<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000554-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Franz Böhm</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>5.5.1909</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 52 Nr. 673</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0554" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000554-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1909-05-05">5.5.1909</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116219513">Franz Böhm</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116219513">Franz Böhm</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119109468">Friedrich Endemann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116497084">Philipp Ernst Maximilian von Chelius</name></note><note type="repository">Generallandesarchiv Karlsruhe</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Franz Böhm</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>5.5.1909</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 52 Nr. 673</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3440"/>5 Mai 1909<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3440"/></dateline><salute>Hochgeehrter Herr Geheimerat,</salute><p>Ehe ich <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3441"/>neuliche Anfrage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3441"/> beantworte, drängt es mich, Ihnen die grosse und herzliche Freude auszusprechen, mit der ich aus der Zeitung eben die sichere Nachricht vernehme, dass nunmehr das gesamte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3442"/>Dezernat über die Unterrichtsangelegenheiten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3442"/> in Ihrer Hand vereinigt werden wird. Wir wissen aus der Erfahrung der Hochschulen am besten, in wie hohem und edlem Sinne Sie diese wichtigsten und schwierigsten Fragen des modernen Staates auffassen und behandeln, – wir haben an keiner Stelle ein wärmeres Interesse und ein tieferes Verständnis unserer Aufgaben gefunden, als bei Ihnen, und wir können es deshalb nur mit den freudigsten Hoffnungen begrüssen, dass Ihre segens<pb/>reiche Wirksamkeit sich auf den ganzen Umfang unseres badischen Schulwesens ausdehnen wird. Denn ich hoffe, dass Sie trotz der gesteigerten Arbeitslast uns Ihr Interesse und Ihre stets bereite Mitwirkung weiter bewahren werden: unseres aufrichtigen und herzlichen Dankes werden Sie stets gewiss sein dürfen! Und so wünsche ich Ihnen – und uns Glück zu dieser Wendung der Dinge!</p><p>Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3443"/>Absicht des Korps Suevia<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3443"/> zu seinem Jubiläum eine Stiftung in dem von Ihnen mitgeteilten Sinne zu machen, wird gewiss an der Universität freudig aufgenommen werden, zumal mit der von <abbr>Ew. </abbr>Hochwohlgeboren vorgeschlagenen Erweiterung, dass die geschichtliche Arbeit, zu deren Auszeichnung die Zinsen des Fonds verwendet werden sollen, der „deut<pb/>schen Geschichte“ im Allgemeinen angehören soll. Eine Beschränkung entweder auf die Zeit der Freiheitskriege oder andrerseits auf die Geschichte des Korps schiene auch mir unzweckmässig, doch stünde ja nichts im Wege, wenn die Stifter die Bevorzugung solcher Gegenstände eigens erwähnen wollten. Jedenfalls wird doch wohl vorauszusehen sein, dass die Preisarbeit wissenschaftlichen Charakters sein muss und dass, wenn es eine Stiftung für die Universität sein soll, die Entscheidung den akademischen Behörden zusteht. – Dies sind jedoch, wie ich hervorheben möchte, nur meine persönlichen Gedanken: ich hatte nach Empfang Ihres Briefes zuerst die Absicht, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3444"/>den Senat<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3444"/> bei nächster Sitzungsgelegenheit persönlich darüber zu befragen, überlegte mir dann aber, dass <pb/> dieser für den Senat des nächsten Jahres keine bindende Antwort geben kann. ich bitte also <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren, Herrn Wirkl<add>[ichen]</add> Geheimerat v<add>[on]</add> <name>Chelius</name> zunächst meine persönliche Meinung in diesem Sinne zu vermitteln; ich habe, wenn er damit einverstanden ist, vor, vertraulich mich weiter darüber zu informieren und Ihnen nähere Auskunft zu geben.</p><p>In der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3445"/>grossen Frage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3445"/> die uns bewegt, hat Herr Koll<add>[ege]</add> <name>Endemann</name> Sie davon in Kenntnis gesetzt, wie er hofft, dass die Bedenken <abbr>Sr.</abbr> Excellenz des Herrn Staatsministers in der einfachsten und schnellsten Weise gehoben werden können: ich hoffe daher zunächst, dass es nicht nötig werden wird, den von <abbr>Ew. </abbr>Hochwohlgeboren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3446"/>erwähnten Ausweg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3446"/> in Betracht zu ziehen, von dem ich nicht verschweigen will, dass er mir sehr starke Bedenken gegen sich zu haben schien.</p><p>Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Geheimrat, den Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung, mit der ich verbleibe <abbr>Ew. </abbr>Hochwohlgeboren ergebenster</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-3440"><lem>5 Mai 1909</lem><note>darunter Vermerk von anderer Hand: </note><rdg>E[rhalten] 6.5.09.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-3441"><lem>neuliche Anfrage</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Böhm an Windelband vom 2.5.1909</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3442"><lem>Dezernat über die Unterrichtsangelegenheiten</lem><note><name>Franz Alexander Böhm</name> (1861–1915) war 1899–1911 Ministerialrat im badischen Ministerium für Justiz-, Kultus und Unterricht, 1910 Ministerialdirektor. 1911–15 Minister des Kultus und Unterrichts (<ref type="link">www.leo-bw.de</ref>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3443"><lem>Absicht des Korps Suevia</lem><note>Stiftung nicht ermittelt, <abbr>vgl.</abbr> Böhm an Windelband vom 2.5.1909.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3444"><lem>den Senat</lem><note>als des höchsten Gremiums der Universität</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3445"><lem>grossen Frage</lem><note>der Akademiegründung, <abbr>vgl.</abbr> Böhm an Windelband vom 2.5.1909.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3446"><lem>erwähnten Ausweg</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Böhm an Windelband vom 2.5.1909</note></app></listApp></back></text></TEI>