<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000781-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Häberlin</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>4.10.1913</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119:10,1790,4</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0781" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000781-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1913-10-04">4.10.1913</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118700030">Paul Häberlin</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118765787">Alfred Weber</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Basel</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Häberlin</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>4.10.1913</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119:10,1790,4</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 4.10.13.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege,</salute><p>Mein herzlicher Dank für Ihre liebenswürdige und ausführliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5020"/>Beantwortung meiner Frage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5020"/> kommt leider etwas spät. Sommerfrischen, zumal wenn sie glücklich verlaufen, sind ungünstige Zeiten für Briefe; und als ich heimgekehrt mich allmählich wieder acclimatisiert und eingerichtet hatte, meinte ich erst warten zu sollen, bis ich Ihnen über den Stand der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5021"/>psychologisch-paedagogischen Frage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5021"/> etwas mitteilen könnte. Indessen ist das doch nicht möglich. Es scheint noch wenig von der Kollegenschaft hier zu sein; ich, der ich nur zu dem hygienisch nötigen Spaziergang ausgehe oder ausfahre, <pb/> habe kaum den einen oder andren Kollegen gesehen. Und ereignet hat sich inzwischen eigentlich garnichts. Die akademische Maschine ist noch nicht wieder im Gang, das wird wohl noch einen Monat dauern.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5022"/>Inzwischen aber möchte ich Ihnen nun doch für Ihre Darlegungen danken, die mir die Freude gemacht haben, durchweg wesentliche Uebereinstimmung zwischen Ihrer und meiner Auffassung der Sache erkennen zu lassen. Dabei möchte ich bitten, meine Anfrage nicht etwa so aufzufassen, als ob wir an der geplanten Lehrstelle gerade die Gymnasialfrage besonders in den Vordergrund gerückt sehen wollten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5022"/> oder auf die Stellung zu ihr ganz besonderes | Gewicht legten. Das ist jedenfalls bei der Fakultät als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5023"/>Ganzer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5023"/> nicht der Fall; in allen Besprechungen der Sache ist sogar diese Frage nicht eigentlich berührt worden. Nur bei einzelnen Personen ist hier ein brennendes Interesse gerade an dieser Frage zu erwarten, und deshalb freue ich mich, unter Umständen feststellen zu können, dass der Humanismus von Ihnen keine umstürzlerische Gegnerschaft zu befürchten haben würde. In dieser Hinsicht freue ich mich, dass die Mühe, die ich Ihnen verursacht habe, nicht vergebens war und dass Sie mir bestätigt haben, was ich wünschte und erwartete. Im Uebrigen werden wir nun sehen müssen, ob die Differenz zwischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5024"/>den<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5024"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5025"/>Voraussetzungen, die uns in der Fakultät gegeben wurden, und den Bedingungen, auf die sich die Regierung wirklich einlassen will, sich wieder verringert oder ausgleicht. Jedenfalls ist es gut, dass wir auf zweifelloser Festlegung bestanden haben,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5025"/> um ganz sicher zu sein, was wir Ihnen als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5026"/>Aussichten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5026"/> zu eröffnen verantworten können.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5027"/>Hoffentlich haben Sie auch gute Ferien. ich habe mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5028"/>in Villingen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5028"/> bei günstigem Wetter gründlich erholt, und ebenso meine Frau.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5027"/> So treten wir hoffnungsvoll in den Winter, und ich fange wieder zu arbeiten an; ich denke wenigstens noch etwas von dem herauszubringen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-5029"/>was ich gern noch sagen möchte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-5029"/>.</p><p>Mit hochachtungsvollem Gruss Ihr</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-5020"><lem>Beantwortung meiner Frage</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Entwurf Häberlin an Windelband vom 29.8.1913</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5021"><lem>psychologisch-paedagogischen Frage</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> am Rand mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5022"><lem>Inzwischen … wollten</lem><note> von anderer <abbr>Hd.</abbr> am Rand mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5023"><lem>Ganzer</lem><rdg>Ganzem</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-5024"><lem>den</lem><rdg>der</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-5025"><lem>Voraussetzungen … haben,</lem><note> von anderer <abbr>Hd.</abbr> am Rand mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5026"><lem>Aussichten</lem><note><abbr>vgl.</abbr> rückblickend Paul Häberlin: Statt einer Autobiographie. Frauenfeld: Huber 1959, <abbr>S.</abbr> 37–38: </note><rdg>Es kam so weit, daß ich mir ernstlich den Verzicht auf die akademische Laufbahn überlegte, besonders nachdem die Aussicht auf eine Berufung nach Zürich sich zerschlagen hatte. Da schien 1913 eine glückverheißende Wendung einzutreten. Windelband und Max Weber [</rdg><note>recte: <name>Alfred Weber</name></note><rdg>] in Heidelberg waren auf einige meiner Arbeiten aufmerksam geworden. Sie betrieben die Errichtung eines Lehrstuhles für Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Psychologie, und setzten meine Wahl dafür in der Fakultät durch. Das schien nun die Erlösung zu sein. Um so schmerzlicher war dann die Enttäuschung. Die Badische Regierung bewilligte den verlangten Nachtrag zum Budget nicht; die Sache mußte um etwa zwei Jahre hinausgeschoben werden. Doch kam wenig später [</rdg><note>1914</note><rdg>] der Ruf an die Berner Universität, und er brachte nun wirklich die Erlösung.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-5028"><lem>in Villingen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>z. B.</abbr> Siebeck an Windelband vom 5.9.1913</note></app><app type="philological" corresp="#ED-5027"><lem>Hoffentlich</lem><lem> … Frau.</lem><note> von anderer <abbr>Hd.</abbr> am Rand mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-5029"><lem>was ich gern noch sagen möchte</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die ähnliche Wortwahl in Windelband an Siebeck vom 28.8.1913.</note></app></listApp></back></text></TEI>