<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000787-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>10.11.1913</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 A 0354,2</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0787" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000787-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1913-11-10">10.11.1913</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/1042672032">Friedrich Henschel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1085075-2">Theodor Ackermann</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>10.11.1913</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488 A 0354,2</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5054"/>10 Nov<add>[ember]</add> 1913<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5054"/></dateline><salute>Hochgeehrter Herr Doctor,</salute><p>Auf Ihre freundliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5055"/>Anfrage vom 25.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5055"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5056"/>vorigen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5056"/> M<add>[onats]</add> hätte ich längst geantwortet, wenn ich nicht erst an Herrn <name>Ackermann</name> hätte schreiben und seine Antwort abwarten müssen, die erst gestern gekommen ist.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5057"/>Meine Promotionsschrift „Die Lehren vom Zufall“ war seinerzeit von dem mir befreundeten Verleger <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5058"/>Fr. <name>Henschel</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5058"/> in Berlin herausgegeben, dann aber nach dessen frühem Tode an Herrn Th<add>[eodor]</add> <name>Ackermann</name> in München übergegangen. Das war mir von diesem angezeigt, seitdem aber nichts von dem Geschick des Buches mitgeteilt worden. Auch ich nahm nach dem was mir Schüler und Buchhändler sagten, an, das Büchlein sei vergriffen und nur noch antiquarisch zu haben. In dem Verlagsvertrag fand ich aber eine Bestimmung, wonach, wenn der Verleger eine neue Auflage zu machen beabsichtigte, er ein bestimmtes Honorar zu zahlen hat, während, wenn er darauf verzichtet, das <pb/> Verfügungsrecht über das Buch an den Autor zurückfällt. Diese Bestimmungen des Vertrags galten für den Verleger „oder seine Rechtsnachfolger“: ich weiss aber nicht, ob damals Herr <name>Ackermann</name> in die Rechtsnachfolge eingetreten oder ob er nur die noch vorhandene Auflage angekauft hat. Jedenfalls schien es mir, als ich Ihre Anfrage erhielt, erforderlich, das Verhältnis zu <name>Ackermann</name> zu klären. Zu meinem grössten Erstaunen schreibt er mir nun, er habe von dem Buch noch 395 Exemplare auf Lager! Seit 1911, wo der jetzige Inhaber das Geschäft von seinem Vater übernahm, seien 37 Exemplare verkauft worden, nachdem es zu erhöhtem Rabatt angekündigt worden sei. Da die Auflage ursprünglich 1000 war, so sind also während der 40 Jahre bis 1911 nur 568 Exemplare verkauft worden. Herr <name>Ackermann</name> erklärt sich nun aber sehr coulant bereit, auf alle Anrechte zu verzichten und, falls ich <pb/> eine neue Auflage in anderm Verlag (ich habe Sie nicht genannt!) machen wolle, die noch vorhandnen Exemplare mir zur Verfügung zu stellen oder zu vernichten.</p><p>Diese Sachlage teile ich Ihnen – mit der Bitte um ganz vertrauliche Behandlung – so ausführlich mit, um Sie über die Aussichten einer Neuauflage nicht im Unklaren zu lassen. An dem geringen Verkauf ist offenbar auch ein Ungeschick des Vertriebs schuld: wie hätte sonst überall die Meinung entstehen können, das Buch sei nur noch antiquarisch zu haben? Jetzt nun aber 395 Exemplare einstampfen zu lassen, scheint mir doch irrationell. ich würde ja freilich die neue Auflage mit Zusätzen versehen, und das gäbe vielleicht eine neue Attraktion. Aber was meinen Sie jetzt? Und wenn wir auf die Lehren vom Zufall verzichteten – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5059"/>was denken Sie über das „Negative Urteil“?<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5059"/> Dachten Sie das auch allein neu zu drucken oder mit dem Zufall zusammen? <pb/> Auch dabei würde ich Aenderungen und Zusätze machen, und das täte ich sogar sehr gern. Schreiben Sie mir also bitte, wie Sie hiernach zu der Sache stehen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5057"/></p><p>Was die schwedische Uebersetzung der „Praeludien“ angeht, so bin ich damit einverstanden, wenn Sie die Autorisation für das Angebot von 200 <abbr>Mk</abbr> auf 1500 Exemplare erteilen wollen.</p><p>Mein Manuskript zur „Einleitung“ ist auf 350 Seiten gediehen; es fehlen noch zwei Kapitel mit etwa 80 Seiten, und ich hoffe im Anfang nächsten Monats fertig zu werden. Meinetwegen könnte dann der Druck sogleich beginnen.</p><p>Wie stets grüsse ich Sie in vorzüglicher Hochachtung als Ihr ergebner</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-5054"><lem>10 November 1913</lem><note> darunter Eingangsvermerk von anderer <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>12.XI.13</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-5055"><lem>Anfrage vom 25.</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Siebeck</name> an Windelband vom 25.10.1913</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5056"><lem>vorigen</lem><rdg>d[iesen]</rdg><note>, was aber nicht gemeint sein kann</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5058"><lem>Fr. <name>Henschel</name></lem><note>Vorname <abbr>u.</abbr> Vita nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5059"><lem>was denken Sie über das „Negative Urteil“?</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Siebeck an Windelband vom 25.10. <abbr>u.</abbr> 12.11.1913</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5057"><lem>Mein Promotionsschrift … Sache stehen.</lem><note> Abschnitt am Rand markiert</note></app></listApp></back></text></TEI>