<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000564-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>29.6.1909</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift), Wasserzeichen</note> <quote type="rdg">R. DIEFFENBACHER | HEIDELBERG</quote>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_65</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0564" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000564-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1909-06-29">29.6.1909</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11875355X">Fedor Stepun</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117002747">Georg Mehlis</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116817429">Nicolai von Bubnoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11890003X">Richard Kroner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119549603">Sergius Hessen</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>29.6.1909</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift), Wasserzeichen</note> <quote type="rdg">R. DIEFFENBACHER | HEIDELBERG</quote>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_65</ref></head></front><body><dateline>Heidelberg, 29.6.09.</dateline><salute>Lieber Freund,</salute><p>Aufrichtigen Dank für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3526"/>Ihre Briefe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3526"/>; sie haben mich sehr gefreut, insbesondre auch der letzte mit seiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3527"/>Zustimmung zu unsrer Akademie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3527"/>. Dass mir deren Installation viel Mühe und Arbeit gemacht hat und macht, können Sie denken. Wie sehr ich in solchen Aussendingen und in den unerwartet umfangreichen repräsentativen Pflichten meines Prorectorats befangen bin, sehen Sie daraus, dass ich auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3528"/>Ihre Abhandlung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3528"/> in den K<add>[ant-]</add> St<add>[udien]</add> bisher nicht studiert, sondern nur flüchtig angelesen habe; daher auch Ihnen heute nur den allgemeinsten Dank dafür sagen kann. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3529"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3529"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3530"/><name>Steppuhn</name>, der mich gestern besuchte, sollte Ihnen diese meine Zeitnöte und auch meine Stellung zu dem „Logos“ berichten, dem ich grosses, für später auch tätiges Interesse zuwenden will, wenn ich auch zwei nicht leichte Bedenken<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3530"/>, die er Ihnen berichten will, ein sachliches und ein persönliches, dabei zu überwinden habe. Für heute kann ich leider nicht näher darauf eingehen, weil ich noch sehr viel zu tun habe.</p><p>Nur einen Punkt möchte ich kurz berühren: ich deute den Wunsch nach Besitz meines „Büchleins“, den Sie sehr berechtigt aussprechen, auf die <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3531"/>Frankfurter Vorlesungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3531"/> über Phil<add>[osophie]</add> d<add>[es]</add> 19. Jahrh<add>[underts]</add>. Diese aber habe ich Ihnen ganz bestimmt geschickt, entweder, wie ich glaube, durch <name>Siebeck</name> oder direct von hier. Jedenfalls stehen Sie als Adressat auf meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3532"/>Liste der Empfänger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3532"/>. Sollte das Ding nicht in Ihre Hände gelangt sein? Da müsste irgendein Missgeschick passiert sein. Wenn es so ist, bitte ich dringend, es mir zu schreiben; ich hole es dann nach. Denn Einiges darin wird Ihnen vielleicht nicht ganz alltäglich vorkommen, so populär das Ganze gehalten ist. Es fällt mir jetzt auf, dass <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3533"/>Ihr vorletzter Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3533"/>, den ich darauf nachsehe, von dem Büchlein nichts erwähnt.</p><p>Dagegen wird der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3534"/>Separatabdruck<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3534"/> aus der Kult<add>[ur]</add> d<add>[er]</add> Gegenw<add>[art]</add>, den ich in den letzten Tage an Sie expedierte, für Sie nicht viel andres enthalten als etwa das Interesse daran, <pb/> wie ich mich mit der wenig angenehmen Lage abgefunden habe, mich selbst abzuschreiben.</p><p>Doch nun für heut genug. Dass Sie nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3535"/>zum Samstag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3535"/> kommen, begreife ich vollkommen, so herzlich leid es mir tut.</p><p>Mit den besten Grüssen von Haus zu Haus getreulich der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-3526"><lem>Ihre Briefe</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3527"><lem>Zustimmung zu unsrer Akademie</lem><note>Rickert gehörte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften als ausserordentliches (= auswärtiges) Mitglied an.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3528"><lem>Ihre Abhandlung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 15.5.1909</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3529"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-3530"><lem>Steppuhn … Bedenken</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 16.11.1909. Der Freundeskreis um <name>Richard Kroner</name>, in dem auch die Konzeption einer Zeitschrift mit dem Titel Logos zum ersten Mal diskutiert wurde, bestehend aus <name>Nicolai von Bubnoff</name>, <name>Georg Mehlis</name>, <name>Sergius Hessen</name> und <name>Fedor Stepun</name> hatte 1909 erscheinen lassen: Vom Messias. Kulturphilosophische Essays. Leipzig: Engelmann 1909. Windelbands Reaktion auf die religiöse Konnotation war zumindest ambivalent, <abbr>vgl</abbr>. Fedor Stepun: Vergangenes und Unvergängliches. Aus meinem Leben. Erster Teil 1884–1914. München: Kösel 1947, <abbr>S.</abbr> 201–202: </note><rdg>Als ich ihm das Sammelheft unseres Kreises zeigte, richtete er seine durchbohrenden klugen Augen auf mich und bemerkte mit seinem bezaubernden Lächeln sarkastisch: „Sie haben Ihr Heftchen ‚Vom Messias‘ genannt, jetzt wollen Sie die Zeitschrift ‚Logos‘ betiteln. Passen Sie auf, Sie landen noch bei den Schwarzen.“ Windelband scherzte natürlich; in seinem Scherz lag aber doch eine gewisse Befürchtung, wir, seine Schüler, könnten dem Kantischen Kritizismus untreu werden und, uns selber unbewußt, am Ufer katholisierender Metaphysik landen. Will man es nicht als bloßen Zufall ansehen, daß von fünf Mitarbeitern unseres Schriftchens nur ein einziger dem Kritizismus treu geblieben ist, so muß man Windelband einen tiefen Scharfblick zuerkennen.</rdg><note> Zum Kontext <abbr>vgl.</abbr> die weiteren sich auf das Vorhaben Logos und den Streit um <name>Arnold Ruge</name> innerhalb der Redaktion beziehenden Schreiben Windelbands, Rickerts und Paul Siebecks vom Frühjahr 1910; sowie Harald Homann: Die „Philosophie der Kultur“. Zum Programm des ‚Logos‘. In: E. W. Orth/H. Holzhey (<abbr>Hg.</abbr>): Neukantianismus. Perspektiven und Probleme. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 1994, <abbr>S.</abbr> 88–112; Rüdiger Kramme: Philosophische Kultur als Programm. Die Konstituierungsphase des LOGOS. In: H. Treiber, K. Sauerland (<abbr>Hg</abbr>.): Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise. Opladen: Westdeutscher <abbr>Vlg.</abbr> 1995, <abbr>S.</abbr> 119–149; <abbr>ders</abbr>.: LOGOS 1933/34. Das Ende der „Internationalen Zeitschrift für Philosophie der Kultur“. In: Rechtstheorie 27 (1996), <abbr>S.</abbr> 92–116; <abbr>ders</abbr>.: „Kulturphilosophie“ und „Internationalität“ des „Logos“ im Spiegel seiner Selbstbeschreibungen. In: G. Hübinger, R. v. Bruch, F. W. Graf (<abbr>Hg</abbr>.): Kultur und Kulturwissenschaften um 1900 <abbr>Bd.</abbr> 2. Idealismus und Positivismus. Stuttgart: Steiner 1997, <abbr>S.</abbr> 122–134.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3531"><lem>Frankfurter Vorlesungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Die Philosophie im deutschen Geistesleben des XIX. Jahrhunderts. Fünf Vorlesungen. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1909.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3532"><lem>Liste der Empfänger</lem><note>in Windelbands Liste an <name>Paul Siebeck</name> vom 30.3.1909  (siehe dort) ist Rickerts Name nicht aufgeführt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3533"><lem>Ihr vorletzter Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3534"><lem>Separatabdruck</lem><note>von Windelband: Die neuere Philosophie. In: Allgemeine Geschichte der Philosophie. Leipzig: Teubner 1909 (Die Kultur der Gegenwart, ihre Entwicklung und ihre Ziele. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> P. Hinneberg. Teil I, <abbr>Abt.</abbr> 5, <abbr>Bd.</abbr> 7), <abbr>S.</abbr> 382–541.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3535"><lem>zum Samstag</lem><note>den 3.7.1909, Tag der Eröffnungssitzung der Akademie um 10:00 Uhr in der Aula der Universität, <abbr>vgl.</abbr> den Bericht in: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Stiftung Heinrich Lanz. Jahresheft Juni 1909 bis Juni 1910. Heidelberg: C. Winter 1910, <abbr>S.</abbr> IX–XXIX.</note></app></listApp></back></text></TEI>