">Vgl.</abbr> den Verlagsvertrag vom 15./17.9.1889, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 B 1, 6, M. 1</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-11"><span class="ED-app-num">11</span><a href="#app-editorial-11-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Plane</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>der im folgenden entwickelt gelangte nicht zur Ausführung</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-12"><span class="ED-app-num">12</span><a href="#app-editorial-12-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Freiburg verlassen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>der Verlagssitz der Firma Mohr (Siebeck) wurde 1899 von Freiburg zurück nach Tübingen verlegt.</div></div></body></html>