<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Georg Jellinek, Freiburg i. Br., 28.12.1877, 4 S., hs. (dt. Schrift), Bundesarchiv Koblenz, Nachlass Georg Jellinek, N 1136/56</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000095-9"/><style type="text/css">
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(dt. Schrift)</span>, <span class="ED-pubPlace">Bundesarchiv Koblenz, Nachlass Georg Jellinek, N 1136/56</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-dateline">Freiburg <abbr class="ED-abbr">i B.</abbr> Eisenbahnstr 66 28 Dec<span class="ED-add">[ember]</span> 1877</p><p class="ED-salute">Lieber guter Freund,</p><p class="ED-p">Deinen Glauben an mich und Deine freundschaftliche Gesinnung habe ich in der That auf eine harte Probe gestellt, und selbst in den mannigfach wechselnden Schicksalen und <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Wanderungen ] belegt ist, neben der hier v. a. gemeinten akademischen Episode Windelbands in Zürich, zumindest ein Besuch Windelbands bei Hermann Siebeck (1842–1920, von 1875–1883 Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Basel) in Basel, vgl. Hermann Siebeck an Gustav Glogau vom 12.10.1877: Windelband, der kürzlich hier war, empfahl mir für Deinen Zweck Gießen und Würzburg, wo man eine tüchtige philosophische Kraft wünschen soll (Ingrid Belke (Hg.): Moritz Lazarus und Heymann Steinthal. Die Begründer der Völkerpsychologie in ihren Briefen Bd. 2/1. Mit einer Einleitung. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1983, S. 64).&#xD;&#xA;">Wanderungen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Wanderungen ] belegt ist, neben der hier v. a. gemeinten akademischen Episode Windelbands in Zürich, zumindest ein Besuch Windelbands bei Hermann Siebeck (1842–1920, von 1875–1883 Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Basel) in Basel, vgl. Hermann Siebeck an Gustav Glogau vom 12.10.1877: Windelband, der kürzlich hier war, empfahl mir für Deinen Zweck Gießen und Würzburg, wo man eine tüchtige philosophische Kraft wünschen soll (Ingrid Belke (Hg.): Moritz Lazarus und Heymann Steinthal. Die Begründer der Völkerpsychologie in ihren Briefen Bd. 2/1. Mit einer Einleitung. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1983, S. 64).">[1]</a> liegt kaum eine Entschuldigung dafür, daß ich Dir so sehr, sehr lange nicht geschrieben habe; sie liegt höchstens darin, daß ich mitten in diesem Wechsel mit Aufbietung aller Kräfte und aller Zeit nach einem ersten Abschluß meiner Arbeiten suchte, den ich nun wenigstens bald vor mir sehe. Dennoch, hoffe ich, wirst Du überzeugt geblieben sein, von der herzlichen Zuneigung, mit der ich nicht aufhöre, Deiner zu gedenken, von der freudigen Theilnahme, mit der ich gehört habe, daß Du der Dir schließlich doch nicht sympathischen Theilnahme an der practischen Staatsthätigkeit entsagt und Dich nun ganz dem Ziele gewidmet hast, für das ich von Anfang an gemeint habe, Dich bestimmt halten zu sollen. Wann werd’ ich Dich als Collegen begrüßen dürfen? ich harre schon lange Deiner <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Habilitationsschrift ] vgl. Jellinek: Die socialethische Bedeutung von Recht, Unrecht und Strafe. Wien: Hölder 1878. Als Habilitationsschrift abgewiesen; vgl. Windelband an Ehrenberg vom 6.7.1879.&#xD;&#xA;">Habilitationsschrift</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Habilitationsschrift ] vgl. Jellinek: Die socialethische Bedeutung von Recht, Unrecht und Strafe. Wien: Hölder 1878. Als Habilitationsschrift abgewiesen; vgl. Windelband an Ehrenberg vom 6.7.1879.">[2]</a>! Besten Dank für die Uebersendung jener gelegentlichen Vorläufer dazu; sie zeigen Dich genau in der Richtung, von der ich glaubte, daß Deine so umfangreichen Studien sich in ihr zu glücklichster Vereinigung concentriren würden, in derjenigen der Gesellschafts-, Rechts- und Geschichtsphilosophie. Es ist das ein Gebiet, auf dem ich die Arbeit einer tüchtigen, reich ausgestatteten Kraft um so lieber begrüße, je mehr es mir selbst bei der naturwissenschaftlich-psychologisch-erkenntnistheoretischen (die Klimax meiner Studien!) Richtung meines Denkens fremd ist, und je mehr ich überzeugt bin, daß die Bebauung gerade dieses Feldes von echt wissenschaftlichem Standpunct aus gegenüber dem wüsten Gerede journalistischer Schnellfertigkeit durchaus <span class="ED-pb">|</span> mit jedem Jahre nothwendiger wird! Die Vereinigung des <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr. </abbr>juris und des <abbr title="Doctor philosophiae" class="ED-abbr">Dr. philos.</abbr>, welche Du in mehr als <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="äußerer ] äußererer&#xD;&#xA;">äußerer</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="äußerer ] äußererer">[a]</a> Weise in Dir hast, ist selten, und ich hoffe, gerade von ihr beste Früchte zu genießen. Ob sie am Baume einer juristischen oder einer philosophischen Facultät hangen, bleibt sich doch schließlich gleich! Und wenn Du <span class="ED-name">Brentano</span>’sche Unbequemlichkeiten mit Recht fürchtest, – warum willst Du ihnen nicht aus dem Wege gehen? Dieser Biedermann scheint ja ganz seinen Antecedentien zu entsprechen. Nachdem der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="erste Band seiner Psychologie ] vgl. Franz Brentano: Psychologie vom empirischen Standpunkte. 1. Bd. Leipzig: Duncker &amp; Humblot 1874. Entgegen der Ankündigung im Vorwort ist ein 2. Bd. nie erschienen.&#xD;&#xA;">erste Band seiner Psychologie</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="erste Band seiner Psychologie ] vgl. Franz Brentano: Psychologie vom empirischen Standpunkte. 1. Bd. Leipzig: Duncker &amp; Humblot 1874. Entgegen der Ankündigung im Vorwort ist ein 2. Bd. nie erschienen.">[3]</a> zur Erlangung der agitatorischen Professur ausgereicht, erwarten wir den seit 4 Jahren versprochenen zweiten vergebens! Freilich mag er in der Ausführung auf Hindernisse gestoßen sein. Sowohl die von ihm und seinem Schüler <span class="ED-name">Stumpf</span> so emphatisch versprochene Umwälzung der gesammten Logik durch einen giltigen Schluß aus 4 Terminis, als auch der in Aussicht gestellte empirische Beweis für die Unsterblichkeit des individuellen „Seelenlebens“ mögen doch selbst für einen solchen Mann nicht schnell gehen, zumal, da nach beiden Richtungen hin die sonst so schätzenswerte Hilfe Sir <span class="ED-name">John Stuart Mill</span>’s, Sir <span class="ED-name">William Hamilton</span>’s, Sir usw. ihn im Stiche lassen muß. Für die erste jener Aufgaben ist zudem der seichte Brei der bisherigen Darstellung ebensowenig brauchbar, wie er für die zweite günstig sein wird. Daher offenbar eine gewisse „Entmuthigung auf dem Gebiete der <abbr title="kaiserlich-königlich" class="ED-abbr">K. k.</abbr> autorisirten Philosophie“ Platz gegriffen hat.</p><p class="ED-p">Was mich anbetrifft, liebster Freund, so hast Du, wie Du mir – <span class="ED-pb">|</span> ich schäme mich zu denken, wann – schriebest, mancherlei durch meinen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Schwager ] welcher der Brüder Martha Windelbands, geb. Wichgraf, Kontakt mit Jellinek unterhielt, ist nicht bekannt&#xD;&#xA;">Schwager</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Schwager ] welcher der Brüder Martha Windelbands, geb. Wichgraf, Kontakt mit Jellinek unterhielt, ist nicht bekannt">[4]</a> erfahren. Ich bin um manche äußere und innere Erfahrung reicher aus der Schweiz wieder fortgegangen. Wenn ich kurz sagen soll, weshalb, so war es aus dem unveräußerlichen und dort geschärften Aristokratismus meines Denkens. ich habe in der Republik gelernt, den Segen der <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="gegliederten ] unterstrichen&#xD;&#xA;">gegliederten</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="gegliederten ] unterstrichen">[b]</a> Gesellschaft zu begreifen. Es hat mich nach wenigen Wochen ein <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Depit ] frz. Unwille, Verdruß&#xD;&#xA;">Depit</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Depit ] frz. Unwille, Verdruß">[5]</a> ergriffen vor dieser selbstgefälligen Tyrannei des breitmäuligen Pöbels, der nach seinem Ellenmaße auch die geistige Arbeit mißt und jenes vielleicht forcirte „deutsche Professorenbewußtsein“, das wir von Jugend auf einsaugen und das den Lehrer der Wissenschaft zu den „Besten“ rechnet; bäumte sich dagegen auf, von jedem Bummler, der 1000 <abbr class="ED-abbr">fr</abbr> jährlich mehr auszugeben hat, als „nur e Professörle“ über die Achsel angesehen zu werden. Es ist viel solide, gesunde Ursprünglichkeit im Schweizer Volk und Schweizer Leben, aber dabei eine unsägliche Nüchternheit, ein bornirtes Practisch-sein, und eine alberne Selbstüberhebung, eine entsetzlich beschränkte Freigeistigkeit. Du hast vielleicht in der Vierteljahrsschrift f<span class="ED-add">[ür]</span> wissensch<span class="ED-add">[aftliche]</span> Philos<span class="ED-add">[ophie]</span> meine <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Spinoza-Rede ] von Windelband: Zum Gedächtniss Spinoza’s (An seinem zweihundertjährigen Todestage gesprochen an der Universität Zürich). In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), S. 419–440. Dort findet sich in der Schlußpassage z. B. der Satz: Geschieden von seiner Familie und seinem Volke, ohne Freunde, keines Staates Bürger und Mitglied keiner Konfession – so ist er ein echtes Bild jener Heimatlosigkeit, welche den Genius in dieser Welt kennzeichnet.&#xD;&#xA;">Spinoza</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Spinoza-Rede ] von Windelband: Zum Gedächtniss Spinoza’s (An seinem zweihundertjährigen Todestage gesprochen an der Universität Zürich). In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), S. 419–440. Dort findet sich in der Schlußpassage z. B. der Satz: Geschieden von seiner Familie und seinem Volke, ohne Freunde, keines Staates Bürger und Mitglied keiner Konfession – so ist er ein echtes Bild jener Heimatlosigkeit, welche den Genius in dieser Welt kennzeichnet.&#xD;&#xA;">-Rede</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Spinoza-Rede ] von Windelband: Zum Gedächtniss Spinoza’s (An seinem zweihundertjährigen Todestage gesprochen an der Universität Zürich). In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), S. 419–440. Dort findet sich in der Schlußpassage z. B. der Satz: Geschieden von seiner Familie und seinem Volke, ohne Freunde, keines Staates Bürger und Mitglied keiner Konfession – so ist er ein echtes Bild jener Heimatlosigkeit, welche den Genius in dieser Welt kennzeichnet.">[6]</a> gelesen. Der ganze Schluß ist nur begreiflich als ein Ausdruck meiner Stimmung und als ein – verhallendes – Mahnwort an die schweizerischen Zuhörer. Der nivellirende Unsinn der Züricher Demokratie ist es gewesen, der mich forttrieb; ich hatte Heimweh nach einer monarchischen Regierung, unter der es eine Freiheit giebt, von der man dort Nichts weiß. Es giebt in der Schweiz nur Eine, allerdings eine sehr werthvolle Freiheit, – diejenige der Rede, <abbr title="das heißt" class="ED-abbr">d. h.</abbr> des Schimpfes. Man hat dort immer die Leber frei. Aber <span class="ED-pb">|</span> sonst ist es – in Zürich wenigstens – eine Pöbelherrschaft, welche auf dem besten Wege ist, dieses vortrefflich und tief tüchtig angelegte Volk zu ruiniren! So bin ich denn – unter Aufgabe eines Züricher Mehrangebotes von 2000 <abbr title="Mark" class="ED-abbr">Mk.</abbr> gegenüber meiner hiesigen Besoldung – doch auf den heimatlichen Boden meiner Bildung zurückgekehrt, und ich bereue es nicht. Ich habe eine kleine – übrigens der Züricher gegenüber entschieden größere –, aber angenehme Wirksamkeit. Leider viel zu thun, da ich außer dem 80jährigen <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="Sengler ] Jakob Sengler (11.9.1799–5.11.1878, seit Herbst 1842 an der Universität Freiburg; ADB)&#xD;&#xA;">Sengler</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="Sengler ] Jakob Sengler (11.9.1799–5.11.1878, seit Herbst 1842 an der Universität Freiburg; ADB)">[7]</a></span>, einem seit vierzig Jahren gestorbenen <span class="ED-name">Schelling</span>ianer, der seit ich hier bin kein Colleg mehr zu Stande gebracht hat, der Einzige bin und deshalb jedes Semester ein theoretisches <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="und ] d&#xD;&#xA;">und</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="und ] d">[c]</a> ein historisches Colleg zu halten mich für verpflichtet ansehe. Das hemmt natürlich meine eigne Arbeit. Doch ist sie so fortgeschritten, daß ich hoffe, Du sollst <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-8" title="zu Ostern ] 21.4./22.4.1878&#xD;&#xA;">zu Ostern</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-8" id="app-editorial-8-ref" title="zu Ostern ] 21.4./22.4.1878">[8]</a> den ersten methodologischen Band meiner – <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-9" title="Psychologie ] vgl. zum Interesse daran Jellinek an Victor Ehrenberg aus Mödling (bei Wien) vom 8.8.1876: Windelband hat mir seine Antrittsrede aus Zürich geschickt. Sie ist ein vollständiges Programm; wissenschaftliche Constituirung der Psychologie durch Herstellung einer gemeinsamen Terminologie, Detailarbeiten und Lostrennen des Gegenstandes von der Philosophie, natürlich ohne die Fühlung mit ihr zu verlieren. Die Bildung der Wissenschaften hat große Aehnlichkeit mit der des Planetensystems. Wie hier von der Sonne die Planeten, so trennen sich dort von der Philosophie die Einzelwissenschaften los, der Unterschied ist nur, daß die Planeten in erborgtem Lichte glänzen, während die Specialdisciplinen aus eigener Kraft zu leuchten glauben und die alte Mama nur die höchst langweilige Rolle des idealen Centrums zu spielen hat (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 258–259).&#xD;&#xA;">Psychologie</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-9" id="app-editorial-9-ref" title="Psychologie ] vgl. zum Interesse daran Jellinek an Victor Ehrenberg aus Mödling (bei Wien) vom 8.8.1876: Windelband hat mir seine Antrittsrede aus Zürich geschickt. Sie ist ein vollständiges Programm; wissenschaftliche Constituirung der Psychologie durch Herstellung einer gemeinsamen Terminologie, Detailarbeiten und Lostrennen des Gegenstandes von der Philosophie, natürlich ohne die Fühlung mit ihr zu verlieren. Die Bildung der Wissenschaften hat große Aehnlichkeit mit der des Planetensystems. Wie hier von der Sonne die Planeten, so trennen sich dort von der Philosophie die Einzelwissenschaften los, der Unterschied ist nur, daß die Planeten in erborgtem Lichte glänzen, während die Specialdisciplinen aus eigener Kraft zu leuchten glauben und die alte Mama nur die höchst langweilige Rolle des idealen Centrums zu spielen hat (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 258–259).">[9]</a> in Händen haben. Die Methodengeschichte ist aufgeschoben, seit ich mich von der <span class="ED-name">Kant</span>literatur in dem Dir bekannten <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-10" title="Aufsatze ] Windelband: Ueber die verschiedenen Phasen der Kantischen Lehre vom Ding-an-sich. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), S. 224–266.&#xD;&#xA;">Aufsatze</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-10" id="app-editorial-10-ref" title="Aufsatze ] Windelband: Ueber die verschiedenen Phasen der Kantischen Lehre vom Ding-an-sich. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), S. 224–266.">[10]</a> „gereinigt“ habe. Leider giebt die V<span class="ED-add">[ierteljahrsschrift]</span> nur 6 Abzüge, so daß ich Dir zu meinem Bedauern nicht immer einen schicken kann: im nächsten Heft wirst Du meine – psychologische – hiesige <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-11" title="Antrittsrede ] Windelband: Ueber den Einfluss des Willens auf das Denken. Eine Antrittsvorlesung [Universität Freiburg]. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 2 (1878), S. 265–297.&#xD;&#xA;">Antrittsrede</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-11" id="app-editorial-11-ref" title="Antrittsrede ] Windelband: Ueber den Einfluss des Willens auf das Denken. Eine Antrittsvorlesung [Universität Freiburg]. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 2 (1878), S. 265–297.">[11]</a> finden.</p><p class="ED-p">Daneben lebt es sich hier entzückend. Prachtvolle Natur, zu Spaziergängen viel schöner als Zürich, mildes Klima, angenehmer, ungezwungener Verkehr. Sollte Dich nicht dieser Sommer einmal in den Schwarzwald führen? Den Nerven ist er, wie ich aus eigner Erfahrung bestätige, sehr zuträglich. Doch hoffe ich, daß Deine Nerven ihn nicht mehr nöthig haben! Um so mehr will ich wünschen, daß Du uns Deinen Besuch schenkst zur Erneuerung unvergessener Tage! Vergilt Böses mit Guten und theile mir bald mit, daß Du wieder ganz wohl bist! Meine Frau läßt Dich bestens grüßen! Empfehle mich Deinen verehrten Eltern. ich selbst und meine Töchter <span class="ED-name">Dora</span> und <span class="ED-name">Meta</span> kommen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-12" title="im Bilde ] Fotografie nicht überliefert&#xD;&#xA;">im Bilde</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-12" id="app-editorial-12-ref" title="im Bilde ] Fotografie nicht überliefert">[12]</a>, um freundliche Aufnahme bittend.</p><p class="ED-p">In treuer Freundschaft</p><p class="ED-p">Dein</p><p class="ED-signed">W Windelband</p><hr class="ED-postscript"/><p class="ED-p">Was macht <span class="ED-name">Ehrenberg</span>? Ich habe seine Spur verloren <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="und ] d&#xD;&#xA;">und</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="und ] d">[d]</a><span class="ED-add"> </span>fände sie gerne wieder! Wohin schreibt man ihm?</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">äußerer</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">äußererer</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">gegliederten</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">und</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">d</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">und</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">d</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Wanderungen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>belegt ist, neben der hier <abbr title="vor allem" class="ED-abbr">v. a.</abbr> gemeinten akademischen Episode Windelbands in Zürich, zumindest ein Besuch Windelbands bei <span class="ED-name">Hermann Siebeck</span> (1842–1920, von 1875–1883 Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Basel) in Basel, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <span class="ED-name">Hermann Siebeck</span> an <span class="ED-name">Gustav Glogau</span> vom 12.10.1877: <span class="ED-rdg">Windelband, der kürzlich hier war, empfahl mir für Deinen Zweck Gießen und Würzburg, wo man eine tüchtige philosophische Kraft wünschen soll</span> (Ingrid Belke (<abbr title="Herausgeber" class="ED-abbr">Hg.</abbr>): Moritz Lazarus und Heymann Steinthal. Die Begründer der Völkerpsychologie in ihren Briefen <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 2/1. Mit einer Einleitung. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1983, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 64).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Habilitationsschrift</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Jellinek: Die socialethische Bedeutung von Recht, Unrecht und Strafe. Wien: Hölder 1878. Als Habilitationsschrift abgewiesen; vgl. Windelband an <span class="ED-name">Ehrenberg</span> vom 6.7.1879.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">erste Band seiner Psychologie</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Franz Brentano: Psychologie vom empirischen Standpunkte. 1. <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> Leipzig: Duncker &amp; Humblot 1874. Entgegen der Ankündigung im Vorwort ist ein 2. <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> nie erschienen.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Schwager</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>welcher der Brüder <span class="ED-name">Martha Windelband</span>s, geb. Wichgraf, Kontakt mit <span class="ED-name">Jellinek</span> unterhielt, ist nicht bekannt</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Depit</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="französisch" class="ED-abbr">frz.</abbr> Unwille, Verdruß</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Spinoza</span>-Rede</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>von Windelband: Zum Gedächtniss Spinoza’s (An seinem zweihundertjährigen Todestage gesprochen an der Universität Zürich). In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 419–440. Dort findet sich in der Schlußpassage <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> der Satz: <span class="ED-rdg">Geschieden von seiner Familie und seinem Volke, ohne Freunde, keines Staates Bürger und Mitglied keiner Konfession – so ist er ein echtes Bild jener Heimatlosigkeit, welche den Genius in dieser Welt kennzeichnet.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Sengler</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Jakob Sengler</span> (11.9.1799–5.11.1878, seit Herbst 1842 an der Universität Freiburg; <abbr title="Allgemeine Deutsche Biographie" class="ED-abbr">ADB</abbr>)</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-8"><span class="ED-app-num">8</span><a href="#app-editorial-8-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">zu Ostern</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>21.4./22.4.1878</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-9"><span class="ED-app-num">9</span><a href="#app-editorial-9-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Psychologie</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> zum Interesse daran <span class="ED-name">Jellinek</span> an <span class="ED-name">Victor Ehrenberg</span> aus Mödling (bei Wien) vom 8.8.1876: <span class="ED-rdg">Windelband hat mir seine Antrittsrede aus Zürich geschickt. Sie ist ein vollständiges Programm; wissenschaftliche Constituirung der Psychologie durch Herstellung einer gemeinsamen Terminologie, Detailarbeiten und Lostrennen des Gegenstandes von der Philosophie, natürlich ohne die Fühlung mit ihr zu verlieren. Die Bildung der Wissenschaften hat große Aehnlichkeit mit der des Planetensystems. Wie hier von der Sonne die Planeten, so trennen sich dort von der Philosophie die Einzelwissenschaften los, der Unterschied ist nur, daß die Planeten in erborgtem Lichte glänzen, während die Specialdisciplinen aus eigener Kraft zu leuchten glauben und die alte Mama nur die höchst langweilige Rolle des idealen Centrums zu spielen hat</span> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr title="am Main" class="ED-abbr">a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 258–259).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-10"><span class="ED-app-num">10</span><a href="#app-editorial-10-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Aufsatze</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Windelband: Ueber die verschiedenen Phasen der Kantischen Lehre vom Ding-an-sich. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 224–266.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-11"><span class="ED-app-num">11</span><a href="#app-editorial-11-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Antrittsrede</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Windelband: Ueber den Einfluss des Willens auf das Denken. Eine Antrittsvorlesung [Universität Freiburg]. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 2 (1878), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 265–297.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-12"><span class="ED-app-num">12</span><a href="#app-editorial-12-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">im Bilde</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Fotografie nicht überliefert</div></div></body></html>