<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000774-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Villingen</placeName>, <date>28.8.1913</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift), mit gedrucktem Briefkopf mit Hotelansicht, Hotelname weggeschnitten für Aktenheftung:</note> <quote type="rdg">[Kurhaus Waldhotel Villingen] | Hermann Schlenker | Familien-Hotel und Pension ersten Ranges. 170 Zimmer. 220 Betten | Idyllisch gelegener Kurort in sonniger geschützter Höhenlage am Anfange des 4000 Hektar grossen Villinger Stadtwaldes mit prächtiger Aussicht. | Giro-Conto bei der Reichsbank. | Telephon No. 24. Villingen, den … 19 | Baden</quote>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße; NL 488 A 0354,2</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0774" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000774-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Villingen</placeName><date when="1913-08-28">28.8.1913</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733569X">Fritz Wichgraf</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name>Jacobsson, Übersetzer Göteborg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532847">Johann Gottlieb Fichte</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11863562X">Wilhelm Wundt</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Villingen</placeName>, <date>28.8.1913</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift), mit gedrucktem Briefkopf mit Hotelansicht, Hotelname weggeschnitten für Aktenheftung:</note> <quote type="rdg">[Kurhaus Waldhotel Villingen] | Hermann Schlenker | Familien-Hotel und Pension ersten Ranges. 170 Zimmer. 220 Betten | Idyllisch gelegener Kurort in sonniger geschützter Höhenlage am Anfange des 4000 Hektar grossen Villinger Stadtwaldes mit prächtiger Aussicht. | Giro-Conto bei der Reichsbank. | Telephon No. 24. Villingen, den … 19 | Baden</quote>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße; NL 488 A 0354,2</bibl></head></front><body><dateline>Villingen, den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4918"/>28 Aug<add>[ust]</add> 1913<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4918"/></dateline><salute>Hochgeehrter Herr Doctor,</salute><p>Wie lange will ich Ihnen schon schreiben! und für wie viel habe ich Ihnen zu danken! Aber es ist mir seit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4919"/>mehr als Jahresfrist<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4919"/> gesundheitlich garnicht gut, vielmehr so gegangen, dass ich knapp mit Erfüllung der alltäglichen Pflichten durchgekommen bin, und dabei habe ich noch viele Monate lang die schwere Sorge um meine gleichfalls schwer kranke Frau gehabt. Nun <pb/> geht es allmählich wieder besser, und die wahrhaft köstlichen Tage, die wir jetzt endlich hier erleben dürfen, versprechen uns ein gut Teil alter Lebensfrische zurückzugeben: aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4920"/>alte Leutchen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4920"/> sind wir nun einmal geworden, damit muss man sich abfinden.</p><p>Für das dauernde Geschenk des „Logos“ bin ich Ihnen sehr verbunden; es freut mich, dass das <name>Rickert</name>’sche Organ so gut einschlägt: wenn es sich von philosophischer Fachsimpelei möglichst frei hält (manchmal ist sie ja nicht zu umgehen) und noch mehr die angrenzenden Kulturwissenschaften zu Worte kommen, werden Sie gewiss dauernde Freude daran haben.</p><p>Die <name>Ruge</name>’sche Encyklopädie sollte etwas schneller zum <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4921"/>zweiten Bande<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4921"/> fortschreiten: aber der gute <name>Ruge</name> steckt so in allerlei Unternehmungen, und die Sache selbst hat so schwierige Seiten, dass man sich ob der Verzögerung nicht wundern kann. Wie steht es denn mit den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4922"/>ausländischen Ausgaben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4922"/>? Mit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4923"/>Separatausgabe meines Beitrags zur „Logik“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4923"/> bin ich sehr einverstanden gewesen, hoffentlich haben Sie Freude daran. Ueber meine Separatabdrücke der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4924"/>„Geschichte der Philosophie“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4924"/>, VI. Aufl<add>[age]</add> will ich <pb/> nun nächstens einmal verfügen, ich bin in meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4925"/>abulischen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4925"/> Faulheit immer nicht dazu gekommen, und es ist fast schon zu spät.</p><p>Was die „Praeludien“ anlangt, so würde ich die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4926"/>Phaenomenalismusrede<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4926"/> nicht für eine neue Auflage in Aussicht nehmen; diese akademischen Bruchstücke muss man <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4927"/>Winter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4927"/> schon belassen, der von allen den Sitzungsberichten unserer, der philos<add>[ophisch-]</add> historischen Klasse bisher nur meine ausverkauft hat. Dagegen habe ich für die Praeludien, auch für den Fall dass ich ihre neue Auflage nicht mehr erlebe, andre Stücke zurückgelegt: eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4928"/>Berliner Rede über <name>Fichte</name>’s Staatsphilosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4928"/> (in der Internat<add>[ionalen]</add> Wochenschrift gedruckt), einen Aufsatz über die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4929"/>Mystik unserer Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4929"/> (in der Neuen Freien Presse) und eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4930"/>Karlsruher Rede über Sympathiegefühle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4930"/> (die ich noch niederschreibe).</p><p>Mit dem Anerbieten des Spaniers, von dem Sie mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4931"/>unter dem 8.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4931"/> d<add>[iesen]</add> M<add>[onats]</add> schrieben, bin ich einverstanden, wenn Sie es sind; einen schwedischen Kollegen, <abbr>Dr.</abbr> <name>Jacobsson</name> in Göteborg, der wegen einer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4932"/>Uebersetzung der Praeludien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4932"/> anfragte, habe ich an Sie gewiesen; ich hätte nichts dagegen, sobald Sie mit einem dortigen Verleger einig geworden sind. <pb/> Nun noch eine Frage, verehrter Freund. ich überlege jetzt, was ich, wenn ich in vierzehn Tagen heimkomme, mit gestärkter Kraft in die Arbeit nehmen soll, um etwas zum Druck zu befördern. Mehreres bietet sich mir dar: am liebsten wäre mir, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4933"/>„Einleitung in die Philosophie“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4933"/> anzuschliessen. Dazu gehört am ehesten das, was noch zu sagen mir am Herzen liegt. Aber die ist für das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4934"/>Sammelwerk von <name>Medicus</name> versprochen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4934"/>, und darin ist, wenn ich mich recht entsinne, das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4935"/>Honorar so gering<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4935"/>, dass ich seinerzeit nur aus allerlei Rücksichten darein gewilligt habe. Jetzt aber würde ich, um bald fertig zu werden, genötigt sein, zu diktieren, und das ist eine kostspielige Sache. ich hätte also sozusagen besondre Geschäftsspesen: und ich möchte Sie bitten zu überlegen, ob und wie Sie mir unter diesen besonderen Umständen für deren Ersatz entgegenkommen könnten. Gegebenenfalls würde ich dann alles daran setzen, um das Manuskript, das sachlich sehr genau bis zum Schluss vorbereitet ist, baldmöglichst Ihnen zur Verfügung zu stellen.</p><p>Inzwischen mit alter Herzlichkeit ergebenst der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-4918"><lem>28 August 1913</lem><note> darunter Vermerk von anderer Hand: </note><rdg>21 IX.13 dilat | 5.9.13</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-4919"><lem>mehr als Jahresfrist</lem><note>das letzte vorangegangene Schreiben Windelbands an Siebeck datiert vom 23.7.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4920"><lem>alte Leutchen</lem><note>Windelband war zum Zeitpunkt der Abfassung des Schreibens 65 Jahre alt, seine Frau Martha 63.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4921"><lem>zweiten Bande</lem><note>des Ruge/Windelbandschen Projektes Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften. Ein 2. <abbr>Bd.</abbr> ist nicht erschienen.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4922"><lem>ausländischen Ausgaben</lem><note>zu den Übersetzungen <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Siebeck</name> vom 8.2.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4923"><lem>Separatausgabe meines Beitrags zur „Logik“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Siebeck an Windelband vom 16.5.1913</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4924"><lem>„Geschichte der Philosophie“</lem><note>6. <abbr>Aufl.</abbr>, 1912.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4925"><lem>abulischen</lem><note>willenlosen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4926"><lem>Phaenomenalismusrede</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Über Sinn und Wert des Phänomenalismus. Festrede in der Sitzung der Gesamtakademie am 24. April 1912. Heidelberg: C. Winter 1912 (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse. 3. <abbr>Jg.</abbr>, 9. <abbr>Abh.</abbr>). Ging nicht in die Sammlung Präludien ein.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4927"><lem>Winter</lem><note>dem Verlag C. Winter, Heidelberg</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4928"><lem>Berliner Rede über <name>Fichte</name>’s Staatsphilosophie</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Fichtes Geschichtsphilosophie. Vortrag, gehalten zum Besten der Errichtung eines Fichte-Denkmals in Berlin am 16. März 1908 in der Aula der Berliner Universität. In: Internationale Wochenschrift für Kunst, Wissenschaft und Technik vom 18.4.1908, <abbr>Sp.</abbr> 481–492. In Präludien seit der 5. <abbr>Aufl.</abbr> 1915. – Windelband hatte zusammen mit <name>Wilhelm Wundt</name>, <name>Hans Vaihinger</name> <abbr>u. a.</abbr> zum Ehrenkomitee für die Errichtung eines <name>Fichte</name>-Denkmals zum 100. Jubiläum der Berliner Universität (1910) gehört, <abbr>vgl.</abbr> die Meldung in: Insbrucker Nachrichten, <abbr>Nr.</abbr> 168 vom 25.7.1906, <abbr>S.</abbr> 8.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4929"><lem>Mystik unserer Zeit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Von der Mystik unserer Zeit. In: Neue Freie Presse, <abbr>Nr.</abbr> 17056 <abbr>v.</abbr> Freitag, 16.2.1912, Morgenblatt, <abbr>S.</abbr> 1–3. In Präludien seit der 4. <abbr>Aufl.</abbr> 1911.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4930"><lem>Karlsruher Rede über Sympathiegefühle</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Über Mitleid und Mitfreude. [Vortrag 1911]. In: Präludien. Aufsätze und Reden zur Philosophie und ihrer Geschichte. 5., erweiterte <abbr>Aufl.</abbr> Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1915, <abbr>S.</abbr> 195–217. <abbr>Vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 30.11.1911.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4931"><lem>unter dem 8.</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Siebeck</name> an Windelband vom 8.8.1913</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4932"><lem>Uebersetzung der Praeludien</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Preludier. Urval i bemyndigad översättning. Stockholm: Bonnier 1915.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4933"><lem>„Einleitung in die Philosophie“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Einleitung in die Philosophie. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1914 (Grundriss der philosophischen Wissenschaften. In Verbindung mit Karl Joël, Erich Kaufmann, Eugen Kühnemann, Heinrich Maier, Adolfo Ravà, Heinrich Rickert, Wilhelm Windelband und anderen Fachgenossen <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Fritz Medicus). Ohne Bandzählung, erschien als erster in der Reihe.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4934"><lem>Sammelwerk von <name>Medicus</name> versprochen</lem><note>Grundriss der philosophischen Wissenschaften, <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> <name>Fritz</name> <name>Medicus</name>; <abbr>vgl.</abbr> <name>Rickert</name>s Empfehlung an <name>Paul Siebeck</name> vom 7.2.1909 zu möglichen Herausgebern des Grundrisses: <name>Bruno Bauch</name> (dieser werde wahrscheinlich wegen der Herausgebertätigkeit für die Kant-Studien ablehnen) und <name>Medicus</name>, den <name>Rickert</name> nicht persönlich kenne, der aber eine sehr schnelle <name>Fichte</name>-Ausgabe vorgelegt habe (zitiert nach: Nachlaß Köhnke, <abbr>UB</abbr> Leipzig NL 330/3/1/4: Klaus Christian Köhnke/Rüdiger Kramme: Abschlußbericht Logos, Teil 2 (Archiv-Katalog) 1916–33; Stichtag 16.11.1993, <abbr>S.</abbr> 405).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4935"><lem>Honorar so gering</lem><note>nicht ermittelt; im Verlagsvertrag nicht als Betrag aufgeführt (<abbr>vgl.</abbr> Staatsbibliothek Berlin, Haus Potsdamer Straße, Nachl. 488, B 1, 5, M. 1, <abbr>Bl.</abbr> 194).</note></app></listApp></back></text></TEI>