<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000769-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Häberlin</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>3.8.1913</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119:10,1790,2</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0769" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000769-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1913-08-03">3.8.1913</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118700030">Paul Häberlin</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118765787">Alfred Weber</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119312565">Hans W. Gruhle</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118557106">Karl Jaspers</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118629743">Max Weber</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118700030">Paul Häberlin</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118819275">Willy Hellpach</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Basel</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Häberlin</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>3.8.1913</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Basel, NL 119:10,1790,2</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 3 Aug<add>[ust]</add> 1913</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege,</salute><p>Besten Dank für Ihren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4874"/>freundlichen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4874"/> und die beigefügten Notizen: ich habe sie für meinen Bericht an die Fakultät verwendet, der nun freilich für den Moment gegenstandslos geworden ist. Denn, wie Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4875"/>durch den Herrn Dekan<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4875"/> erfahren haben werden, hat die Regierung, um bestimmte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4876"/>Antwort<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4876"/> ersucht, ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4877"/>Subvention<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4877"/> für die in Aussicht genommene Lehrstelle erst zum <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4878"/>Winter 1914/15<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4878"/> zusagen können, und für die Errichtung des etatsmässigen Extraordinariats stellt sie gar erst zum Budget 1916/17 zwar ihren guten Willen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4879"/>aber keine absolute Gewähr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4879"/> in Aussicht. Diese Verzögerung ist natürlich sehr unerfreu<pb/>lich, nicht nur weil die Fakultät, die deshalb auch ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4880"/>Sitzung bis zum Winter verschoben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4880"/> hat, nun nicht in der Lage sein wird, Ihnen die Umhabilitierung nahezulegen, sondern auch deshalb, weil, wie sich sicher voraussehen lässt, inzwischen allerlei Strömungen sich geltend machen werden, die auf andre Kombinationen gerichtet sind, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4881"/>und die psychologisch-paedagogische Lehrstelle, für die wir Sie in Aussicht nahmen, anderweitig zu verteilen bestrebt sein werden.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4881"/> Jedenfalls muss ich Sie leider bitten, die Sache <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4882"/>in keiner Weise als gesichert anzusehen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4882"/> Es ist mir sehr peinlich, dass die Voraussetzungen, unter <pb/> denen ich mit Ihnen, wenn auch noch so <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4883"/>unverbindlich zu verhandeln beauftragt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4883"/> war, jene Veränderungen erfahren haben, die unsre Aktion für den Moment hemmen und für die Zukunft in Frage stellen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4884"/>Mein Trost ist der, dass mir diese Gelegenheit die Freude Ihrer persönlichen Bekanntschaft verschafft hat, und meine Hoffnung die, dass es nicht dabei bleiben werde.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4884"/></p><p>Inzwischen grüsse ich Sie mit den besten Ferienwünschen als Ihr hochachtungsvoll ergebner</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4874"><lem>freundlichen Brief</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4875"><lem>durch den Herrn Dekan</lem><note><abbr>vgl.</abbr> das inhaltlich dem vorliegenden ganz ähnliche Schreiben von <name>Alfred Weber</name> an <name>Häberlin</name> vom 3.8.1913, abgedruckt in Horst Gundlach: Wilhelm Windelband und die Psychologie. Heidelberg: University Publishing 2017, <abbr>S.</abbr> 382.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4876"><lem>Antwort</lem><note>auf das Ersuchen der Fakultät vom 22.7.1913, <abbr>vgl.</abbr> Ministerium des Kultus und des Unterrichts an den Engeren Senat der Universität Heidelberg vom 30.7.1913: </note><rdg>Mittel zur Honorierung eines Lehrauftrags für Psychologie und Pädagogik stehen uns für das Wintersemester 1913/14 nicht mehr zur Verfügung. Wir sind aber bereit, die Mittel im nächsten Budget anzufordern und vom Wintersemester 1914/15 ab zur Verfügung zu stellen. Die Höhe des Lehrauftragshonorars wird sich nach den allgemeinen Grundsätzen zu richten haben, also 200 M[ark] für die Wochenstunde betragen. Sollte jedoch die Philosophische Fakultät, was in ihrem schriftlichen Antrage nicht gesagt ist, worauf sie aber nach den mündlichen Darlegungen ihres Herrn Dekans besonderen Wert zu legen scheint, für den Lehrauftrag den Privatdozenten Dr. Häberlin in Basel zu gewinnen suchen, so wären wir bereit, dem Genannten für eine mindestens sechsstündige Lehrtätigkeit ein Semesterhonorar von 1800 M zu bewilligen. Höher zu gehen, wäre schon deshalb nicht angängig, weil die Vergütung andernfalls das Anfangseinkommen (Gehalt von höchstens 3000 M und Wohnungsgeld von 900 M) übersteigen würde, das Dr. Häberlin im Falle der Schaffung eines etatsmässigen Extraordinariats zu erwarten hätte. Im Falle der Nostrifikation Dr. Häberlins sind wir auch bereit, für ihn den Titel ausserordentlicher Professor zu erwirken und die Einstellung einer etatsmässigen ausserordentlichen Professur ins Budget 1916/17 zu versuchen, können aber eine Gewähr dafür, dass diese etatsmässige Stelle genehmigt wird, selbstverständlich nicht bieten. | Gegenüber dem von der Philosophischen Fakultät erhobenen Anspruch auf ein zweites Ordinariat für Philosophie machen wir darauf aufmerksam, dass ein alter Anspruch der Philosophischen Fakultät auf dieses Ordinariat nicht besteht, da das zweite Ordinariat für Philosophie nach einer Pause von 26 Jahren erst 1903 wieder geschaffen worden ist. Wir werden aber, sobald ein Bedürfnis dafür vorliegt, ein zweites Ordinariat an Stelle der jetzt mit einem Extraordinarius besetzten Professur im Staatsvoranschlag anfordern und erklären ausdrücklich, dass die Frage der Schaffung dieses Ordinariats von der Erteilung des Lehrauftrags für Psychologie und Pädagogik wie von der etwaigen späteren Errichtung eines Extraordinariats für diese Lehrfächer nicht berührt wird </rdg><note>(zitiert nach der Abbildung in: Jürgen Klüpfel/C. F. Graumann: <ref type="link">https://www.psychologie.uni-heidelberg.de/willkomm/cfg/instber-2b.html#IIb</ref> (3.8.2016); Generallandesarchiv Karlsruhe, 235/3134).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4877"><lem>Subvention</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4878"><lem>Winter 1914/15</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4879"><lem>aber keine absolute Gewähr</lem><note>von anderer <abbr>Hd. </abbr>mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4880"><lem>Sitzung bis zum Winter verschoben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Einladung <name>Alfred Weber</name>s an die Mitglieder der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg vom 30.7.1913, UA Heidelberg H-IV-102/140, fol. 6: </note><rdg>Die Herrn Fakultätsmitglieder bitte ich noch zu einer | Fakultätssitzung | Auf Samstag den 2 August | 4½ Uhr präcis | Einziger Punkt der Tagesordnung. | der Bericht an das Ministerium der hier psychologisch pädagogischen Professur betr[effenden] Umhabilitation | das Gutachten des Herrn Wilh[elm] Windelband liegt bei. Das Ministerium hat den Zugang seiner principiellen Entscheidung für Samstag zugesagt | Weber z[ur] Z[eit] Dekan. </rdg><note>Folgen Sichtvermerke nach Umlauf:</note><rdg> ges[ehen] Bartholomae – schließt sich dem Antrag unten an. | Gothein beantrage Verschiebung aufs nächste Semester | Hettner. wie Kollege Gothein | Domaszewski wie College Gothein | Fr. Neumann ebenso | Schöll Hoops [ebenso] | ges[ehen] v. Duhn. | [gesehen] Braune | mir ist es einerlei G. Neckel | desgl[eichen] Oncken | am 5. August gelesen Bezold. | [am] 16. [August gelesen] Boll</rdg><note> Für das Gutachten Windelbands über <name>Häberlin</name> vom 29.7.1913 vgl. Abschnitt Dokumente der vorliegenden Edition. Windelband las im <abbr>SS</abbr> 1913 letztmals über Psychologie (Vorlesungverzeichnis in Heidelberger historische Bestände – digital), <abbr>vgl.</abbr> <name>Max Weber</name> an <name>Willy Hellpach</name> vom 11.7.1913: </note><rdg>Bei den Habilitationsfragen betr. „Psychologie“ hat man auch von Ihnen gesprochen. Es war aber die Ansicht, daß keine Habilitation von auswärts mehr wünschenswerth sei […] und daß, da Gruhle und Jaspers sich jedenfalls habilitieren, der Bedarf gedeckt sei. In der That werden nun schon drei Psychologen hier sein [</rdg><note><name>Hans W. Gruhle</name>, <name>Karl Jaspers</name>, Windelband</note><rdg>], vier, wenn man Driesch rechnet, der das Fach ja ebenfalls liest (Windelband will es aufgeben, nachdem die Sache [</rdg><note>die Habilitation <name>Jaspers</name>’, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Jaspers</name></note><rdg>] arrangiert ist</rdg><note> (Max Weber Gesamtausgabe <abbr>Abt.</abbr> II, <abbr>Bd.</abbr> 8, <abbr>S.</abbr> 271).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4881"><lem>und … werden.</lem><note> von anderer Hand mit Bleistift am Rand angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4882"><lem>in keiner Weise als gesichert anzusehen.</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4883"><lem>unverbindlich zu verhandeln beauftragt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Häberlin vom 20.7.1913</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4884"><lem>Mein … werde.</lem><note> von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift am Rand angestrichen</note></app></listApp></back></text></TEI>