<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000649-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>8.5.1910</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_82</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0649" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000649-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1910-05-08">8.5.1910</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569856">Emil Lask</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117002747">Georg Mehlis</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118527479">Hans Driesch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116988118">Theobald Ziegler</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>8.5.1910</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_82</ref></head></front><body><dateline>Heidelberg, 8.5.10</dateline><salute>Lieber Freund,</salute><p>Formell ist ja nun erfreulicherweise die persönliche Seite <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4119"/>des Streites<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4119"/> erledigt, indem beide, <name>Mehlis</name> und <name>Ruge</name>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4120"/>die Erklärung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4120"/> unterschrieben haben. Was den Schlusspassus anlangt, der lediglich meiner Initiative entsprungen ist, so bewegen mich dazu zwei Motive. Zunächst gab die Anfrage von <name>Driesch</name>, der ja <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4121"/>als „Mitarbeiter“ auf der Liste<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4121"/> steht, dazu Anlass, die Möglichkeit rein geschäftlicher Mitteilungen zwischen <name>Mehlis</name> und <name>Ruge</name> für wünschenswert zu halten. Wenn beide derselben Redaction angehören – und das tun sie doch nun einmal, besonders nach aussen –, so muss das möglich sein. Das sah auch <name>Mehlis</name> völlig ein und war hier ganz damit einverstanden. Wenn nun Sie darin eine Gefahr finden, <name>Ruge</name> könnte das zur Handhabe machen, <pb/> um wieder mehr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4122"/>Ingerenz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4122"/> auf die Redaction zu bekommen, so kann ich Sie darüber beruhigen. Er hat mir ausdrücklich gesagt, es liege ihm fern, etwas von dem zurückgewinnen zu wollen, was er, um sich Ihnen zu fügen, hingegeben hat. Allerdings will er auch nichts weiter abtreten: er bleibt bei der Abmachung und meint, das jetzige Verhältnis gelte für den ersten Jahrgang. Schon für das zweite <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4123"/>Heft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4123"/> auch formell <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4124"/>aus der Redaction auszuscheiden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4124"/>, dazu will er sich nicht verstehen.</p><p>Um so mehr kommt mein zweites Motiv in Betracht. ich überlegte mir, dass ein loyal gehandhabter Geschäftsverkehr zwischen M<add>[ehlis]</add> und R<add>[uge]</add>, gerade etwa in solchem <pb/> Fall wie die <name>Driesch</name>’sche Anfrage, geeignet wäre, Ihre Korrespondenz mit <name>Ruge</name> zu entlasten. Diese ist ja, der ganzen Sachlage nach, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4125"/>etwas Unnatürliches, Gestelztes, innerlich Unhaltbares<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4125"/>. Zudem involviert sie stets die Gefahr, dass R<add>[uge]</add> durch irgend eine ungeschickte Wendung Sie aufregt und unwillig macht. Wenn das aufgehoben oder wenigstens vermindert werden könnte, wäre es gut. Ein den Voraussetzungen korrekt entsprechender Verkehr zwischen M<add>[ehlis]</add> und R<add>[uge]</add> scheint mir viel weniger Konfliktsgefahren zu enthalten. Diese meine Ueberlegung ist durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4126"/>Ihren Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4126"/> in hohem Masse bestätigt worden. ich kann danach nur auf das Dringendste wünschen, dass die Reibungsfläche zwischen Ihnen und <name>Ruge</name> so sehr wie möglich beschränkt wird; und dazu schien mir <pb/> jene Wendung unter den bestehenden Verhältnissen, mit denen doch eben zu rechnen ist, den geeignetsten Weg anzudeuten.</p><p>Das Logosheft habe ich natürlich. <name>Siebeck</name> hat mir wohl eins der ersten Exemplare nach Bordighera geschickt. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4127"/><name>Ruge</name>ʼs unnötige Sorge<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4127"/> ist wohl daraus entstanden, dass ich in einer Unterhaltung gelegentlich gesagt habe, ich hätte einen Artikel – ich glaube, ich erwähnte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4128"/>Leop<add>[old]</add> <name>Ziegler</name>ʼs<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4128"/> – noch nicht gelesen. – ich denke, wir lassen das alles auf sich beruhen. –</p><p>Ein Gegenstück zu Ihrem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4129"/>Bericht über den Vorlesungsbesuch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4129"/> wird Sie erfreuen: <name>Lask</name> weiss sich bei einer zweistündigen Vorlesung über Grundzüge der Logik und Erkenntnistheorie vor Zuhörern garnicht zu retten: er hat schon zweimal in die grössten Auditorien umziehen müssen. Mir ist das eine grosse, grosse Freude: denn ich habe nur durch Einsetzung meiner ganzen Autorität es durchsetzen können, das er „vorzeitig“ und trotz des Mangels greifbar aufzuweisender „Leistungen“ <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4130"/>den Titel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4130"/> bekam.</p><p>Mit allen guten Semesterwünschen der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed><postscript><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4131"/>Noch eins, in Eile! Die antivoluntaristische Stimmung meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-4132"/>Akademie-Rede war doch wohl nach dem Schluss meiner Rectorats-Rede<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4132"/> nicht so ganz unerwartet! Oder doch?!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-4131"/></p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-4119"><lem>des Streites</lem><note>um <name>Arnold Ruge</name> als Redakteur der Zeitschrift Logos, <abbr>vgl.</abbr> die zugehörigen Schreiben seit März 1910.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4120"><lem>die Erklärung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Rickert </name>vom 2.5.1910, genauer Wortlaut nicht ermittelt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4121"><lem>als „Mitarbeiter“ auf der Liste</lem><note><name>Hans Driesch</name> ist nicht als Mitarbeiter des Logos nachgewiesen.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4122"><lem>Ingerenz</lem><note>Einwirken, Einmischung</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4123"><lem>Heft</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4124"><lem>aus der Redaction auszuscheiden</lem><note>die offiziell mitgeteilte Lösung für den Streitfall <name>Ruge</name>/Logosredaktion lautete in Logos 1 (1910/11), Heft 3, <abbr>S.</abbr> 418 (Schluß von <abbr>Bd.</abbr> 1): </note><rdg>Redaktionelle Notiz. Herr Privatdozent Dr. Ruge tritt mit Beginn des neues Bandes aus der internationalen Kommission aus und damit von den redaktionellen Geschäften zurück. Die internationale Kommission bedauert, daß Herr Dr. Ruge durch vielfache Arbeiten so in Anspruch genommen ist, daß er der Redaktion des deutschen Logos seine Kräfte nicht weiter zur Verfügung stellen kann. Sie spricht ihm für seine bisherige Tätigkeit den herzlichsten Dank aus. Die deutsche Logos-Redaktion: Richard Kroner. Georg Mehlis.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-4125"><lem>etwas Unnatürliches, Gestelztes, innerlich Unhaltbares</lem><note>kann auch heißen: </note><rdg>etwas Unnatürlicher, Gestelzter, innerlich Unhaltbarer</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-4126"><lem>Ihren Brief</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rickert an Windelband vom 28.3.1910</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4127"><lem><name>Ruge</name>ʼs unnötige Sorge</lem><note><name>Ruge</name> wendete sich nochmals am 11.11.1910 an <name>Siebeck</name>, weil Windelband angeblich das 2. Logos-Heft nicht erhalten habe. Die Antwort des Verlags lautete am 15.11.1910 auf ein Versehen (zitiert nach: Nachlaß Köhnke, <abbr>UB</abbr> Leipzig <abbr>NL</abbr> 330/3/1/4: Klaus Christian Köhnke/Rüdiger Kramme: Abschlußbericht Logos, Teil 2 (Archiv-Katalog) 1916–33; Stichtag 16.11.1993).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4128"><lem>Leopold Zieglerʼs</lem><note> im ersten Heft des Logos 1910 erschien von <name>Ziegler</name>: Ueber das Verhältnis der bildenden Künste zur Natur.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4129"><lem>Bericht über den Vorlesungsbesuch</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4130"><lem>den Titel</lem><note><name>Emil Lask</name>, seit 1905 <abbr>PD</abbr>, wurde im Februar 1910 zum <abbr>ao. Prof.</abbr> ernannt, im April 1913 zum etatmäßigen Extraordinarius und Mitdirektor des Philosophischen Seminars neben Windelband. Er veröffentlichte erst 1911 wieder eine größere Arbeit (Die Logik der Philosophie und die Kategorienlehre). Lask schrieb an seine Schwester vom 15.10.1910: </note><rdg>Seit etwa Herbst vorigen Jahres beginnt die Zeit, in der ich nach sehr langer Vorbereitungs- und Schweigenszeit wirklich anfange zu schaffen</rdg><note> (Uwe Glatz: Emil Lask. Philosophie im Verhältnis zu Weltanschauung, Leben und Erkenntnis. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 2001, <abbr>S.</abbr> 15–16).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-4132"><lem>Akademie-Rede … Rectorats-Rede</lem><note><abbr> vgl.</abbr> Windelband an <name>Rickert </name>vom 2.5.1910 sowie Windelbands Rede über Die Erneuerung des Hegelianismus in der Heidelberger Akademie und seine Rekoratsrede: Der Wille zur Wahrheit. Akademische Rede zur Erinnerung an den zweiten Gründer der Universität, Karl Friedrich Großherzog von Baden am 22. November 1909 bei dem Vortrag des Jahresberichts und der Verkündung der akademischen Preise gehalten. Heidelberg: Universitäts-Buchdruckerei <abbr>v.</abbr> J. Hörning 1909, <abbr>S.</abbr> 1–17.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-4131"><lem>Noch … doch?!</lem><note> um 180° gedreht am linken Rand</note></app></listApp></back></text></TEI>