<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Windelband an Victor Ehrenberg, Leipzig, 13.12.1872, 2 S., hs. (dt. Schrift), Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL Ehrenberg acc. Darmst. 1924.138</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000055-3"/><style type="text/css">
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Ich habe an Windelband gleich ein paar Worte geschrieben und lege sie ein; Du bist wohl so gut, sie ihm zu überbringen (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 168).&#xD;&#xA;">freundlich theilnehmenden Zeilen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="freundlich theilnehmenden Zeilen ] vgl. Ehrenberg an Jellinek aus Braunschweig vom 2.12.1872: Du lieber Mensch, ich bin Dir recht, recht, dankbar, daß Du mir so ausführlich Nachrichten giebst, wäre nur die eine böse nicht darunter! Ich habe an Windelband gleich ein paar Worte geschrieben und lege sie ein; Du bist wohl so gut, sie ihm zu überbringen (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 168).">[1]</a> hätt’ ich schon längst geantwortet, wenn nicht das geringe Maaß dessen, was mir zu schreiben noch immer räthlich war, vollkommen von durchaus nothwendiger Correspondenz in Anspruch genommen gewesen wäre. Mußt’ ich doch hin und her schreiben, da alle Welt mir rieth, mich den grausamen Plänen zu unterwerfen, welche die Aerzte mit mir nun einmal vorhaben. Und so hat denn auch schließlich deren Logik über die Wünsche meines Herzens triumphirt: in acht Tagen werde ich unterwegs sein, um den Rest des Winters <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="in Italien ] vgl. Ehrenberg an Jellinek aus Braunschweig vom 15.12.1872: Von Windelband hatte ich heute Brief; ich begreife doch nicht, wie die Ärzte ihm in dieser Jahreszeit eine so weite Reise gestatten können, mir wurde es streng verboten. Jedenfalls hoffe ich, den Freund dort noch zu sehen (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 171).&#xD;&#xA;">in Italien</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="in Italien ] vgl. Ehrenberg an Jellinek aus Braunschweig vom 15.12.1872: Von Windelband hatte ich heute Brief; ich begreife doch nicht, wie die Ärzte ihm in dieser Jahreszeit eine so weite Reise gestatten können, mir wurde es streng verboten. Jedenfalls hoffe ich, den Freund dort noch zu sehen (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 171).">[2]</a> zuzubringen! Eine <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Tante ] nicht ermittelt&#xD;&#xA;">Tante</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Tante ] nicht ermittelt">[3]</a> wird mich begleiten, da nach solchen ärztlichen Befehlen meine Familie sich von der Vorstellung meiner als eines gewiß <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="schwer Kranken ] vgl. Jellinek an Ehrenberg aus Leipzig vom 1.12.1872: Vor vierzehn Tagen ungefähr wurde Windelband plötzlich krank. Ein heftiges Fieber, oft von Delirien begleitet, hatte ihn ergriffen. Anfangs glaubte man, daß es ein Nervenfieber wäre, bald aber stellte sich heraus, daß es die Folge einer Brustfellentzündung sei, die mit ungewöhnlicher Stärke auftrat. Er wurde alsbald ins Spital transportirt, wo er die beste und gründlichste Pflege hat. Seit einigen Tagen geht es ihm entschieden besser. An seine Vorlesungen darf er natürlich diesen Winter nicht mehr denken, und so kannst Du immerhin noch sein erster Famulus werden. Bardeleben meinte, es wäre für ihn sehr gut, wenn er einige Zeit in einem südlichen Klima zubrächte. So wäre es denn auch möglich, daß Euch ein leider nicht glücklicher Zufall wieder zusammenführte. Während seiner Krankheit hat er sich immer nach Dir erkundigt, einmal sogar in stärkstem Fieber. (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 165–166).&#xD;&#xA;">schwer Kranken</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="schwer Kranken ] vgl. Jellinek an Ehrenberg aus Leipzig vom 1.12.1872: Vor vierzehn Tagen ungefähr wurde Windelband plötzlich krank. Ein heftiges Fieber, oft von Delirien begleitet, hatte ihn ergriffen. Anfangs glaubte man, daß es ein Nervenfieber wäre, bald aber stellte sich heraus, daß es die Folge einer Brustfellentzündung sei, die mit ungewöhnlicher Stärke auftrat. Er wurde alsbald ins Spital transportirt, wo er die beste und gründlichste Pflege hat. Seit einigen Tagen geht es ihm entschieden besser. An seine Vorlesungen darf er natürlich diesen Winter nicht mehr denken, und so kannst Du immerhin noch sein erster Famulus werden. Bardeleben meinte, es wäre für ihn sehr gut, wenn er einige Zeit in einem südlichen Klima zubrächte. So wäre es denn auch möglich, daß Euch ein leider nicht glücklicher Zufall wieder zusammenführte. Während seiner Krankheit hat er sich immer nach Dir erkundigt, einmal sogar in stärkstem Fieber. (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 165–166).">[4]</a> und sehr Schwachen nicht losmachen kann. Das ist die Welt, von der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Fichte … Freiheit ] Anspielung auf Johann Gottlieb Fichtes Vorlesungen über die Tatsachen des Bewußtseins (1810/11).&#xD;&#xA;">Fichte behauptete, daß sie nur ein Ausfluß der Freiheit</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Fichte … Freiheit ] Anspielung auf Johann Gottlieb Fichtes Vorlesungen über die Tatsachen des Bewußtseins (1810/11).">[5]</a> sei!</p><p class="ED-p"><span class="ED-name">Jellinek</span> machte mir Hoffnung, daß Sie in ein paar Tagen hier sein und ich somit noch die Freude haben würde, Sie wiederzusehen. Das wäre herrlich: denn ich würde mich gern persönlich davon über<span class="ED-pb">|</span>zeugen, daß Sie mir in der Genesung ein gut Stück vorauf sind! Sollte das nicht eintreffen, so sind diese Zeilen bestimmt, Ihnen ein herzliches, inniges Lebewohl zu sagen und Sie zu bitten, daß nicht <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="letheische Fluthen ] Anspielung auf Lethe, den mythischen Fluß des Vergessens&#xD;&#xA;">letheische Fluthen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="letheische Fluthen ] Anspielung auf Lethe, den mythischen Fluß des Vergessens">[6]</a> während so langer Zeit Ihre Freundschaft für mich hinwegspülen mögen!</p><p class="ED-p">Für die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="freundliche Büchersendung ] vgl. Jellinek an Ehrenberg aus Leipzig vom 1.12.1872: Er wollte Dir längst schreiben und Dich um die Rücksendung des Kuno Fischer, den er nothwendig braucht, ersuchen (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 165–166). Gemeinte Werke Kuno Fischers nicht ermittelt.&#xD;&#xA;">freundliche Büchersendung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="freundliche Büchersendung ] vgl. Jellinek an Ehrenberg aus Leipzig vom 1.12.1872: Er wollte Dir längst schreiben und Dich um die Rücksendung des Kuno Fischer, den er nothwendig braucht, ersuchen (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt a. M.: Klostermann 2005, S. 165–166). Gemeinte Werke Kuno Fischers nicht ermittelt.">[7]</a> besten Dank! ich kann nun leider doch keinen Gebrauch mehr davon machen.</p><p class="ED-p">Leben Sie wohl, leben Sie täglich wöhler und genießen Sie das Recht, in der Heimat bleiben zu dürfen! Mit bestem Gruße Ihr</p><p class="ED-signed">W Windelband</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">freundlich theilnehmenden Zeilen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <span class="ED-name">Ehrenberg</span> an <span class="ED-name">Jellinek</span> aus Braunschweig vom 2.12.1872: <span class="ED-rdg">Du lieber Mensch, ich bin Dir recht, recht, dankbar, daß Du mir so ausführlich Nachrichten giebst, wäre nur die eine böse nicht darunter! Ich habe an Windelband gleich ein paar Worte geschrieben und lege sie ein; Du bist wohl so gut, sie ihm zu überbringen</span> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr title="am Main" class="ED-abbr">a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 168).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">in Italien</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <span class="ED-name">Ehrenberg</span> an <span class="ED-name">Jellinek</span> aus Braunschweig vom 15.12.1872: <span class="ED-rdg">Von Windelband hatte ich heute Brief; ich begreife doch nicht, wie die Ärzte ihm in dieser Jahreszeit eine so weite Reise gestatten können, <u>mir</u> wurde es streng verboten. Jedenfalls hoffe ich, den Freund dort noch zu sehen</span> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr title="am Main" class="ED-abbr">a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 171).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Tante</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht ermittelt</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">schwer Kranken</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <span class="ED-name">Jellinek</span> an <span class="ED-name">Ehrenberg</span> aus Leipzig vom 1.12.1872: <span class="ED-rdg">Vor vierzehn Tagen ungefähr wurde Windelband plötzlich krank. Ein heftiges Fieber, oft von Delirien begleitet, hatte ihn ergriffen. Anfangs glaubte man, daß es ein Nervenfieber wäre, bald aber stellte sich heraus, daß es die Folge einer Brustfellentzündung sei, die mit ungewöhnlicher Stärke auftrat. Er wurde alsbald ins Spital transportirt, wo er die beste und gründlichste Pflege hat. Seit einigen Tagen geht es ihm entschieden besser. An seine Vorlesungen darf er natürlich diesen Winter nicht mehr denken, und so kannst Du immerhin noch sein erster Famulus werden. Bardeleben meinte, es wäre für ihn sehr gut, wenn er einige Zeit in einem südlichen Klima zubrächte. So wäre es denn auch möglich, daß Euch ein leider nicht glücklicher Zufall wieder zusammenführte. Während seiner Krankheit hat er sich immer nach Dir erkundigt, einmal sogar in stärkstem Fieber.</span> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr title="am Main" class="ED-abbr">a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 165–166).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">Fichte … Freiheit</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> Anspielung auf Johann Gottlieb Fichtes Vorlesungen über die Tatsachen des Bewußtseins (1810/11).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">letheische Fluthen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Anspielung auf Lethe, den mythischen Fluß des Vergessens</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">freundliche Büchersendung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <span class="ED-name">Jellinek</span> an <span class="ED-name">Ehrenberg</span> aus Leipzig vom 1.12.1872: <span class="ED-rdg">Er wollte Dir längst schreiben und Dich um die Rücksendung des Kuno Fischer, den er nothwendig braucht, ersuchen</span> (Christian Keller: Victor Ehrenberg und Georg Jellinek Briefwechsel 1872–1911. Frankfurt <abbr title="am Main" class="ED-abbr">a. M.</abbr>: Klostermann 2005, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 165–166). Gemeinte Werke <span class="ED-name">Kuno Fischers</span> nicht ermittelt.</div></div></body></html>