Windelband an Wilhelm Nokk, Freiburg i. Br., 11.9.1880, 3 S., hs. (dt. Schrift), Generallandesarchiv Karlsruhe, 52 Nokk 201
Freiburg i/B. 11. Sept[ember] 1880.[a]
Hochzuverehrender Herr Oberschulrathsdirector![b]
Die Eingabe um Gewährung von Reisemitteln[1] aus dem Fonds für Künste und Wissenschaften, zu welcher Euer Hochwohlgeboren die Güte hatten, mir im vergangnen Frühjahr den freundlichen Rath zu ertheilen, habe ich bis in diese Tage aufgeschoben, weil ich hoffte, damit an Euer Hochwohlgeboren die Uebersendung eines Exemplars von meinem jetzt im Erscheinen begriffenen zweiten Bande (die Blüthezeit der deutschen Philosophie, von Kant bis Hegel) verbinden zu können. Da ich jedoch auf die gebundenen Exemplare noch immer vergeblich warte, so habe ich mit der Eingabe nicht länger zögern wollen und bitte nur um die Erlaubniß, den Band, sobald ich ihn erhalte, Euer Hochwolgeboren übersenden zu dürfen. |
In der Eingabe selbst habe ich meine Bitte etwas höher gestellt, als Euer Hochwohlgeboren, mir die Aussicht erweckten, und ich gestatte mir eine kurze Begründung davon.
Aus eignen Mitteln, wie Euer Hochwohlgeboren mir damals nahe legten, jetzt zunächst die Reise nach Paris zu bestreiten, war mir bei meinen pecuniären Verhältnissen durchaus unmöglich, da ich mit meiner Familie lediglich von den Ihnen bekannten Competenzen meines Amtes existire: ich bin somit für beide Reisen auf die Unterstützung des Staates angewiesen. Nun würden sich aber die Kosten wesentlich verringern, wenn ich beide Reisen[c] unmittelbar nach einander machen könnte: ich würde dann im Zusammenhange arbeiten und nicht nur Reisekosten, sondern auch Arbeitszeit sparen. Ein kleines Vierteljahr, sechs Wochen für jede der Städte würden nach meinem Ueberschlage alsdann genügen.
Unter diesen Umständen gestatte ich mir Euer | Hochwohlgeboren recht sehr an’s Herz zu legen, ob es nicht möglich wäre, mir aus jenem Fonds einen Betrag von einer Höhe zu bewilligen, wodurch es mir gestattet wäre, die Reisen in dieser Weise zu combiniren: würde mir dann für den Mai nächsten Jahres Urlaub ertheilt, so wäre Alles mit einem Mal abgemacht, und ich könnte dann hoffen, mein Werk bald zum Abschluß zu bringen, während andernfalls, wenn ich im nächsten Jahre nur zu einer der Reisen käme, dieser Abschluß sich immer weiter hinausschöbe und dadurch zugleich die Continuität meiner Arbeit in empfindlicher Weise gestört würde.
Das liebenswürdige Interesse, welches Euer Hochwohlgeboren meiner Lehrthätigkeit und meinem Werke zugewendet haben, läßt mich hoffen, bei Ihnen eine gütige Fürsprache für mein eingereichtes Gesuch zu finden, und indem ich meine[d] Sache Ihrem geneigten Wohlwollen empfehle, verbleibe ich mit aufrichtiger Verehrung und Hochschätzung[e]
Euer Hochwohlgeboren[f]
ganz ergebner[g]
H W. Windelband.