<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000718-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>5.1.1912</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_94</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0718" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000718-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1912-01-05">5.1.1912</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569856">Emil Lask</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>5.1.1912</date>, <note>4 S., hs. 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Es ist der Abriss über die Principien der Logik für den ersten Band der <name>Ruge</name>ʼschen Encyclopädie, etwa vier Bogen; ich nenne es ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4587"/>System von Ueberschriften, <pb/> zu denen der Text noch geschrieben werden soll, und das nötigenfalls als eine Art von logischem Vermächtnis<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4587"/> soll dienen dürfen, – das Konzentrierteste jedenfalls, das ich geschrieben habe, und ausdrücklich nur für Sachkenner bestimmt und verständlich. Weil es nicht umfangreicher sein solltte, habe ich mich gerade auch mit den Nächststehenden, die doch ihre Spuren darin nicht verkennen werden, nicht so eingehend auseinandersetzen können, wie ich gewünscht hätte. All dies bitte ich Sie seinerzeit bei dem hoffentlich baldigen Empfange mit freundlicher Aufnahme zu bedenken.</p><p>Leider habe ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4588"/><name>Lask</name>ʼs Urteilslehre<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4588"/> <pb/> garnicht mehr berücksichtigen können. ich erhielt sie zwei Tage vor dem Fest, gerade als meine Kinder zum Weihnachtsbesuch eintrafen; und man weiss ja, wie es in diesen Ferien zugeht. Jetzt erst komme ich dazu, und habe die kleinere Hälfte gelesen, mit entschiedenster Zustimmung zu der mir durchaus willkommenen These, dass das logische Praedikat die Kategorie ist, die vom ganzen Urteilsmaterial ausgesagt werde. Dazu gehört freilich, dass auch die reflexiven Kategorien wie Subordination, Koordination, Determination, Disjunction ernsthaft als Kategorien anerkannt werden; ich weiss nicht, ob <name>Lask</name> das im Fortgang noch ausdrücklich berührt hat. Vielleicht ist dies das Gebiet, wo seine „Kategorien des Geltens“ <pb/> zu suchen sind; für mich wäre es so. Im Ganzen finde ich in dem neuen Buche die glänzende Plastik der Darstellung, mit der er uns in der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4589"/>„Logik der Philosophie“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4589"/> verwöhnt hat, nicht in ganz gleicher Vollkommenheit, und ich finde, es liest sich etwas schwerer. Aber vielleicht liegt das an mir, der ich in der Wintermitte und der feiertäglichen Distraktion nicht vollständig aufnahmefähig bin. Jedenfalls ist es eine grosse Freude, wie rüstig und sicher er auf dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4590"/>„Wege zu den Müttern“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4590"/> voranschreitet.</p><p>Mit den besten Wünschen für das weitere Semester treulich der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4586"><lem>guten Neujahrswünsche</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4587"><lem>System … Vermächtnis</lem><note> so bereits die Wortwahl in Windelband an Siebeck vom 4.1.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4588"><lem><name>Lask</name>ʼs Urteilslehre</lem><note><abbr>vgl</abbr>. Emil Lask: Die Lehre vom Urteil. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1912 (eingegangen in: Gesammelte Schriften <abbr>Bd.</abbr> 2 1923, <abbr>S.</abbr> 283–463; dort auf <abbr>S.</abbr> 409–410 Auseinandersetzung mit Windelbands Auffassung von Wahrheitswerten und Wahrheitsnormen).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4589"><lem>„Logik der Philosophie“</lem><note>in Windelbands Besitz befand sich: Lask: Die Logik der Philosophie und die Kategorienlehre. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1911.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4590"><lem>„Wege zu den Müttern“</lem><note>Anspielung auf Goethe: Faust II, Vers 6212 <abbr>ff.</abbr></note></app></listApp></back></text></TEI>