<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000614-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>16.11.1909</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift), Wasserzeichen</note> <quote type="rdg">R. DIEFFENBACHER | HEIDELBERG</quote>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg,</bibl> <ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_68</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0614" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000614-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1909-11-16">16.11.1909</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118624024">Ernst Troeltsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/104066598">Hans von Schubert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118701282">Karl Hampe</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>16.11.1909</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift), Wasserzeichen</note> <quote type="rdg">R. DIEFFENBACHER | HEIDELBERG</quote>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg,</bibl> <ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_68</ref></head></front><body><dateline>Heidelberg, 16.11.09</dateline><salute>Verehrter Freund,</salute><p>Verzeihen Sie, dass ich auch heute nur ganz kurz und eilig antworten kann; vor dem 22t, unserm <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3783"/>Stiftungsfest<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3783"/>, finde ich keine ruhige Stunde.</p><p>Beim „Logos“ ist mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3784"/>nicht ganz behaglich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3784"/> zu Mute; zwei Dinge machen mich bedenklich: 1) der religiöse Einschlag – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3785"/>Messias<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3785"/> – Logos – die Gefahr der Neuromantik, vor der unsere heutige geistige Lage mit aller Energie geschützt werden sollte, 2) die Internationalität, die doch bisher wesentlich darin besteht, dass ein paar unsrer russischen Zuhörer sich mit den einheimischen angefreundet haben. Die Garantien für einen dauernden Bestand internationalen, allgemeinen Zusammenarbeitens müssten doch wohl da sein, bevor wir unsre Namen dazu gäben.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3786"/>Beiträge<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3786"/> kann ich fürʼs erste garnicht ver<pb/>sprechen. ich bin in der schlimmsten literarischen Verschuldung, die denkbar ist. Das ist auch der einzige Grund, weshalb ich die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3787"/>Wiederwahl zur I. Kammer abgelehnt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3787"/> habe; ich kannʼs meiner Gesundheit nicht mehr zumuten und nicht mehr der Pflicht gegen das, was ich eigentlich noch leisten möchte. Die Bleikugeln der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3788"/>Neuauflagen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3788"/> hängen so wie so an mir, und ich bin in den Jahren, Zeit und Kraft zusammenzunehmen. Da muss man abwägen, was am ehesten lassen kann. Darum habe ich schon im Sommer erklärt, ich möchte nicht wieder gewählt werden. Aber eine Anzahl Kollegen scheint doch gemeint zu haben, ich <pb/> liesse mich wohl noch nötigen. So sind wir in die komisch irrationale Lage geraten, dass ich in Stichwahl mit dem stehe, den ich als meinen Nachfolger vorgeschlagen habe, mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3789"/><name>Troeltsch</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3789"/><name/>. Mein Entschluss ist aber fest.</p><p>Eiligst, mit herzlichem Gruss der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-3783"><lem>Stiftungsfest</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Hans von Schubert</name> an Windelband vom 3.11.1909</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3784"><lem>nicht ganz behaglich</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 29.6.1909</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3785"><lem>Messias</lem><note><abbr>vgl</abbr>. Windelband an Rickert vom 26.6.1909 sowie die Selbstanzeige in: Die Philosophie der Gegenwart. Eine internationale Jahresübersicht. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> A. Ruge. 1. Doppelband Literatur 1908 <abbr>u.</abbr> 1909. Heidelberg: Weiss’sche Universitätsbuchhandlung 1910, <abbr>S.</abbr> 508, <abbr>Nr.</abbr> 4250: </note><rdg>Vom Messias. Kulturphilosophische Essays v. R. Kroner, N. v. Bubnoff, G. Mehlis, S. Hessen, F. Steppuhn. (VII, 77 S.) 8°. Leipzig 09, W. Engelmann. M 0.80. R. Kroner, Ein Blatt aus dem Tagebuche unserer Zeit. N. v. Bubnoff, Fichte. G. Mehlis, Comte. S. Hessen, Herzen. F. Steppuhn, Ssolowjów. Aus dem Vorwort: Der Charakter unserer Schrift erheischt einige vorausgeschickte Worte der Erklärung ihres Wesens und Wollens. Zunächst sei bemerkt, daß wir in unseren Aufsätzen keinen Anspruch auf exakte Wissenschaftlichkeit erheben. Es werden dem Leser keine philosophisch strenge Abhandlungen geboten. In gemeinsamen Gesprächen wurden die Autoren der Essays dahin geführt, als eins der hervorstechendsten Kennzeichen unserer Zeit das immer mehr anwachsende Verlangen nach großen, schöpferischen Synthesen zu erblicken, durch die all die tausend zersplitterten Sekten und Schulen, wie sie heute auf den meisten Gebieten des inneren Lebens bestehen, zu einer organischen Verschmelzung gelangen sollen, um dem Alexandrinertum unserer Zeit ein entschiedenes Ende zu bereiten.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-3786"><lem>Beiträge</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Kulturphilosophie und transzendentaler Idealismus. In: Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur 1 (1910), Heft 2, <abbr>S.</abbr> 186–196.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3787"><lem>Wiederwahl zur I. Kammer abgelehnt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Karl Hampe</name> vom 14.11.1909</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3788"><lem>Neuauflagen</lem><note>von Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. 5., durchgesehene <abbr>Aufl.</abbr> Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1910; Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. 5., durchgesehene <abbr>Aufl.</abbr> Leipzig: Breitkopf <abbr>u.</abbr> Härtel 1911.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3789"><lem><name>Troeltsch</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> neben den Landtagsprotokollen die Meldung im Oktoberheft 1909 der Hochschul-Nachrichten (Paul von Salvisberg), <abbr>S.</abbr> 36: </note><rdg>Zum Vertreter in der 1. bad. Kammer wurde nach einem ergebnislosen 1. Wahlgang oP. Troeltsch (Syst. Theol.) gewählt, nachdem der bisherige Vertreter Prof. Windelband aus Gesundheitsrücksichten und Arbeitsüberbürdung eine Wiederwahl abgelehnt hatte.</rdg></app></listApp></back></text></TEI>