<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000758-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Felix Meiner</persName> an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>15.11.1912</date>, <note>3 S., Ts. mit eigenhändiger Unterschrift u. Aktennotizen, Briefkopf</note> <quote type="rdg">FELIX MEINER | VERLAGSBUCHHANDLUNG | Leipzig, den | </quote><quote type="rdg">Kurzestr. 8</quote><quote type="rdg"/>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, Acc. 40/11 HAW 2 Bezold (Sekretär) Bewilligungen 1915/1922</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0758" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000758-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116863439">Felix Meiner</persName><placeName>Leipzig</placeName><date when="1912-11-15">15.11.1912</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116863439">Felix Meiner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11854943X">Johann Friedrich Herbart</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532847">Johann Gottlieb Fichte</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Felix Meiner</persName> an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>15.11.1912</date>, <note>3 S., Ts. mit eigenhändiger Unterschrift u. Aktennotizen, Briefkopf</note> <quote type="rdg">FELIX MEINER | VERLAGSBUCHHANDLUNG | Leipzig, den | </quote><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4800"/><quote type="rdg">Kurzestr. 8</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4800"/><quote type="rdg"/>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, Acc. 40/11 HAW 2 Bezold (Sekretär) Bewilligungen 1915/1922</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4801"/>15. November 1912<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4801"/></dateline><salute>Herrn Geheimrat Professor Dr. Windelband <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4802"/>Heidelberg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4802"/></salute><salute>Hochgeehrter Herr Geheimrat!</salute><p>Zu meinem grössten Bedauern war es mir nicht möglich, wie ich gehofft hatte, Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4803"/>am Dienstag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4803"/> aufzusuchen, da ich in Freiburg zu lange aufgehalten wurde und notwendig <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4804"/>am Mittwoch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4804"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4805"/>in Leipzig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4805"/> sein musste. Ich möchte mir deshalb gestatten, Ihnen die Hauptsachen dessen, was ich Ihnen mündlich vortragen wollte, schriftlich niederzulegen. Wie Ihnen bekannt sein wird, ist in meinem Verlage im Frühjahr eine sechsbändige <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4806"/><name>Fichte</name>ausgabe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4806"/> von <abbr>Prof.</abbr> <name>Medicus</name> fertig geworden. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4807"/>Schon vor der Fertigstellung dieser Ausgabe, die ja nur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4808"/>eine<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4808"/>, wenn auch sehr reichliche, Auswahl ist, noch mehr aber seit deren Vollendung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4807"/>, sind an mich von allen Seiten Wünsche herangetreten, die Ausgabe doch zu einer Gesamtausgabe zu vervollständigen. Ich habe mich darum mit <abbr>Prof.</abbr> <name>Medicus</name> in Verbindung gesetzt. Derselbe erklärte aber, eine Gesamtausgabe sei derzeit nicht am Platze, da die fehlenden Werke fast ausschließlich solche umfassten, die aus Kollegnachschriften herausgegeben worden seien, und da noch fortgesetzt solche Kolleghefte, die zum Teil einen wesentlich besseren Text ermöglichten, auftauchten. Einer Gesamtausgabe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4809"/><name>Fichte</name>s <pb/> müsste<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4809"/> ein Inventarisation der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4810"/>Handschriften der<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4810"/> deutschen Bibliotheken, die ja wohl im Gange sei, vorausgehen.</p><p>Etwas anderes sei es mit einer neuen Ausgabe des <name>Fichte</name>’schen Briefwechsels. Derselbe sei zwar auch zerstreut, es würde Mühe machen, ihn zusammenzubringen. Immerhin würde man dann damit doch nicht die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4811"/>traurigen Erfahrungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4811"/> machen, wie er sie beispielsweise mit seiner Ausgabe der „Wissenschaftslehre von 1804“ gemacht habe, (vergl<add>[eiche]</add> Nachtrag zu Band 6 der Ausgabe). Den Briefwechsel selbst zusammenzubringen, würde eine umfassendere Organisation nötig machen und eine solche sei nur mit Hilfe einer Akademie möglich. Dann aber könnte etwas ähnliches geleistet werden, wie die Berliner Akademie für die Kenntnis des <name>Kant</name>’schen Lebens und Denkens durch ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4812"/>Sammlung des Briefwechsels<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4812"/> geleistet habe.</p><p>Unter den Akademien Deutschlands erscheint nun als diejenige, die am meisten innere <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4813"/>Beziehungen zu der Person <name>Fichte</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4813"/> hat, die Heidelberger Akademie, in der Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, ja eine besonders einflussreiche Stimme besitzen. Ich wende mich deshalb zunächst an Sie, um Ihre Meinung darüber zu hören, ob Sie glauben, eine Anregung nach dieser Richtung würde auf günstigen Boden fallen. Selbstverständlich würde Herr Professor <name>Medicus</name> auf Wunsch gern bereit sein, diese Arbeit nach Kräften zu unterstützen, wenn er auch, wie er sagt, nicht glaubt in der Lage zu sein, allein das Werk durchzuführen, wie es die Bedeutung des Gegenstandes <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4814"/>erfordert. <pb/></p><p>Infolge<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4814"/> meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4815"/>Abwesenheit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4815"/> von Leipzig war ich leider bei der Fertigstellung der neuen Ausgabe von „<name>Herbart</name>s Einleitung in die Philosophie“ nicht selbst mit anwesend. Ich hoffe aber, dass das Werk <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4816"/>rechtzeitig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4816"/> in Heidelberg eintraf und dass Sie auch selbst das für Sie bestimmte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4817"/>Exemplar<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4817"/> erhalten haben.</p><p>In der Hoffnung, gelegentlich Ihre Meinung über meinen Vorschlag zu hören – selbstverständlich bin ich gern bereit zur näheren Rücksprache nach Heidelberg zu kommen – zeichne ich in vorzüglichster Hochachtung als Ihr stets sehr ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4818"/><name>Felix Meiner</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4818"/><name/></signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-4801"><lem>15. November 1912</lem><note>Notiz links am Kopf der <abbr>S.</abbr> von Windelbands Hd.: </note><rdg>pr. 17.11.12. | zur Sitzung, WW.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4802"><lem>Heidelberg</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4803"><lem>am Dienstag</lem><note>den 12.11.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4804"><lem>am Mittwoch</lem><note>den 13.11.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4805"><lem>in Leipzig</lem><note>am Verlagssitz</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4806"><lem><name>Fichte</name>ausgabe</lem><note>erschienen 1908–12. Dieser Plan reichte bis mindestens 1901 zurück, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Rickert</name> vom 26.3.1901.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4808"><lem>eine</lem><note><abbr>hs.</abbr> eingefügt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4807"><lem>Schon … Vollendung</lem><note> mit Rotstift angestrichen mit Notiz von Windelbands Hd.: </note><rdg>NB! Plan und | Anordnung | ex integro</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4809"><lem><name>Fichte</name>s <pb/> müsste</lem><note>am Kopf des neuen Briefbogens Wiederholung des Briefkopfes und der Adresse Windelbands mit Seitenzählung </note><rdg>2</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4810"><lem>Handschriften der</lem><note><abbr>hs.</abbr> eingefügt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4811"><lem>traurigen Erfahrungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Fritz Medicus: Nachtrag zu Band I–IV. In: Fichtes Werke Sechster Band. Leipzig: Meiner 1912 (Joh. Gottl. Fichte, Werke. Auswahl in sechs Bänden. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>u.</abbr> eingeleitet <abbr>v.</abbr> F. Medicus), <abbr>S.</abbr> 627: </note><rdg>Einige Monate, nachdem Bd. IV [1908] der vorliegenden Ausgabe erschienen war, zeigte mir Herr Bibliothekar Dr. K. Wendel in Halle freundlichst eine Nachschrift der Vorlesungen über die Wissenschaftslehre von 1804, auf die er zufällig in der Universitätsbibliothek gestoßen war. Die Nachschrift ist weit besser als der sehr verwahrloste Text, den I. H. Fichte zum Abdruck gebracht hat, und der die einzige Unterlage für meine Ausgabe gewesen war. […] Ich lasse nun die Nachlese der Varianten folgen […]</rdg><note>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4812"><lem>Sammlung des Briefwechsels</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Kants Gesammelte Schriften, Akademie-Ausgabe: <abbr>Bd.</abbr> 10, Briefe 1747–1788, 1900; <abbr>Bd.</abbr> 11, Briefe 1789–1794, 1900; <abbr>Bd.</abbr> 12, Briefe 1795–1803, 1902 (sämtlich<abbr> hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Rudolf Reicke).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4813"><lem>Beziehungen zu der Person <name>Fichte</name>s</lem><note>Anspielung unklar. <name>Hegel</name> war zwei Jahre <abbr>Prof.</abbr> in Heidelberg gewesen, bevor er 1818 als Nachfolger <name>Fichte</name>s nach Berlin berufen wurde (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4814"><lem>erfordert. <pb/>Infolge</lem><note>am Kopf des neuen Briefbogens Wiederholung des Briefkopfes und der Adresse Windelbands mit Seitenzählung </note><rdg>3</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4815"><lem>Abwesenheit</lem><rdg>Abwsenheit</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-4816"><lem>rechtzeitig</lem><note>zum Wintersemester 1912/13, für das Windelband Seminarübungen über <name>Herbart</name>s Einleitung in die Philosophie angekündigt hatte (<abbr>vgl.</abbr> Vorlesungsverzeichnisse der Universität Heidelberg).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4817"><lem>Exemplar</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Johann Friedrich Herbart: Lehrbuch zur Einleitung in die Philosophie. Mit Einführung <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Kurt Häntsch. 4. <abbr>Aufl.</abbr> nebst den Abweichungen der 1.–3. <abbr>Aufl.</abbr> Leipzig: Meiner 1912 (Philosophische Bibliothek <abbr>Bd.</abbr> 146). Kein Nachweis im Verzeichnis von Windelbands Privatbibliothek.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4818"><lem><name>Felix Meiner</name></lem><note>eigenhändige Unterschrift</note></app></listApp></back></text></TEI>