<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000866-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Franz Böhm</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>24.2.1915</date>, <note>3 S., Ts.-Durchschlag mit eigenhändiger Unterschrift, Briefkopf </note><quote type="rdg">Heidelberger Akademie der Wissenschaften. | Stiftung Heinrich Lanz</quote>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, HAW 540 (Akademie 1909–1963), Bl. 15</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0866" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000866-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1915-02-24">24.2.1915</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116219513">Franz Böhm</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116219513">Franz Böhm</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116293802">Leo Koenigsberger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11684583X">Max Fürbringer</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Franz Böhm</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>24.2.1915</date>, <note>3 S., Ts.-Durchschlag mit eigenhändiger Unterschrift, Briefkopf </note><quote type="rdg">Heidelberger Akademie der Wissenschaften. | Stiftung Heinrich Lanz</quote>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, HAW 540 (Akademie 1909–1963), Bl. 15</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, den 24. Februar 1915</dateline><salute>Eurer Exzellenz</salute><p>beehrt sich der ergebenst unterzeichnete geschäftsführende Sekretär der Heidelberger Akademie der Wissenschaften das Folgende vorzutragen:</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5582"/>Am 13. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5583"/>des Monats<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5583"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5582"/> hat der stellvertretende Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5584"/><name>Fürbringer</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5584"/>, Euerer Exczellenz mitgeteilt, dass diese Klasse den bisherigen Sekretär, Herrn <name>Koenigsberger</name>, wiederum zum Sekretär gewählt habe, dass dieser aber die Wiederwahl nicht annehme und dass auch er selbst von seiner Wiederwahl zum stellvertretenden Sekretär abzusehen bitte. Beide Herren jedoch hätten sich bereit erklärt, bis zur definitiven Wahl die Geschäfte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse fortzuführen.</p><p>Von diesem Vorgange ist mir, als dem derzeitigen geschäftsführenden Sekretär am 20. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5585"/>des Monats<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5585"/> zuerst mündlich und auf mein Verlangen am 23. schriftlich Mitteilung gemacht worden und ich bitte nunmehr Euere Exzellenz mit Rücksicht darauf, folgende Erwägungen unterbreiten zu dürfen.</p><p>Es ist mir unbekannt, welches die Motive für <pb/> dieses Vorgehen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse sind und ich habe mich nicht im Geringsten darum zu kümmern, wenn sie sich mit einem solchen provisorischen Zustande vorläufig abfinden will. Anders aber liegt die Sache für die Gesamt-Akademie und deren Geschäftsführung, für die ich gegenwärtig verantwortlich bin. Denn statutengemäss muss der Sekretär der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse am 24. April <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5586"/>des Jahres<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5586"/> die Führung der Geschäfte der Gesamt-Akademie übernehmen und ich weiss nicht, ob ich berechtigt wäre, die Geschäftsführung einem anderen Herrn zu übergeben, als einem solchen, der definitiv gewählt und von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5587"/>Seiner<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5587"/> Königlichen Hoheit dem Großherzog bestätigt wäre. Hätte ich von der Absicht der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse rechtzeitig Kenntnis erhalten, so würde ich sie gebeten haben, dies Interesse der Gesamt-Akademie in Betracht zu ziehen. Es ist mir nicht verständlich, in welchem Zusammenhange der Aufschub der Wahl und die Schaffung eines Provisoriums <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5588"/>mit den jetzigen kriegerischen Verhältnissen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5588"/> stehen sollen, und wenn die mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse diesen Zustand bis nach Ende des Krieges bestehen zu lassen in Aussicht nimmt, so würde ich weiterhin zur Erwägung gegeben haben, dass mit dem Jahreswechsel 1915/16 der Vorsitz des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5589"/>Kartells der deutschen Akademien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5589"/> zum ersten Male auf Heidelberg übergeht und dass es mit Rücksicht darauf jedoch wünschenswert wäre, vollkommen klare und sichere Verhältnisse der Geschäftsführung zu schaffen.</p><p>Es liegt deshalb durchaus im Interesse der Gesamt-Akademie, dass die mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse <pb/> bis zum 24. April <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5590"/>des Jahres<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5590"/> zu einer definitiven Wahl ihres Sekretärs gelange. Dazu ist ja auch noch reichlich Zeit und da mit Rücksicht auf die kriegerischen Verhältnisse wohl der grösste Teil der Mitglieder der Akademie während der Ferien zu Hause sein wird, so kann bis dahin eine Wahl umso eher herbeigeführt werden, als der zu Wählende, wenn das Grossh<add>[erzogliche]</add> Ministerium damit einverstanden ist, dass in diesem Jahre die übliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5591"/>Festsitzung ausfällt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5591"/>, auch für keine Festrede mehr zu sorgen haben wird.</p><p>Indem ich Euere Exzellenz bitte, die Interessen der Gesamt-Akademie bei der Behandlung der Angelegenheit in geneigte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5592"/>Erwägung zu ziehen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5592"/>, bin ich Euerer Exzellenz in Verehrung ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5593"/>Windelband<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5593"/></signed><signed>Geheimer Rat.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-5583"><lem>des Monats</lem><rdg>ds. Mts.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-5582"><lem>Am 13. des Monats</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>Bl.</abbr> 10–13 derselben Akte das von Windelband im Folgenden zitierte Schreiben.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5584"><lem><name>Fürbringer</name></lem><note><name>Max Fürbringer</name> (1846–1920), Anatom, 1901–12 <abbr>Prof.</abbr> in Heidelberg (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5585"><lem>des Monats</lem><rdg>ds. Mts.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-5586"><lem>des Jahres</lem><rdg>ds. Js.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-5587"><lem>Seiner</lem><rdg>Sr.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-5588"><lem>mit den jetzigen kriegerischen Verhältnissen</lem><note>so die Argumentation des Klassensekretärs, <abbr>vgl.</abbr> die Abschrift des Schreibens <name>Max Fürbringer</name> an <name>Franz Böhm</name> vom 13.2.1915 in derselben Akte, <abbr>Bl.</abbr> 13.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5589"><lem>Kartells der deutschen Akademien</lem><note>eigentlich </note><rdg>Verband wissenschaftlicher Körperschaften</rdg><note>, gegründet 1893 in Leipzig von den Akademien Wien, Leipzig, Göttingen, München (unter Beteiligung der Berliner Akademie, die jedoch erst 1906 beitrat) zum Zwecke der Durchführung gemeinsamer Projekte (Deutsches Biographisches Jahrbuch, Deutsche Literaturzeitung, Deutsche Inschriften, mathematische Enzyklopädie <abbr>u. a.</abbr>). Heidelberg war seit 1911 Mitglied, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an die Mitglieder der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 23.4.1911 sowie Conrad Grau: Die Wissenschaftsakademien in der deutschen Gesellschaft. Das „Kartell“ von 1893 bis 1940. In: Acta historica Leopoldina 22 (1995), <abbr>S.</abbr> 31–56.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5590"><lem>des Jahres</lem><rdg>ds. Js.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-5591"><lem>Festsitzung ausfällt</lem><note>fand tatsächlich nicht statt, <abbr>vgl.</abbr> Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Jahresheft 1915. Heidelberg: C. Winter 1916, <abbr>S.</abbr> III.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5592"><lem>Erwägung zu ziehen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> in derselben Akte <abbr>Bl.</abbr> 16 das Schreiben <name>Franz Böhm</name> (Minister des Kultus und Unterrichts) an <name>Fürbringer</name> vom 26.2.1915 im angedeuteten Sinne; am selben Tag teilt <name>Böhm</name> Windelband mit, daß er an <name>Fürbringer</name> geschrieben habe.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5593"><lem>Windelband</lem><note>eigenhändige Unterschrift</note></app></listApp></back></text></TEI>