<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000841-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Carl Neumann</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>25.7.1914</date>, <note>1 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, H-IV-102/140 (Philosophische Fakultät 1913–14, Dekan: C. Neumann), Bl. 358</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0841" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000841-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1914-07-25">25.7.1914</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119132281">Carl Neumann</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119132281">Carl Neumann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569856">Emil Lask</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118711989">Georg Jellinek</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118597582">Gustav Radbruch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118589997">Hermann Oncken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116293802">Leo Koenigsberger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118715860">Ludolf von Krehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118629743">Max Weber</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117400149">Wolfgang Windelband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118653725">von Bauer, Prorektor Universität Heidelberg</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Carl Neumann</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>25.7.1914</date>, <note>1 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, H-IV-102/140 (Philosophische Fakultät 1913–14, Dekan: C. Neumann), Bl. 358</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, den 25t Juni 1914</dateline><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5441"/>Hochgeehrter Herr Decan,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5441"/></salute><p>Zu dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5442"/>Habilitationsgesuch meines Sohnes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5442"/> bitte ich mir folgende Bemerkung zu gestatten:</p><p>Im Allgemeinen halte ich es nicht für richtig und zweckmässig, dass der Sohn als Docent bei der Fakultät eintritt, der sein Vater als Ordinarius angehört, und demgemäss hatten wir ursprünglich an andre Universitäten für eine etwaige Niederlassung meines Sohnes gedacht. Da ist aber über mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5443"/>das Leiden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5443"/> gekommen, das nun schon mehr als drei Jahre auf mir liegt, und als dann auch meine Frau monatelang schwer krank war, da zeigte sich, wie wertvoll es für uns war, wenigstens noch das jüngste unserer Kinder in unmittelbarer Nähe zu haben. Aus solchen Erwägungen hat sich mein Sohn entschlossen, dem Gedanken einer hiesigen Habilitation, falls er dazu würdig befunden wird, näherzutreten, und ich habe nach einigem Zögern schliesslich meine Einwilligung dazu gegeben.</p><p>Indem ich <abbr>Ew.</abbr> Spectabilität und die Hohe Fakultät bitte von dieser persönlichen Seite der Angelegenheit gütigst Kenntnis zu nehmen, setze ich voraus, dass ich von der Teilnahme an ihrer geschäftlichen Behandlung dispensiert werde.</p><p>In vorzüglicher Hochachtung <abbr>Ew.</abbr> Spectabilität ergebenster</p><signed>W Windelband</signed><postscript><p>S<add>[einer]</add> Spectabilität | dem Decan der philosophischen Facultät | Herrn <abbr>Prof.</abbr> <abbr>Dr.</abbr> C. <name>Neumann</name> | hier</p></postscript></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-5441"><lem>Hochgeehrter Herr Decan,</lem><note>am Kopf der S. Umlaufvermerke der Fakultätsmitglieder</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5442"><lem>Habilitationsgesuch meines Sohnes</lem><note><name>Wolfgang Windelband</name>s für neuere Geschichte; <abbr>vgl.</abbr> in derselben Akte <abbr>Bl.</abbr> 352–364: Gesuch vom 29.6.1914, Gutachten <name>Hermann Oncken</name>s vom 28.6.1914 (!), Erteilung der venia legendi am 13.8.1914, ausnahmsweise vor dem Druck der Habililationsschrift (in der Personalakte seines Vaters, UA Heidelberg, PA 2449 <abbr>Bl.</abbr> 51 findet sich die Anfrage des Engeren Senats an die philosophische Fakultät vom 8.5.1919 (!), ob <name>Wolfgang Windelband</name> </note><rdg>inzwischen die vorgeschriebenen Abdrücke der Habilitationsschrift vorgelegt </rdg><note>habe).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5443"><lem>das Leiden</lem><note>Art der Erkrankung nicht sicher ermittelt, eine Herzerkrankung ist wahrscheinlich (<abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Rickert</name> vom 27.3. <abbr>u.</abbr> 18.6.1911, ferner den Kommentar zu Windelband an Max Weber vom 12.12.1910). Der Totenschein (<abbr>vgl.</abbr> Dokumente) gibt keine Auskunft. Hinweise bei <name>Emil Lask</name> an <name>Gustav Radbruch</name>, <abbr>o. D.</abbr> (nach 10.3.1911, Auszug): </note><rdg>Bitte halten Sie außer gegenüber Jaspers’ meine Äußerung von Frau Weber über Windelbands Krankheit möglichst geheim. Alle, die ich sprach, Oncken, Fleiner usw. wußten nichts von einer Herzaffektion. Frau Jaspers schien dies für bekannter zu halten als es ist. Ich habe sie um Geheimhaltung gebeten</rdg><note> (UB Heidelberg, Hs. 3716); sowie in <name>Max Weber</name>s Bericht vom 14.2.1911 an <name>Rickert</name>, daß Windelband einen Herzschwäche- und Asthmaanfall erlitten habe und sich nicht aufregen dürfe (Max-Weber-Gesamtausgabe <abbr>Abt.</abbr> II, <abbr>Bd.</abbr> 7,1, <abbr>S.</abbr> 96). Windelbands Arzt <name>Ludolf Krehl</name> war Herzspezialist. Windelband litt außerdem an den Spätfolgen einer Venenentzündung (<abbr>vgl. </abbr>Windelband an <name>Leo Koenigsberger</name> vom 7.12.1895, an <name>Georg Jellinek</name> vom 8.12.1895, an <name>Karl Dilthey</name> vom 7. <abbr>u.</abbr> 10.8.1896 sowie an Verlag Breitkopf &amp; Härtel vom 6.8.1906). Die Trauerrede des Heidelberger Prorektors <name>von Bauer</name> bestätigt (in der Zusammenfassung <name>Arnold Ruge</name>s), daß Windelband bereits längere Zeit vor seinem Tod krank war (<abbr>vgl.</abbr> Arnold Ruge: Die Beisetzung Wilhelm Windelbands. In: Heidelberger Neueste Nachrichten, <abbr>Nr.</abbr> 250 vom 26.10.1915, <abbr>S.</abbr> 6). In der Vorrede zu Windelband: Geschichtsphilosophie. Eine Kriegsvorlesung. Fragment aus dem Nachlass von Wilhelm Windelband. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Wolfgang Windelband und Bruno Bauch. Berlin 1916 (Kant-Studien Ergänzungshefte <abbr>Nr.</abbr> 38) heißt es: </note><rdg>Er hat daran diktiert, solange seine Kräfte irgend ausreichten, bis der Arzt mit strengem Verbot einschritt. […] hat er für den Winter 1914/15 eine einstündige Vorlesung über Geschichtsphilosophie angezeigt, und es gelang ihm, sie, wenn auch mit durch immer wiederkehrende Krankheitsanfälle erzwungenen Unterbrechungen, zu Ende zu führen. Die letzte Stunde dieser Vorlesung ist gleichzeitig die letzte, die er überhaupt auf dem Katheder gestanden hat. </rdg><note>Zu einer wie immer gearteten Erkrankung trat in jedem Fall eine starke Überarbeitung, die mindestens seit 1909, dem Jahr der Heidelberger Akademiegründung, in der Korrespondenz besonders mit dem Verleger Siebeck (Verlag J.C.B. Mohr, Tübingen) deutlich wird.</note></app></listApp></back></text></TEI>