<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000655-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>1.6.1910</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_84</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0655" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000655-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1910-06-01">1.6.1910</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/117501255">Alma von Hartmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118650130">Aristoteles</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118546252">Eduard von Hartmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11600780X">Erich Adickes</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116681268">Heinrich Maier</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118627724">Johannes Volkelt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118669664">Jonas Cohn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118693700">Max Frischeisen-Köhler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11667461X">Max Heinze</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117003646">Otto Liebmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116886439">Paul Menzer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116386827">Richard Falckenberg</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>1.6.1910</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_84</ref></head></front><body><dateline>Heidelberg, 1.6.10.</dateline><salute>Lieber Freund,</salute><p>Mit bestem Danke sende ich Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4150"/><name>Vaihinger</name>ʼs Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4150"/> nebst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4151"/>Anlage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4151"/> hierbei zurück. Wenn ich dabei kurzentschlossen die Bitte hinzufüge, mich als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4152"/>Preisrichter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4152"/> aus dem Spiel zu lassen, so gehört das mit zu den Entsagungen, für die ich mich jetzt in genere fest entschlossen habe. ich bin, nachdem ich wieder durch das Rectorat so ziemlich ein ganzes Jahr verloren habe und auch durch das Secretariat der Akademie dauernd mit Geschäften belastet bin, zu der Einsicht gelangt, dass ich meine Zeit auf das sorgfältigste zusammennehmen muss, wenn ich die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4153"/>zahlreichen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4153"/> Pläne zur Arbeit, für die ich Verpflichtungen habe, einigermassen noch ausführen will, – und das um so mehr, als diese Zeit durch die mit dem Alter erforderlich gewordene Rücksichtnahme auf die Gesundheit schon an sich beträchtlich einge<pb/>schränkt ist. ich muss auf die nächtliche Arbeit, die für mich bisher der bessere Teil war, verzichten und gehe regelmässig um 11 Uhr zu Bett. Das ist mir nicht leicht geworden, und ich weiss nicht, ob es wirklich dauernd gute Folgen haben wird, aber es gilt ja für das verständige. Dadurch ist aber meine Leistungsfähigkeit, wie ich mit Schrecken merke, doch erheblich herabgesetzt, und ich muss mir alles Entbehrliche fern halten. Und dazu rechne ich doch wohl mit Recht die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4154"/>Preisrichterschaft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4154"/>, die Sie mir zudenken. Das Durcharbeiten der zweifellos sehr zahlreichen Arbeiten, die auf dieses Thema eingehen werden, die dazu erforderliche Korrespondenz, würden sehr zeitraubend sein, und namentlich käme das in Betracht, was mir mit den Jahren immer lästiger geworden ist, nämlich die durch die Rücksicht auf gemeinsame Arbeit gebotene Festlegung auf bestimmte <pb/> Zeittermine. So sehr mir daher die Sache selbst interessant ist und lehrreich werden würde, so dankbar ich es empfinde, dass Sie dazu gern mit mir zusammen arbeiten möchten, so hoffe ich doch, dass Sie jene Gegengründe würdigen und mich entschuldigen werden.</p><p>Aber ich möchte Sie ernstlich bitten, um der Sache willen Ihrerseits darum den <name>Vaihinger</name>schen Antrag <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4155"/>nicht abzulehnen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4155"/>. Wenn irgendeiner so sind Sie der gegebene Sachverständige für dies Thema; das specifisch <name>Kant</name><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4156"/>philologische<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4156"/> wird Ihnen ja ein andrer Preisrichter, etwa eben <name>Adickes</name>, abnehmen; für das Sachliche aber sind Sie <abbr>m. E.</abbr> unentbehrlich. Wie sehr, – das geht schon aus der starken Verbesserungsbedürftigkeit des Kommentars zur Themastellung (worauf Sie selbst hinweisen) hervor. Das Thema scheint mir gut; viel besser als das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4157"/><name>Kant</name>-<name>Aristoteles</name>-Thema<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4157"/>, bei dem jeder Kundige den Erfolg voraussehen konnte. Aber die Gefahren des Erfolgs, die auch bei diesem <pb/> Thema nicht ausgeschlossen sind, lassen sich nur vermeiden, wenn ein Mann wie Sie eine entscheidende Stimme im Preisrichteramt hat. Und Sie müssen auch dafür sorgen, dass nicht ein zweiter Psychologist oder Pragmatist zu Ad<add>[ickes]</add> hinzukäme; <name>Volkelt</name> schiene mir an sich nicht übel, – wenn <name>Liebmann</name> nicht zu gewinnen ist; ich weiss nicht, ob <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4158"/><name>Bauch</name>ʼs Befürchtung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4158"/> über Ihre Kooperation mit V<add>[olkelt]</add> zutrifft. Jedenfalls möchte ich Ihnen ans Herz legen, die Sache nicht aus der Hand zu geben.</p><p>Ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4159"/>Passus bei <name>Vaihinger</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4159"/> macht mich darauf aufmerksam, dass ich, weil ich als Mitbegründer der <name>Kant</name>-Studien diese regelmässig bekomme, immer noch versäumt habe, der <name>Kant</name>-Gesellschaft als Mitglied beizutreten: ich werde das nächstens <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4160"/>nachholen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4160"/>.</p><p>Für heute mit herzlichem Gruss der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4150"><lem><name>Vaihinger</name>ʼs Brief</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Hans Vaihinger</name> an <name>Rickert</name> vom 30.5.1910: </note><rdg>Verehrtester Herr Kollege! Für die liebenswürdige Übersendung Ihres Einführungsartikels zu der neuen Zeitschrift „Logos“, als deren Spiritus Rector Sie ja wohl zu betrachten sind, spreche ich Ihnen meinen verbindlichen Dank aus. […] zu erwarten ist, daß die neue Zeitschrift mit den älteren Kantstudien stets in guten Beziehungen bleiben wird […] Wie Sie aus der Beilage ersehen, will die Kantgesellschaft eine neue Preisaufgabe ausschreiben; das Thema dieser Preisaufgabe habe ich selbst gestellt. Schon vor 6 Jahren wollte ich dieses Thema ausschreiben, aber damals trat ich zurück hinter den Wunsch von Riehl, das Thema „Kant –Aristoteles“ als erstes […] zu erlassen. […] die Thätigkeit der Preisrichter soll angemessen honoriert werden: Jeder soll circa 200 Mk erhalten. Ich möchte Sie ersuchen, […] mir gütigst recht bald mitzuteilen, ob Sie prinzipiell geneigt wären, ein Preisrichteramt zu übernehmen […] Was nun die beiden anderen Preisrichter betrifft, so sind wir darin noch nicht definitiv entschlossen; wir denken z. B. an Adickes […], wir denken auch an Volkelt </rdg><note>(<abbr>UB</abbr> Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 9–10). Im nächsten Schreiben in dieser Angelegenheit vom 14.7.1910 hat <name>Vaihinger</name> <name>Rickert</name> lediglich aufgefordert, im Freiburger Philosophischen Seminar die Bearbeitung der Preisaufgabe anzuregen. Vom Amt des Preisrichters ist nicht mehr die Rede (<abbr>UB</abbr> Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 11).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4151"><lem>Anlage</lem><note>nicht ermittelt; vermutlich der Text der Ausschreibung der Preisaufgabe, <abbr>s. u.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4152"><lem>Preisrichter</lem><note>für die am 22.4.1910 auf Veranlassung <name>Hans Vaihinger</name>s ausgeschriebene 5. Preisaufgabe der Kantgesellschaft: </note><rdg>Kants Begriff der Wahrheit und seine Bedeutung für die erkenntnistheoretischen Fragen der Gegenwart</rdg><note>, <abbr>vgl.</abbr> Kant-Studien 15 (1910), <abbr>S.</abbr> 395–398, mit den schließlich beauftragten Preisrichtern <name>Otto Liebmann</name>, <name>Richard Falckenberg</name> <abbr>u.</abbr> <name>Paul Menzer</name>.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4153"><lem>zahlreichen</lem><rdg>zahlreiche</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-4154"><lem>Preisrichterschaft</lem><note>Windelband gab diese Reserve erst auf, als es um die Ausschreibung der 6. Preisaufgabe (<name>Eduard von Hartmann</name>-Preisaufgabe) der Kantgesellschaft im Mai 1912 ging, allerdings ohne noch in die Pflicht zu kommen. Das von <name>Hans Vaihinger</name> gestellte Thema lautete: </note><rdg>Eduard von Hartmanns „Kategorienlehre“ und ihre Bedeutung für die Philosophie der Gegenwart</rdg><note> mit Einsendeschluß 22.4.1915. Die Geldpreise (1500 und 1000 Mark) stiftete <name>Alma von Hartmann</name>. Als Preisrichter sollten fungieren: Windelband, <name>Bruno Bauch</name> und <name>Jonas Cohn</name> (<abbr>vgl.</abbr> Kant-Studien 17 (1912), <abbr>S.</abbr> 334–336. Nach wiederholtem Hinausschieben des Abgabetermins wurde Windelband, der inzwischen verstorben war, durch <name>Heinrich Maier</name> ersetzt (Kant-Studien 21 (1916), <abbr>S.</abbr> 131). Der Wettbewerb wurde erst am 1.5.1918 beendet, mit <name>Max Frischeisen-Köhler</name> in der Jury anstelle des mittlerweile zurückgetretenen <name>Bauch</name> (Kant-Studien 23 (1918), <abbr>S.</abbr> 521).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4155"><lem>nicht abzulehnen</lem><note>Rickert fungierte nicht als Preisrichter</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4156"><lem>philologische</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4157"><lem><name>Kant</name>-<name>Aristoteles</name>-Thema</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die 1905 ausgeschriebene Preisaufgabe: </note><rdg>Kants Begriff der Erkenntnis, verglichen mit dem des Aristoteles</rdg><note> (Kant-Studien 10 (1905), <abbr>S.</abbr> 248). Als Preisrichter fungierten <name>Max Heinze</name>, <name>Alois Riehl</name>, <name>Hans Vaihinger</name>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4158"><lem><name>Bauch</name>ʼs Befürchtung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Hans Vaihinger</name> an <name>Rickert</name> vom 30.5.1910: </note><rdg>Was Volkelt betrifft, so teilt mir College Bauch soeben mit, daß Sie einmal mit ihm zusammen gestoßen seien, und daß Volkelt dabei sehr energisch für die Metaphysik eingetreten sei; ich kann nicht beurteilen, welche Konsequenzen das evtl. haben kann für Ihr Verhältnis zu Volkelt; sonst im übrigen [</rdg><note>so wörtlich</note><rdg>] ist er ja ein tüchtiger und angesehner Mann; er ist aber nicht absolut notwendig für die Preisaufgabe </rdg><note>(<abbr>UB</abbr> Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 9–10).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4159"><lem>Passus bei <name>Vaihinger</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Hans Vaihinger</name> an <name>Rickert</name> vom 30.5.1910: </note><rdg>Auch müssen die Preisrichter sich in ihren Richtungen einigermaßen nahe stehen, und doch sollten sie nicht alle ein und derselben Richtung angehören; womöglich sollten alle 3 Preisrichter der Kantgesellschaft angehören; aus diesem Grunde haben wir noch nicht an Windelband gedacht, welcher sich uns noch nicht angeschlossen hat; aber andererseits würde er doch wohl auch für Sie in erster Linie in Betracht kommen </rdg><note>(<abbr>UB</abbr> Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 9–10).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4160"><lem>nachholen</lem><note>Windelbands Eintritt in die <name>Kant</name>-Gesellschaft wird für den Zeitraum Januar–März 1911 vermerkt in: Kant-Studien 16 (1911), <abbr>S.</abbr> 129.</note></app></listApp></back></text></TEI>