<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000884-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><note>Nr. 11</note><note>, Heft mit Fadenheftung und Umschlag aus blauem Papier, mit eigenhändigem Titel </note><quote type="rdg">Zweites Kapitel. Vom Bewusstsein</quote><note>, Fortsetzung von Heft 16, auf dem Umschlag vermutlich eigenhändige Nummerierung </note><quote type="rdg">IV.</quote><note>, darunter Bleistiftnotiz von anderer Hd.</note> <quote type="rdg">Fock 6</quote><note>, Abfassungszeitraum ca. 1876–1878/79, Umfang: 36 S., davon beschrieben: 26, Textbeginn auf Bl. 1r, </note>hs. (dt. Schrift), schwarze Tinte, <note>Maße: 20,7 x 16,8 cm</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek der Tohoku Universität Sendai (Japan): II, A 2–2 WW 1, 11</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0884" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000884-2"><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118616242">Baruch de Spinoza</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116722282">Carl Göring</name><name>Christan Biehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118554735">David Hume</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118546252">Eduard von Hartmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569333">Friedrich Albert Lange</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118571249">Gottfried Wilhelm Leibniz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532154">Gustav Theodor Fechner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118616080">Herbert Spencer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118574574">Hermann Lotze</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119331586">Hermann Ulrici</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11854943X">Johann Friedrich Herbart</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118684256">Karl Fortlage</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118524844">René Descartes</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11862976X">Wilhelm Eduard Weber</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek der Tohoku Universität Sendai (Japan)</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2006"/><note>Nr. 11</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2006"/><note>, Heft mit Fadenheftung und Umschlag aus blauem Papier, mit eigenhändigem Titel </note><quote type="rdg">Zweites Kapitel. 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(dt. Schrift), schwarze Tinte, <note>Maße: 20,7 x 16,8 cm</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek der Tohoku Universität Sendai (Japan): II, A 2–2 WW 1, 11</bibl></head></front><body><head><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2007"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2008"/>Zweites Kapitel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2007"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2008"/>.</head><head><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2009"/>Vom Bewußtsein.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2009"/></head><p>Die entscheidende Bedeutung, welche das Bewußtsein für die Begriffsbestimmung des Psychischen hat, macht im Fortgange der methodologischen Betrachtung eine eingehende Untersuchung über das Wesen des Bewußtseins um so mehr nothwendig, als jene Definition sich ausdrücklich in formaler Richtung auf die Erkennbarkeit der psychischen Phänomene bezieht. Besteht das Wesen aller psychischen Thatsachen in ihrer Fähigkeit directer Bewußtwerdung, so kann die Methode ihrer Erkenntniß nur aus der Einsicht in den ursprünglichen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2010"/>Proceß des Bewußtseins<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2010"/> entwickelt werden. Zwar beruhen selbstverständlich alle Wissenschaften ausnahmslos auf Vorgängen des Bewußtseins u<add>[nd]</add> allein dieses Verhältniß ist für alle übrigen das gleiche, und sie unterscheiden sich nur durch die verschiedenen Sphären des Bewußtseinsinhalts, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2011"/>welche<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2011"/> ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2012"/>die<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2012"/> Gegenstände geben und deren Behandlungsweise vorschreiben. Eben darin besteht die Eigenthümlichkeit der Psychologie, daß sie vermöge ihres Forschungsobjects zu allererst genöthigt ist, zu dem Probleme des Bewußtseins <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2013"/>selbst<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2013"/> Stellung zu nehmen, und sich jenen Proceß der directen Bewußtwerdung klar zu machen, der das allgemeine Merkmal ihrer Erkenntnißgegenstände ausmacht.</p><p>Nun ist diese Untersuchung selbst natürlich eine psychologische; ja sie ist fast die wichtigste und bedeutsamste der gesammten Psychologie, eben weil das Bewußtsein die Cardinalthatsache des ganzen seelischen Lebens ist, von der aus allein alle anderen Fragen entspringen und gelöst werden können: und so zeigt sich ein eigenthümliches Verhältniß, welches auf den ersten Blick Verwunderung erregen könnte. Man kommt zur Begründung der Methode der Psychologie nicht ohne die Untersuchung des Bewußtseins, und man kann diese nicht führen, ohne jene Methode schon anzuwenden. Indem man die Methode sucht, muß man sie bereits gebrauchen. An diesem Thatbestande, der übrigens allen Wissenschaften ge­meinsam ist, könnte jedoch nur eine sehr äußerliche Auffassung von dem Wesen einer wissenschaftlichen Methode Anstoß nehmen. Nur wer eine Methode wie ein ganz allgemeines Handwerkszeug ansieht, welches ohne Rücksicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2014"/>auf<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2014"/> seine besondere Verwendung vorher gezimmert werden kann, nur der könnte auch verlangen, daß man für eine Wissenschaft eine Methode ausarbeitete, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2015"/>ohne<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2015"/> in ihr sachliches Material eingedrungen zu sein. Schon für die Technik des gewöhnlichen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2016"/>Lebens <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2016"/> ist es bekannt, daß brauchbare Instrumente nur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2017"/>von<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2017"/> eingehender Sachkenntniß gefertigt werden können: und auf dem Gebiete der Wissenschaften vollends stehen sich Form und Inhalt nie so äußerlich gegenüber, daß man die methodische Form einer Wissenschaft ohne die Kenntniß ihres Inhalts vorher construiren könnte. Die Geschichte zeigt deshalb auch, daß niemals eine Wissenschaft aus einer vorher entworfenen Methode entsprungen ist: jede beginnt vielmehr mit einer Reihe von naturalistischen Versuchen, und erst nachdem diese in wichtigen Punkten zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2018"/>festen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2018"/> Erfolgen geführt haben, kann auf Grund dieser schon gewonnenen sachlichen Erkenntniß die Methode für deren Erweiterung entworfen werden. Der Psychologie wäre es zu wünschen, daß sie diesen Durchgangspunkt, den andere Wissenschaften längst hinter sich haben, bald erreichte. Auch die Begründung der Methode aber kann deshalb für jede Wissenschaft nur durch sachliche Erkenntniß geschehen, welche selbst schon in dieser Methode ausgeführt wird: denn der Grund, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2019"/>weßhalb<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2019"/> in einer bestimmten Wissenschaft eine bestimmte Methode angewendet wird, ist nirgend anders zu suchen als in der Eigenthümlichkeit der von ihr zu begreifenden Gegenstände.</p><p>Scheint aber auf diese Weise die methodische Untersuchung eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2020"/>petitio principii<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2020"/> zu enthalten, so ist das ein allgemeines Geschick alles menschlichen Wissens. Es war eine irre leitende Täuschung, wenn eine Zeit lang die Philosophie dem Gedanken nachgegangen ist, es lasse sich ein höchstes, voraussetzungsloses und an sich gewisses „Princip“ finden, welches den gesammten Inhalt des menschlichen Wissens tragen sollte. Jeder Versuch es aufzustellen, ist gescheitert an der durch und durch voraussetzungsvollen Natur des menschlichen Denkens. Alle Erkenntniß besteht zuletzt in einem System von Gedanken, welche, von den verschiedensten Ansatzpunkten aus erwachsen, mit ihrer Ueberzeugungskraft sich gegenseitig stützen und tragen, und die letzte Gewißheit kann für jeden einzelnen nur in der widersprüchlichen Uebereinstimmung gefunden werden, mit der er sich dem Zusammenhange des Ganzen einfügt. Und so müssen in den grundlegenden Forschungen jeder Wissenschaft schon eben die Principien angewendet werden, welche darin ihre Rechtfertigung finden sollen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2021"/>Die Welt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2021"/> der Wissenschaften hat wie das Universum keinen ruhenden und selbstgewissen Mittelpunkt: sondern <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2022"/>sie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2022"/> ist ein System, welches sich selbst trägt in ewigem Gleichgewicht lebendiger Kräfte.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2023"/>6.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2023"/></p><p>Vielleicht bei keinem derjenigen Worte, welche die Psychologie aus der gemeinen Redeweise aufnimmt, ist ihr größere terminologische Vorsicht geboten, als bei dem des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2024"/>„Bewußtseins“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2024"/>. Es ist längst von den Psychologen anerkannt, daß es völlig unmöglich ist, aus den vieldeutigen Anwendungen des Sprachgebrauchs zu einem zweifellos klaren Begriff des Bewußtseins zu gelangen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2025"/>Theilweise versteht man darunter im Sinne der alten Vermögenstheorie eine besondere Kraft der Seele, gelegentlich auch wol diese Seele selbst: aber auch wo man von dem Worte den wissenschaftlichen Gebrauch macht, es als allgemeine, begriffliche Bezeichnung für gewisse Zustände und Functionen anzuwenden, geht der Sinn dieses Gebrauches bei den verschiedenen Forschern weit aus einander.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2025"/> Besonders nach zwei Richtungen ist der einfache Thatsachenbestand durch die sprachlichen Mißbräuche des Wortes verdunkelt worden. Einerseits bezieht man das Wort vielfach <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2026"/>auf <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2026"/> den ungetrübten Zustand der sinnlichen Aufmerksamkeit und kommt so in die paradoxe Lage, manche der höchsten Thätigkeiten des Bewußtseins, <abbr>z. B.</abbr> das intensive Nachdenken, aus der Sphäre des Bewußtseins auszuschließen. Besonders aber hat <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2027"/>andererseits<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2027"/>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2028"/>wie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2028"/> der Gebrauch fast aller Sprachen beweist, der Umstand, daß in den bewußten Zuständen der entwickelten menschlichen Individuen meistens eine Beziehung der Denkthätigkeit auf das sich selbst vorstellende Subject vorliegt, dazu verleitet, Bewußtsein mit Sichbewußtsein oder Selbstbewußtsein zu verwechseln und auf diese Weise die Anwendung des Wortes „Bewußtsein“ auf den engeren Kreis der Functionen des Selbstbewußtseins zu beschränken. Und doch spricht man im Widerspruche damit hier von einem Traumbewußtsein, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2029"/>dort<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2029"/> von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2030"/>dem<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2030"/> Bewußtsein eines Kindes, eines minderen Thieres. Selbst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2031"/>vor<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2031"/> dem sinnlosen Oxymoron des „unbewußten Bewußtseins“ ist man nicht zurückgeschreckt, weil man beim adjectivischen Gebrauch des Wortes einen anderen Begriff im Sinne haben konnte als beim substantivischen.</p><p>Einem so unsicheren Wortgebrauche gegenüber muß man zunächst, solange es eben kein allgemein anerkanntes Schema der psychologischen Terminologie giebt, jedem Forscher das Recht einräumen, den Sinn dieses Terminus für seinen Gebrauch zu bestimmen, vorausgesetzt, daß er ganz zweifellos und mit Verhütung von Mißverständnissen den Character desjenigen Phänomens klar machen kann, welches er mit diesem Worte bezeichnen will, und daß diese Bedeutung von den gebräuchlichsten Anwendungen des Wortes nicht allzuweit entfernt liegt. Sofern jedoch durch eine solche Ansicht vom Wesen des Bewußtseins bereits eine für die weiteren Auffassungen der Psychologie maßgebende Theorie bestimmt wird – und das muß bei der fundamentalen Wichtigkeit der Sache nothwendig eintreten –, handelt es sich bei dieser Begriffsbestimmung nicht mehr um eine terminologische Fixirung, sondern bereits um eine der wichtigsten sachlichen Feststellungen.</p><p>Die bedeutenderen Definitionen des Bewußtseins lassen sich im Wesentlichen auf drei Grundversuche zurückführen. Gemeinsam ist allen selbstverständlich die Beziehung auf die Vorstellungsthätigkeit: daß das Bewußtsein aus Vorstellungen besteht, nur durch den eigenthümlichen, nicht weiter zu definirenden Act, welchen wir Vorstellung nennen, zu Stande kommen kann, daß überall wo Bewußtsein ist, auch Vorstellungen sind, – das zu leugnen, hieße die Bedeutung, welche beide Worte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2032"/>nun einmal<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2032"/> haben, durchaus auf den Kopf stellen. Nur darüber sind die Psychologen uneinig, in welcher Weise das Bewußtsein innerhalb der Vorstellungsthätigkeit sich geltend macht. Soll also das Bewußtsein eine gewisse Art und Weise des Vorstellens sein, so ist seine Eigenthümlichkeit entweder in der Vorstellungsthätigkeit oder im Vorstellungsinhalt zu suchen. Unterschiede in der Vorstellungsthätigkeit kann man entweder im quantitativen <abbr>resp.</abbr> graduellen oder im qualitativen Sinne annehmen. Thut man das erste, so wird man meinen das Bewußtsein als einen gewissen Stärkegrad des Vorstellungsactes ansehen zu dürfen. Thut man das zweite, so wird man das Wesen des Bewußtseins in einer bestimmten Art <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2033"/>der <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2033"/> Vorstellungsthätigkeit suchen. Setzt man endlich das Bewußtsein in Beziehung zu dem Inhalte der Vorstellungen, so wird man es durch gewisse Nebenvorstellungen characterisiren, welche mit jedem im Bewußtsein auftretenden Vorstellungsinhalte nothwendig verknüpft seien.</p><p>Die erste dieser Ansichten stützt sich auf eine weit verbreitete und durch eine Fülle sprachlicher Bezeichnungen scheinbar bestätigte Meinung. Wir sprechen von größerer oder geringerer Kraft der Vorstellungen, von der Abschwächung der Vorstellungsintensität in der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2034"/>Erinnerung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2034"/> von größerer oder geringerer Stärke der Gründe <abbr>u. s. f.</abbr>, und wir legen allen diesen Ausdrücken die Auffassung zu Grunde, es könne derselbe Inhalt mit verschiedener Intensität vorgestellt werden, sodaß es verschiedene psychische Handlungen gäbe, welche genau denselben Inhalt besäßen und sich nur durch die größere oder geringere Intensität unterschieden, mit welcher derselbe vorgestellt würde. Wir sprechen in gleichem Sinne von einer verschiedenen Intensität des Bewußtseins, überzeugt, daß derselbe Vorstellungsinhalt mit verschiedener Stärke innerhalb des Bewußtseins aufzutreten vermöge. Denkt man sich dann diese verschiedenen Zustände mit gleichem Vorstellungsinhalt nach dem Grade ihrer Intensität angeordnet, etwa in der Art einer Reihe <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><msub><mrow><mi>f</mi></mrow><mrow><msup><mrow><mn>1</mn></mrow><mrow><mi>a</mi></mrow></msup></mrow></msub></math>, <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><msub><mrow><mi>f</mi></mrow><mrow><msup><mrow><mn>2</mn></mrow><mrow><mi>a</mi></mrow></msup></mrow></msub></math>, <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><msub><mrow><mi>f</mi></mrow><mrow><msup><mrow><mn>3</mn></mrow><mrow><mi>a</mi></mrow></msup></mrow></msub></math>, <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><msub><mrow><mi>f</mi></mrow><mrow><msup><mrow><mn>4</mn></mrow><mrow><mi>a</mi></mrow></msup></mrow></msub></math>, <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><msub><mrow><mi>f</mi></mrow><mrow><msup><mrow><mn>5</mn></mrow><mrow><mi>a</mi></mrow></msup></mrow></msub></math> u<add>[nd]</add> ……, so hat man darauf die Erklärung gegründet, durch eine bestimmte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2035"/>Intensität der Vorstellungsthätigkeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2035"/>, also etwa <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><msub><mrow><mi>f</mi></mrow><mrow><mn>3</mn></mrow></msub></math> werde der Inhalt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2036"/>(a)<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2036"/> in den niedrigsten Grad des Bewußtseins erhoben, und von da an steige die Intensität des Bewußtseins gleichmäßig mit derjenigen der Vorstellungsthätigkeit, sodaß das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2037"/>Bewußtsein als eine Function der Vorstellungsstärke<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2037"/> aufzufassen wäre: die Vorstellungsintensität, welche den Anfangspunkt des Bewußtseins bildet, heißt dann die Bewußtseinsschwelle. Die thatsächliche Bestätigung dieser Ansicht kann natürlich, da die unterhalb der Bewußtseinsschwelle auftretenden Intensitäten der Vorstellungsthätigkeit auf keinen Fall <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2038"/>der Erfahrung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2038"/> zugänglich sein können, nur in dem Nachweise gesucht werden, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2039"/>daß<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2039"/> oberhalb dieser Schwelle der gleiche Inhalt des Bewußtseins mit verschiedener Intensität vorgestellt werden kann. Wäre das erwiesen, so bestände wenigstens die Möglichkeit, diese Reihe der Intensität hypothetisch auch noch unterhalb der Bewußtseinsschwelle zu verfolgen. Die Grundlage dieser Definition bildet also jene Annahme von der verschiedenen Intensität von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2040"/>bewußten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2040"/> Vorstellungen gleichen Inhalts: und diese ist denn auch in der That so verbreitet und gilt als so selbstverständlich, daß <abbr>z. B.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2041"/><name>Herbart</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2041"/>, der hauptsächliche Vertreter jener Definition, nie daran gedacht hat, diese Grundlage <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2042"/>derselben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2042"/> zu prüfen und ihre Berechtigung zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2043"/>erweisen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2043"/>.</p><p>Und doch lehrt eine genauere Besinnung sehr bald, daß sich die Sache nicht so verhält, und namentlich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2044"/><name>Lotze</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2044"/> hat jenes verbreitete Vorurtheil in der glücklichsten Weise <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2045"/>widerlegt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2045"/>, indem er zeigt, daß diese Intensitätsverschiedenheiten nicht der Vorstellungsthätigkeit als solcher, sondern vielmehr dem Vorstellungsinhalt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2046"/>angehören.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2046"/> Was man als Intensität der Vorstellung bezeichnet, besteht entweder in der Lebhaftigkeit des sinnlichen Eindrucks, oder in der Klarheit und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2047"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2048"/>Deutlichkeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2047"/> <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2048"/> der zusammengesetzten Vorstellung. In ersterer Beziehung könnte von einer Verschiedenheit der Bewußtseinsintensität nur die Rede sein, wenn sich nachweisen ließe, daß man einen Sinneseindruck, der sich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2049"/>bekanntlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2049"/> durch Qualität und Stärke characterisirt, nur noch wieder mit verschiedener Stärke vorstellen kann. Offenbar ist das nicht der Fall, sondern stellt man die gleiche Qualität mit einer größeren oder geringeren Intensität vor, als zuvor, so hat man eben nicht mehr denselben Eindruck wie zuvor, sondern einen andern. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2050"/>Der einzige Einwand, der hiergegen erhoben werden könnte, bestünde darin zu behaupten, es sei eine unkritischer Weise von der Wissenschaft aufgenommene Ansicht, wenn man die Intensität mit zum Inhalt der Empfindung rechne, dieser sei vielmehr nur in der Qualität zu suchen, und die Intensität sei eben nichts anderes als die zum Inhalt hinzutretende Vorstellungsform. Allein abgesehen von allen anderen Gegengründen, welche in der Lehre von der Empfindung ihre besondere Besprechung finden werden, würde dieser Einwand an der allgemeinen Thatsache scheitern, daß die Intensität der Empfindung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2051"/>nicht nur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2051"/> von dem Vorstellungszustande des Empfindenden, sondern immer von der Stärke des objectiven, der Empfindung den Inhalt gebenden Reizes abhängt. Denn jene Veränderung, welche der Empfindungsintensität nach dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2052"/><name>Weber</name>-<name>Fechner</name>’schen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2052"/> Gesetze scheinbar durch den vorhergehenden Empfindungszustande aufgedrängt wird, besteht, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2053"/>wie sich an seiner Stelle zeigen wird,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2053"/> lediglich für unsre Schätzung der Intensitätsunterschiede, nicht für die einfachen Intensitäten als solche. Wollte man aber diese Abhängigkeit der Empfindung von dem vorhergehenden Empfindungszustande allgemein der Vorstellungsform zuschreiben, so fielen darunter in erster Linie die Alterationen der Qualität, wie sie in den Contrasterscheinungen der Farben <abbr>u. s. w.</abbr> hervortreten, und dann bliebe als reiner Empfindungsinhalt eben – Nichts übrig.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2050"/></p><p>Wenn man andererseits die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2054"/>Klarheit und Deutlichkeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2054"/> der Vorstellungen auf die Intensität der Bewußtseinsthätigkeit zurückführt, so befindet man sich in einer parallelen Täuschung. Die dunkle und die klare Vorstellung desselben „Gegenstandes“ unterscheiden sich nur durch die verschiedene, dort geringe, hier verhältnißmäßig große Anzahl von Nebengedanken, welche um einen gemeinsamen Kern des Vorstellungsinhalts gruppirt sind: der Unterschied liegt also auch hier nicht in der Bewußtseinsthätigkeit selbst, sondern nur in deren Inhalt, und er ist nicht intensiv, sondern extensiv; die klarere <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2055"/>und deutlichere<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2055"/> Vorstellung hat nur eine größere Anzahl von Inhaltselementen. Der beste Beweis dafür ist der, daß bei absolut einfachen Vorstellungen, wie derjenigen eines bestimmten Tons, einer bestimmten Farbe <abbr>u. s. f.</abbr> von verschiedener Klarheit und Deutlichkeit nicht die Rede sein kann.</p><p>Diese Ausführungen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2056"/><name>Lotze</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2056"/>’s sind so einleuchtend und durchschlagend, daß es eben nur ihrer Reproduction bedurfte. Nur eine Bemerkung möchte hinzuzufügen sein, welche zur Erklärung des allgemeinen Vorurtheils von der Möglichkeit verschiedener Vorstellungsintensität bei gleichem Inhalt geeignet ist. Wo nämlich verschiedene Intensität sei es in der sinnlichen Lebendigkeit sei es in der Klarheit und Deutlichkeit vorhanden ist, da <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2057"/>ist<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2057"/> auch nur ein scheinbar gleicher Inhalt. In Wahrheit liegt eben die Verschiedenheit im Inhalt der Vorstellungen: gleich ist nur die Wortbezeichung, welche wir für diesen verschiedenen Inhalt gebrauchen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2058"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2058"/> dadurch begreift sich die Täuschung, daß man meint, in beiden Fällen dasselbe, aber mit verschiedener Intensität vorzustellen. Die Sprache hält sich bei der Bestimmung der sinnlichen Empfindungen an die Qualität, und so sagen wir, daß wir dieselbe Qualität bald schwächer bald stärker vorstellen; sie hält sich bei der Bezeichung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2059"/>zusammengesetzter <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2059"/> Vorstellungen eben an jenen Kern der Gruppe, und so sagen wir, daß wir diesen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2060"/>Kern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2060"/> mit verschiedener Klarheit und Deutlichkeit vorstellen, je nachdem derselbe mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2061"/>einer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2061"/> größeren oder geringeren Menge von Nebenvorstellungen verbunden ist. Wenn man sagt, daß zwei Menschen einen und denselben Gegenstand der eine klarer und deutlicher, der andere nur unklar und undeutlich vorstellen, so ist das, was sie in Wahrheit vorstellen, bei dem einen eben etwas anderes, als bei dem andern: aber in dem Vorstellungsinhalt beider bleibt jener gemeinsame Kern, der nun für beide als der „gleiche Gegenstand“ bezeichnet wird. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2062"/>Oder aber wir bezeichnen die vorausgesetzte Realität, welche für beide Vorstellenden gleichmäßig die Veranlassung zur Vorstellung bildet, als jenen ihren gemeinsamen Gegenstand. Jedenfalls ist der wirkliche Vorstellungsinhalt des einen von demjenigen des anderen verschieden.</p><p>Namentlich gilt dies auch für die häufig als Beleg der betrachteten Ansicht eingeführte Behauptung, die erinnerten Vorstellungen besäßen den ursprünglichen gegenüber eine geringere Stärke, sie seien gewissermaßen „verblaßt“. Wenn dies einerseits für die Intensität des sinnlichen Eindrucks gelten soll, so wird ein Jeder zugeben, daß, sobald Jemand sich eines Tones als eines schwächeren, einer Farbe als einer weniger intensiven im Vergleich mit den Originalen erinnert, er eben eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2063"/>unrichtige<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2063"/> Erinnerung hat; und unrichtig nennen wir gerade diejenige Erinnerung, welche einen anderen Inhalt besitzt als das Original, von dem sie die Erinnerung sein soll. So tritt es hierbei gerade am besten hervor, daß die Lebhaftigkeit des sinnlichen Eindrucks zum Inhalt desselben gehört. Was aber andrerseits das Verblassen in der Erinnerung zusammengesetzter Vorstellungen anbetrifft, so besteht dasselbe nachweisbar in nichts Anderem, als in dem Vergessen einzelner Theile der zusammengesetzten Vorstellung, <abbr>d. h.</abbr> also wiederum in einer Veränderung des inhaltlichen Reichthums der Vorstellungen. Was man als Abnahme der Intensität der Vorstellung bezeichnen möchte, ist eine Verarmung ihres Inhalts.</p><p>Diese Betrachtung zeigt, daß der in neuerer Zeit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2064"/>von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2065"/><name>Herbert Spencer</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2065"/><name/> wiederholte Versuch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2066"/><name>David Hume</name>’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2066"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2064"/>, die erinnerten „Ideen“ als die der Intensität nach „abgeschwächten“ Abbilder der „Impressionen“ aufzufassen, und den Unterschied des Elementaren und des Abgeleiteten in den psychischen Bewegungen zu einem solchen der Intensität zu stempeln, nicht aufrecht erhalten werden kann: und zwar um so weniger, als bei dieser Annahme, wenn das Resultat des Vorstellungsmechanismus von der Stärke abhängen soll, niemals ein Ueberwiegen der erinnerten Vorstellungen über diejenigen der augenblicklichen Sinneserregungen erklärt werden könnte.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2062"/></p><p>Hieraus geht nun hervor, daß eine verschiedene Intensität der Vorstellungsthätigkeit bei gleichem Inhalt nicht stattfindet, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2067"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2068"/>„Was wir als Stärke der Vorstellungen kennen gelernt haben“, sagt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2069"/><name>Lotze</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2069"/><name/>, „besteht nicht in einer gradweis bestimmbaren Intensität des Wissens um sie, sondern in einer extensiv meßbaren Vollständigkeit ihres nothwendigen Inhalts.“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2067"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2068"/> Es giebt schwachen und starken, es giebt armen und reichen Inhalt des Bewußtseins, aber es giebt kein schwächeres oder stärkeres Bewußtsein. Wenn man für die Abschwächung der Bewußtseinsintensität als Beispiel gern das allmälige Verdämmern der Vorstellungsthätigkeit beim Einschlafen anführt, so besteht gerade dies <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2070"/>nur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2070"/> darin, daß der Inhalt des Bewußtseins immer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2071"/>beschränkter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2071"/> und immer ärmer wird, bis er endlich vollständig verschwindet. An einem und demselben, unveränderten Vorstellungsinhalt aber giebt es keinen Gradunterschied seines Bewußtseins: ein bestimmter Inhalt wird entweder vorgestellt oder nicht vorgestellt – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2072"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2073"/>tertium non datur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2072"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2073"/>, und allmälige Uebergänge zwischen Bewußtsein und Nichtbewußtsein giebt es für denselben Inhalt nicht. Wo es so scheint, da liegt eine Veränderung des Inhaltes vor.</p><p>Wenn deshalb die Erklärung des psychischen Lebens die Annahme von Intensitätsverschiedenheiten unerläßlich macht – und sie macht dieselben, wie sich zeigen wird, in der That unerläßlich –, so ist schon hier vorauszusehen, daß diese Verschiedenheiten niemals in der Bewußtseinsthätigkeit, sondern nur in dem Bewußtseinsinhalte gesucht werden dürfen: und wenn die psychischen Thatsachen einen Kampf <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2074"/>der<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2074"/> Intensität <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2075"/>nach<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2075"/> verschiedener Kräfte zeigen, so läßt sich schon hiernach vermuthen, daß in diesem Kampfe das Bewußtsein nicht eine direct mitwirkende Kraft sein kann. Es ist aber auch nicht nur ein uninteressirter Zuschauer dieses Streites, sondern es ist vielmehr, wie später erhellen wird, nicht mehr und nicht weniger als – der Kampfpreis.</p><p>Mit dieser Einsicht fällt nun aber auch diejenige Definition des Bewußtseins, welche in demselben eine Function der Vorstellungsstärke sehen will, in sich zusammen: die Voraussetzung derselben, daß der gleiche Inhalt mit verschiedener Intensität vorgestellt werden könne, ist unrichtig. Deshalb ist es auch nicht mehr nöthig zu untersuchen, welche Vorstellungsintensität die Bewußtseinsschwelle ausmacht, ob die Reihe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2076"/>der<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2076"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2077"/>Vorstellungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2077"/> und diejenige der Bewußtseinsintensität dem gleichen oder einen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2078"/>verschiedenen <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2078"/> Nullpunkt habe. Wäre die Reihe oberhalb der Bewußtseinsschwelle constatirt, so müßte man allerdings fragen, ob und wie dieselbe unterhalb derselben sich fortsetze, <abbr>d. h.</abbr> mit andern Worten, ob es unbewußte Vorstellungen gäbe. Da aber jene Intensitätsreihe des bewußten Vorstellens nicht existirt, so ist zur Behandlung dieser Frage hier noch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2079"/>keine Veranlassung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2079"/>. Auch die andre Frage nach der Ursache einer solchen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2080"/>Veränderung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2080"/> der Vorstellungsintensität, ob sie mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2081"/>Beneke<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2081"/> in der Cumulation des psychischen Seins oder mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2082"/><name>Herbart</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2082"/><name/> in den statischen Verhältnissen der Vorstellungskräfte zu suchen ist, wird dadurch zunächst gegenstandslos.</p><p>a<math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mo>&gt;</mo></math>b.</p><p>a verl<add>[angt]</add> b <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac><mrow><mi>b</mi></mrow><mrow><mi>a</mi><mo>+</mo><mi>b</mi></mrow></mfrac></math> , b verl<add>[angt]</add> a <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac><mrow><mi>b</mi></mrow><mrow><mi>a</mi><mo>+</mo><mi>b</mi></mrow></mfrac></math> .</p><p>Aus a wird a <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mo>-</mo></math> <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac><mrow><msup><mrow><mi>b</mi></mrow><mrow><mn>2</mn></mrow></msup></mrow><mrow><mi>a</mi><mo>+</mo><mi>b</mi></mrow></mfrac></math> = <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac><mrow><msup><mrow><mi>a</mi></mrow><mrow><mn>2</mn></mrow></msup><mo>+</mo><mi>a</mi><mi>b</mi><mo>-</mo><msup><mrow><mi>b</mi></mrow><mrow><mn>2</mn></mrow></msup></mrow><mrow><mi>a</mi><mo>+</mo><mi>b</mi></mrow></mfrac></math></p><p>a = 26</p><p>Aus b wird b <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mo>-</mo></math> <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac><mrow><mi>a</mi><mi>b</mi></mrow><mrow><mi>a</mi><mo>+</mo><mi>b</mi></mrow></mfrac></math> = <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac><mrow><msup><mrow><mi>b</mi></mrow><mrow><mn>2</mn></mrow></msup></mrow><mrow><mi>a</mi><mo>+</mo><mi>b</mi></mrow></mfrac></math> . z. B. a = 2, b = 1, bleibt a = <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac xmlns:ns0="http://www.w3.org/1999/xhtml" ns0:bevelled="true"><mrow><mn>5</mn></mrow><mrow><mn>3</mn></mrow></mfrac></math> , b = <math xmlns="http://www.w3.org/1998/Math/MathML"><mfrac xmlns:ns0="http://www.w3.org/1999/xhtml" ns0:bevelled="true"><mrow><mn>1</mn></mrow><mrow><mn>3</mn></mrow></mfrac></math> <abbr>i. e.</abbr> a = 5 × 6</p><p>Alb<add>[ert]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2083"/><name>Lange</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2083"/><name/>, die Grundlegung der math<add>[ematischen]</add> Psych<add>[ologie]</add> Duisburg 1865.</p><p>Wichtig aber ist eine kritische und methodologische Folgerung, welche sich aus dieser Betrachtung ergiebt. Auf der Annahme verschiedener Intensität gleichen Vorstellungsinhalts, welche sich als irrig erwiesen hat, beruht im Wesentlichen der Versuch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2084"/><name>Herbart</name>’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2084"/>, den psychologischen Proceß der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2085"/>mathematischen Rechnung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2085"/> zu unterwerfen. Vorstellungen mit verschiedener Intensität sind die Elemente, mit denen dabei gerechnet wird, und der Verlust oder Zuwachs an Intensität, welchen die Vorstellungen durch ihr Verhältniß zu einander erfahren, sollen die Ergebnisse dieser Rechnung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2086"/>sein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2086"/>. Ist aber ein solches Wechseln der Vorstellungsintensität an dem gleichen Inhalt nur scheinbar, und in Wirklichkeit nicht vorhanden, so erweist sich die ganze Rechnung als illusorisch, und darin <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2087"/>dürfte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2087"/> wohl der tiefste Grund dafür liegen, daß dieser geniale Versuch trotz der Aufwendung eines immensen Scharfsinns bei dem Meister wie bei den Jüngern zuletzt doch zur Unfruchtbarkeit und zur Verkümmerung verurtheilt geblieben <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2088"/>ist.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2088"/></p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2089"/>7.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2089"/></p><p>Die wesentliche unter denjenigen Auffassungen, welche das Bewußtsein durch eine qualitativ bestimmte Art der Vorstellungsfunction zu erklären suchen, steht in einem gewissen Zusammenhange mit der soeben besprochenen. Als eine der wertvollsten Leistungen der vermeintlich zu steigernden Intensität des Bewußtseins pflegt man die Verdeutlichung des Vorstellungsinhalts zu betrachten, und die Deutlichkeit einer Vorstellung, welche bekanntlich in der Erkenntnistheorie seit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2090"/><name>Descartes</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2090"/><name/> eine bedeutende Rolle gespielt hat, bestimmte man, besonders seit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2091"/><name>Leibniz</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2091"/><name/>, als die Eigenschaft, sicher wiedererkannt und von allen andern genau unterschieden zu werden. Da nun alles bewußte Wiedererkennen in der That auf dem Unterscheiden beruht, so ist es begreiflich, daß man geneigt gewesen ist, das Wesen des Bewußtseins mit dieser <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2092"/>unterscheidenden Thätigkeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2092"/> in nahe Beziehung zu setzen. Es kommt hinzu, daß das Unterscheiden zu den fundamentalsten Functionen des bewußten Lebens wirklich gehört und daß alle höheren Processe desselben diese unterscheidende Thätigkeit voraussetzen. So ist es nicht zu verwundern, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2093"/><name>Fortlage</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2093"/><name/> in seiner Analyse der Bewußtseinsthätigkeit, durch das Bild der Helligkeit des Bewußtseins gelockt, dem Gedanken nachgeht, Bewußtsein sei die unterscheidende Thätigkeit, wobei er dann freilich sich sogleich überzeugt, daß das bewußte Unterscheiden noch besondere Eigenthümlichkeiten an sich trägt, und auf diese Weise zu weiteren Untersuchungen sich genöthigt sieht, welche später berücksichtigt sein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2094"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2095"/>wollen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2094"/> <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2095"/></p><p>In der That ist jenes Bild der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2096"/>Helligkeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2096"/>, welches man so gern auf den Zustand des Bewußtseins anwendet, in dieser Beziehung überaus lehrreich. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2097"/><name>Fortlage</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2097"/> wirft die Frage auf, worin bei dem Gebrauche dieses Ausdrucks das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2098"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2099"/>tertium comparationis<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2098"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2099"/> zwischen dem Bewußtsein und der Helligkeit bestehe, und beantwortet <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2100"/>sie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2100"/> dahin, daß ebenso, wie man nur in der Helligkeit die verschiedenen Dinge von einander unterscheiden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2101"/>könne<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2101"/>, so auch im psychischen Leben nur der bewußte Zustand eine Unterscheidung möglich macht. Diese Antwort ist so richtig, daß sich die Parallele sogleich weiterführen läßt: sowenig nämlich wie die Helligkeit als solche schon ein unterscheidendes Sehen der Dinge ist, so wenig ist auch auf dem rein psychischen Gebiete das Bewußtsein selbst schon und als solches eine unterscheidende Thätigkeit; sondern in beiden Fällen ist hier das Bewußtsein, dort die Helligkeit nur die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2102"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2103"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2104"/>conditio<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2102"/> sine qua non<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2103"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2104"/> des Unterscheidens. Die Helligkeit ist für das Gebiet der Gesichtsempfindungen die äußere, das Bewußtsein ist für den gesammten Vorstellungsinhalt die allgemeine innere Bedingung des Unterscheidens.</p><p>Ueberall deshalb, wo Unterscheiden stattfindet, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2105"/>muß auch Bewußtsein vorhanden sein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2105"/>. Wie wir die Helligkeit eben daran erkennen, daß wir in ihr unterscheiden können, so erkennen wir das Bewußtsein an dem Auftreten der Unterscheidungsthätigkeit. Doch wird sich sehr leicht heraustellen, wie völlig werthlos das Letztere ist. In dieser Beziehung nämlich kann man nicht aufmerksam genug auf den äußerst unbestimmten Gebrauch sein, welchen wir gewöhnlich von dem Worte „unterscheiden“ machen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2106"/><name>Fortlage</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2106"/> erwähnt, auch der Magnet „unterscheide“ zwischen dem Eisen und dem Holz oder zwischen dem Nordpol und dem Südpol eines anderen Magneten <abbr>u. s. w.</abbr>: aber er übersieht natürlich nicht, daß diese Art des Unterscheidens eine ganz andre ist, als diejenige, welche das Bewußtsein ausführt. In der That würde man in die größten Irrthümer hineingerathen, wenn man zwischen diesen beiden Arten des Unterscheidens selbst nicht sorgfältig unterscheiden wollte. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2107"/><name>Kant</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2107"/> hat diesen Gedanken einmal gelegentlich gestreift, indem er in seiner Abhandlung „über die falsche Spitzfindigkeit der vier syllogistischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2108"/>Figuren“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2108"/> daran erinnerte, es sei etwas ganz anderes Dinge von einander unterscheiden, und den Unterschied der Dinge erkennen, und er führt für beide Arten die Ausdrücke des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2109"/>physischen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2109"/> und des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2110"/>logischen Unterscheidens<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2110"/> ein. Man kann darüber streiten, ob das von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2111"/><name>Kant</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2111"/> gebrauchte Beispiel, der Hund unterscheide – im physischen Sinne – zwischen Brod und Braten, sehr glücklich ist; denn es ist eben eine Controverse der Thierpsychologie, ob das Kriterium des logischen Unterscheidens, das bewußte Urtheil <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2112"/>A<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2112"/> ist nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2113"/>B<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2113"/>, beim Hunde zutrifft oder nicht, und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2114"/><name>Kant</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2114"/> entscheidet diese Controverse lediglich nach seinem Vorurtheil von dem „unvernünftigen Thiere“. Deshalb ist das von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2115"/><name>Fortlage</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2115"/> ge­wählte Beispiel vom Magneten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2116"/>beweisender<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2116"/>, weil es den Kern der Sache einleuchtender hervortreten läßt. „Psychisch unterscheiden“ heißt danach einfach so viel, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2117"/>als <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2117"/> auf verschiedene Reize verschieden reagiren. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2118"/>(<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2119"/><name>Kant</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2119"/> definirt es bei seinem besonderen Beispiele: „durch verschiedene Vorstellungen zu verschiedenen Handlungen getrieben werden“.)<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2118"/> So „unterscheidet“ der Magnet zwischen Holz und Eisen, indem er das letztere anzieht, das erstere nicht, zwischen Nordpol und Südpol des andern Magneten, indem sein eigener Nordpol jenen abstößt, diesen anzieht; so unterscheidet die Pflanze zwischen Licht und Schatten, in dem sie ihr Wachsthum dem einen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2120"/>zukehrt und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2121"/>von<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2120"/> dem anderen abwendet<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2121"/>; so unterscheidet der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2122"/>verzogene<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2122"/> Hund zwischen Braten und Brod, indem er auf den einen mit gierigem Fressen, auf das andre mit verächtlichem Schnüffeln reagirt; so unterscheidet auch der Mensch zwischen Luftschwingungen und Aetherschwingungen, in dem er auf jene durch Schallempfindungen, auf diese durch Farbenempfindungen reagirt. Will man diese Fähigkeit, unter verschiedenen Bedingungen sich verschieden zu verhalten, als das „physische Unterscheiden“ bezeichnen, so kommt dasselbe ausnahmslos allen Dingen zu, und es ist dafür ganz gleichgiltig, ob diese verschiedenen Bedingungen physischer, psychophysischer oder rein psychischer Natur sind. Dagegen ist die Unterscheidung des Bewußtseins ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2123"/>einheitlicher<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2123"/> Act, es ist eine Vorstellung, in welcher der Inhalt verschiedener Vorstellungen gleichzeitig gedacht und zwar in diejenige Beziehung gesetzt wird, vermöge deren eben erkannt wird, es sei der eine nicht der andre. Dieser Act der Unterscheidung setzt somit das vergleichende Bewußtsein selbst schon voraus; er kann zu den verschiedenen Reactionen auf verschiedene Veranlassungen hinzutreten, aber er braucht es nicht, und er kann es natürlich nur, wo diese Reactionen selbst schon bewußte sind, obwohl er auch in diesen Fällen nicht immer und nicht absolut nothwendig auftritt. Der Magnet unterscheidet im physischen Sinne; Niemand wird behaupten wollen, er vergleiche Holz und Eisen, komme dabei zu dem Resultate, daß beide gar verschieden seien, und handle in Folge dessen dem einen anders, als dem andern gegenüber. Auch bei der Pflanze, welche Licht und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2124"/>Schatten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2124"/>, Tag und Nacht sehr gut unterscheidet, werden selbst diejenigen, welche von einer Pflanzenseele träumen, kaum geneigt sein, das unterscheidende Bewußtsein in diesen Verschiedenheiten vorauszusetzen. Animalische Wesen endlich, der Mensch nicht ausgeschlossen, handeln zu verschiedenen Zeiten je nach den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2125"/>Umständen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2125"/> sehr verschieden, ohne sich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2126"/>immer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2126"/> im vergleichenden Bewußtsein über <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2127"/>diese Verschiedenheit selbst<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2127"/> Rechenschaft zu geben. Selbst wo diese Reactionen in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2128"/>bewußten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2128"/> Vorstellungen oder in den durch solche vermittelten Handlungen bestehen, ist das unterscheidende Bewußtsein durchaus nicht immer der Grund für diese Verschiedenheit der Reaction. Auf eine gewisse Luftschwingung antworten wir mit der Empfindung einer bestimmten Tonhöhe; auf eine gewisse Aetherbewegung mit derjenigen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2129"/>einer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2129"/> bestimmten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2130"/>Farbe.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2130"/> Diese Verschiedenheit der Reaction, dieses „physische Unterscheiden“ ist offenbar gänzlich unabhängig davon, ob wir jemals dazu kommen, diesen bestimmten Ton und diese bestimmte Farbe gleichzeitig vorzustellen und sie dann vergleichend im Bewußtsein zu unterscheiden. Hieraus folgt, daß die Verschiedenheit der Reaction auf verschiedene Reize niemals, selbst wo sie in psychischen Thätigkeiten besteht, den Schluß auf ein bewußtes Unterscheiden zuläßt. Wenn wir somit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2131"/>den <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2131"/> Hund zwischen Brod und Braten „physisch“ unterscheiden sehen, so giebt uns dies allein noch gar kein Mittel zur Entscheidung der Frage, ob dabei ein bewußtes Unterscheiden stattgefunden hat oder nicht. Von uns selbst wissen wir, daß ein Theil der Verschiedenheit in unsern Handlungen auf bewußte Unterscheidungen zurückgeführt werden muß, daß wir in manchen Fällen verschieden handeln, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2132"/>weil<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2132"/> wir erkannt haben, daß verschiedene Umstände vorlagen: wie weit wir aber diese Erklärungsweise auf die Thierwelt auszudehnen haben, ist aus der bloßen Verschiedenheit ihrer Reactionen nicht zu entscheiden. Daraus ergiebt sich, daß aus der „unterscheidenden“ Thätigkeit das Vorhandensein des Bewußtseins nur dann erkannt werden kann, wenn constatirt ist, daß die unterscheidende Thätigkeit in diesem Falle die bewußte war, <abbr>d. h.</abbr> wenn man schon vorher weiß, daß das Bewußtsein vorhanden war. Man thut daher in psychologischen Untersuchungen besser, den wichtigen Terminus „Unterscheidung“ nur als Bezeichnung des einheitlichen, vergleichenden Bewußtseinsactes anzuwenden und jene bildliche und mißbräuchliche Ausdehnung auf die Verschiedenheit der Handlungen durchaus zu vermeiden.</p><p>Fragt man, wie dieser laxe Gebrauch des Wortes „unterscheiden“ entstanden ist, so giebt die Antwort darauf einen sehr viel weiter tragenden Gesichtspunkt für die Auffassung dieser ganzen Verhältnisse. Wenn wir zwei Dinge; zwei Eigenschaften, zwei Handlungen <abbr>u. s. f.</abbr> als „<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2133"/>verschieden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2133"/>“ bezeichnen, so ist das ein Prädicat, welches selbstverständlich nicht jedem von beiden an sich, sondern beiden nur in Beziehung auf einander zukommt. Aber diese Beziehung, auf der die Bezeichnung „verschieden“ beruht, ist keine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2134"/>reale,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2134"/> sondern nur eine durch das vergleichende Bewußtsein vermittelte. „Verschiedensein“ ist kein reales Verhältniß, in welchem Dinge oder Thätigkeiten zu einander stünden, sondern es ist nur eine Eigenschaft, welche beide annehmen, indem sie von einem und demselben Bewußtsein verglichen werden. Der Satz <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2135"/>A<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2135"/> ist von B’ verschieden, oder A ist nicht B’, sagt weder über das reale Wesen von A noch über dasjenige von B noch endlich über eine reale Beziehung zwischen beiden etwas aus, sondern behauptet eben nur, daß ein beide vorstellendes Bewußtsein sie unterscheidet. Verschiedenheit ist nicht ein Prädikat des Vorstellungsinhaltes selbst, sondern vielmehr eine von dem vergleichenden Bewußtsein und nur von diesem innerhalb desselben gesetzte Beziehung. Daß ein Ton und eine Farbe verschieden sind, gehört weder zum Wesen des Tones noch zu demjenigen der Farbe, noch ist es der Ausdruck eines realen Verhältnisses, in welchem der Ton und die Farbe (<abbr>resp.</abbr> deren äußere Reizveranlassungen) außerhalb des Bewußtseins stünden. Ein solches Verhältniß existirt vielmehr in diesem Falle überhaupt nicht, und nur in dem vergleichenden Bewußtsein können beide in die Beziehung zu einander treten, unterschieden und in Folge dessen als „verschieden“ bezeichnet zu werden. Daß dem so ist, leuchtet bei genauerer Besinnung einem Jeden ein; aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2136"/>diese <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2136"/> Besinnung zeigen leider weder die gewöhnliche Auffassungsweise noch die Geschichte der Philosophie. Vielmehr gilt gemeinhin von einem Andern verschieden zu sein, wie Anderes nicht zu sein für eine reale Eigenschaft der Dinge. Seinen metaphysischen Ausdruck hat dieser Irrthum in derjenigen Lehre gefunden, welche sich am einfachsten in dem <name>spinozistischen</name> Satze citiren läßt: <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2137"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2138"/>omnis determinatio est negatio<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2137"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2138"/>, und welche darauf hinaus läuft, zu meinen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2139"/>A<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2139"/> sei A, weil es nicht B, nicht C, nicht D <abbr>u. s. w.</abbr> ist. Daß hier eine Verwechselung des Seins von A mit dem Erkanntwerden von A vorliegt, ist allmälig den Philosophen klar geworden. Aber vergebens hat doch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2140"/><name>Kant</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2140"/> eine seiner genialsten Schriften, den „Versuch, den Begriff der negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen“ gegen diesen fundamentalen Irrthum geschrieben: bald nach ihm hat diese Verwechslung, Verschiedenheiten und logische Negationen für Realitäten und reale Verhältnisse zu halten, in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2141"/>der<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2141"/> Identitätsphilosophie ihre üppigsten Blüthen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2142"/>getrieben.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2142"/></p><p>Es ist einfach, die Anwendung davon auf die vorliegende Untersuchung zu machen. Wenn ein Ding, es sei was es sei; auf den Reiz <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2143"/>a<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2143"/> mit der Handlung <span type="el">α</span>, auf den Reiz <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2144"/>b<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2144"/> mit der Handlung <span type="el">β</span> reagirt, so sind sowohl a und b, als auch <span type="el">α</span> und <span type="el">β</span> je zwei <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2145"/>Thatsachen,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2145"/> die an sich garnichts mit einander zu thun haben. Zwischen der Ruhe, welche der Magnet dem Holze gegenüber zeigt, und der Anziehungskraft, welche er auf das Eisen ausübt, besteht kein reales Verhältniß. Erst für den Beobachter, der beide Handlungsweisen mit einander vergleicht, treten dieselben in die subjective Beziehung der Verschiedenheit, und indem derselbe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2146"/>die Vorstellung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2146"/> dieser beiden Handlungsweisen in einen und denselben Ausdruck zusammenzuziehen sucht, überträgt er die von ihm dabei vollzogene Thätigkeit auf das Ding und sagt, der Magnet „unterscheide“ zwischen Holz und Eisen. Die wirkliche Unterscheidung liegt also auch hier in dem vergleichenden Bewußtsein und nirgendwo anders, und es ist nur eine psychologische Wendung des uralten Dogmatismus, der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2147"/>das Negative zur metaphysischen Wirklichkeit umstempelte, wenn uns zugemuthet wird in der Unterscheidung das Wesen des Bewußtseins zu sehen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2147"/> </p><p>Hieraus erhellt nun der grobe Irrthum in welchen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2148"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2149"/><name>Ulrici</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2148"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2149"/> verfallen ist, wenn er <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2150"/>nicht etwa nur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2150"/> das Unterscheiden mit dem Bewußtsein identificiren, sondern die unterscheidende Thätigkeit als den „Grund“ des Bewußtseins und des Bewußtwerdens ansehen will. Vor dem Bewußtsein kann es immer nichts Anderes geben, als eine Anzahl von Thätigkeiten, von denen jede für sich characterisirt <abbr>d. h.</abbr> positiv bestimmt ist: „unterschieden“ können diese eben nur dadurch werden, daß sie gemeinsam im Bewußtsein vorgestellt und verglichen werden. Das „Unterscheiden“, welches dem Bewußtsein als sein „Grund“ vorherginge, könnte garnichts Anderes sein, als jenes „physische <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2151"/>Unterschei<pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2151"/>den“, <abbr>d. h.</abbr> die verschiedene Reaction auf verschiedene Reize: die einheitliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2152"/>und vergleichende<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2152"/> Zusammenstellung eben dieser vorhergegangenen Reactionen, welche in dem Acte des Unterscheidens stattfindet, ist eben selbst nur durch das Bewußtsein möglich. Ja, es ist, wie sich zeigen wird, gerade die wesentliche Leistung des Bewußtseins, Functionen, welche vorher jede für sich und unab­hängig voneinander bestanden, in Beziehungen zu setzen, unter welchen die Unterscheidung nur eine besondere, wenn auch besonders wichtige und fundamentale Art bildet.</p><p>Die bedeutendste Täuschung, durch welche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2153"/><name>Ulrici</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2153"/> zu dieser Verkennung des Thatbestandes geführt zu sein scheint, liegt in seiner Ansicht, daß der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2154"/>ursprünglich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2154"/> unbestimmte Vorstellungsinhalt erst durch die Unterscheidung zur Bestimmtheit und erst dadurch zur Bewußtwerdung gebracht werde. Es liegt darin eine Meinung vor, welche mit jener oben erwähnten Ansicht von der Negation in directer Parallele steht: beide Meinungen führen sich bei genauer Verfolgung ihrer Consequenzen selbst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2155"/>ad absurdum<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2155"/>, wenn sie nicht schließlich doch ein Positives <abbr>resp.</abbr> ein Bestimmtes gegen ihre Voraussetzung annehmen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2156"/>wollen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2156"/>. Nach jener metaphysischen Ansicht, welche hauptsächlich <name>Spinoza</name> vertritt, soll <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2157"/>a<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2157"/> eben a deshalb sein, weil es nicht b, nicht c, nicht d <abbr>u. s. f.</abbr> ist. Aber b ist b, weil es nicht a, nicht c, nicht d ist <abbr>u. s. f.</abbr> c ist c, weil es nicht a, nicht b, nicht d <abbr>u. s. f.</abbr> ist …, und so gilt es schließlich von jedem Einzelnen, daß es seine Individualität dem Umstande verdankt, keine der anderen Individualitäten zu sein. Es leuchtet ein, daß, weil keine dieser Individualitäten einen Vorzug vor den übrigen besitzt, diese ganze Erklärung sich in einem Kreise von Negationen bewegt, solange nicht eben doch auf irgend eine Weise eine ursprüngliche Position angesetzt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2158"/>wird.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2158"/> Und genau so verhält es sich mit den <name>Ulrici</name>’schen Unterscheidungen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2159"/>A<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2159"/> soll dadurch „bestimmt“ werden, daß es von B und C unterschieden wird; aber B und C müssen doch selbst „bestimmt“ sein, wenn von ihnen A soll unterschieden werden können; sie könnten aber selbst nur bestimmt werden, indem B von D und E, und C von F und G unterschieden würden, <abbr>u. s. f.</abbr> bis in’s <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2160"/>Unendliche.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2160"/> Danach könnte es nach dieser Auffassung, wenn das Bewußtsein nur durch Unterscheiden entstehen soll und wenn Unterscheiden nur Unterscheiden von Bestimmtem heißen darf, niemals einen Anfang des Unterscheidens geben, wogegen auch C<add>[arl]</add> <name>Göring</name> in seiner Kritik der <name>Ulrici</name>’schen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2161"/>Bewußtseinslehre<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2161"/> sehr richtig sagt, daß der erste Act des Bewußtseins niemals auf Unterscheidung beruhen kann. Das <name>Ulrici</name>’sche Bewußtsein, welches nur durch Unterscheidung zu Stande kommen soll, hat keinen Anfang: denn es soll zu bestimmtem Vorstellungsinhalt nur durch Unterscheidung gelangen, und es kann unterscheiden natürlich nur durch Vergleichung mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2162"/>Bestimmtem. <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2162"/></p><p>Hierin nun liegt eben das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2163"/><span type="el">πρῶτον φεῦδος</span><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2163"/> von <name>Ulrici</name>’s Auffassungen, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2164"/>er meinte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2164"/>, die Bestimmtheit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2165"/>des<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2165"/> Inhalts der Vorstellungen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2166"/>könne<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2166"/> erst durch Processe der Unterscheidung zu Stande kommen. In der That verhält sich die Sache so, daß das Bewußtsein ohne alle Unterscheidung völlig bestimmten Inhalt besitzt, und daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2167"/>umgekehrt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2167"/> alle unterscheidende Thätigkeit solche festen Bestimmtheiten als ihr Material voraussetzt. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2168"/>Völlig Unbestimmtes läßt sich (abgesehen davon, daß es überhaupt nicht vorstellbar ist) weder<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2168"/> mit Bestimmten noch untereinander vergleichen: nur Bestimmtes ist vergleichbar und unterscheidbar. Hier ist <name>Ulrici</name> eine Verwechslung passirt, derjenigen ähnlich, welche sich bei der gewöhnlichen Ansicht von verschiedener Klarheit und Deutlichkeit derselben Vorstellung zeigte, die Verwechslung nämlich, als könne dasselbe einmal unbestimmt und dann immer bestimmter vorgestellt werden. Wenn Jemand sagt, er sehe da Etwas, aber er könne noch nicht „unterscheiden“, was es sei, so hat er eine inhaltlich vollkommen bestimmte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2169"/>und eventuell von anderen sehr genau unterschiedene oder unterscheidbare<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2169"/> Vorstellung; aber dieser bestimmte Inhalt ist noch so arm, besteht etwa nur aus so allgemeinen Umrissen, daß er nicht ausreicht, um diesen neu wahrgenommenen Inhalt unter eine der bekannten älteren Vorstellungen zu subsumiren und ihn als etwas Bekanntes zu „bezeichnen“. Hier ist volles Bewußtsein, genau bestimmter Inhalt, eine fertige Perception; was fehlt, ist nur die Apperception durch eine früher entwickelte Vorstellung. Wird darin die Wahrnehmung „bestimmter“, sodaß sie zur Apperception genügt, so ist nicht mehr dieselbe Perception, sondern eine an Inhalt viel reichere, mit neuen Elementen versetzte vorhanden: nur die Beziehung auf dieselbe Wirklichkeit und deren gleiche Bezeichnung durch „dieser Gegenstand“ veranlaßt uns, uns so auszudrücken, als ob wir Dasselbe erst unbestimmt und dann bestimmter vorstellten. Auch hier gilt es wie bei der Verdeutlichung, daß die nähere Bestimmung nur in einer Bereicherung des Vorstellungsinhalts besteht, und sehr richtig ist es deshalb, wenn <name>Göring</name> seine Kritik der <name>Ulrici</name>’schen Lehre darauf richtet, zu zeigen, daß diese Bestimmung nicht in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2170"/>einer <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2170"/> Veränderung des Bewußtseins, sondern nur in einer solchen des reflectirenden Wissens besteht.</p><p>Dagegen ist es eine Thatsache, welche Jeder an sich erfahren kann, daß wir sehr häufig mit vollständig klarem Bewußtsein einen Gegenstand vorstellen, ohne ihm im geringsten von anderen zu unterscheiden. Es wäre überaus traurig, wenn wir in der Bewegung unserer bewußten Vorstellungen jede einzelne immer erst sorgfältig „unterscheiden“ müßten; ja, weil jede rechtmäßigerweise von allen übrigen unterschieden werden sollte, so würden wir jeden Augenblick in Verlegenheit sein, wie weit wir diese Unterscheidungsthätigkeit zu treiben hätten. Auch hierin steht die Unterscheidung unter denselben Verhältnissen wie die Negation: ebenso wie niemals zu Ende gedacht und gesagt werden kann, was alles von einem Subjecte nicht behauptet werden darf, ebensowenig kann man alles zu Ende denken, wovon ein bestimmter Inhalt unterschieden werden kann. Beides ist ja auch im Wesentlichen dasselbe. Und wie andrerseits in der Wirklichkeit nur das verneint wird und verneint werden soll, was unberechtigter Weise bejaht zu werden droht oder bejaht worden ist, so wird auch in Wahrheit die Unterscheidung nur da angewendet und soll dann allerdings durchaus eintreten, wo Vorstellungsinhalte ungerechtfertigter Weise in einander zu gehen und sich zu vermischen in Gefahr sind.</p><p>Besonders einleuchtend aber ist das Vorhandensein des Bewußtseins ohne Unterscheidung überall da, wo wir, wie man zu sagen pflegt, von Einem Gegenstande ganz erfüllt sind, wo Eine Vorstellung den ganzen Raum des Bewußtseins für sich in Anspruch nimmt und wo deshalb jede Beziehungsthätigkeit – als solche wird man doch wohl die Unterscheidung immer gelten lassen müssen – von vornherein ausgeschlossen ist. Die Thatsächlichkeit solcher Zustände, welche namentlich durch heftigen Affect herbeigeführt werden, solcher Zustände, in denen das Bewußtsein von Einer Vorstellung gleichsam festgehalten wird, ohne daß wir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2171"/>–wenigstens einige Minuten lang –<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2171"/> im Stande wären, auch nur irgend eine beziehende Denkthätigkeit daran zu knüpfen, ist zweifellos: sie allein beweist, daß es Bewußtsein ohne Unterscheidung giebt, und daß deshalb der Versuch, das Bewußtsein als die unterscheidende Thätigkeit zu characterisiren, verfehlt ist. Vor Allem aber gilt dieser Betrachtung, wie schon <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2172"/>mit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2172"/> <name>Göring</name> hervorgehoben <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2173"/>wurde<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2173"/>, für den ersten Moment des Bewußtseins: denn da in ihm noch keine erworbenen Vorstellungen vorhanden sind, von denen die erste unterschieden werden müßte, so könnte sie nach dieser Theorie niemals zu Stande kommen.</p><p>Gänzlich hinfällig sind endlich die Versuche, in einzelnen Thatsachen die Bewußtwerdung durch unterscheidende Thätigkeit zu erklären. Die „unterscheidende Thätigkeit“ ist in diesen Fällen immer nur jene „physische Unterscheidung“ <abbr>d. h.</abbr> die verschiedene Reaction auf verschiedene Reize, und zwar in der Weise, daß die Reaction <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2174"/>das zweite Mal<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2174"/> in einer bewußten Thätigkeit besteht, das erste Mal aber nicht. Wenn daher der Müller auf das Klappern der Mühle nach jahrelanger Gewöhnung nicht reagirt, so hat das Gründe: und wenn derselbe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2175"/>Müller <pb/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2175"/> auf die durch das plötzliche Stillstehen der Mühle in seinem Gehörorgan herbeigeführte Veränderung durch Bewußtwerden reagirt, so hat das auch seine Gründe, und es sind das eben zwei verschiedene Reactionen, geradeso wie wenn der Magnet auf das Holz nicht, desto mehr aber auf das Eisen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2176"/>reagirt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2176"/>. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2177"/><name>Ulrici</name>’s bekannter Müller<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2177"/> dagegen, der im Schlafe zwischen dem Klappern und dem Stillestehen der Mühle „unterscheidet“ und es im letzteren Falle für gerathen hält, zum Bewußtsein zu kommen und nach der Ursache dieser fatalen Störung zu sehen, – der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2178"/>verdient<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2178"/>, als Titelvignette auf der Stereotypausgabe der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2179"/>„Philosophie des Unbewußten“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2179"/> zu figuriren.</p><p>Umgekehrt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2180"/>also:<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2180"/> Nicht die unterscheidende Thätigkeit ist der Grund des Bewußtseins, sondern das Bewußtsein ist die einzige Möglichkeit, unter der eine „Unterscheidung“ im psychologischen Sinne des Wortes eintreten kann. Und auch nicht identisch ist das Bewußtsein mit der unterscheidenden Thätigkeit: denn es giebt (auch abgesehen von dem Anfangsmomente des Bewußtseins) viele bewußte Zustände, in denen von Unterscheidung Nichts aufgefunden werden kann. Nur dies ist gewiß (und darin liegt vielleicht der letzte Grund von <name>Ulrici</name>’s Irrthum), daß jede im Bewußtsein auftretende Vorstellung von jeder anderen unterschieden werden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2181"/>kann<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2181"/>. So leuchtet die <name>Fortlage</name>’sche Parallele bis ans Ende: die Helligkeit ist weder die Folge des Unterscheidens noch das Unterscheiden selbst; wohl aber besteht ihr Werth darin, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2182"/>in ihr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2182"/> jeder Gegenstand von dem andern unterschieden werden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2183"/>kann<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2183"/>, wenn auch nicht nothwendig unterschieden wird. Und genau so steht es mit dem Bewußtsein. In ihm <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2184"/>kann<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2184"/> jeder <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2185"/>Vorstellungsinhalt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2185"/> von jedem andern unterschieden werden; aber er braucht es nicht, und er wird es nicht wirklich, und es ist Sache der Psychologie, die Beziehungen zu untersuchen, unter denen diese Möglichkeit Wirklichkeit wird, Sache der Logik, festzustellen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2186"/>in<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2186"/> welchen Fällen sie es werden soll. Und zwischen dieser Möglichkeit der Unterscheidung und ihrer Wirklichkeit nicht unterschieden zu haben, ist der Fehler der besprochenen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2187"/>Theorie.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2187"/></p></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2007"><lem>Zweites Kapitel</lem><note>unterstrichen. Am Kopf der <abbr>S.</abbr> Paginierung mit rotem Farbstift: </note><rdg>51</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2008"><lem>Zweites Kapitel</lem><note>zu Windelbands Ausarbeitungen zur Psychologie; als Fortsetzung von Heft <abbr>Nr.</abbr> 16.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2009"><lem>Vom Bewußtsein.</lem><note>doppelt unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2010"><lem>Proceß des Bewußtseins</lem><note>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2011"><lem>welche</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2012"><lem>die</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2013"><lem>selbst</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2014"><lem>auf</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2015"><lem>ohne</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>schon</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2016"><lem>Lebens <pb/></lem><note>gegenüber auf der Umschlaginnenseite Inventarstempel;<abbr> Bl.</abbr> 1<abbr>v</abbr> Besitzstempel der Tohoku und Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 2<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 2<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>52</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2017"><lem>von</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>aus</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2018"><lem>festen</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>und siche[ren]</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2019"><lem>weßhalb</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2020"><lem>petitio principii</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2021"><lem>Die Welt</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>Das System</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2022"><lem>sie</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>es</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2023"><lem>6.</lem><note>zentriert auf die <abbr>S.</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2024"><lem>„Bewußtseins“</lem><note>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2025"><lem>Theilweise … auseinander</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr>1<abbr>v</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2026"><lem>auf <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 2<abbr>v</abbr> 2 Worte zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 3<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 3<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>53</rdg><note>. Ein weiterer Stempel über die 6 ersten Zeilen des Textes.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2027"><lem>andererseits</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2028"><lem>wie</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>es</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2029"><lem>dort</lem><note>über</note><rdg> das</rdg><note> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2030"><lem>dem</lem><note>statt gestrichen:</note><rdg> einem</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2031"><lem>vor</lem><note>über </note><rdg>von</rdg><note> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2032"><lem>nun einmal</lem><note>Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 2<abbr>v</abbr> statt gestrichen: </note><rdg>stets gehabt</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2033"><lem>der <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 3<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 4<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 4<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>54</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2034"><lem>Erinnerung</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>durch die</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2035"><lem>Intensität der Vorstellungsthätigkeit</lem><note>darunter Unterstreichung mit Punkten zurückgenommen, auf <abbr>Bl.</abbr>3<abbr>v</abbr> gegenüber Vermerk mit rotem Farbstift: </note><rdg>nicht gesperrt!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2036"><lem>(a)</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2037"><lem>Bewußtsein … Vorstellungsstärke</lem><note> unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2038"><lem>der Erfahrung</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2039"><lem>daß</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>auch</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2040"><lem>bewußten</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2041"><lem><name>Herbart</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2042"><lem>derselben</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>genauer</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2043"><lem>erweisen</lem><note>auf <abbr>Bl.</abbr> 3<abbr>v</abbr> Literaturangaben:</note><rdg> Psychol[ogie] als Wissensch[aft] § 7–9 | De attentionis mensura, Prämonenda. | cf. Beneke Psychol[ogische] Skizzen I, 147 ff u[nd] II, 360 ff | Lehrbuch d[er] P[sychologie als Naturwissenschaft] § 33.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2044"><lem><name>Lotze</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2045"><lem>widerlegt</lem><rdg>wiederlegt</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2046"><lem>angehören.</lem><note>folgt Fußnotenzeichen und -text: </note><rdg>Mikrokosmus, I. 2 Aufl. pag. 227ff.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2047"><lem>Deutlichkeit</lem><note>auf der links gegenüberliegenden Seite nicht eindeutig zugeordnete Literaturangaben:</note><rdg> Psychol</rdg><note><add>[ogie]</add></note><rdg> als Wissensch</rdg><note><add>[aft]</add></note><rdg> § 7–9 | De attentionis mensura, Prämonenda. | cf Beneke Psychol</rdg><note><add>[ogische]</add></note><rdg> Skizzen I, 147 ff u</rdg><note><add>[nd]</add></note><rdg> II, 360 ff </rdg><note>|</note><rdg> Lehrbuch d</rdg><note><add>[er]</add></note><rdg> P</rdg><note><add>[sychologie als Naturwissenschaft]</add></note><rdg> § 33.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2048"><lem>Deutlichkeit <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 4<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 5<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 5<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>55</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2049"><lem>bekanntlich</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2051"><lem>nicht nur</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>niemals</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2052"><lem><name>Weber</name>-<name>Fechner</name>’schen</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2053"><lem>wie sich an seiner Stelle zeigen wird,</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2050"><lem>Der … übrig.</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 4<abbr>v</abbr> geschrieben statt gestrichen: </note><rdg>Es könnte der Einwurf erhoben werden, diese Argumentation klammere sich an die Wortbezeichnungen; wir characterisiren jeden Sinneseindruck allerdings nach Qualität und Intensität, und insofern gehöre die letztere freilich zum Inhalt des Eindrucks; aber daß wir die Intensität stehts im Inhalt derselben fänden, stamme eben daher, weil wir nur bewußte Eindrücke kennen und weil auf diese Weise jeder Eindruck eine bestimmte Bewußtseinsintensität zeigen müsse: der wahre Inhalt des Eindrucks sei nur die Qualität; seine Intensität sei eben die Function des wahrnehmenden Bewußtseins. Dieser Einwurf zerschellt an der Thatsache, daß die Intensität des Eindrucks nur im allergeringsten Maße von dem wahrnehmenden Individuum, im Wesentlichen aber von der Stärke des Reizes abhängig ist, und eben dadurch sich als ein Bestandtheil des Inhalts darstellt.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2054"><lem>Klarheit und Deutlichkeit</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2055"><lem>und deutlichere</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2056"><lem><name>Lotze</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2057"><lem>ist</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>eben</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2058"><lem>und</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>eben</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2059"><lem>zusammengesetzter <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 5<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 6<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 6<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>5</rdg><rdg>6</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2060"><lem>Kern</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>klarer</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2061"><lem>einer</lem><note>Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>mehr</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2063"><lem>unrichtige</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>falsche</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2065"><lem><name>Herbert Spencer</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2066"><lem><name>David Hume</name>’s</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2064"><lem>von <name>Herbert Spencer</name><name/> wiederholte Versuch <name>David Hume</name>’s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Herbert Spencer: Principles of Psychology (1855), 2. <abbr>Aufl.</abbr> in 2 <abbr>Bdn.</abbr> London/New York 1872–80, <abbr>dt.</abbr> nach der 3. <abbr>Aufl.</abbr> Stuttgart: Schweizerbart 1882–86.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2062"><lem>Oder … könnte.</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 5<abbr>v</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2069"><lem><name>Lotze</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2067"><lem>„Was … Inhalts.“</lem><note> Zitat am rechten Rand mit rotem Farbstift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2068"><lem>„Was … Inhalts.“</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Rudolf Hermann Lotze: Mikrokosmus. Ideen zur Naturgeschichte und Geschichte der Menschheit. Versuch einer Anthropologie <abbr>Bd.</abbr> 1. 2. <abbr>Aufl.</abbr> Leipzig: S. Hirzel 1869, <abbr>S.</abbr> 234 (2. Buch: Die Seele).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2070"><lem>nur</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2071"><lem>beschränkter</lem><note>Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>schwächer</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2072"><lem>tertium non datur</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2073"><lem>tertium non datur</lem><note><abbr>lat.</abbr> ein drittes wird nicht gegeben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2074"><lem>der</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2075"><lem>nach</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2076"><lem>der</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>des Bewußtseins, und derjenigen der</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2077"><lem>Vorstellungen</lem><rdg>Vorstellungs-</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2078"><lem>verschiedenen <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 6<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 7<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 7<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>5</rdg><rdg>7</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2079"><lem>keine Veranlassung</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>kein Grund vorhanden</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2080"><lem>Veränderung</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>Verschiedenheit</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2081"><lem>Beneke</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2082"><lem><name>Herbart</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2083"><lem><name>Lange</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2084"><lem><name>Herbart</name>’s</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift, unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2085"><lem>mathematischen Rechnung</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2086"><lem>sein</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2087"><lem>dürfte</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>möchte</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2088"><lem>ist.</lem><note>danach eine Zeile frei gelassen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2089"><lem>7.</lem><note>zentriert auf die <abbr>S.</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2090"><lem><name>Descartes</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2091"><lem><name>Leibniz</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2092"><lem>unterscheidenden Thätigkeit</lem><note>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2093"><lem><name>Fortlage</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2094"><lem>wollen.</lem><note>folgt Fußnotenzeichen und -text: </note><rdg>System der Psychologie § 7. I Bd. p. 63.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2095"><lem>wollen. <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 7<abbr>v</abbr> leer, <abbr>Bl.</abbr> 8<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>5</rdg><rdg>8</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2096"><lem>Helligkeit</lem><note>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2097"><lem><name>Fortlage</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2099"><lem>tertium comparationis</lem><note><abbr>lat.</abbr> das Dritte (der Vergleichspunkt), unter dem verglichen wird</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2098"><lem>tertium comparationis</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2100"><lem>sie</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>sehr richtig</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2101"><lem>könne</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>kann</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2102"><lem>conditio</lem><rdg>condicio</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2103"><lem>conditio sine qua non</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2104"><lem>conditio sine qua non</lem><note><abbr>lat.</abbr> Bedingung, ohne die etwas anderes nicht eintreten kann</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2105"><lem>muß auch Bewußtsein vorhanden sein</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>setzt es das Bewußtsein voraus</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2106"><lem><name>Fortlage</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2107"><lem><name>Kant</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2108"><lem>Figuren“</lem><note>folgt Fußnotenzeichen und -text: </note><rdg>Gegen den Schluß. Hartenstein’sche Ausgabe I. pag. 17.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2109"><lem>physischen</lem><note>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2110"><lem>logischen Unterscheidens</lem><note>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2111"><lem><name>Kant</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2112"><lem>A</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2113"><lem>B</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2114"><lem><name>Kant</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2115"><lem><name>Fortlage</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2116"><lem>beweisender</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>entscheidender</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2117"><lem>als <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 8<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 9<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 9<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>5</rdg><rdg>9</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2119"><lem><name>Kant</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2118"><lem>(Kant … werden“.)</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 8<abbr>v</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2120"><lem>zukehrt und von</lem><rdg>zukehrt von</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2121"><lem>von … abwendet</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 8<abbr>v</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2122"><lem>verzogene</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2123"><lem>einheitlicher</lem><note>Lesung unsicher; statt gestrichen: </note><rdg>ganz anderer</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2124"><lem>Schatten</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>Finsterniß</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2125"><lem>Umständen</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>Veranlassungen</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2126"><lem>immer</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2127"><lem>diese Verschiedenheit selbst</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2128"><lem>bewußten</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2129"><lem>einer</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2130"><lem>Farbe.</lem><note>danach Einfügungszeichen und Text zur Einfügung von <abbr>Bl.</abbr> 8<abbr>v</abbr> gestrichen: </note><rdg>Auf das eine Motiv antworten wir</rdg><note> bricht ab</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2131"><lem>den <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 9<abbr>v</abbr> leer, <abbr>Bl.</abbr> 10<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>60</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2132"><lem>weil</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2133"><lem>verschieden</lem><note>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2134"><lem>reale,</lem><note>danach gestrichen:</note><rdg> </rdg><rdg>den beiden Dingen als ein reales Verhältniß zukommende,</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2135"><lem>A</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift; dies gilt für alle folgenden einzelstehenden Großbuchstaben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2136"><lem>diese <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 10<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 11<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 11<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>61</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2137"><lem>omnis determinatio est negatio</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2138"><lem>omnis determinatio est negatio</lem><note><abbr>lat.</abbr> alle Bestimmung erfolgt durch Negationen; von <name>Hegel</name> (Wissenschaft der Logik) als Hauptsatz <name>Spinoza</name>s ausgegeben.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2139"><lem>A</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift; dies gilt für alle folgenden einzelstehenden Großbuchstaben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2140"><lem><name>Kant</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2141"><lem>der</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>Hegel’schen</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2142"><lem>getrieben.</lem><note>danach Fußnotenzeichen und -text: </note><rdg>Ausführlicher wird dies bei der Lehre von der Negation zur Sprache kommen.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2143"><lem>a</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2144"><lem>b</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2145"><lem>Thatsachen,</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>Verhältnisse</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2146"><lem>die Vorstellung</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2147"><lem>das … sehen.</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 10<abbr>v</abbr> geschrieben statt gestrichen: </note><rdg>Alles Unterscheiden ist somit nur im Bewußtsein möglich; es fragt sich, ob alles Bewußtsein auch zugleich Unterscheiden ist.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2148"><lem><name>Ulrici</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2149"><lem><name>Ulrici</name></lem><note>gegenüber auf <abbr>Bl.</abbr> 10<abbr>v</abbr> geschrieben: </note><rdg>Leib und Seele; Grundzüge einer Psychologie des Menschen, p. 274ff.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2150"><lem>nicht etwa nur</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2151"><lem>Unterschei<pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 11<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 12<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 12<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>62</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2152"><lem>und vergleichende</lem><note>mit Einfügungszeichen auf Bl. 11<abbr>v</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2153"><lem><name>Ulrici</name></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2154"><lem>ursprünglich</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>mehr oder minder</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2155"><lem>ad absurdum</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2156"><lem>wollen</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>müssen</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2157"><lem>a</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift; dies gilt für alle folgenden einzelstehenden Kleinbuchstaben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2158"><lem>wird.</lem><note>folgt Fußnotenzeichen und -text, mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 11<abbr>v</abbr> geschrieben: </note><rdg>Nebenbei sei bemerkt, daß der parallele Versuch von Leibniz, das Universum in ein System von positiven Vorstellungsbeziehungen aufzulösen, in dieselbe Absurdität ausläuft. Wenn jede Monade ihre Individualität darin hat, daß sie alle übrigen vorstellt, jede von diesen übrigen aber wiederum die Vorstellung aller anderen in sich trägt, so giebt es auch in diesem System keinen positiven und realen Inhalt. Ohne ursprüngliche „absolute Positionen“ ist eben Nichts zu erklären, und darin besteht der Fortschritt Herbarts gegen Leibniz.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2159"><lem>A</lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift; dies gilt für alle folgenden einzelstehenden Großbuchstaben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2160"><lem>Unendliche.</lem><note>danach Fußnotenzeichen und-text: </note><rdg>Die gleiche Auflösung in eine unendliche Reihe gilt auch für eine psychophysische Theorie, welche in jüngster Zeit von Schneider aufgestellt und von Ulrici als Bestätigung seiner Lehre in Anspruch genommen worden ist. Vgl. G[eorg] H[einrich] Schneider. Die Unterscheidung; Analyse, Entstehung und Entwicklung derselben bei den Thieren und beim Menschen. Zürich 1877 und Ulrici’s Besprechung davon in „Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik“ Bd. LXXI 1877 pag. 1ff. Die Ansicht Schneiders, daß alle Empfindung nur Empfindung von Differenzen ist, hat einen physiologischen Sinn, welcher bei der Lehre von der Empfindung wohlbeachtet sein will. Faßt man sie aber, wie Ulrici, rein psychologisch auf, so geräth man in ein Nebelmeer von Differenzen, in denen es keinen Grund und Boden, sondern immer nur wieder Differenzen von Differenzen bis in’s Unendliche giebt. Was wir die Empfindung a nennen, sei danach die Empfindung des Unterschiedes b–c; aber b ist die Differenzempfindung d–e, c diejenige f–g u. s. f. Auch hier zeigt sich, wie oben, daß die Auflösung der Realität in lauter gegenseitigen Beziehungen ohne die Annahme ursprünglicher Positionen eine Absurdität involvirt.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2161"><lem>Bewußtseinslehre</lem><note>folgt Fußnotenzeichen und -text: </note><rdg>System der kritischen Philosophie. I. pag. 125ff.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2162"><lem>Bestimmtem. <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 12<abbr>v</abbr> Text zur Einfügung auf <abbr>Bl.</abbr> 13<abbr>r</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 13<abbr>r</abbr> Fortsetzung des Textes, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>63</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2163"><lem><span type="el">πρῶτον φεῦδος</span></lem><note><abbr>gr.</abbr> die erste Lüge, <abbr>d. h.</abbr> die erste falsche Voraussetzung, wodurch das ganze Argument falsch wird</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2164"><lem>er meinte</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2165"><lem>des</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2166"><lem>könne</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2167"><lem>umgekehrt</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2168"><lem>Völlig … weder</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 12<abbr>v</abbr> geschrieben, statt gestrichen: </note><rdg>Unbestimmtes läßt sich weder</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2169"><lem>und … unterschiedene</lem><note> mit Einfügungszeichen auf <abbr>Bl.</abbr> 12<abbr>v</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2170"><lem>einer <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 13<abbr>v</abbr> leer, Fortsetzung des Textes auf <abbr>Bl.</abbr> 14<abbr>r</abbr>, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>64</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2171"><lem>–wenigstens einige Minuten lang –</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2172"><lem>mit</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2173"><lem>wurde</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2174"><lem>das zweite Mal</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2175"><lem>Müller <pb/></lem><note><abbr>Bl.</abbr> 14<abbr>v</abbr> leer, Fortsetzung des Textes auf <abbr>Bl.</abbr> 15<abbr>r</abbr>, mit rotem Farbstift paginiert als </note><rdg>65</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2176"><lem>reagirt</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>einwirkt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2177"><lem><name>Ulrici</name>’s bekannter Müller</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Hermann Ulrici: Compendium der Logik. Zum Selbstunterricht und zur Benutzung für Vorträge auf Universitäten udn Gymnasien. 2., neu bearbeitete <abbr>u.</abbr> vermehrte <abbr>Aufl.</abbr> Leipzig: Weigel 1872, <abbr>S.</abbr> 24: </note><rdg>Noch eclatanter ist die notorische Thatsache, daß der Müller erwacht, wenn seine Mühle stehen bleibt, zu klappern aufhört. Hier ist es nicht das Eintreten und Fortdauern der Gehörsempfindung, sondern die eintretende Aufhebung derselben, die der Seele zum Bewußtseyn kommt und das Bewußtseyn der Außenwelt weckt.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2178"><lem>verdient</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>wäre werth</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2179"><lem>„Philosophie des Unbewußten“</lem><note>Anspielung auf <name>Eduard von Hartmann</name>: Philosophie des Unbewußten, 1869.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2180"><lem>also:</lem><rdg>also.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2181"><lem>kann</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2182"><lem>in ihr</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2183"><lem>kann</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2184"><lem>kann</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2185"><lem>Vorstellungsinhalt</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>Gegenstand</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2186"><lem>in</lem><note>statt gestrichen: </note><rdg>unter</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2187"><lem>Theorie.</lem><note>darunter zentriert: </note><rdg>8.</rdg><note>; Ende des <abbr>Ms.</abbr>, <abbr>Bl.</abbr> 15<abbr>v</abbr>–18<abbr>v</abbr> leer, Ende des Heftes.</note></app></listApp></back></text></TEI>