<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000714-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Alfred Dove</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>29.11.1911</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Freiburg, C 0140 NL Alfred Dove: 20 Korrespondenz R–Z</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0714" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000714-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1911-11-29">29.11.1911</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119555883">Alfred Dove</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118593471">Alexander Pfänder</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119555883">Alfred Dove</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118691104">Aloys Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117456144">August Schmekel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116372222">Ernst von Aster</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118515063">Franz Brentano</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/104066598">Hans von Schubert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116395850">Hugo Falkenheim</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116092165">Matthias Baumgartner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118693700">Max Frischeisen-Köhler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/137281692">Otto Baensch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116422440">Otto Braun</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116886439">Paul Menzer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116512857">Raoul Richter</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118552082">Richard Hönigswald</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118779281">Rudolf Lehmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116175362">Walter Kinkel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117400149">Wolfgang Windelband</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Freiburg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Alfred Dove</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>29.11.1911</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Freiburg, C 0140 NL Alfred Dove: 20 Korrespondenz R–Z</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 29.11.11.</dateline><salute>Verehrter Freund,</salute><p>Meine Antwort auf <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4550"/>Ihre lieben Zeilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4550"/> vom 6. d<add>[es]</add> M<add>[onats]</add> ist durch das lange Warten auf die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4551"/>Separatabzüge<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4551"/> verzögert worden, von denen ich einen mit der Bitte um freundliche Aufnahme Ihnen hierbei schicke. Zu dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4552"/>Sammelwerk<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4552"/> – es giebt ja jetzt kaum andre mehr! ein wahres Elend! – über die grossen Denker wollten Herausgeber und Verleger durchaus einen Schluss, von dem ich ihnen voraussagte, dass es nach allen den grossen Dramen und Tragoedien nur ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4553"/>Satyrspiel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4553"/> werden könne. Sie habens trotzdem <pb/> gewollt, und so muss es nun bleiben.</p><p>Sie sehen daraus <abbr>u. A.</abbr>, dass wir in unsrer Meinung über die Sphaere, in der <name>Dilthey</name>’s Vorzüge liegen, sehr einverstanden sind: es kann sie niemand höher anerkennen, als ich, der ich weiss, wie viel ich überall aus ihm gelernt habe; aber wo er ins eigne Philosophieren kommen wollte, da konnte ich nicht mit. Typisch bleibt darin die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4554"/>Einleitung in die Geisteswissenschaften<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4554"/>, die eine Fülle von feinsten und schönsten Sachen enthält und von der ich nicht sagen kann, was sie als ganzes Buch bedeu<pb/>tet oder bedeuten will.</p><p>Auch Ihr Urteil über <name>Rickert</name> ist mir aus der Seele gesprochen, – sowohl die Freude über den neusten „populären“ <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4555"/>Logos-Aufsatz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4555"/> als auch das, was Sie im Gegensatz dazu über die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4556"/>früheren Aufsätze<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4556"/> sagen. Es war hohe Zeit, dass der „Logos“ auch einmal wieder etwas für sein eigentliches Publicum bekam.</p><p>Was die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4557"/>Ironie in Ihrem Festartikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4557"/> anlangt, so gestehe ich Ihnen, dass ich, als ich ihn bekam, mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4558"/>meinem Sohn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4558"/> darüber geredet habe, ob dies oder jenes darin wohl Ironie sein könne; namentlich der Passus über das Bauwerk selbst <pb/> schien mir den Schalk durchblicken zu lassen. Aber ich bleib doch sehr zweifelhaft, da es der Festschrift schwer zuzumuten schien. Nun freut es mich, dass ich doch nicht ganz irre gegangen bin. Den hiesigen Kollegen, die sich <abbr>z. T.</abbr> an dem Vergleich erregten, habe ich, seitdem Sie auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4559"/>Schubert gegenüber<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4559"/> sich ähnlich geäussert, nicht verhehlt, dass Ironie darin stecke, – den Freiburgern sage ich lieber nichts davon! Deren Gefühlsweise haben Sie glänzend imitiert!</p><p>Und nun, wie gehts Ihnen? hoffentlich so gut wie mir, der ich gestern sogar <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4560"/>in Karlsruhe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4560"/> ohne Schaden habe vortragen können. Tausend herzliche Grüsse von Haus zu Haus!</p><p>Treulich Ihr</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4550"><lem>Ihre lieben Zeilen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Dove</name> an Windelband vom 6.11.1911</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4551"><lem>Separatabzüge</lem><note>von Windelband: Die philosophischen Richtungen der Gegenwart. In: Große Denker Bd. 2. Unter Mitwirkung <abbr>v.</abbr> … <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Ernst von Aster. Leipzig: Quelle &amp; Meyer <abbr>o. J.</abbr> [1911], S. 361–377.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4552"><lem>Sammelwerk</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, 21076 Quelle &amp; Meyer, Verlagsbuchhandlung, Leipzig, Nr. 108: Verlagsvertrag (<abbr>Ts.</abbr>, von Windelband gezeichnet Heidelberg, 6.7.1909; Vermerk <abbr>S.</abbr> 1: </note><rdg>Gegenvertrag gesandt am 12. Juli 1909</rdg><note>) über den Schlussartikel des von <name>Ernst von Aster</name> <abbr>hg.</abbr> zweibändigen Werkes Große Denker (1911, 2. Aufl. 1923). Höchstumfang: 2 Bogen à 16 <abbr>S.</abbr> Auflage: 5000 Exemplare. Honorar: 250 Mark, 15 Freiexemplare des Artikels, 3 des ganzen Werkes. § 4 bestimmt u. a.: </note><rdg>Das Manuskript wird der Herr Verfasser im Laufe des Jahres 1910 in vollständig druckfertigem Zustande, einseitig beschrieben, an den Herrn Herausgeber abliefern.</rdg><note> § 6 bestimmt, daß das Honorar für Folgeauflagen an die Erben gehe, wenn die Auflage innerhalb von 10 Jahren nach dem Tode des Autors erfolge. Auf S. 1 des Vertrags ist mit Bleistift hs. vermerkt:</note><rdg> 2. Auflage kein Honorar gez[ahlt], da nicht zu ermitteln.</rdg><note> § 5 teilt den Erlös aus Übersetzungen zu gleichen Teilen unter den Vertragspartnern. Dem Vertrag ist ein wegen Verzug nach Unbekannt als unzustellbar zurückgesendetes Einschreiben an <name>Wolfgang Windelband</name> vom 28.7.1921 beigelegt, enthaltend einen Scheck über 115,80 Mark Übersetzungshonorar für eine offenbar nicht erschienene spanische Ausgabe. Die Akte enthält auch Verträge mit: (1. <abbr>Bd.</abbr>) <name>Franz Brentano</name>: Aristoteles; <name>Paul Natorp</name>: Plato; <name>Raoul Richter</name> – Die Sophisten und Sokrates; <name>Matthias Baumgartner</name> (Breslau): Augustinus/Thomas von Aquino; <name>Aloys Fischer</name> (München): Die Vorsokratiker; <name>Max Frischeisen-Köhler</name>: Descartes; <name>Richard Hönigswald</name>: Giordano Bruno; <name>August Schmekel</name>: Das ausgehende Altertum. (2. Bd.) <name>Otto Braun</name>: Schelling; <name>Alexander Pfänder</name>: Nietzsche; <name>Paul Menzer</name>: Kant; <name>Fritz Medicus</name>: Fichte; <name>Rudolf Lehmann</name>: Schopenhauer/Herbart; <name>Walter Kinkel</name>: Leibniz; <name>Hugo Falkenheim</name>: Hegel; <name>Otto Baensch</name>: Spinoza.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4553"><lem>Satyrspiel</lem><note>Anspielung auf das antike griechische Theater: auf eine Tragödientrilogie folgt ein heiter-groteskes Nachspiel</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4554"><lem>Einleitung in die Geisteswissenschaften</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Wilhelm Dilthey: Einleitung in die Geisteswissenschaften. Versuch einer Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und der Geschichte. Leipzig 1883.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4555"><lem>Logos-Aufsatz</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rickert: Lebenswerte und Kulturwerte. In: Logos 2 (1911/12), Heft 2, <abbr>S.</abbr> 131–166.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4556"><lem>früheren Aufsätze</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rickert: Vom Begriff der Philosophie. In: Logos 1 (1910/11), Heft 1, <abbr>S.</abbr> 1–34; <abbr>ders.</abbr>: Das Eine, die Einheit und die Eins. In: Logos 2 (1911/12), Heft 1, <abbr>S.</abbr> 27–79.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4557"><lem>Ironie in Ihrem Festartikel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Dove</name> an Windelband vom 6.11.1911</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4558"><lem>meinem Sohn</lem><note><name>Wolfgang Windelband</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4559"><lem>Schubert gegenüber</lem><note>Schreiben nicht ermittelt;<name> Hans von Schubert</name>, seit 1906 Prof. für Theologie an der Universität Heidelberg, 1910/11 Prorektor (Wer ist’s? 1912, S. 1451).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4560"><lem>in Karlsruhe</lem><note>über Mitleid und Mitfreude, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Heinrich Rickert vom 30.11.1911</note></app></listApp></back></text></TEI>