<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000773-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Häberlin</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>22.8.1913</date>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift), mit gedrucktem Briefkopf: </note><quote type="rdg">Wald-Hotel | Villingen (Baden)</quote>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119:10,1790,3</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0773" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000773-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1913-08-22">22.8.1913</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118700030">Paul Häberlin</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118765787">Alfred Weber</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11871144X">Else Jaffé</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/126548315">Matthias Buser</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118700030">Paul Häberlin</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Basel</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Häberlin</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>22.8.1913</date>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift), mit gedrucktem Briefkopf: </note><quote type="rdg">Wald-Hotel | Villingen (Baden)</quote>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119:10,1790,3</bibl></head></front><body><dateline>22. Aug<add>[ust]</add> 1913.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege,</salute><p>Die freundlichen Ferienwünsche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4913"/>Ihres Briefes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4913"/> scheinen einigermassen in Erfüllung zu gehen; wenigstens ist das Wetter trotz einigen Wechsels im Ganzen so, dass man hier die schöne Waldluft gründlich geniessen und das langentwöhnte Wandern wieder lernen kann.</p><p>Für die Auffassung, mit der Sie unserer Verhandlungen gedenken, bin ich Ihnen besonders dankbar. Gerade weil die Möglichkeiten seitens der Regierung nun doch anders und weniger günstig liegen, als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4914"/>unser Decan<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4914"/> verstanden hatte, ist es mir wertvoll, zu wissen, dass Sie mir an der Enttäuschung keine Schuld geben. ich bedauere sehr, dass die scheinbar einfache Sachlage nun durch die Verzögerung allerlei Verwicklungen erfahren wird. Eine solche Komplikation <pb/> macht sich jetzt schon, wie ich gleich fürchtete, geltend. ich werde mit der Frage bestürmt, wie Sie als Paedagoge zu dem Streit um das humanistische Gymnasium stehen, und es hat den Anschein, dass darauf Gewicht gelegt werden könnte. Nun haben wir darüber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4915"/>nicht gesprochen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4915"/>, und in Ihren Veröffentlichungen, die ich kenne, ist meines Erinnerns nichts darüber. Es wäre mit deshalb zur Klärung dieser Seitenfrage sehr erwünscht, wenn Sie mir kurz Ihre Stellung zu der Mittelschulreformbewegung kundgeben könnten. Oder haben Sie vielleicht in jenen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4916"/>populären Aufsätzen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4916"/>, die Sie einmal erwähnten, etwas darüber geschrieben? Jedenfalls wird, wenn im Winter die ganze Angelegenheit wieder aufgenommen wird, sowohl bei der Regierung als auch bei der Fakultät der Wunsch vorhanden sein, zu wissen, welche Meinung Sie über diese vielen als brennend erscheinenden Fragen etwa hegen. Darum bitte ich Sie mich darüber zu orientieren.</p><p>Hier werde ich mindestens bis Ende des Monats bleiben, nachher vermutlich direkt nach Heidelberg zurückgehen, um womöglich in den Ferien noch wieder etwas zu arbeiten!</p><p>Mit hochachtungsvollem Gruss der Ihrige</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4917"/>W Windelband<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4917"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4913"><lem>Ihres Briefes</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Entwurf Häberlin an Windelband nach 3.8.1913</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4914"><lem>unser Decan</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Alfred Weber</name> (Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg <abbr>WS</abbr> 1912/13–<abbr>SS</abbr> 1913) an <name>Else Jaffé</name>, Heidelberg, 9.8.1913, Bundesarchiv Koblenz, N1197-60 fol. 340–343, Auszug: </note><rdg>Eigentlich sollt’ ich ja ganz stolz sein, denn ich hab’ ja einen großen „Sieg“ errungen – aber | ich bin in Wirklichkeit im Augenblick bloß müd und sehnsüchtig nach Dir. Windelband hat sich mit einer kolossalen Vehemenz in der Fakultät, direkt so als ob ich ihn abgerichtet hätte, für das, was ich gewollt habe und auch für unsern versuchsweisen Vorschlag (Haeberlin) eingesetzt: – es werde eine Rufmordstat und vorbildlich für andere Universitäten sein, wenn wir das jetzt machten, und wir eben in der Verbindung mit der Pädagogik machten – Liebste diese Philologen [</rdg><note>so wörtlich</note><rdg>] wollen ja nun zu Pädagogik mehr wissen – nur stellten sich die hiesigen Psychologen | auch ganz anders, d. h. ganz unphilosophisch vor – sie fühlten sich darum ihrerseits ja nur überrumpelt je größer [</rdg><note>Lesung unsicher</note><rdg>] Windelband – Aber das ist nun mit Windelbands Hilfe aber niedergerannt worden – nur eigentlich ist’s Unfug, da die Psychologie ja gegen ihn durchgesetzt worden war – so wird’s also, wenn die Regierung die nötigen Erklärungen abgiebt, werden – und damit ist’s – man [</rdg><note>Lesung unsicher</note><rdg>] eigentlich auch schon egal –. </rdg><note><name>Alfred Weber</name>s <abbr>Hs.</abbr> ist kaum leserlich, das Vorgelegte weitgehend eine begründete Konjektur.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4915"><lem>nicht gesprochen</lem><note>Hinweis auf ein persönliches Treffen von Häberlin und Windelband nach dem 20.7.1913 (Datum des ersten Schreibens von Windelband).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4916"><lem>populären Aufsätzen</lem><note>nicht näher ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4917"><lem>W Windelband</lem><note>auf der Rückseite des Briefbogens zweiseitiger erster Entwurf der Antwort von <name>Häberlin</name> mit Bleistift, <abbr>z. T.</abbr> in Kurzschrift System Stolze, datiert </note><rdg>29.VIII.13</rdg><note>. <abbr>Vgl.</abbr> <name>Häberlin</name> an Windelband vom 29.8.1913. Der kurzschriftliche Brieftext in der Übertragung durch <name>Matthias Buser</name>, Basel, weist diesen ersten Entwurf als direkte Vorstufe zu dem ausführlicheren zweiten Entwurf vom selben Tag aus, so daß auf eine Wiedergabe hier verzichtet werden kann.</note></app></listApp></back></text></TEI>