<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Wilhelm Dilthey (mit Carl Stumpf): Gutachten über Windelband als Kandidat zur Wahl zum korrespondierenden Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, o. O., o. D (Berlin, vor 5.2.1903), 4 S., hs. (Dilthey), Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, PAW (1812–1945), II-III-129</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000028-3"/><style type="text/css">
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(Dilthey)</span>, <span class="ED-pubPlace">Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, PAW (1812–1945), II-III-129</span></p><div class="ED-text"><p class="ED-p"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Wilhelm Windelband ] unterstrichen&#xD;&#xA;">Wilhelm Windelband</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Wilhelm Windelband ] unterstrichen">[a]</a>, geboren 1848, hat in Zürich, Freiburg und Straßburg das philosophische Lehramt bekleidet und hat sich gegenwärtig nach <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Ablehnung des Rufes nach Tübingen ] vgl. Windelband an Kuno Fischer vom 15.7.1902&#xD;&#xA;">Ablehnung des Rufes nach Tübingen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Ablehnung des Rufes nach Tübingen ] vgl. Windelband an Kuno Fischer vom 15.7.1902">[1]</a>, dahin entschieden, als Nachfolger <span class="ED-name">Kuno Fischers</span> das Heidelberger Lehramt zu übernehmen. Seine philosophische Richtung ist durch den deutschen Idealismus bestimmt. Indem er die philosophiegeschichtlichen Studien mit systematischer Arbeit jederzeit verknüpft hat, ist ihm hieraus der auszeichnende Charakter seiner Arbeiten auf beiden Gebieten entstanden. Seine systematischen Abhandlungen haben die Fachgenossen lebendigst angeregt. Insbesondere wirken stark sein Versuch in der Lehre von den Normen auf logischem, ethischem und ästhetischen Gebiet die Grundlage der <span class="ED-pb">|</span> philosophischen Betrachtungsweise zu finden und dann der andere, den Unterschied der Naturwissenschaften und der historischen auf eine neue Weise zu <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="bestimmen. ] danach gestr.: Die beachtenswerten Arbeiten von Rickert sind aus der Windelbandschen Fassung des letzteren Problems hervorgegangen.&#xD;&#xA;">bestimmen.</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="bestimmen. ] danach gestr.: Die beachtenswerten Arbeiten von Rickert sind aus der Windelbandschen Fassung des letzteren Problems hervorgegangen.">[b]</a> Auf dem Gebiet der Geschichte der Philosophie verdanken wir ihm zunächst eine ausführliche Darstellung der „Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhang mit der allgemeinen Kultur und den besonderen Wissenschaften (1878-80)“. Es folgt seine kürzere Geschichte der alten Philosophie (1888); dann seine allgemeine Geschichte der Philosophie (1892); <span class="ED-pb">|</span> endlich vor Kurzem seine Schrift über <span class="ED-name">Platon</span>. Der ausserordentlich anregende und fördernde Charakter dieser Schriften ist darin gegründet, wie Windelband an jedem Punkte der Entwicklung dessen ganzer Zusammenhang mit Vergangenheit und Zukunft gegenwärtig ist, andrerseits wie er aus dem inneren systematischen Zusammenhang der Probleme und Erkenntnisse den empirisch gegebenen Verlauf erleuchtet und erklärlich macht. Hierbei kommt ihm eine beständig regsame Gabe der Combination zu Hilfe, welche in ursächlichen Verknüpfungen unerschöpflich ist, und wenn die empirische Verifikation bei der Nachprüfung auch zuweilen nicht gelingt, so wird doch nicht Weniges – zumal in der mittelalterlichen und neueren Geschichte der Philosophie als dauernder Gewinn anerkannt werden <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="müssen. ] danach gestr.: Wollte man | den Massstab wissenschaftlicher Einzeluntersuchung an Windelbands Arbeiten legen, so schaltete man eben das sie Auszeichnende aus, welches aus der universalhistorischen Betrachtungsweise fließt.&#xD;&#xA;">müssen.</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="müssen. ] danach gestr.: Wollte man | den Massstab wissenschaftlicher Einzeluntersuchung an Windelbands Arbeiten legen, so schaltete man eben das sie Auszeichnende aus, welches aus der universalhistorischen Betrachtungsweise fließt.">[c]</a> <span class="ED-pb">|</span> Die Wirkung dieser Schriften wird erhöht durch einen fleißigen, höchst lebendigen und liebenswürdigen Stil, der freilich zuweilen das Eigene, Alterthümliche in den Begriffen und Sprachen der Systeme nicht scharf und bestimmt genug zum Ausdruck kommen lässt. Alle Vorzüge eines solchen Geistes mussten in dem Versuch einer Universalgeschichte der Philosophie zum vollsten Ausdruck kommen. Dies Buch ist ein bedeutender Wurf. Die Erzählung, die innerhalb der einzelnen Nationen die Systeme einander nach ihrer chronologischen Ordnung folgen lässt, wird <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="von ihm ] statt gestr.: hier; Korrektur von Carl Stumpfs Hand&#xD;&#xA;">von ihm</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="von ihm ] statt gestr.: hier; Korrektur von Carl Stumpfs Hand">[d]</a> vollständig aufgelöst. Der Fortschritt in der Geschichte der Philosophie – so erklärt er – ist streckenweise durchaus pragmatisch d. h. durch die innere Nothwendigkeit der Gedanken und durch „die Logik der Dinge“ zu verstehen. Das Mittel, diese innere Logik zu erkennen, glaubt Windelband in der Zerlegung der Philosophie einer Zeit nach den Problemen zu finden, welche in ihr im Vordergrunde stehen. So gliedert er nach diesen. Ähnliches hat vor ihm <span class="ED-name">Herbart</span> versucht. Ist nun hier eine geistreiche Einseitigkeit nicht zu verkennen, so hat dies Werk doch für die Überwindung der alten biographischen Form der Geschichtsdarstellung – die jetzige Aufgabe der Philosophiegeschichte – sich sehr fruchtbar erwiesen.</p><p class="ED-signed"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-5" title="Wilhelm Dilthey ] eigenhändige Unterschrift&#xD;&#xA;">Wilhelm Dilthey</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-5" id="app-philological-5-ref" title="Wilhelm Dilthey ] eigenhändige Unterschrift">[e]</a></p><p class="ED-signed"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-6" title="C. Stumpf ] eigenhändige Unterschrift&#xD;&#xA;">C. Stumpf</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-6" id="app-philological-6-ref" title="C. Stumpf ] eigenhändige Unterschrift">[f]</a></p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Wilhelm Windelband</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">bestimmen.</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>danach <abbr title="gestrichen" class="ED-abbr">gestr.</abbr>: <span class="ED-rdg">Die beachtenswerten Arbeiten von Rickert sind aus der Windelbandschen Fassung des letzteren Problems hervorgegangen.</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">müssen.</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>danach <abbr title="gestrichen" class="ED-abbr">gestr.</abbr>: <span class="ED-rdg">Wollte man | den Massstab wissenschaftlicher Einzeluntersuchung an Windelbands Arbeiten legen, so schaltete man eben das sie Auszeichnende aus, welches aus der universalhistorischen Betrachtungsweise fließt.</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">von ihm</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>statt <abbr title="gestrichen" class="ED-abbr">gestr.</abbr>: <span class="ED-rdg">hier</span>; Korrektur von <span class="ED-name">Carl Stumpfs</span> Hand</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-5"><span class="ED-app-num">e</span><a href="#app-philological-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Wilhelm Dilthey</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>eigenhändige Unterschrift</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-6"><span class="ED-app-num">f</span><a href="#app-philological-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">C. Stumpf</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>eigenhändige Unterschrift</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ablehnung des Rufes nach Tübingen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Windelband an <span class="ED-name">Kuno Fischer</span> vom 15.7.1902</div></div></body></html>