<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Victor Ehrenberg, Leipzig, 6.1.1875, 6 S., hs. (dt. Schrift), am Briefkopf gedrucktes Signet: zwei ineinandergeschlungene W-Versalien in einem von einem geschlossenen Gürtel gebildeten Ring, darüber eine fünfzackige Krone, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL Ehrenberg acc. Darmst. 1924.138</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000066-5"/><style type="text/css">
.ED-TEI {
font-family: serif;
line-height: 1.2em;
}
.ED-text {
border: 1px solid LightGray;
padding: 1em;
}
.ED-titleStmt,
.ED-app-title {
font-size: 1.1em;
font-family: serif;
font-style: italic;
font-weight: normal;
margin: 2em 0em 1em;
}
.ED-dateline {
text-align: right;
margin: 0em;
margin-top: 1em;
}
.ED-title,
.ED-p,
.ED-salute,
.ED-signed,
.ED-docAuthor {
text-indent: 0em;
margin: 0em;
margin-top: 1em;
}
.ED-p + .ED-p {
text-indent: 1em;
margin: 0em;
}
.ED-title + .ED-title,
.ED-dateline  + .ED-dateline,
.ED-salute    + .ED-salute,
.ED-signed    + .ED-signed,
.ED-docAuthor + .ED-docAuthor {
margin: 0em;
}
.ED-back,
.ED-postscript {
border: 1px solid LightGray;
margin: 1em 0em;
}
.ED-add,
.ED-pb {
color: Gray;
}
.ED-label-formprint {
font-family: sans-serif;
}
sup {
vertical-align: super;
font-size: 80%;
line-height: 100%;
}
a.ED-anchor {
font-style: normal;
vertical-align: super;
font-size: 80%;
line-height: 100%;
}
.ED-text-lem {
text-decoration: underline dotted;
}
.ED-app-philological,
.ED-app-editorial {
position: relative;
margin: .3em 0em;
margin-left: 2.5em;
font-style: italic;
}
.ED-app-num {
left: -2.5em;
}
.ED-app-corresp {
left: -.8em;
}
.ED-app-num,
.ED-app-corresp {
position: absolute;
text-indent: 0em;
font-style: normal;
}
.ED-lem,
.ED-lem-sep,
.ED-rdg {
font-style: normal;
}</style></head><body><div class="ED-TEI"><p class="ED-titleStmt"><span class="ED-persName-sent">Windelband</span> an <span class="ED-persName-received">Victor Ehrenberg</span>, <span class="ED-location-sent">Leipzig</span>, <span class="ED-date">6.1.1875</span>, <span class="ED-note">6 S., hs. (dt. Schrift), am Briefkopf gedrucktes Signet: zwei ineinandergeschlungene W-Versalien in einem von einem geschlossenen Gürtel gebildeten Ring, darüber eine fünfzackige Krone</span>, <span class="ED-pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL Ehrenberg acc. Darmst. 1924.138</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-dateline">Leipzig, 6. Jan<span class="ED-add">[uar]</span> 1875.</p><p class="ED-salute">Mein lieber Ehrenberg!</p><p class="ED-p">Ihr freundlicher Brief ist mir, da ich schon abgereist war, nach Potsdam nachgesandt worden; aber Sie werden verzeihen müssen, daß ich dort in dem bekannten <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Dolce far niente ] ital. süßes Nichtstun&#xD;&#xA;">Dolce far niente</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Dolce far niente ] ital. süßes Nichtstun">[1]</a> der Weihnachtszeit, in dem steten Familiensinn und in dem Wechsel meines Aufenthalts zwischen Berlin und Potsdam um so weniger zur Beantwortung gekommen bin, da Sie ja auch dieselbe nicht allzu eilig gemacht haben. Jetzt hab ich auf Empfang Ihrer Karte sofort an den Verlagsbuchhändler <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Alphons Dürr ] 1828–1908, in Leipzig, vgl. Reinhard Würffel: Lexikon deutscher Verlage. Berlin: Grotesk 2000, S. 194.&#xD;&#xA;">Alphons Dürr</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Alphons Dürr ] 1828–1908, in Leipzig, vgl. Reinhard Würffel: Lexikon deutscher Verlage. Berlin: Grotesk 2000, S. 194.">[2]</a></span> geschrieben, der seit dem October mit seiner Familie eine Villa bei Mentone bewohnt; ich werde Ihnen die freilich wohl erst in einigen Tagen zu erwartende Antwort sofort mittheilen. Seine genaue Adresse schreibe ich Ihnen dann mit meiner Karte. Was Ihre Hinreise betrifft, so glaube ich beinahe, daß Sie von Göttingen aus, wenn es zunächst nach Mentone geht, mindestens ebenso gut als über den Brenner durch Südfrankreich reisen. Sie haben dann den Vorzug, keinen Alpenpaß fürchten zu müssen. Wenn sie (Frankfurt, Basel, Lausanne, Lyon, Marseille, Mentone reisen, oder noch besser) Frankfurt, Straßburg, Mühlhausen, Lyon, Marseille (<abbr title="confer" class="ED-abbr">cf.</abbr> Bädeckers Ober-Italien <abbr title="pagina" class="ED-abbr">p.</abbr> 1<abbr title="folgende" class="ED-abbr">ff.</abbr>), so fahren Sie klimatisch zweifellos am sicher<span class="ED-pb">|</span>sten, ich meine außerdem am schnellsten, und die einzige Unbequemlichkeit, daß Sie zum Einritt nach Frankreich, eines visirten Passes bedürfen (worauf ich Sie schon jetzt aufmerksam machen möchte, da sich die, soviel ich weiß, bei der franz<span class="ED-add">[ösischen]</span> Gesandtschaft zu vollziehende Visierung leicht einige Zeit verzögern könnte) fällt für Sie fort, da Sie denselben zu Mentone überhaupt nöthig haben. Bei dem Passe fällt mir ein, daß, wenn Sie denselben einmal besorgen, Sie gut thun, ihn für alle Fälle auch auf Italien visiren zu lassen, wofür sonst im Allgemeinen kein Paß nöthig ist – die Fahrt durch Südfrankreich hat außer dem klimatischen auch den Vorzug, daß, da Sie doch vermuthlich auf der Rückfahrt etwas nach Italien hinein und über den Brenner zurückgehen, Sie Abwechslung in der Tour haben; auch brauchen Sie dann nur zwei Nächte vor Mentone (also etwa Lyon und Marseille) außerhalb Deutschlands zu schlafen. Wie Sie aber auch fahren mögen, ich bitte Sie (falls Ihre Aerzte nicht daran denken sollten) auf der Hinfahrt möglichst kleine Touren, täglich nicht über 7–8 Stunden zu machen; vor Allem aber nie Nachts zu reisen. Gehen Sie über den Brenner, so dürfen Sie nicht in einer Tour, zumal er die kälteste und des Wechsels halber gefährlichste Strecke ist, von München bis Bozen fahren, sondern müssen in Innsbruck Station machen. Man fährt Morgens gegen 11 aus München und ist etwa um 6 in Innsbruck; am nächsten Tage Morgens gegen 9 von da fort und ist um 4 in Bozen. Eher können Sie dann am nächsten Tage von Bozen gegen 9 Uhr ausfahren, gegen Mittag durch <span class="ED-pb">|</span> das weniger interessante und nicht sehr gesunde Verona durchfahren und gegen 5 Uhr in Mailand rasten; um nächsten Tages die kleine Fahrt bis Genua zu machen. In Innsbruck habe ich im <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Hotel d’Europe ] vgl. z. B. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker. Erster Theil: Ober-Italien bis Livorno, Florenz und Ravenna, nebst der Insel Corsica. 9., verb. Aufl. Leipzig 1879, S. 38: Hotel Europäischer Hof gemeint?&#xD;&#xA;">Hotel d’Europe</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Hotel d’Europe ] vgl. z. B. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker. Erster Theil: Ober-Italien bis Livorno, Florenz und Ravenna, nebst der Insel Corsica. 9., verb. Aufl. Leipzig 1879, S. 38: Hotel Europäischer Hof gemeint?">[3]</a> ganz vortrefflich gewohnt, ebenso in Bozen in der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="„Kaiserkrone“ ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 40.&#xD;&#xA;">„Kaiserkrone“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="„Kaiserkrone“ ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 40.">[4]</a>, wenn auch in letzterem, wie vermuthlich in allen Häusern Bozens, bei der damaligen Temperatur weder ein Zimmer noch das Speiselocal warm zu bekommen waren; sonst war Alles vortrefflich. In Verona habe ich vor nunmehr drei Jahren im <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Hotel Rainer al gran Parigi ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 185: deutsch, gelobt.&#xD;&#xA;">Hotel Rainer al gran Parigi</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Hotel Rainer al gran Parigi ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 185: deutsch, gelobt.">[5]</a> vorzüglich und billig logirt. In letzterem wurde französisch, in den beiden ersten wird natürlich deutsch gesprochen. In Mailand ist das deutsche <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Hotel Reichmann ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 117: Gran Bretagne &amp; Reichmann (?)&#xD;&#xA;">Hotel Reichmann</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Hotel Reichmann ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 117: Gran Bretagne &amp; Reichmann (?)">[6]</a> sehr zu empfehlen; in Genua gleichfalls das große <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="Hotel Trombettan Feder ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 77: Hot. Trombetta […], der ehemalige Admiralitätspalast.&#xD;&#xA;">Hotel Trombettan Feder</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="Hotel Trombettan Feder ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 77: Hot. Trombetta […], der ehemalige Admiralitätspalast.">[7]</a>, wo alle Sprachen gesprochen werden.</p><p class="ED-p">Sollten Sie nach Pisa gehen, so werden Sie von Genua aus die Wahl haben zwischen der Dampfschifffahrt (eine Nacht) und der Landfahrt, welche sehr schöne, aber wegen der Lücke in der Eisenbahnverbindung zwischen Chiavari und Laspezia etwas umständlich ist, bei noch schwacher Gesundheit aber jedenfalls vorzuziehen bliebe. Wenn Sie dahin gehen, schreiben Sie mir hoffentlich noch einmal kurz; für heute möchte ich nur im Allgemeinen Folgendes sagen: ich habe im <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-8" title="Hotel Victoria ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 316: Vittoria; oder S. 315: Hot. Royal Victoria&#xD;&#xA;">Hotel Victoria</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-8" id="app-editorial-8-ref" title="Hotel Victoria ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 316: Vittoria; oder S. 315: Hot. Royal Victoria">[8]</a> ganz vorzüglich gewohnt, freilich Pension 11 fr<span class="ED-add">[ancs]</span>, aber Alles sehr gut, reinlich und reichlich. Jedenfalls hüten Sie sich vor der <span class="ED-pb">|</span> Pension im <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-9" title="Hotel d’Europe ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 315: Europa […] von Kaufleuten besucht.&#xD;&#xA;">Hotel d’Europe</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-9" id="app-editorial-9-ref" title="Hotel d’Europe ] vgl. Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, S. 315: Europa […] von Kaufleuten besucht.">[9]</a>, welche zwar nur 8–9 fr<span class="ED-add">[ancs]</span> beträgt, aber unreinlich ist und ungenießbares Essen liefert. Am meisten würde ich Ihnen Folgendes rathen: Sie finden leicht eine angenehme möblirte Wohnung im Privathause; aber Sie dürfen nur am <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Arno-Quai ] unterstrichen&#xD;&#xA;">Arno-Quai</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Arno-Quai ] unterstrichen">[a]</a> <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Nord ] Wortteil unterstrichen&#xD;&#xA;">Nord</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Nord ] Wortteil unterstrichen">[b]</a>seite wohnen. Eine solche pflegt aus einem schönen, sonnigen Wohnzimmer, Schlafzimmer, Dinnerzimmer und Küche zu bestehen und monatlich 100–130 fr<span class="ED-add">[ancs]</span> zu kosten. Dabei ist aber selten, wie in unserm <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-10" title="chambre garnies ] Zimmer mit Frühstück&#xD;&#xA;">chambre garnies</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-10" id="app-editorial-10-ref" title="chambre garnies ] Zimmer mit Frühstück">[10]</a> Bedienung; sondern man lebt da ganz für sich. Man hält sich eine Aufwärterin, welche Vormittags für <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="geringes Lohn ] so wörtlich&#xD;&#xA;">geringes Lohn</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="geringes Lohn ] so wörtlich">[c]</a> die Zimmer reinigt, der Cafetino schickt gern den Morgencafe, man frühstückt <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="und ] d&#xD;&#xA;">und</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="und ] d">[d]</a> dinirt ganz vortrefflich und billig im ristorante <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-5" title="Nettuno ] unterstrichen&#xD;&#xA;">Nettuno</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-5" id="app-philological-5-ref" title="Nettuno ] unterstrichen">[e]</a>: kurz – ich hätte diese Lebensart gewählt, wenn ich nicht bei meinem damals noch zweifelhaften Zustande mich vor dem Alleinschlafen hätte fürchten müssen. In Ihrer Lage aber in Begleitung Ihres Herrn <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-11" title="Bruders ] Richard Ehrenberg (1857–1921), Volkswirtschaftler, 1875 Lehre im Bankgewerbe und Buchhandel, 1884–1886 Studium der Staatswissenschaften in Tübingen, 1886 Promotion, 1886–1889 Studium in Göttingen und München, 1899 Promotion (Dr. phil.) in Rostock, 1889–1897 Sekretär des Könglichen Kommerz-Kollegiums in Altona, 1897–1899 ao. Prof. für Staatswissenschaften in Göttingen, 1899–1921 o. Prof. für Staatswissenschaften in Rostock, (Professorenkatalog der Uni Rostock, NDB).&#xD;&#xA;">Bruders</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-11" id="app-editorial-11-ref" title="Bruders ] Richard Ehrenberg (1857–1921), Volkswirtschaftler, 1875 Lehre im Bankgewerbe und Buchhandel, 1884–1886 Studium der Staatswissenschaften in Tübingen, 1886 Promotion, 1886–1889 Studium in Göttingen und München, 1899 Promotion (Dr. phil.) in Rostock, 1889–1897 Sekretär des Könglichen Kommerz-Kollegiums in Altona, 1897–1899 ao. Prof. für Staatswissenschaften in Göttingen, 1899–1921 o. Prof. für Staatswissenschaften in Rostock, (Professorenkatalog der Uni Rostock, NDB).">[11]</a> würde ich unbedingt so leben. Der würde Ihnen gern Morgens den Cafe kochen, auch wohl Abends, wenn es einmal der Feuchtigkeit halber wünschenswerth ist, einheizen; und Sie hätten dann doch des Nachts stets Jemand bei sich. Bei der Auswahl der Wohnung würde ich rathen auf Folgendes zu achten: völlige Sonne haben Sie nur auf der Nordseite des Arno und auch das nur in den Häusern zwischen dem Rest<span class="ED-add">[aurant]</span> Nettuno und der Porta alle Piagge, d. h. vom Nettuno stromaufwärts. Vom Nettuno an stromabwärts, dem im Bau begriffenen Ponte a Mare zu, macht der Strom eine Wendung nach Süden, vermöge deren die Sonne in die Häuser der Nordseite des Quais schräger und seltener fällt. Außerdem achten <span class="ED-pb">|</span> Sie darauf, daß das Zimmer mit einem Teppich ausgelegt ist und einen Ofen, besser noch einen Kamin hat; denn man heizt nicht sowohl der Erwärmung, als der Austrocknung des Zimmers halber; und dazu ist ein Kamin bei Weitem mehr geeignet. In jeder Beziehung vertrauen Sie den Rathschlägen der beiden alten liebenswürdigen Damen, <abbr title="Fräulein" class="ED-abbr">Frl.</abbr> <span class="ED-name">Ludwig</span>’s, an welche <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-6" title="einliegende Karte ] liegt nicht bei&#xD;&#xA;">einliegende Karte</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-6" id="app-philological-6-ref" title="einliegende Karte ] liegt nicht bei">[f]</a> gerichtet ist, den <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-12" title="Schwestern des hiesigen Physiologen ] Carl Friedrich Wilhelm Ludwig (1816–1895), Anatom, Physiologe u. Zoologe, seit 1865 o. Prof. für Physiologie in Leipzig (Historisches Lexikon der Schweiz, Professorenkatalog der Universität Leipzig).&#xD;&#xA;">Schwestern des hiesigen Physiologen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-12" id="app-editorial-12-ref" title="Schwestern des hiesigen Physiologen ] Carl Friedrich Wilhelm Ludwig (1816–1895), Anatom, Physiologe u. Zoologe, seit 1865 o. Prof. für Physiologie in Leipzig (Historisches Lexikon der Schweiz, Professorenkatalog der Universität Leipzig).">[12]</a>, welche in schönster Lage des Quai’s, unmittelbar bei der Promenade, in einem großen Palazzo, eine vorzügliche, natürlich deutsche Pension halten. Das beste wäre schon, Sie fänden dort selbst Unterkommen; aber das ist bei so vorgerückter Zeit und dem Rufe des Hauses sehr wenig wahrscheinlich. Weiß ich jedoch erst einmal bestimmt, daß Sie nach Pisa wollen, so bin ich gern bereit, für Sie dort anzufragen, ob noch Platz ist. Sollten Sie endlich die Bequemlichkeit der Hotels allem Uebrigen vorziehen, so rathe ich unbedingt zu Vittoria, wo ich, wie gesagt, vorzüglich aufgehoben war; ich lege eine <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-7" title="Karte ] liegt nicht bei&#xD;&#xA;">Karte</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-7" id="app-philological-7-ref" title="Karte ] liegt nicht bei">[g]</a> an den Hotelbesitzer bei, und auch der alte, geschwätzige Kellner wird sich wohl noch des <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-13" title="Sgr. Prussiano ] preußischer Herr&#xD;&#xA;">Sgr. Prussiano</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-13" id="app-editorial-13-ref" title="Sgr. Prussiano ] preußischer Herr">[13]</a> von N<sup>o</sup>. 75 erinnern. Französisch genügt in diesem Hotel vollständig. Das Haus der <abbr title="Fräulein" class="ED-abbr">Frl.</abbr> <span class="ED-name">Ludwig</span>’s, als der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-14" title="Sgre. tedesche ] deutsche Fräulein&#xD;&#xA;">Sgre. tedesche</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-14" id="app-editorial-14-ref" title="Sgre. tedesche ] deutsche Fräulein">[14]</a> zeigt Ihnen Jedermann; ich habe den Namen des Palazzo vergessen. Auf keinen Fall lassen Sie Sich durch irgend welche Vorspiegelungen, auch nicht durch die immer doch nur geringen Preisdifferenzen verleiten, anders als unmittelbar an der Nordseite des Arno zu wohnen. Die Commissionäre, selbst <abbr title="Fräulein" class="ED-abbr">Frl.</abbr> <span class="ED-name">Ludwig</span>’s wollten mich gern bestimmen, an <span class="ED-pb">|</span> einem oder dem andern der vom Arno aus einspringenden Plätze zu wohnen; aber ich habe nachher von mehr als einem Falle gehört, wo das des Kranken Wohl recht schlecht bekommen ist.</p><p class="ED-p">Damit schließe ich für heut, zu weiteren Mittheilungen sehr gern jeden Augenblick bereit. Mag Ihnen das neue Jahr Ihre volle Gesundheit und fröhlichen Lebensmuth wiedergeben! Genießen Sie das Land unserer Sehnsucht auch unter diesen Verhältnissen, mit voller Hingebung – nur hüten Sie Sich zunächst vor allen Galerien und Kirchen. ich weiß – denn ich habe es selbst empfunden – welche Tantalusqualen man dem gebildeten Kranken auferlegt, den man nach Italien schickt. Aber seien Sie stark gegen die Lockung der Kunst, bis die Natur Sie nicht nur erfreut, sondern auch geheilt hat. Und vor Allem scheuen Sie so lang als möglich das feuchtkalte Campo Santo zu Pisa!</p><p class="ED-p">Von <span class="ED-name">Jellinek</span> habe ich kurz vor Weihnachten einen Brief aus Wien. Daß <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-15" title="Amor wirklich als Landschaftsmaler ] Anspielung auf das Gedicht gleichen Titels von Goethe (1789), hier unklar&#xD;&#xA;">Amor wirklich als Landschaftsmaler</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-15" id="app-editorial-15-ref" title="Amor wirklich als Landschaftsmaler ] Anspielung auf das Gedicht gleichen Titels von Goethe (1789), hier unklar">[15]</a> aufgetreten ist, läßt sich daraus noch nicht mit Bestimmtheit ersehen; ich wünsche ihm eigentlich, gerade die unendliche Empfindung möchte bei ihm noch warten, bis er sich fester und sicherer begrenzt hat.</p><p class="ED-p">Leben Sie wohl und lassen Sie mich auch einmal wissen, wie es Ihnen jetzt geht. ich freue mich Ihretwegen der wärmeren Luft. Grüßen Sie unbekannter Weise Ihren Herrn Bruder. Meine Frau sendet Ihnen beste Grüße und den Wunsch baldiger Genesung!</p><p class="ED-p">In alter Freundschaft Ihr</p><p class="ED-signed">W Windelband</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Arno-Quai</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Nord</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Wortteil unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">geringes Lohn</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>so wörtlich</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">und</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">d</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-5"><span class="ED-app-num">e</span><a href="#app-philological-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Nettuno</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-6"><span class="ED-app-num">f</span><a href="#app-philological-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">einliegende Karte</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>liegt nicht bei</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-7"><span class="ED-app-num">g</span><a href="#app-philological-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Karte</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>liegt nicht bei</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Dolce far niente</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="italienisch" class="ED-abbr">ital.</abbr> süßes Nichtstun</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Alphons Dürr</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>1828–1908, in Leipzig, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Reinhard Würffel: Lexikon deutscher Verlage. Berlin: Grotesk 2000, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 194.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Hotel d’Europe</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker. Erster Theil: Ober-Italien bis Livorno, Florenz und Ravenna, nebst der Insel Corsica. 9., <abbr title="verbessert" class="ED-abbr">verb.</abbr> <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> Leipzig 1879, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 38: Hotel Europäischer Hof gemeint?</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„Kaiserkrone“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 40.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Hotel Rainer al gran Parigi</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 185: <span class="ED-rdg">deutsch, gelobt.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Hotel Reichmann</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 117: <span class="ED-rdg">Gran Bretagne &amp; Reichmann </span>(?)</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Hotel Trombettan Feder</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 77: <span class="ED-rdg">Hot. Trombetta […], der ehemalige Admiralitätspalast.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-8"><span class="ED-app-num">8</span><a href="#app-editorial-8-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Hotel Victoria</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 316: <span class="ED-rdg">Vittoria</span>; oder <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 315: <span class="ED-rdg">Hot. Royal Victoria</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-9"><span class="ED-app-num">9</span><a href="#app-editorial-9-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Hotel d’Europe</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Italien. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker, 1879, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 315: <span class="ED-rdg">Europa […] von Kaufleuten besucht.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-10"><span class="ED-app-num">10</span><a href="#app-editorial-10-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">chambre garnies</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Zimmer mit Frühstück</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-11"><span class="ED-app-num">11</span><a href="#app-editorial-11-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Bruders</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Richard Ehrenberg</span> (1857–1921), Volkswirtschaftler, 1875 Lehre im Bankgewerbe und Buchhandel, 1884–1886 Studium der Staatswissenschaften in Tübingen, 1886 Promotion, 1886–1889 Studium in Göttingen und München, 1899 Promotion (<abbr class="ED-abbr">Dr. phil.</abbr>) in Rostock, 1889–1897 Sekretär des Könglichen Kommerz-Kollegiums in Altona, 1897–1899 <abbr title="außerordentlicher Professor" class="ED-abbr">ao. Prof.</abbr> für Staatswissenschaften in Göttingen, 1899–1921 <abbr title="ordentlicher Professor" class="ED-abbr">o. Prof.</abbr> für Staatswissenschaften in Rostock, (Professorenkatalog der Uni Rostock, <abbr title="Neue Deutsche Biographie" class="ED-abbr">NDB</abbr>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-12"><span class="ED-app-num">12</span><a href="#app-editorial-12-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Schwestern des hiesigen Physiologen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Carl Friedrich Wilhelm Ludwig</span> (1816–1895), Anatom, Physiologe <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> Zoologe, seit 1865 <abbr title="ordentlicher Professor" class="ED-abbr">o. Prof.</abbr> für Physiologie in Leipzig (Historisches Lexikon der Schweiz, Professorenkatalog der Universität Leipzig).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-13"><span class="ED-app-num">13</span><a href="#app-editorial-13-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Sgr. Prussiano</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>preußischer Herr</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-14"><span class="ED-app-num">14</span><a href="#app-editorial-14-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Sgre. tedesche</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>deutsche Fräulein</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-15"><span class="ED-app-num">15</span><a href="#app-editorial-15-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Amor wirklich als Landschaftsmaler</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Anspielung auf das Gedicht gleichen Titels von <span class="ED-name">Goethe</span> (1789), hier unklar</div></div></body></html>