<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000775-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Paul Häberlin</persName> an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">Binningen</placeName>, <date>29.8.1913</date>, <note>14 S., hs. (z. T. in </note><note>Kurzschrift System Stolze</note><note>), Briefentwurf</note>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119: Beilage zu 10,1790,3 (Fotokopie davon zusätzlich unter NL 119: 9,90,1)</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0775" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000775-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118700030">Paul Häberlin</persName><placeName>Binningen</placeName><date when="1913-08-29">29.8.1913</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/126548315">Matthias Buser</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118700030">Paul Häberlin</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Basel</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Paul Häberlin</persName> an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">Binningen</placeName>, <date>29.8.1913</date>, <note>14 S., hs. (z. T. in </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4936"/><note>Kurzschrift System Stolze</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4936"/><note>), Briefentwurf</note>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119: Beilage zu 10,1790,3 (Fotokopie davon zusätzlich unter NL 119: 9,90,1)</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4937"/>Binningen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4937"/>, 29. Aug<add>[ust]</add> 13.</dateline><salute>Hochverehrter Herr Geheimrat,</salute><p>Entschuldigen Sie bitte die Verspätung meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4938"/>Antwort;<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4938"/> die ersten Tage nach Empfang <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4939"/>Ihres Briefes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4939"/> bin ich nicht zum Schreiben gekommen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4940"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4940"/> dann habe ich mir eine Zeitlang überlegt, ob ich nicht zu Ihnen in den Schwarzwald fahren sollte. Am liebsten hätte ich so getan, weil ich weiss, dass ich mich mündlich besser und mit weniger Gefahr, missverstanden zu werden, hätte aussprechen können. Aber ich wollte nicht Ihre Ferienruhe stören, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4941"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4941"/> dann dachte ich, dass Ihnen mit einer schriftlichen Antwort wohl besser gedient sei. <pb/></p><p>Ich habe die Kämpfe um das humanistische Gymnasium in Deutschland, speziell allerdings in Preussen, etwa seit 1900 einigermassen verfolgt, ohne indessen behaupten zu können, dass ich in allen Einzelfragen orientiert wäre oder ein fertiges Urteil hätte. Dazu würde mehr Erfahrung an Ort und Stelle gehören. Immerhin glaube ich mir über die Haupt-Gegensätze <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4942"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4942"/> ihre Gründe oder Motive klar zu sein; sie sind ja auch nicht wesentlich anders bei uns <pb/> wie in Deutschland. Die Mittelschulfrage stammt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4943"/>wohl<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4943"/> zuletzt aus zwei verschiedenen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4944"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4944"/> doch wieder zusammenhängenden Gründen, denen zwei Gegensatzpaare der Stellungnahme entsprechen. Einmal aus der Doppelaufgabe, welche heute der Mittelschule überhaupt zugeteilt ist. <pb/> Sie soll <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4945"/>Bildungs<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4945"/>anstalt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4946"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4946"/> doch auch zugleich „Berufsschule“ <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4947"/><abbr>bzw.</abbr><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4947"/> Vorbereitungsanstalt für spezielle Berufsstudien sein; die Wichtigkeit der einen oder and<add>[eren]</add> Aufgabe wird aber von Verschiedenen verschieden eingeschätzt. Wenn man nun zugibt, dass die Schule sich keiner der beiden Aufgaben entziehen darf, so meine ich doch, man müsste gerade heute wieder die Bildungs-Aufgabe besonders stark betonen. In die andre, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4948"/>Nützlichkeits-<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4948"/>Richtung treibt der moderne Geist schon mehr als genug, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4949"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4949"/> wir müssen die Schule eher vor <pb/> der Gefahr der zu frühen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4950"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4950"/> zu starken „Utilisierung“ als vor dem Gegenteil schützen. Man wird angesichts der Anforderungen des mod<add>[ernen]</add> Lebens nichts gegen das Bestehen mehr „realistischer“ Mittelschulen einwenden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4951"/>können<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4951"/>.</p><p>Aber man wird mindestens ebensowenig der Idee des humanistischen Gymnasiums, sofern es neben der „gelehrten“ Berufsvorbereitung, eben gerade wesentlich Bildungsschule im intensiven Sinne sein will, die Berechtigung absprechen dürfen. <pb/> Man möchte im Gegenteil den realistischen Anstalten wesentlich wünschen, sie legten bei aller Berücksichtigung der zukünftigen Berufsanforderungen gerade auf das Bildungsmässige, das „Humanistische“ im besten Sinne, das Kulturelle, mehr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4952"/>Gewicht.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4952"/> <pb/></p><p>Dies freilich führt auf die zweite, tiefer liegende Quelle der bestehenden Gegensätze: das verschiedene Bildungs- <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4953"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4953"/> Kulturideal. Einem mehr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4954"/>ökonomisch-technisiert orientierten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4954"/>, auf das „Fortkommen“ <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4955"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4955"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4956"/>Vorwärtskommen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4956"/> (nicht nur des Einzelnen) <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4957"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4957"/> die Beherrschung der gegebenen <pb/> Mittel gerichtete <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4958"/>Ideal<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4958"/> steht das im tiefern Sinne kulturelle Ideal gegenüber, das normativ bestimmt ist <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4959"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4959"/> in erster Linie ethische, aesthetische, logische Vertiefung will. Ich brauche Ihnen von diesem Gegensatz nicht ausführlicher zu sprechen, noch davon, wie wichtig er für die ganze Kultur eines Volkes ist. Ebensowenig brauche ich wohl besonders <pb/> zu betonen, dass ich persönlich mich unbedingt auf die zweite Seite stelle (<abbr>NB.</abbr> ohne die techn<add>[ischen]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4960"/>Fähigkeiten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4960"/> gering zu schätzen). – Tatsache ist aber, dass das humanist<add>[ische]</add> Gymnasium seiner Idee nach für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4961"/>diesen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4961"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4962"/>Bildungsbegriff<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4962"/> eintritt. Darin bestand bisher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4963"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4963"/> besteht noch sein Adel <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4964"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4964"/> seine Mission, gerade auch in der heutigen Zeit. Dieser Charakter muss dem Gymn<add>[asium]</add> erhalten bleiben, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4965"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4965"/> die parallelen Anstalten sollten sich, so viel als immer möglich, darin dem Gymn<add>[asium]</add> anschliessen. Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4966"/>Berufsvorbereitung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4966"/> braucht darunter nicht zu leiden. <pb/></p><p>So weit wäre also alles klar, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4967"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4967"/> ich meine, dies seien die wichtigsten Punkte. – Eine weitere Frage ist nun aber die, ob zur Erfüllung der angedeuteten Aufgabe das Gymnasium, wie es ist, durchaus die geeignete Beschaffenheit besitze, oder ob <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4968"/>gerade<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4968"/> in Anbetracht jener Mission Reformen angezeigt seien. Die Frage ist gewiss <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4969"/>berechtigt,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4969"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4970"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4970"/> sofern die Reformdiskussionen auf <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4971"/>dieser<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4971"/> Grundlage stehen (was schon leider nicht immer der Fall ist), lässt sich gegen sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4972"/>von vornherein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4972"/> sicherlich nichts einwenden. <pb/> In erster Linie handelt es sich hier um die Wichtigkeit (<abbr>d. h.</abbr> den besondern Bildungswert) der klassischen Sprachen. Dazu kann ich persönlich nur sagen, dass ein richtiges Studium dieser Sprachen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4973"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4973"/> der dahinter stehenden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4974"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4974"/> darin steckenden Kultur für mich nicht durch etwas andres ersetzt werden könnte. Dieses Studium ist, abgesehen von seiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4975"/>Bedeutung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4975"/> für gelehrte Berufe, eines der hervorragendsten Mittel, das früher angedeutete Bildungsziel zu realisieren. Das Gymnasium kann sich freuen, <pb/> dieses Mittel zu besitzen; man sollte es ihm nicht nur nicht schmälern wollen, sond<add>[ern]</add> die andern Anstalten sollten, da sie es nach ihren besondern Zwecken nun einmal nicht haben können, ihrerseits darnach trachten, wenigstens einigermassenen Ersatz dafür zu schaffen. Wie das möglich wäre, das auszuführen gehört nicht hierher. Jedenfalls aber braucht die Berufsvorbildung, ebensowenig wie etwa die Pflege der Muttersprache darunter zu leiden. Das Gesagte gilt nicht nur für das Latein<add>[ische]</add>, sond<add>[ern]</add> viell<add>[eicht]</add> noch mehr für das Griechische. Die klass<add>[ischen]</add> Studien dürfen ihrer Intensität nach nicht geschwächt werden am Gymn<add>[asium]</add>. Um so weniger, als ja gleichberechtigte Realsch<add>[ulen,]</add> Realgymn<add>[asien]</add> bestehen für Diejenigen, die sich diesen Studien mehr oder weniger entziehen wollen.</p><p>Es bleibt nun nur noch die Frage übrig, ob, alles Bisherige zugegeben, ein irgendwie reformiertes Gymnas<add>[ium]</add>, (ohne Verminderung der Intensität der klass<add>[ischen]</add> Studien <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4976"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4976"/> ohne Alternation des Sinnes der „humanist<add>[ischen]</add>“ <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4977"/>Bildung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4977"/>) eher seinen Wert erfüllen könnte als das „empirisch“ bestehende. In dieser Frage sind eine ganze Anzahl untergeordnete, technische Fragen eingeschlossen, über die man in guten Treuen verschiedener Meinung sein kann. Sie zu entscheiden, dazu gehört auf jeden Fall viel praktische Erfahrung. Es ist einzugestehen, dass ich mir darin, besond<add>[ers]</add> was deutsche Verhältnisse betrifft, keine volle Kompetenz <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4978"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4978"/> kein endgültiges Urteil zutraue. Ich kenne das deutsche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4979"/>Gymnasialwesen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4979"/> zu wenig aus eigner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4980"/>Anschauung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4980"/>. Und die Schweizer Gymn<add>[asien]</add>, die bestehen, sind nicht derart, dass ich einfach sie als Muster hinstellen könnte.</p><p>Allgemein aber hat mich die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4981"/>Erfahrung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4981"/> gelehrt, dass es nicht so sehr auf Institutionen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4982"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4982"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4983"/>Schullehrerische<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4983"/> Verhältnisse ankommt, als eben auf den ganzen „Geist“ einer Bildungsanstalt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4984"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4984"/> vor allem auf die Art, die eigne <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4985"/>Bedeutung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4985"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4986"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4986"/> die psych<add>[ologische]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4987"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4987"/> päd<add>[agogische]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4988"/>Befähigung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4988"/> der Lehrer.</p><p>Ich hoffe, hoch verehrter <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4989"/>Herr Geheimrat, dass diese<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4989"/> ungefähren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4990"/>Darlegungen Ihnen genügen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4990"/>. Viell<add>[eicht]</add> haben Sie die Güte, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4991"/>mir kurz mitzuteilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4991"/>, ob ich den Sinn Ihrer Anfrage einigermassen getroffen habe; sonst bin ich zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4992"/>Ergänzungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4992"/> gerne bereit.</p><p>Ihre freundlichen Grüsse erwidere ich herzlich. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4993"/>Empfehlung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4993"/> an Frau. Ich freue mich, dass Sie sich wohlfühlen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4994"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4994"/> wünsche für Sie, dass das herrliche Wetter noch einige Zeit anhalten möge. Ihr sehr ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4995"/>P. H.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4995"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4937"><lem>Binningen</lem><note>bei Basel</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4938"><lem>Antwort;</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>das schöne Wetter der letzten Tage hat mich zu einigen Ferien-Extravaganzen verlockt, obwohl ich eigentlich brav zu Hause bleiben wollte. Nun bin ich aber wieder hier + will Ihnen | ohne Verzug, so gut es in Kürze möglich ist, die gewünschte Antwort geben.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-4939"><lem>Ihres Briefes</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Häberlin</name> vom 22.8.1913</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4940"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4941"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4942"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4943"><lem>wohl</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>, wenn man von persönlichen + minderwertigen oder nebensächlichen Motiven in beiden streitenden Hauptparteien absieht,</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4944"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4945"><lem>Bildungs</lem><note>Wortteil unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4946"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4947"><lem><abbr>bzw.</abbr></lem><rdg>bezw.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4948"><lem>Nützlichkeits-</lem><note>statt <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>technische</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4949"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4950"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4951"><lem>können</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>, so wie die Dinge einmal liegen</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4952"><lem>Gewicht.</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>Nun sagen freilich die „Reformer“, die Freunde der mehr realistisch gerichteten Mittelschulen, dass auch in der Idee ihrer Anstalten die kulturelle Bildung eine | hervorragende Stellung einnehme. Aber sie haben (ich rede immer vom Durchschnitt + lasse Ausnahmen gerne gelten) einen andern Begriff von Bildung als die „Humanisten“, – +</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4953"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4954"><lem>ökonomisch-technisiert orientierten</lem><note>statt <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>realistisch-technisiert-„weltmännisch“ orientierten</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4955"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4956"><lem>Vorwärtskommen</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>im Leben</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4957"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4958"><lem>Ideal</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>der Reformer (allgemein gesprochen)</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4959"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4960"><lem>Fähigkeiten</lem><rdg>Fähigktn.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4961"><lem>diesen</lem><note> unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4962"><lem>Bildungsbegriff</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>, eben den in meinem Sinne kulturellen,</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4963"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4964"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4965"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4966"><lem>Berufsvorbereitung</lem><rdg>Berufsvorbereitg.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4967"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4968"><lem>gerade</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4969"><lem>berechtigt,</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>wenn auch wohl die wenigsten Reformer ihre Reform gerade von diesem Gesichts|punkt aus wünschen und meinen.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4970"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4971"><lem>dieser</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4972"><lem>von vornherein</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4973"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4974"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4975"><lem>Bedeutung</lem><rdg>Bedtg.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4976"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4977"><lem>Bildung</lem><rdg>Bildg.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4978"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4979"><lem>Gymnasialwesen</lem><rdg>Gymn.wesen</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4980"><lem>Anschauung</lem><rdg>Anschg.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4981"><lem>Erfahrung</lem><rdg>Erfahrg.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4982"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4983"><lem>Schullehrerische</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4984"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4985"><lem>Bedeutung</lem><note>Lesung unsicher, Wort durch Lochung verstümmelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4986"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4987"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4988"><lem>Befähigung</lem><rdg>Befähigg.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4989"><lem>Herr Geheimrat, dass diese</lem><note>kurzschriftlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4990"><lem>Darlegungen Ihnen genügen</lem><note>kurzschriftlich</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4991"><lem>mir kurz mitzuteilen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Häberlin vom 4.10.1913</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4992"><lem>Ergänzungen</lem><rdg>Ergänzggn.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4993"><lem>Empfehlung</lem><rdg>Empf.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4994"><lem>und</lem><rdg>+</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4995"><lem>P. H.</lem><note>danach und zwischen den vorhergehenden Zeilen schwer leserlicher, teilweise gestrichener Text in z. T. Lang-, z. T. Kurzschrift (im Folgenden nicht eigens aufgelöst):</note><rdg> die Ausführung und Begründung wäre natürlich eine weitläufige Sache. – | Zum letzten Punkt [</rdg><note>danach eingeklammerter unleserlicher Text</note><rdg>] möchte ich mir noch eine Bemerkung erlauben. Ich kann mir nicht recht vorstellen | [</rdg><note>am Zeilenanfang nicht zugeordneter Text:</note><rdg> *) übrig.] ich kann mir aber nicht recht denken, dass die Stellung gerade zu technischen Fragen | bei der Besetzung einer wiss[enschaftlichen] Lehrstelle für Psychol[ogie] und Päd[agogik] eine ausschlaggebende Rolle spielen kann.</rdg></app></listApp></back></text></TEI>