<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Georg Jellinek, Leipzig, 30.12.1875, 4 S., hs. (dt. Schrift), Bundesarchiv Koblenz, Nachlass Georg Jellinek, N 1136/56</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000069-4"/><style type="text/css">
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Windelband an Jellinek vom 17.7.1875&#xD;&#xA;">Drangsal ihrer Krankheit</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Drangsal ihrer Krankheit ] vgl. Windelband an Jellinek vom 17.7.1875">[1]</a> nur kurze Nachricht sandte, bist Du mir verschollen, und auch von <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Tüngel ] vgl. Windelband an Ehrenberg vom 14.1.1875&#xD;&#xA;">Tüngel</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Tüngel ] vgl. Windelband an Ehrenberg vom 14.1.1875">[2]</a></span>, der vor <abbr title="circa" class="ED-abbr">ca.</abbr> 14 Tagen hier nach Hamburg durchreiste, hörte ich nur, das Du, viel beschäftigt, nach dem wissenschaftlichen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="otium cum dignitate ] würdevolle Muße; Ausdruck nach Cicero: De Oratore I, 1–2.&#xD;&#xA;">otium cum dignitate</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="otium cum dignitate ] würdevolle Muße; Ausdruck nach Cicero: De Oratore I, 1–2.">[3]</a> tiefe Sehnsucht empfindest. Aber ich will deshalb das Jahr nicht zu Ende gehen lassen, ohne Dich energisch wieder an mich erinnert zu haben, und in ferienhafter Plauderstimmung lege ich Dir daher die Buße auf, <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="diesen ] unterstrichen&#xD;&#xA;">diesen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="diesen ] unterstrichen">[a]</a> ganzen Brief als Neujahrsgruß hinunter schlucken zu müssen. Ja, um Dir ein Vorbild für eine ähnliche Orientirung über Dein Jahr 1875 zu geben, muß ich beinah chronikhaft verfahren. Mein Leben in diesem Jahr glich der neusten physikalischen Erfindung – der so beliebten <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Lichtmühle ] physikalische Apparatur in einer evakuierten Glaskugel: vier sich um eine Achse drehende, einander gegenüber angebrachte Glimmerplättchen; Drehbewegung beginnt bei Lichteinfall. Erfunden 1873 von dem Physiker William Crookes (1832–1919).&#xD;&#xA;">Lichtmühle</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Lichtmühle ] physikalische Apparatur in einer evakuierten Glaskugel: vier sich um eine Achse drehende, einander gegenüber angebrachte Glimmerplättchen; Drehbewegung beginnt bei Lichteinfall. Erfunden 1873 von dem Physiker William Crookes (1832–1919).">[4]</a>: es hatte immer nur geradeso viel Bewegung als ihm von außen Licht zugeführt wurde. Drum war es so wechselnd, <span class="ED-pb">|</span> bald viel Licht, und bald viel Schatten. ich weiß nicht, aus welcher Zeit der dunklen Monate ich damals an Dich schrieb, und drum erzähl’ ich von Anfang. Den März über lebte ich nur von den schwachen Hoffnungsstrahlen, die am Krankenbette aufstrahlten; den April über lichtete sich unser Horizont, meine Frau stand zu Ende des Monats wieder auf, und Mai und Juni brachten uns langsam sichere Genesung, – die holdeste Freude, die mir bisher das Leben gewährt. So das geliebteste Wesen allmählich wieder zu voller Frische und Lebenslust emporblicken zu sehen, – das ist volles, unendliches Glück. Um so schwerer wurde es mir, für den Juli mich von ihr zu trennen; aber Leipzig ist die Hölle für Reconvalescenten, und so bracht’ ich sie für den Juli nach Weimar, wo sie mitten im Park reizend wohnte und von einer mitgereisten <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Tante ] nicht ermittelt&#xD;&#xA;">Tante</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Tante ] nicht ermittelt">[5]</a> wie von meinem dort hausenden <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Malerschwager ] Fritz Wichgraf (1853–1939), Bildnis- und Genremaler in Berlin (WBIS) sowie Südafrika, vgl. Windelband an Ulrich und Elly Stutz vom 16.6.1900.&#xD;&#xA;">Malerschwager</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Malerschwager ] Fritz Wichgraf (1853–1939), Bildnis- und Genremaler in Berlin (WBIS) sowie Südafrika, vgl. Windelband an Ulrich und Elly Stutz vom 16.6.1900.">[6]</a> bestens unterhalten war; ich pflegte von Freitag Mittag bis Sonntag Abend dazusein. August und September haben wir dann in <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="Misdroy ] heute Międzyzdroje, Ostseebad auf der Insel Wollin (Polen)&#xD;&#xA;">Misdroy</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="Misdroy ] heute Międzyzdroje, Ostseebad auf der Insel Wollin (Polen)">[7]</a>, die erste Hälfte des October, durch ein kleines Unwohlsein auf der Rückreise aufgehalten, in Potsdam zugebracht; und seitdem sind wir nun wieder hier, in glücklicher Einsamkeit, still zurückgezogen von <span class="ED-pb">|</span> fast allem Verkehr. Denn wie prächtig sich meine Frau wieder erholt, wie völlig sie alle Reste der bösen Krankheit abgeschüttelt hat, siehst Du daraus, daß der Stern über unserm Leben jetzt sehr hell leuchtet und wir zum Frühjahr <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-8" title="„das Glück dieses Daseins zu perpetuiren“ ] als Zitat nicht nachgewiesen. Der Kontext der Anspielung ist die bevorstehende Geburt von Windelbands Tochter Dora (* 19.3.1876).&#xD;&#xA;">„das </span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-8 app-philological-2" title="„das Glück dieses Daseins zu perpetuiren“ ] als Zitat nicht nachgewiesen. Der Kontext der Anspielung ist die bevorstehende Geburt von Windelbands Tochter Dora (* 19.3.1876).&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Glück ] unterstrichen&#xD;&#xA;">Glück</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Glück ] unterstrichen">[b]</a><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-8" title="„das Glück dieses Daseins zu perpetuiren“ ] als Zitat nicht nachgewiesen. Der Kontext der Anspielung ist die bevorstehende Geburt von Windelbands Tochter Dora (* 19.3.1876).&#xD;&#xA;"> dieses Daseins zu perpetuiren“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-8" id="app-editorial-8-ref" title="„das Glück dieses Daseins zu perpetuiren“ ] als Zitat nicht nachgewiesen. Der Kontext der Anspielung ist die bevorstehende Geburt von Windelbands Tochter Dora (* 19.3.1876).">[8]</a> hoffen dürfen.</p><p class="ED-p">Daß ich in solchen Geschicken wissenschaftlich aus der Hand in den Mund gelebt und für meine Unsterblichkeit noch Nichts weiter gethan habe, mag Dir erklärlich erscheinen! Meine <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-9" title="Methodengeschichte ] die nächste Monographie von Windelband war: Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. 1. Bd.: Von der Renaissance bis Kant. Leipzig: Breitkopf u. Härtel 1878.&#xD;&#xA;">Methodengeschichte</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-9" id="app-editorial-9-ref" title="Methodengeschichte ] die nächste Monographie von Windelband war: Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. 1. Bd.: Von der Renaissance bis Kant. Leipzig: Breitkopf u. Härtel 1878.">[9]</a> soll aber trotzdem nun mit dem neuen Jahr in den Druck; ich <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="muß ] unterstrichen&#xD;&#xA;">muß</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="muß ] unterstrichen">[c]</a> publiciren. <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-10" title="Verschiedene berühmte Universitäten ] vgl. UA Freiburg, B1/1259 Lehrstühle der Philosophischen Fakultät: Der Lehrstuhlinhaber Jakob Sengler (1799–1878, seit Herbst 1842 an der Universität Freiburg; ADB) hatte seit mindestens Sommer 1870 gesundheitliche Probleme. Am 5.11.1874 ergeht ein Antrag auf Einrichtung eines Extraordinariates (Privatdozent Dr. Julius Walter aus Jena vorgeschlagen), der durch das Ministerium des Inneren am 18.11.1874 wegen fehlenden Budgets abgelehnt wird. Ein erneuter Antrag ergeht am 20.1.1875. Das Ministerium des Inneren verlangt vom Senat am 27.1.1875 eine ausführliche Begründung, die Philosophische Fakultät arbeitet am 27.2.1875 zu: Da nun pp. [praemissis praemittendis, lat.: der gebührende Titel sei vorausgeschickt] Walter inzwischen an die Universität Königsberg berufen ist, so gestatten wir uns, an seiner Stelle auf Grund eines ebenfalls einstimmig gefaßten Fakultätsbeschlusses den Privatdocenten Dr. Windelband in Leipzig in Vorschlag zu bringen. Derselbe ist nach den von den verschiedensten Seiten diesseits eingeholten Gutachten ein zu ganz hervorragenden Hoffnungen berechtigender junger Gelehrter, dessen Untersuchungen: über den Zufall und über die Gewißheit der Erkenntniß – anerkannt großen Scharfsinn und ein sehr tüchtiges kritisches Urtheil verrathen und dessen Vorlesungen und Übungen bei den Leipziger Studirenden trotz der großen Zahl tüchtiger anderer Philosophen dortselbst sehr beliebt und geschätzt sind. pp. Windelband war übrigens neben Walter auch schon für Königsberg in Vorschlag gebracht und zwar in gleicher Linie mit diesem. Für den Fall, daß Windelband nicht zu gewinnen sein sollte, hat die Mehrheit der Facultät ferner beschlossen: den Privatdocenten Dr. Class in Tübingen für die gedachte Stelle vorzuschlagen. Zeitgleich war Windelband in Zürich vorgeschlagen und nahm schließlich den dortigen Ruf an.&#xD;&#xA;">Verschiedene berühmte Universitäten</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-10" id="app-editorial-10-ref" title="Verschiedene berühmte Universitäten ] vgl. UA Freiburg, B1/1259 Lehrstühle der Philosophischen Fakultät: Der Lehrstuhlinhaber Jakob Sengler (1799–1878, seit Herbst 1842 an der Universität Freiburg; ADB) hatte seit mindestens Sommer 1870 gesundheitliche Probleme. Am 5.11.1874 ergeht ein Antrag auf Einrichtung eines Extraordinariates (Privatdozent Dr. Julius Walter aus Jena vorgeschlagen), der durch das Ministerium des Inneren am 18.11.1874 wegen fehlenden Budgets abgelehnt wird. Ein erneuter Antrag ergeht am 20.1.1875. Das Ministerium des Inneren verlangt vom Senat am 27.1.1875 eine ausführliche Begründung, die Philosophische Fakultät arbeitet am 27.2.1875 zu: Da nun pp. [praemissis praemittendis, lat.: der gebührende Titel sei vorausgeschickt] Walter inzwischen an die Universität Königsberg berufen ist, so gestatten wir uns, an seiner Stelle auf Grund eines ebenfalls einstimmig gefaßten Fakultätsbeschlusses den Privatdocenten Dr. Windelband in Leipzig in Vorschlag zu bringen. Derselbe ist nach den von den verschiedensten Seiten diesseits eingeholten Gutachten ein zu ganz hervorragenden Hoffnungen berechtigender junger Gelehrter, dessen Untersuchungen: über den Zufall und über die Gewißheit der Erkenntniß – anerkannt großen Scharfsinn und ein sehr tüchtiges kritisches Urtheil verrathen und dessen Vorlesungen und Übungen bei den Leipziger Studirenden trotz der großen Zahl tüchtiger anderer Philosophen dortselbst sehr beliebt und geschätzt sind. pp. Windelband war übrigens neben Walter auch schon für Königsberg in Vorschlag gebracht und zwar in gleicher Linie mit diesem. Für den Fall, daß Windelband nicht zu gewinnen sein sollte, hat die Mehrheit der Facultät ferner beschlossen: den Privatdocenten Dr. Class in Tübingen für die gedachte Stelle vorzuschlagen. Zeitgleich war Windelband in Zürich vorgeschlagen und nahm schließlich den dortigen Ruf an.">[10]</a>, wie Basel, <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-11" title="Königsberg ] vgl. UA Freiburg, B 38/119 Beilagen zu den Protokollverhandlungen des Dekans Hermann von Holst 1876–1877: Julius Walter an Unbekannt (Hermann von Holst?), Auszug: Königsberg, den 1. Febr[uar] 76. Sehr geehrter Herr College! […] Handelt es sich darum in dem zu wählenden Extraordinarius zugleich einen Nachfolger für Sengler zu beschaffen, so würden meines Erachtens gegenwärtig Prof. [Paul Robert] Schuster in Leipzig, Windelband ebendaselbst und vielleicht Asmus in Frage kommen. Der reifeste und tüchtigste von diesen ist jedenfalls Schuster. […] Windelband kenne ich auch persönlich und kann ihn auch nur empfehlen. Er ist zwar eine weniger durchgebildete und reife Natur, aber verfügt über geistige Beweglichkeit, Gewandheit im Dociren und ist, worauf ich immer am meisten Gewicht lege, in seinem Denken selbständig. Er war hier mit mir zugleich vorgest[ellt.] Sowie in derselben Akte: Rudolf Eucken an Unbekannt (Hermann von Holst?), Auszug: Jena 22/9 75 Lieber Freund! […] Daß Sie in Freiburg an der Absicht, Philosophen zu berufen, festhalten, ist ganz recht, Auswahl haben Sie dabei in hinreichender Fülle. An erster Stelle möchte ich Sie auf den Privatdocenten Dr. Windelband in Leipzig aufmerksam machen, der zwei sehr tüchtige Arbeiten (über den Zufall und über die Gewißheit der Erkenntniß) herausgegeben hat und auch als Docent gerühmt wird. Er war in Königsberg mit Walter zugleich vorgeschlagen. Persönlich kenne ich ihn nur ganz flüchtig, erhielt aber einen recht günstigen Eindruck. Näheres werden Sie ja am besten durch Ihren Herrn Bruder in Leipzig erfahren können. Eucken empfiehlt an 2. Stelle Gustav Class und schreibt weiter: Windelband ist ein sehr klarer und exacter, Claß ein mehr in die Tiefe dringender Kopf, beide wären ein Gewinn für jede Universität. An 3. Stelle ist von Paul Asmus (1842–1877, 1862–1865 Studium in Leipzig, Erlangen, Berlin und Halle, Tätigkeit als Hauslehrer, 1869 Prüfung pro facultate docendi und Anstellung an der Realschule des Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen Halle, 1871 Promotion u. Habilitation in Halle für Philosophie; WBIS) in Halle die Rede. Vgl. auch Otto Stobbe (Universität Leipzig) an Ludwig Friedländer (Universität Königsberg, dort 1875 Rektor) vom 7.5.1875 (Auszug): Lieber Freund! Zunächst lassen Sie mich dieser Epistel voranschicken, daß sie weder in direkter noch indirekter Veranlassung des Mannes geschrieben ist, von dem sie handelt, sondern, daß ich lediglich dabei von persönlichem Interesse für den betreffenden Mann u[nd] von Anhänglichkeit an die Albertina [die Universität Königsberg] geleitet werde. Sie verlieren, wie Sie wohl wissen, den eben erst gewonnenen philos[ophischen] Collegen [Max] Heinze, der zum Herbst wieder nach Leipzig zurückkehrt. Ob Heinze der Mann ist, der gerade geeignet ist, einen der ersten philos[ophischen] Lehrstühle in Deutschland einzunehmen, weiß ich nicht u[nd] geht mich eigentlich auch nichts an; ich hatte gehofft, wir würden Dilthey erhalten. Durch seinen Abgang wird die Fakultät in Verlegenheit kommen, wen sie jetzt vorschlagen soll. Da erlaube ich mir Ihre Aufmerksamkeit auf unsern Privatdocenten Windelband (ein furchtbarer Mann) [so wörtlich! gemeint: fruchtbarer?] zu lenken, der seit zwei Jahren bei uns mit entschiedenem Erfolg docirt, ein gescheidter u[nd] liebenswürdiger Mensch ist u[nd] auch sehr hübsche kleinere Arbeiten geleistet haben soll (z. B. über den Zufall). Ich hätte diese Bemerkung an Rosenkranz geschickt, wenn ich nicht befürchtete, daß wegen seiner Blindheit die Notiz vielleicht an den unrechten Mann käme. Übrigens bin ich auch der Überzeugung, daß Heinze über Windelband nur günstiges wird sagen können (Hessisches Staatsarchiv Marburg, 340 Dehio A 84, mit Dank an Helmut Klingelhöfer).&#xD;&#xA;">Königsberg</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-11" id="app-editorial-11-ref" title="Königsberg ] vgl. UA Freiburg, B 38/119 Beilagen zu den Protokollverhandlungen des Dekans Hermann von Holst 1876–1877: Julius Walter an Unbekannt (Hermann von Holst?), Auszug: Königsberg, den 1. Febr[uar] 76. Sehr geehrter Herr College! […] Handelt es sich darum in dem zu wählenden Extraordinarius zugleich einen Nachfolger für Sengler zu beschaffen, so würden meines Erachtens gegenwärtig Prof. [Paul Robert] Schuster in Leipzig, Windelband ebendaselbst und vielleicht Asmus in Frage kommen. Der reifeste und tüchtigste von diesen ist jedenfalls Schuster. […] Windelband kenne ich auch persönlich und kann ihn auch nur empfehlen. Er ist zwar eine weniger durchgebildete und reife Natur, aber verfügt über geistige Beweglichkeit, Gewandheit im Dociren und ist, worauf ich immer am meisten Gewicht lege, in seinem Denken selbständig. Er war hier mit mir zugleich vorgest[ellt.] Sowie in derselben Akte: Rudolf Eucken an Unbekannt (Hermann von Holst?), Auszug: Jena 22/9 75 Lieber Freund! […] Daß Sie in Freiburg an der Absicht, Philosophen zu berufen, festhalten, ist ganz recht, Auswahl haben Sie dabei in hinreichender Fülle. An erster Stelle möchte ich Sie auf den Privatdocenten Dr. Windelband in Leipzig aufmerksam machen, der zwei sehr tüchtige Arbeiten (über den Zufall und über die Gewißheit der Erkenntniß) herausgegeben hat und auch als Docent gerühmt wird. Er war in Königsberg mit Walter zugleich vorgeschlagen. Persönlich kenne ich ihn nur ganz flüchtig, erhielt aber einen recht günstigen Eindruck. Näheres werden Sie ja am besten durch Ihren Herrn Bruder in Leipzig erfahren können. Eucken empfiehlt an 2. Stelle Gustav Class und schreibt weiter: Windelband ist ein sehr klarer und exacter, Claß ein mehr in die Tiefe dringender Kopf, beide wären ein Gewinn für jede Universität. An 3. Stelle ist von Paul Asmus (1842–1877, 1862–1865 Studium in Leipzig, Erlangen, Berlin und Halle, Tätigkeit als Hauslehrer, 1869 Prüfung pro facultate docendi und Anstellung an der Realschule des Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen Halle, 1871 Promotion u. Habilitation in Halle für Philosophie; WBIS) in Halle die Rede. Vgl. auch Otto Stobbe (Universität Leipzig) an Ludwig Friedländer (Universität Königsberg, dort 1875 Rektor) vom 7.5.1875 (Auszug): Lieber Freund! Zunächst lassen Sie mich dieser Epistel voranschicken, daß sie weder in direkter noch indirekter Veranlassung des Mannes geschrieben ist, von dem sie handelt, sondern, daß ich lediglich dabei von persönlichem Interesse für den betreffenden Mann u[nd] von Anhänglichkeit an die Albertina [die Universität Königsberg] geleitet werde. Sie verlieren, wie Sie wohl wissen, den eben erst gewonnenen philos[ophischen] Collegen [Max] Heinze, der zum Herbst wieder nach Leipzig zurückkehrt. Ob Heinze der Mann ist, der gerade geeignet ist, einen der ersten philos[ophischen] Lehrstühle in Deutschland einzunehmen, weiß ich nicht u[nd] geht mich eigentlich auch nichts an; ich hatte gehofft, wir würden Dilthey erhalten. Durch seinen Abgang wird die Fakultät in Verlegenheit kommen, wen sie jetzt vorschlagen soll. Da erlaube ich mir Ihre Aufmerksamkeit auf unsern Privatdocenten Windelband (ein furchtbarer Mann) [so wörtlich! gemeint: fruchtbarer?] zu lenken, der seit zwei Jahren bei uns mit entschiedenem Erfolg docirt, ein gescheidter u[nd] liebenswürdiger Mensch ist u[nd] auch sehr hübsche kleinere Arbeiten geleistet haben soll (z. B. über den Zufall). Ich hätte diese Bemerkung an Rosenkranz geschickt, wenn ich nicht befürchtete, daß wegen seiner Blindheit die Notiz vielleicht an den unrechten Mann käme. Übrigens bin ich auch der Überzeugung, daß Heinze über Windelband nur günstiges wird sagen können (Hessisches Staatsarchiv Marburg, 340 Dehio A 84, mit Dank an Helmut Klingelhöfer).">[11]</a> und auch wohl andere werfen schon liebäugelnde Blicke auf mich, fanden aber schließlich, daß man einen Manne ohne „Buch“ ebenso wenig fest an sich binden darf, wie ein Mädchen einen Mann ohne „Geld“. Was den Fortgang meiner hiesigen Thätigkeit betrifft, so liest es sich so sacht weiter; ich bin immer noch nicht populärer im Vortrag geworden, und mehr als 16–20 fürs Privatum haben dabei noch nicht ihre Rechnung gefunden. Aber ich fühle Adern in mir, aus denen einmal die Fluth activer <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="und ] d&#xD;&#xA;">und</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="und ] d">[d]</a> passiver Popularität hoch aufspritzen könnte! In meinen ganzen inneren Organismus liegen diese Adern auf der Schatten<span class="ED-pb">|</span>seite, und die Herzkammer, aus der sie vollgepumpt werden, heißt die Ironie oder der Hochmuth.</p><p class="ED-p">Es ist der Nachtheil seltenen Schreibens, daß man viel fragen und erzählen muß. Alle Fragen, die Dich selbst angehen, fasse ich in die Eine zusammen: wann schreibst Du mir wieder? Aber sage mir auch, was <span class="ED-name">Ehrenberg</span> treibt, wie’s ihm geht. Er schrieb mir im Frühjahr aus San Remo; ich hatte damals keine Minute Zeit, und als ich ihm hätte schreiben können, fürchtete ich ihn nicht mehr dort zu erreichen. Wo lebt er, wie geht es ihm? Dann hast Du mir auch noch garnichts geschrieben, wie Dir <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-12" title="Knapp’s Verlobung ] vgl. Windelband an Jellinek vom 17.6.1875&#xD;&#xA;">Knapp</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-12" title="Knapp’s Verlobung ] vgl. Windelband an Jellinek vom 17.6.1875&#xD;&#xA;">’s Verlobung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-12" id="app-editorial-12-ref" title="Knapp’s Verlobung ] vgl. Windelband an Jellinek vom 17.6.1875">[12]</a> behagt, wie Dir die damals zugesandte Photographie gefällt. Er ist im Herbst, als er heiraten wollte, von schwerem Typhus heimgesucht worden, und hat, obwohl im Allgemeinen genesen, doch noch nicht heiraten können. Hier haben inzwischen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-13" title="Vondermühle und Nitsche geheiratet, Heubner und Blaß … Zirkel ] zur Identifikation der Namen vgl. Windelband an Georg Jellinek vom 17.7.1875&#xD;&#xA;">Vondermühle und Nitsche geheiratet, Heubner </span><span class="ED-add"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-13" title="Vondermühle und Nitsche geheiratet, Heubner und Blaß … Zirkel ] zur Identifikation der Namen vgl. Windelband an Georg Jellinek vom 17.7.1875&#xD;&#xA;">[un]</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-13" title="Vondermühle und Nitsche geheiratet, Heubner und Blaß … Zirkel ] zur Identifikation der Namen vgl. Windelband an Georg Jellinek vom 17.7.1875&#xD;&#xA;">d Blaß</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-13" id="app-editorial-13-ref" title="Vondermühle und Nitsche geheiratet, Heubner und Blaß … Zirkel ] zur Identifikation der Namen vgl. Windelband an Georg Jellinek vom 17.7.1875">[13]</a> (!) sich verlobt, und so steht <span class="ED-name">Zirkel</span>, ein entlaubter Stamm, am einsamen Tische. – Von <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-14" title="Höchberg ] nicht ermittelt. Die Abhandlung scheint nicht im Buchhandel erschienen zu sein.&#xD;&#xA;">Höchberg</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-14" id="app-editorial-14-ref" title="Höchberg ] nicht ermittelt. Die Abhandlung scheint nicht im Buchhandel erschienen zu sein.">[14]</a> habe ich eine sehr ansprechende Abhandlung über „Philosophie <span class="ED-add">[un]</span>d Moral“ zugeschickt bekommen.</p><p class="ED-p">Und nun sei’s für heute genug des grausamen Spiels, da wahrhaftig meine Schrift fast noch schlechter geworden ist, als früher. Meine Frau läßt Dich bestens grüßen; ich bitte, mich den verehrten Deinen zu empfehlen. Und damit leb’ wohl! und schreib bald!</p><p class="ED-p">In alter Freundschaft Dein</p><p class="ED-signed">W Windelband</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">diesen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Glück</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">muß</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">und</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">d</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Drangsal ihrer Krankheit</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Jellinek vom 17.7.1875</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Tüngel</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an <span class="ED-name">Ehrenberg</span> vom 14.1.1875</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">otium cum dignitate</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>würdevolle Muße; Ausdruck nach Cicero: De Oratore I, 1–2.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Lichtmühle</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>physikalische Apparatur in einer evakuierten Glaskugel: vier sich um eine Achse drehende, einander gegenüber angebrachte Glimmerplättchen; Drehbewegung beginnt bei Lichteinfall. Erfunden 1873 von dem Physiker <span class="ED-name">William Crookes</span> (1832–1919).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Tante</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht ermittelt</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Malerschwager</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Fritz Wichgraf</span> (1853–1939), Bildnis- und Genremaler in Berlin (<abbr title="World Biographical Information System" class="ED-abbr">WBIS</abbr>) sowie Südafrika, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Ulrich und Elly Stutz vom 16.6.1900.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Misdroy</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>heute Międzyzdroje, Ostseebad auf der Insel Wollin (Polen)</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-8"><span class="ED-app-num">8</span><a href="#app-editorial-8-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„das Glück dieses Daseins zu perpetuiren“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>als Zitat nicht nachgewiesen. Der Kontext der Anspielung ist die bevorstehende Geburt von Windelbands Tochter <span class="ED-name">Dora</span> (* 19.3.1876).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-9"><span class="ED-app-num">9</span><a href="#app-editorial-9-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Methodengeschichte</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>die nächste Monographie von Windelband war: Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. 1. <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr>: Von der Renaissance bis Kant. Leipzig: Breitkopf u. Härtel 1878.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-10"><span class="ED-app-num">10</span><a href="#app-editorial-10-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Verschiedene berühmte Universitäten</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr class="ED-abbr">vgl</abbr>. <abbr title="Universitätsarchiv" class="ED-abbr">UA</abbr> Freiburg, B1/1259 Lehrstühle der Philosophischen Fakultät: Der Lehrstuhlinhaber <span class="ED-name">Jakob Sengler</span> (1799–1878, seit Herbst 1842 an der Universität Freiburg; <abbr title="Allgemeine Deutsche Biographie" class="ED-abbr">ADB</abbr>) hatte seit mindestens Sommer 1870 gesundheitliche Probleme. Am 5.11.1874 ergeht ein Antrag auf Einrichtung eines Extraordinariates (Privatdozent <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> <span class="ED-name">Julius Walter</span> aus Jena vorgeschlagen), der durch das Ministerium des Inneren am 18.11.1874 wegen fehlenden Budgets abgelehnt wird. Ein erneuter Antrag ergeht am 20.1.1875. Das Ministerium des Inneren verlangt vom Senat am 27.1.1875 eine ausführliche Begründung, die Philosophische Fakultät arbeitet am 27.2.1875 zu: <span class="ED-rdg">Da nun pp. [</span>praemissis praemittendis, <abbr title="lateinisch" class="ED-abbr">lat.</abbr>: der gebührende Titel sei vorausgeschickt<span class="ED-rdg">] Walter inzwischen an die Universität Königsberg berufen ist, so gestatten wir uns, an seiner Stelle auf Grund eines ebenfalls einstimmig gefaßten Fakultätsbeschlusses den Privatdocenten Dr. Windelband in Leipzig in Vorschlag zu bringen. Derselbe ist nach den von den verschiedensten Seiten diesseits eingeholten Gutachten ein zu ganz hervorragenden Hoffnungen berechtigender junger Gelehrter, dessen Untersuchungen: über den Zufall und über die Gewißheit der Erkenntniß – anerkannt großen Scharfsinn und ein sehr tüchtiges kritisches Urtheil verrathen und dessen Vorlesungen und Übungen bei den Leipziger Studirenden trotz der großen Zahl tüchtiger anderer Philosophen dortselbst sehr beliebt und geschätzt sind. pp. Windelband war übrigens neben Walter auch schon für Königsberg in Vorschlag gebracht und zwar in gleicher Linie mit diesem. Für den Fall, daß Windelband nicht zu gewinnen sein sollte, hat die Mehrheit der Facultät ferner beschlossen: den Privatdocenten Dr. Class in Tübingen für die gedachte Stelle vorzuschlagen.</span> Zeitgleich war Windelband in Zürich vorgeschlagen und nahm schließlich den dortigen Ruf an.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-11"><span class="ED-app-num">11</span><a href="#app-editorial-11-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Königsberg</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr class="ED-abbr">vgl</abbr>. <abbr title="Universitätsarchiv" class="ED-abbr">UA</abbr> Freiburg, B 38/119 Beilagen zu den Protokollverhandlungen des Dekans <span class="ED-name">Hermann von Holst</span> 1876–1877: <span class="ED-name">Julius Walter</span> an Unbekannt (Hermann von Holst?), Auszug: <span class="ED-rdg">Königsberg, den 1. Febr[uar] 76. Sehr geehrter Herr College! […] Handelt es sich darum in dem zu wählenden Extraordinarius zugleich einen Nachfolger für Sengler zu beschaffen, so würden meines Erachtens gegenwärtig Prof. [Paul Robert] Schuster in Leipzig, Windelband ebendaselbst und vielleicht Asmus in Frage kommen. Der reifeste und tüchtigste von diesen ist jedenfalls Schuster. […] Windelband kenne ich auch persönlich und kann ihn auch nur empfehlen. Er ist zwar eine weniger durchgebildete und reife Natur, aber verfügt über geistige Beweglichkeit, Gewandheit im Dociren und ist, worauf ich immer am meisten Gewicht lege, in seinem Denken selbständig. Er war hier mit mir zugleich vorgest[ellt.] </span>Sowie in derselben Akte: <span class="ED-name">Rudolf Eucken</span> an Unbekannt (<span class="ED-name">Hermann von Holst</span>?), Auszug: <span class="ED-rdg">Jena 22/9 75 Lieber Freund! […] Daß Sie in Freiburg an der Absicht, Philosophen zu berufen, festhalten, ist ganz recht, Auswahl haben Sie dabei in hinreichender Fülle. An erster Stelle möchte ich Sie auf den Privatdocenten Dr. Windelband in Leipzig aufmerksam machen, der zwei sehr tüchtige Arbeiten (über den Zufall und über die Gewißheit der Erkenntniß) herausgegeben hat und auch als Docent gerühmt wird. Er war in Königsberg mit Walter zugleich vorgeschlagen. Persönlich kenne ich ihn nur ganz flüchtig, erhielt aber einen recht günstigen Eindruck. Näheres werden Sie ja am besten durch Ihren Herrn Bruder in Leipzig erfahren können.</span> Eucken empfiehlt an 2. Stelle <span class="ED-name">Gustav Class</span> und schreibt weiter: <span class="ED-rdg">Windelband ist ein sehr klarer und exacter, Claß ein mehr in die Tiefe dringender Kopf, beide wären ein Gewinn für jede Universität.</span> An 3. Stelle ist von <span class="ED-name">Paul Asmus</span> (1842–1877, 1862–1865 Studium in Leipzig, Erlangen, Berlin und Halle, Tätigkeit als Hauslehrer, 1869 Prüfung pro facultate docendi und Anstellung an der Realschule des Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen Halle, 1871 Promotion <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> Habilitation in Halle für Philosophie; <abbr title="World Biographical Information System" class="ED-abbr">WBIS</abbr>) in Halle die Rede. <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">Vgl.</abbr> auch <span class="ED-name">Otto Stobbe</span> (Universität Leipzig) an <span class="ED-name">Ludwig Friedländer</span> (Universität Königsberg, dort 1875 Rektor) vom 7.5.1875 (Auszug): <span class="ED-rdg">Lieber Freund! Zunächst lassen Sie mich dieser Epistel voranschicken, daß sie weder in direkter noch indirekter Veranlassung des Mannes geschrieben ist, von dem sie handelt, sondern, daß ich lediglich dabei von persönlichem Interesse für den betreffenden Mann u[nd] von Anhänglichkeit an die Albertina [die Universität Königsberg] geleitet werde. Sie verlieren, wie Sie wohl wissen, den eben erst gewonnenen philos[ophischen] Collegen [Max] Heinze, der zum Herbst wieder nach Leipzig zurückkehrt. Ob Heinze der Mann ist, der gerade geeignet ist, einen der ersten philos[ophischen] Lehrstühle in Deutschland einzunehmen, weiß ich nicht u[nd] geht mich eigentlich auch nichts an; ich hatte gehofft, wir würden Dilthey erhalten. Durch seinen Abgang wird die Fakultät in Verlegenheit kommen, wen sie jetzt vorschlagen soll. Da erlaube ich mir Ihre Aufmerksamkeit auf unsern Privatdocenten Windelband (ein furchtbarer Mann) [</span>so wörtlich! gemeint: fruchtbarer?<span class="ED-rdg">] zu lenken, der seit zwei Jahren bei uns mit entschiedenem Erfolg docirt, ein gescheidter u[nd] liebenswürdiger Mensch ist u[nd] auch sehr hübsche kleinere Arbeiten geleistet haben soll (z. B. über den Zufall). Ich hätte diese Bemerkung an Rosenkranz geschickt, wenn ich nicht befürchtete, daß wegen seiner Blindheit die Notiz vielleicht an den unrechten Mann käme. Übrigens bin ich auch der Überzeugung, daß Heinze über Windelband nur günstiges wird sagen können</span> (Hessisches Staatsarchiv Marburg, 340 Dehio A 84, mit Dank an <span class="ED-name">Helmut Klingelhöfer</span>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-12"><span class="ED-app-num">12</span><a href="#app-editorial-12-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Knapp</span>’s Verlobung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an Jellinek vom 17.6.1875</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-13"><span class="ED-app-num">13</span><a href="#app-editorial-13-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">Vondermühle und Nitsche geheiratet, Heubner und Blaß … Zirkel</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> zur Identifikation der Namen <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an <span class="ED-name">Georg Jellinek</span> vom 17.7.1875</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-14"><span class="ED-app-num">14</span><a href="#app-editorial-14-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Höchberg</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht ermittelt. Die Abhandlung scheint nicht im Buchhandel erschienen zu sein.</div></div></body></html>