<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000608-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Franz Böhm</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>27.10.1909</date>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 52 Nr. 673</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0608" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000608-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1909-10-27">27.10.1909</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116219513">Franz Böhm</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name></note><note type="repository">Generallandesarchiv Karlsruhe</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3735"/><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Franz Böhm</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>27.10.1909</date><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3735"/>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 52 Nr. 673</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3736"/>27.10.09<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3736"/></dateline><salute>Hochgeehrter Herr Geheimerat,</salute><p>Gestatten Sie mir Ihre gütige Aufmerksamkeit auf eine etwas ungewöhnliche, aber wie mir scheint, durchaus beachtenswerte Angelegenheit zu richten.</p><p>Mein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3737"/>Assistent<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3737"/>, Herr <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name>, ein eifriger und betriebsamer, etwas eigenartiger, aber theoretisch und praktisch veranlagter Mann, begründet eben eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3738"/>internationale Bibliographie für Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3738"/>, wie sie auf dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3739"/>Kongress<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3739"/> allgemein als Desideratum anerkannt wurde. Er hat recht erfreuliche Beziehungen dafür im ganzen Auslande gewonnen, und ich halte das Unternehmen für gut und dauernd fundiert.</p><p>Nun hat er den Gedanken aufgeworfen, die gesamte dabei einlaufende Literatur, die ihm als Redacteur zusteht, unsrem Seminar zuzuweisen. Dieses würde dadurch <pb/> hinsichtlich der Anschaffungen der neu erscheinenden Literatur völlig entlastet und könnte seine Mittel für die Ausfüllung der noch recht grossen Lücken in der älteren wertvollen Literatur verwenden. Es bekäme dadurch eine nach allen Richtungen einzig dastehende Vollständigkeit, – einen Reichtum, der mit der Zeit fast räumliche Probleme schaffen müsste, die aber keineswegs unlösbar sind. Dies kann ich also als Seminardirector nur lebhaft begrüssen.</p><p>Als Entgelt für diese Leistung denkt sich weiterhin Herr <name>Ruge</name> eine Renumeration seiner Assistentenstellung, die nicht mehr im Sinne der „Senioren“ in den Seminarien unserer Fakultät (jährlich etwa 100 <abbr>Mk</abbr>), sondern in der Weise der Assistenten an Laboratorien und Kliniken, finanziell ihnen analog, ihm einen entsprechenden Existenzzuschuss gewähre, der tatsächlich unter dem Verkaufswerte der von ihm zur Verfügung zu stellenden Bücher bleiben würde. Er müsste dann ausdrücklich als Assistent geführt werden und als solcher honoriert sein.</p><p>Ueber die budgetmässigen Möglichkeiten einer solchen Vereinbarung, die im Interesse des Seminars in der Tat sehr erwünscht wäre, bin ich nicht ganz klar. Herr <name>Ruge</name> hat deshalb den Wunsch ausgesprochen, Ihnen die Sache persönlich vorzutragen, und ich habe ihm zugesagt, Sie um freundliche Aufnahme zu bitten, wenn er in diesen Tagen sich erlaubt, Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3740"/>seine Aufwartung zu machen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3740"/>.</p><p>Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Geheimrat, auch bei dieser Gelegenheit den Ausdruck der vorzüglichen Hochachtung, mit der ich bin</p><p><abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ergebenster</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-3736"><lem>27.10.09</lem><note>darunter Vermerk von anderer Hand: </note><rdg>E[rhalten] 28.10.09.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-3737"><lem>Assistent</lem><rdg>d</rdg><note>ie Bezeichnung Assistent ist offenbar schon seit mindestens 1905 von <name>Ruge</name> geführt worden, wie aus dem Briefwechsel zwischen <name>Siebeck</name> und Windelband hervorgeht. Eine Legitimation dazu lag aber offensichtlich noch nicht vor. Vielmehr konnte <name>Ruge</name> sich allenfalls als Senior bezeichnen, <abbr>d. h.</abbr> als studentischen Seminarmitarbeiter (in höherem Semester), dem dafür eine kleine Aufwandsentschädigung zustand (vgl. </note><rdg>Köhnke: Sinn für Institutionen. Mitteilungen aus Wilhelm Windelbands Heidelberger Zeit (1902–1915). In: Hubert Treiber, Karol Sauerland (Hg.): Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise. Opladen 1995, </rdg><note><abbr>S.</abbr></note><rdg> </rdg><note>66).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3738"><lem>internationale Bibliographie für Philosophie</lem><note>Die Philosophie der Gegenwart. Eine internationale Jahresübersicht. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Arnold Ruge. Erscheinungsverlauf: <abbr>Bd.</abbr> 1 („Doppelband“) Literatur 1908 <abbr>u.</abbr> 1909, Heidelberg 1910. <abbr>Bd.</abbr> 2 Literatur 1910, Heidelberg 1912. <abbr>Bd.</abbr> 3 Literatur 1911, Heidelberg 1913. <abbr>Bd.</abbr> 4 Literatur 1912, Heidelberg 1914 (<abbr>vgl.</abbr> den Anzeigentext in <abbr>dass.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 325: </note><rdg>Als ein besonderer Vorzug dieses Werkes aber ist es anzusehen, daß unter jedem wissenschaftlich bedeutenden Werke Inhaltsangabe des Herausgebers oder Selbstanzeige des Verfassers, ferner die erschienenen Rezensionen sich befinden</rdg><note>). <abbr>Bd.</abbr> 5 Literatur 1913, Heidelberg 1915.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3739"><lem>Kongress</lem><note>dem 3. Internationalen für Philosophie in Heidelberg, <abbr>vgl.</abbr> zu Ruges Projekt Windelband an <name>Heinrich Rickert</name> vom 15.5.1909.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3740"><lem>seine Aufwartung zu machen</lem><note>Treffen nicht ermittelt</note></app></listApp></back></text></TEI>