<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000627-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Heinrich Rickert</persName> an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">o. O. [Freiburg i. Br.]</placeName>, <date>o. D. [nach 8.3.1910]</date>, <note>10 S., hs., Briefentwurf (mindestens zwei Überarbeitungsstufen mit Tinte und Bleistift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIE-1_41-46</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0627" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000627-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName><placeName>o. O. [Freiburg i. Br.]</placeName><date notBefore="1910-03-08">o. D. [nach 8.3.1910]</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116367059">Adolfo Ravà</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name>Auguste Ravà</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118624024">Ernst Troeltsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118580140">Friedrich Meinecke</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117002747">Georg Mehlis</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118614436">Georg Simmel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532154">Gustav Theodor Fechner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118634496">Heinrich Wölfflin</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118509578">Henri Bergson</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/137281692">Otto Baensch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1216180725">Otto Gierke</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118619497">Peter von Struve</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11890003X">Richard Kroner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11862976X">Wilhelm Eduard Weber</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Heinrich Rickert</persName> an <persName type="received">Windelband</persName>, <placeName type="sent">o. O. [Freiburg i. Br.]</placeName>, <date>o. D. [nach 8.3.1910]</date>, <note>10 S., hs., Briefentwurf (mindestens zwei Überarbeitungsstufen mit Tinte und Bleistift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIE-1_41-46</ref></head></front><body><salute>Lieber u<add>[nd]</add> verehrter <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3864"/>Freund<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3864"/>!</salute><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3865"/>Ihr Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3865"/> hat mich überrascht, obwohl ich in den letzten Tagen an Überraschungen durch <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name> bereits gewöhnt bin. Alles, was <abbr>Dr.</abbr> R<add>[uge]</add> Ihnen über beabsichtigte Änderungen in der Tendenz des Logos gesagt hat, ist vollkommen aus der Luft gegriffen und nur daraus zu erklären, daß <abbr>Dr.</abbr> R<add>[uge]</add> sich in einer Aufregung befindet, die es ihm unmöglich macht, die Sache des Logos u<add>[nd]</add> seine persönlichen Angelegenheiten zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3866"/>trennen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3866"/> Zu Ihrer Orientirung über die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3867"/>Sache<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3867"/> lege ich den gestern von <name>Siebeck</name> eingetroffenen ersten Probedruck des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3868"/>Titelblattes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3868"/> bei. Sie werden auf dessen Vorder- und Rückseite ersehen, daß der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3869"/>internationale<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3869"/> Charakter u<add>[nd]</add> die Pflege der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3870"/>Kultur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3870"/>philosophie darauf so stark hervorgehoben ist, wie das auf einem Titelblatt möglich war. Wir haben in den letzten Monaten im Gegensatz zu den Behauptungen <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name>s nicht nur an der Tendenz des Logos streng festgehalten, <pb/> sondern Alles gethan, um das internationale u<add>[nd]</add> das Kulturmoment noch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3871"/>mehr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3871"/> in Vordergrund zu bringen. Vielleicht kommt noch der Name <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3872"/><name>Gierkes</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3872"/><name/> auf den Titel, damit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3873"/>alle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3873"/> wichtigen Kulturwissenschaften vertreten sind. Doch auch jetzt ist durch die Namen von <name>Meinecke</name>, <name>Tröltsch</name>, <name>Weber</name> u<add>[nd]</add> <name>Wölfflin</name> wohl schon genügend dargethan, daß hier keine philosophische Zeitschrift wie die andern vorliegt. Über die italienische und französische Ausgabe läßt sich Bestimmtes natürlich noch nicht sagen. Interesse dafür aber ist vorhanden. So bekamen wir erst kürzlich deswegen eine Anfrage von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3874"/><name>Ravà</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3874"/>, u<add>[nd]</add> jedenfalls werden wir Alles thun, um weitere Ausgaben zu Stande zu bringen. <name>Simmel</name>, der uns die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3875"/>Mitwirkung von <name>Bergson</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3875"/> verschafft hat, kann uns da sehr nützlich sein. Doch, ich will das nicht weiter ausführen, denn ich denke, das ist nicht nöthig, um Ihre Bedenken zu zerstreuen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3876"/>Sie schrieben mir<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3876"/> im November vorigen Jahres: „Es entscheidet für mich einzig der Umstand, daß Sie die Seele der Sache sein wollen: dann bin ich natürlich dabei“. Diese Worte haben mich herzlich gefreut u<add>[nd]</add> zugleich mein Verantwortungsgefühl <pb/> noch gesteigert. Ich weiß mich mit Ihnen völlig einig, und ich werde mir Ihr Vertrauen auch bewahren. Jedenfalls können Sie versichert sein, Niemand wird mehr als ich darüber wachen, daß der Logos an seinen Tendenzen festhält. Einer Aufsicht darüber von Seiten <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name>s bedarf es wirklich nicht. Sollte es nicht gelingen, das zu verwirklichen, was wir im Auge haben, so werde ich der erste sein, der zurücktritt, u<add>[nd]</add> ich werde Sie rechtzeitig benachrichtigen, wenn mir irgend etwas nicht in Ordnung scheint.</p><p>Vom Logos komme ich zu <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name>. Was ihn in eine mir unverständliche u<add>[nd]</add> jedenfalls unmotivierte Aufregung versetzt hat, ist Folgendes. Schon im Sommer vorigen Jahres wurde in Anwesenheit von <abbr>Dr.</abbr> R<add>[uge]</add> verabredet, daß die deutsche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3877"/>Redaktion<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3877"/> aus <name>Kroner</name>, <name>Mehlis</name> und <name>Ruge</name> bestehen, <pb/> dagegen <name>Mehlis</name> allein der eigentlich verantwortliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3878"/>Herausgeber<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3878"/> sein sollte. Wir waren Alle darüber einig, daß nur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3879"/>ein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3879"/> Mann die letzte Verantwortung tragen könne. Dementsprechend hat auch Mehlis allein den Contrakt mit <name>Siebeck</name> abgeschlossen. Ich habe es schon damals für vollkommen selbstverständlich gehalten, daß in Übereinstimmung hiermit als Herausgeber auf dem Titelblatt ebenfalls nur Mehlis genannt würde, und so haben auch Andere die Sache verstanden, <abbr>z. B.</abbr> <name>Baensch</name>, der kürzlich bei einem Gespräch zwischen mir u<add>[nd]</add> <name>Mehlis</name> über diesen Punkt anwesend war u<add>[nd]</add> sich aufs Höchste darüber verwunderte, daß wir jetzt noch diese längst entschiedene Frage diskutirten. Ja, <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name> selbst hat <name>Mehlis</name> gegenüber mit Nachdruck die Gründe dafür entwickelt, daß die Zeitschrift nur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3880"/>einen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3880"/> verantwortlichen Herausgeber haben könne, wobei er damals freilich seinen Namen allein genannt wünschte. Das konnte ihm schon aus dem Grunde nicht bewilligt werden, <pb/> weil alle Mitglieder der Redaktion mit Ausnahme vielleicht von <name>Ruge</name> eine möglichst weitgehende Theilnahme an der Leitung des Logos von mir erhofften, und zu diesem Zwecke der Redakteur in Freiburg wohnen müßte. Ich war daher höchst verwundert, als ich erfuhr, <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name> verlange jetzt, nicht nur als Mitglied der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3881"/>Redaktion<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3881"/>, sondern auch als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3882"/>Herausgeber<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3882"/> auf dem Titelblatt neben <name>Mehlis</name> genannt zu werden, u<add>[nd]</add> ich habe kein Hehl daraus gemacht, daß ich dies Verlangen auch dann ungerechtfertigt finde, falls, wie ich nicht bezweifle, <name>Ruge</name> die Verabredung damals anders aufgefaßt hat.</p><p>Nichts anderes als diese Meinungsverschiedenheit lag vor wenigen Tagen vor, u<add>[nd]</add> Sie werden daraus ersehen, wie auch aus der Rückseite des Titelblatts ersehen, daß <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name>s Behauptung, er solle „aus der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3883"/>Redaktion<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3883"/> des Logos herausgedrängt werden“, ebenso jeder thatsächlichen Unterlage entbehrt, wie sein Glauben an eine beabsichtigte Veränderung in den Tendenzen des Logos. Mit genau demselben Rechte könnte <name>Kroner</name> behaupten, daß man ihn herausdrängen wolle. Er hat jedoch in voller Übereinstimmung mit mir der Frage, ob er auf beiden Seiten des Titelblattes oder nur auf der Rückseite des Titelblattes <pb/> steht, keine wesentliche Bedeutung beigelegt, u<add>[nd]</add> ich denke, H<add>[err]</add> <abbr>Dr.</abbr> R<add>[uge]</add> hätte bei ruhiger Überlegung wohl zu demselben Ergebnis kommen können.</p><p>Was <abbr>Dr.</abbr> R<add>[uge]</add> sonst noch an Beschwerden vorgebracht hat, ist wirklich nicht der Rede werth. Es betrifft z<add>[um]</add> Th<add>[eil]</add> unwesentliche Kleinigkeiten, in denen er anderer Meinung war als M<add>[ehlis]</add> u<add>[nd]</add> Kr<add>[oner]</add>, u<add>[nd]</add> in denen er sich der Majorität fügen mußte, wie das in solchen Fällen nun einmal nicht anders möglich ist. Ich kenne diese Kleinigkeiten nicht Alle u<add>[nd]</add> will nur eine Stichprobe geben. Unter denen, die zur Mitarbeit aufgefordert wurden, befand sich auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3884"/><name>Bruno Bauch</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3884"/>. Hiergegen erhob <name>Ruge</name> Einspruch aus mir unbekannten Gründen. Sie werden mit mir einverstanden sein, daß es besonders wichtig war, gerade <name>Bauch</name> unter den Mitarbeitern zu haben, um jeden Schein zu vermeiden, als machten wir den „Kantstudien“ eine dieser <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3885"/>unerwünschte Conkurrenz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3885"/>. Der Einspruch von <name>Ruge</name> konnte daher nicht berücksichtigt werden. <name>Bauch</name> hat in der liebenswürdigsten Weise zugesagt. Hiermit wäre nun die ganze an sich lächerlich unbedeutende Angelegenheit <pb/> erledigt, wenn Dr. <name>Ruge</name> nicht leider vor einigen Tagen sich zu Schritten hätte hinreißen lassen, die sich nicht ungeschehen machen lassen und deren Consequenzen er tragen muß. Er hat an M<add>[ehlis]</add> einen schwer beleidigenden Brief geschrieben, der M<add>[ehlis]</add>’ Handlungsweise die niedrigsten Motive unterschiebt. Ich rechne es <abbr>Dr.</abbr> M<add>[ehlis]</add> sehr hoch an, daß er R<add>[uge]</add> auf diese Briefe hin nicht auf Pistolen gefordert, sondern sich darauf beschränkt hat, jeden Verkehr mit <name>Ruge</name> abzubrechen. Ferner hat R<add>[uge]</add> an Kr<add>[oner]</add> Briefe geschrieben, die z<add>[um]</add> Th<add>[eil]</add> absolut verworren sind, z<add>[um]</add> Th<add>[eil]</add> die abenteuerlichsten Drohungen enthalten u<add>[nd]</add> dabei M<add>[ehlis]</add> in maßloser Weise verdächtigen. Mit Einzelheiten bitte ich Sie verschonen zu dürfen. Es ist mir überhaupt im höchsten Maße unangenehm, R<add>[uge]</add> Ihnen gegenüber anklagen zu müssen. Aber wenn ich Sie orientiren soll, so kann ich Ihnen diese Thatsachen nicht vorenthalten. Mich haben diese Briefe R<add>[uge]</add>s, die ganz unglaublich sind, auf’s Tiefste empört, und ich muß leider hiernach jede gemeinsame <pb/> Arbeit mit <abbr>Dr.</abbr> R<add>[uge]</add> ein für Alle Mal ablehnen. M<add>[ehlis]</add> u<add>[nd]</add> Kr<add>[oner]</add> denken genauso wie ich. Sie waren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3886"/>gezwungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3886"/>, mir die Briefe von R<add>[uge]</add> zu zeigen, um mir die ganze Situation überhaupt verständlich zu machen. Kr<add>[oner]</add> hat <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3887"/>gestern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3887"/> an R<add>[uge]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3888"/>einen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3888"/> geschrieben, worin er ihm den Rath ertheilt, erstens M<add>[ehlis]</add> um Vergebung zu bitten u<add>[nd]</add> dann in Frieden aus der Logosredaktion auszuscheiden. Jeder, der es gut mit <name>Ruge</name> meint, muß ihn in derselben Richtung zu beeinflussen suchen. Ja, R<add>[uge]</add> selbst kann mit einem Manne, dem er jede Schlechtigkeit zutraut, garnicht mehr zusammenarbeiten wollen.</p><p>Sollte R<add>[uge]</add> trotzdem nicht freiwillig austreten, so bleibt leider nichts anderes übrig, als <name>Siebeck</name> u<add>[nd]</add> den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3889"/>russischen Mitgliedern der Redaktion<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3889"/> von den Briefen Kenntniß zu geben, und das kann nur den Erfolg haben, daß R<add>[uge]</add> einstimmig aus der Logosredaktion ausgeschlossen wird. Auch darüber darf ich Ihnen <pb/> leider keinen Zweifel lassen. Nur möchte ich noch einmal hervorheben, daß es mir ganz fern liegt, ein Gesammturtheil über die Persönlichkeit R<add>[uge]</add>s zu fällen. Der Umstand, daß Sie von R<add>[uge]</add> etwas halten, ist ja allein schon für mich ein sicherer Beweis, daß er gute Seiten haben muß, u<add>[nd]</add> ebenso ist es gerade M<add>[ehlis]</add> gewesen, der immer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3890"/>für<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3890"/> R<add>[uge]</add> eingetreten ist u<add>[nd]</add> seine guten Seiten hervorgehoben hat. Nur dies meine ich: zu gemeinsamer Arbeit ist ein Mann, der um einer Lappalie willen solche Briefe an seine Mitredakteure schreibt, ganz untauglich, und das wird aus den wenigen Thatsachen, auf die ich mich absichtlich beschränkt habe, wohl genügend deutlich hervorgehen.</p><p>Mir persönlich ist es außerordentlich schmerzlich, daß ich Ihnen so Unerfreuliches berichten muß. Ich wünschte Ihnen von Herzen eine frohe u<add>[nd]</add> vergnügte Ferienstimmung. Doch brauche ich ja daran nicht zu zweifeln, daß Sie den Ärger über schlechte Nachrichten nicht auf den Überbringer dieser Nachrichten übertragen werden. <abbr>Dr.</abbr> R<add>[uge]</add> muß eben die Folgen seiner Handlungsweise tragen, u<add>[nd]</add> Sie werden ihm hoffentlich eine nützliche Lehre sein. <pb/> Der Logos wird auch ohne ihn bestehen können. Wir werden uns nur um so eifriger an die Arbeit machen. Es hat uns sehr leid gethan, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3891"/>Ihr Aufsatz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3891"/> nicht schon für das 1. Heft fertig geworden ist. Das zweite, in das er kommen soll, wird hoffentlich noch besser werden als das erste, für das auch ein russischer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3892"/>Artikel von <name>Peter v. Struve</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3892"/><name/> zu spät gekommen ist. Immerhin ist das Heft international genug geworden. Für heute möchte ich Ihnen nur noch kurz für Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3893"/><name>Fechner</name>-Biographie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3893"/> danken, die ich mit großem Vergnügen gelesen habe.</p><p>In alter treuer Verehrung Ihr herzlich ergebener</p><signed><add>[Heinrich Rickert]</add></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-3864"><lem>Freund</lem><note><abbr>d. i.</abbr> Windelband, <abbr>vgl</abbr>. das enthaltene Briefzitat Windelband an <name>Rickert</name> vom 18.11.1909.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3865"><lem>Ihr Brief</lem><note><abbr>vgl</abbr>. Windelband an Rickert vom 8.3.1910</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3866"><lem>trennen.</lem><note>danach <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>Ich halte es nicht für nothwendig, über die Sache ausführlicher zu schreiben.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-3867"><lem>Sache</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3868"><lem>Titelblattes</lem><note>mit dem Wortlaut: </note><rdg>LOGOS. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur. Unter Mitwirkung von Rudolf Eucken, Otto Gierke, Edmund Husserl, Friedrich Meinecke, Heinrich Rickert, Georg Simmel, Ernst Troeltsch, Max Weber, Wilhelm Windelband, Heinrich Wölfflin herausgegeben von Georg Mehlis.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-3869"><lem>internationale</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3870"><lem>Kultur</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3871"><lem>mehr</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3872"><lem><name>Gierkes</name></lem><note>der Jurist <name>Otto Gierke</name></note></app><app type="philological" corresp="#ED-3873"><lem>alle</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3874"><lem><name>Ravà</name></lem><note><name>Adolfo Ravà</name> (1879–1957), Rechtsphilosoph an den Universitäten Messina und Padua (<ref type="link">www.trecani.it/enciclopedia/adolfo_rava_(Dizionario-di-filosofia)/</ref>, 5.12.2018), veröffentlichte in Bd. 5 des Logos, 1914/15, <abbr>S.</abbr> 112–119 einen Aufsatz über Fichtes Briefe.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3875"><lem>Mitwirkung von <name>Bergson</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Mitteilung in Logos 1 1910, Heft 2</note><rdg>: Es besteht […] die Aussicht, in absehbarer Zeit weitere nationale Redaktionen zu begründen, zumal schon jetzt außer den namhaften deutschen und russischen Mitarbeitern führende Gelehrte anderer Länder ihre Mitwirkung zugesagt haben, so u. a. Henri Bergson und Emile Boutroux für Frankreich, Benedetto Croce und Bernadino Varsico für Italien, Hugo Münsterberg und Josiah Royce für Amerika. </rdg><note><name>Bergson</name> hat keinen Beitrag zum Logos beigesteuert. Von den genannten hat sich lediglich 1913 eine italienische Redaktion gegründet.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3876"><lem>Sie schrieben mir</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 18.11.1909</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3877"><lem>Redaktion</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3878"><lem>Herausgeber</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3879"><lem>ein</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3880"><lem>einen</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3881"><lem>Redaktion</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3882"><lem>Herausgeber</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3883"><lem>Redaktion</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3884"><lem><name>Bruno Bauch</name></lem><note>Redakteur der Kant-Studien, war nicht Mitarbeiter der Logos-Redaktion</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3885"><lem>unerwünschte Conkurrenz</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 8.3.1910</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3886"><lem>gezwungen</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3887"><lem>gestern</lem><note>für <abbr>gestr.</abbr>: </note><rdg>heute</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-3888"><lem>einen Brief</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3889"><lem>russischen Mitgliedern der Redaktion</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Mitteilung in Logos 1 1910, Heft 2</note><rdg>: Neben der deutschen Ausgabe erscheint vorläufig nur eine russische Ausgabe unter Mitwirkung von Frank, Grews, Kistiakowsky, Lappo-Danilewsky, Lapschin, Lossky, Selinsky, Peter von Struve, Wernadsky, herausgegeben von der russischen Logos-Redaktion: S. Hessen, E. Mettner, F. Steppuhn.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-3890"><lem>für</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3891"><lem>Ihr Aufsatz</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Kulturphilosophie und transzendentaler Idealismus. In: Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur 1 (1910), Heft 2, <abbr>S.</abbr> 186–196.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3892"><lem>Artikel von <name>Peter v. Struve</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Peter von Struve: Ueber einige grundlegende Motive im nationalökonomischen Denken. In: Logos 1 (1910/11), Heft 3, <abbr>S.</abbr> 342–360.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3893"><lem><name>Fechner</name>-Biographie</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Fechner. In: Allgemeine Deutsche Biographie <abbr>Bd.</abbr> 55. Wandersleb-Zwirner. Nachträge bis 1899. Leipzig: Duncker &amp; Humblot 1910, <abbr>S.</abbr> 756–763.</note></app></listApp></back></text></TEI>