<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000729-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Paul Siebeck </persName>an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>7.2.1912</date>, <note>Text nach einer </note><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0729" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000729-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1912-02-07">7.2.1912</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1012416259">Oskar Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Paul Siebeck </persName>an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>7.2.1912</date>, <note>Text nach einer </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4658"/><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4658"/><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></head></front><body><dateline>7. Februar 1912.</dateline><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4659"/>Dr. P. S.-n. A.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4659"/> Herrn Geheimen Rat Professor <abbr>Dr.</abbr> W. Windelband Heidelberg Landfriedstr. 14.</salute><p>Hochverehrter Herr Geheimrat, nun stehen wir seit bald 30 Jahren in geschäftlichem Verkehr und ich erinnere mich nicht, dass es zu irgend einer Differenz oder gar zur Stellung der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4660"/>Kabinettsfrage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4660"/> je zwischen uns gekommen wäre. Sollte es dem – ich kann kaum anders sagen – fatalen Unternehmungsgeist des Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name> vorbehalten sein, auch noch zwischen uns Zwietracht zu säen? Ich will es nicht hoffen.</p><p>Als ich das letztemal von meinem Wohnhaus aus an Sie schrieb, hatte ich das Material nicht zur Hand. Heute kann ich Ihnen sagen, dass Herr <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name> unterm 27. Jan<add>[uar]</add> mir schrieb:</p><p>„Ich möchte auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4661"/>vertraulich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4661"/> erwähnen, dass in einer kürzlichen Rücksprache mit Herrn Geheimrat Windelband gerade dieses Bedenken erwogen wurde. Sie haben meines Erachtens vollkommen recht <abbr>u. s. w.</abbr>“</p><p>Nicht wahr, so wie die Dinge sich zugespitzt haben, darf ich die Vertraulichkeit brechen, um Ihnen zu zeigen, dass ich berechtigt war, anzunehmen, Sie seien mit der Uebersetzung der fremdsprachigen Arbeiten auch einverstanden. Das Gegenteil geht aus der vertraulichen Mitteilung Dr. <name>Ruge</name>’s zum Mindesten nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit hervor, und wenn ich, von meiner Sorge um die Absatzfähigkeit des Bandes umgetrieben, aus Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name>’s Worten zu viel zu Gunsten meines Bedenkens heraushörte, so ist dies gewiss verzeihlich. Auf diese Mitteilung Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name>’s hin habe ich ihn gebeten, die Uebersetzung der Manuscripte in Auftrag zu geben: dies geschah am 29. Jan<add>[uar]</add>. Ich glaube feststellen zu dürfen, dass ich nicht des Glaubens sein konnte, es tatsächlich auch nicht war, dass Sie bei dieser Sache ausgeschaltet worden seien. So viel zu meiner Rechtfertigung.</p><p>Was nun Herrn Professor <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4662"/><name>Rickert</name> anbelangt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4662"/>, so ist es mir nicht erinnerlich, gehört zu haben, dass er an der Enzyklopädie mitarbeiten wollte. Er hat sich mir gegenüber keineswegs in die Sache gemischt. Er hat die Anzeige auf dem Schlussheft des II. Bandes des Logos gelesen und hat mir in einem ganz kurzen Postscriptum zu einem längeren Briefe geschrieben, er habe Bedenken wegen der fremdsprachigen Abhandlungen. ich glaube, wir können darüber um so mehr zur Tagesordnung übergehen, als ich schon <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4663"/>vor<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4663"/> Eintreffen des <name>Rickert</name>’schen Briefes nachweislich in einer Konferenz mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4664"/>meinen Prokuristen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4664"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4665"/>meine<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4665"/> Bedenken gegen die fremdsprachigen Bestandteile des Bandes ausgesprochen habe. Endlich noch: nach den Mitteilungen, die Herr Professor <name>Rickert</name> mir über den Stand seiner Arbeiten kürzlich gemacht hat, ist nicht anzunehmen, dass ein Werk von Ihm <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4666"/>vor<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4666"/> dem I. Band der Enzyklopädie erscheint.</p><p>Was ist nun zu tun? Fallen die Uebersetzungen tatsächlich schlecht aus, so sage ich auch: lieber keine als schlechte; sie würden dann eben nicht zum Druck gelangen. Das Gleiche gilt, wenn die Ablieferung der Uebersetzungsmanuscripte eine wesentliche Verzögerung im Erscheinen des Bandes herbeiführen würde. Sind aber die Uebersetzungen gut und gehen sie rechtzeitig ein, dann halte ich es – ich kann nichts anders – für die beste Lösung, wir bringen in der deutschen Ausgabe die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4667"/>Originale <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4668"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4668"/> die Uebersetzungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4667"/>. Dann ist an unserm Programm im Effekt nichts geändert. Dann ist die Internationalität des Bandes nicht befleckt und wir haben dann den grossen Vorzug, aus der Aufnahme, die der Band qua Verkauf und qua Kritik findet, einen sichern Schluss darauf ziehen zu können, ob wir die künftigen Bände mit oder ohne Uebersetzung ausgeben sollen. Ich meine, das hat wirklich einen praktischen Wert. Der Nachteil, dass das Buch dadurch teurer wird, wird meines Erachtens aufgewogen dadurch, dass es mehr Leute lesen können und daher auch kaufen werden, bleibt somit der einzige Nachteil, dass die Umfangvermehrung auch eine Vermehrung des Zeitaufwandes für den Druck mit sich bringt. Wer hindert uns denn aber, den I. Band <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4669"/>in zwei oder drei Lieferungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4669"/> auszugeben? Damit wäre dann wohl auch Ihre Sorge wegen des verspäteten Erscheinens Ihres Beitrags behoben.</p><p>Sie sehen, ein alter Verleger weiss schliesslich immer noch Rat. Zerhauen wir also den Knoten und lassen wir den Mut nicht sinken!</p><p>Lehnen Sie aber auch diesen Vorschlag ab – und ich bin der letzte, der Ihnen die Berechtigung dazu abspricht – so honoriere ich eben die Herrn, welche die Uebersetzung gemacht haben, und lasse die Uebersetzung nicht drucken. Aber dann müssen Sie mir auch gestatten, meine Hände in Unschuld zu waschen, wenn es mit dem Absatz des Bandes hapert, und schade wäre es doch, wenn unter dem Mangel der Uebersetzungen die Verbreitung des Bandes leiden würde.</p><p>Das 2. Heft des II. Bandes von Logos werden Sie inzwischen erhalten haben.</p><p>In alter aufrichtiger Verehrung bleibe ich Ihr treu ergebener</p><signed>P. <name>Siebeck</name>.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4659"><lem>Dr. P. S.-n. A.</lem><note>das Namenskürzel des Ausfertigers deutet auf <name>Paul Siebeck</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4660"><lem>Kabinettsfrage</lem><note>Frage, von deren Entscheidung es abhängt, ob Minister im Amt bleiben oder nicht, hier in dem Sinne gemeint, daß Windelband für den Fall eines Zerwürfnisses seine Verträge mit Siebeck aufkündigen und seine Werke in einem anderen Verlag hätte erscheinen lassen können.<abbr> Vgl.</abbr> Windelband an Siebeck vom 6.2.1912.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4661"><lem>vertraulich</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4662"><lem><name>Rickert</name> anbelangt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Siebeck an Windelband vom 5.2.1912 <abbr>u.</abbr> Windelband an Siebeck vom 6.2.1912</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4663"><lem>vor</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4664"><lem>meinen Prokuristen</lem><note>seit <abbr>ca.</abbr> 1910 <name>Oskar Siebeck</name>, der 1906 in den Verlag eingetreten war, <abbr>vgl.</abbr> Silke Knappenberger-Jans: Verlagspolitik und Wissenschaft. Der Verlag J. C.B. Mohr (Paul Siebeck) im frühen 20. Jahrhundert. Wiesbaden: Harrassowitz 2001, <abbr>S.</abbr> 25.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4665"><lem>meine</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4666"><lem>vor</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4668"><lem>und</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4667"><lem>Originale und die Uebersetzungen</lem><note>es erschienen lediglich die Uebersetzungen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4669"><lem>in zwei oder drei Lieferungen</lem><note>nicht ermittelt</note></app></listApp></back></text></TEI>