<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000535-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Hugo Münsterberg</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>22.11.1908</date>, <note>Text nach einer </note><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Boston Public Library, Hugo Münsterberg Collection, MS Acc 1501-2500: Series 7, Box 51, Folder 750</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0535" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000535-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1908-11-22">22.11.1908</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118785281">Hugo Münsterberg</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521748">Auguste Comte</name><name>Dora Windelband</name><name>Ella Münsterberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118624024">Ernst Troeltsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118739603">Friedrich Paulsen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118785281">Hugo Münsterberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118750062">Josiah Royce</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11646156X">Ludwig Elster</name><name>Margareta Münsterberg</name><name>Selma Münsterberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116988118">Theobald Ziegler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118744127">Wilhelm Rein</name></note><note type="repository">Boston Public Library</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Hugo Münsterberg</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>22.11.1908</date>, <note>Text nach einer </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3311"/><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3311"/><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Boston Public Library, Hugo Münsterberg Collection, MS Acc 1501-2500: Series 7, Box 51, Folder 750</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 22 Nov<add>[ember]</add> 08</dateline><p>Vertraulich!</p><salute>Hochgeehrter Herr Kollege</salute><p>Halten Sie mich nicht für undankbar, wenn ich auf Ihren so liebenswürdigen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3312"/>Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3312"/> vom 15. Oct<add>[ober]</add> noch nicht geantwortet und Ihnen nicht einmal für das schöne Geschenk Ihres <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3313"/>neuen Buches über America<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3313"/> gedankt habe! Was ich davon habe ansehen können, hat mir wieder leuchtend bewiesen, welche eine hervorragende Rolle Sie in der gegenseitigen Vermittlung americanischer und deutscher Geistesbewegung zu spielen berufen sind. Aber leider habe ich noch nicht oft zu dem Buche greifen können; denn ich habe viel hin und her reisen müssen und stehe im Anfang eines sehr anstrengenden Semesters. Eine der Reisen ging nach Berlin, wohin mich sehr unerwartet <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3314"/><name>Elster</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3314"/> für die „Vereinigung für staatsbürgerliche Fortbildung“ zu einem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3315"/>Vortrag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3315"/> einlud, den ich dann über <name>Comte</name> hielt. Es fiel leider mit einem andern Anlass zur Berliner Reise zusammen, einer schweren Erkrankung meiner dort lebenden und lehrenden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3316"/>Tochter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3316"/>. Das nahm dann eigentlich fast alle Zeit für mich in Anspruch, sodass ich nicht daran denken konnte, Kollegen zu besuchen. <name>Elster</name> empfing mich mit ausgesuchter Lebenswürdigkeit, ohne natürlich mit einem Wort von der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3317"/>Professur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3317"/> zu reden. Wie es jetzt damit steht, wissen Sie vielleicht besser als ich, da ich begreiflicherweise selber keine Schritte tun und mich nicht einmal erkundigen kann. Nur so viel weiss ich, dass vor acht Tagen noch die Sache in der Fakultät nicht spruchreif war, dass aber inzwischen alle Register gezogen werden, um mich auszuschalten. Der Versuch, die Sache auf die Paedagogik zu spielen, der sich in der Zeitung komischerweise schon mit der Nachricht von einer Nomination von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3318"/><name>Rein</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3318"/> und – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3319"/><name>Ziegler</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3319"/> breit machte, scheint misslungen; dagegen arbeiten wohl die andern Kandidaturen mit aller Macht. Andrerseits flüstert man natürlich hier, dass mit der Besetzung Heidelberg und – was mich sehr erfreut – auch Freiburg gefährdet seien! Mein Interesse an der Angelegenheit ist vor allem das sachliche. Auch soweit ich selbst in Betracht komme, weiss ich wohl, dass ich persönlich an Behagen, Gesundheit und voraussichtlicher Lebensdauer Opfer zu bringen hätte. Aber – und das darf ich Ihnen sagen, der Sie aus dem Interesse für unsre Sache so warm und offenbar so erfolgreich tätig gewesen sind – ich glaube, dass, wenn die Frage wirklich an mich heranträte, ich schliesslich dem Gebote der Pflicht gehorchen müsste. Es wäre in meinem Lebensalter ein sehr schwerer Entschluss: aber ich glaube eben deshalb noch immer, dass es ein „Wohlwollen“ geben wird, das ihn mir ersparen will. Freilich, beriefe man <name>Rickert</name>, so läge die analoge Befürchtung vor der zerreibenden Unruhe der Grossstadt vielleicht ebenso nahe, und das die Freude, mit der ich es begrüssen würde, einigermaassen beeinträchtigen. Jedenfalls wünsche ich mir, die Frage möchte bald ihre Entscheidung finden, – möglichst noch in diesem Jahre, das mir so viel Interessantes und so viel Wertvolles gebracht hat. Wenn dazu – fast wider und jedenfalls über Erwarten – der Erfolg des Kongresses gehört, so weiss ich, was ich auch daran Ihrer von Anfang bis zu Ende so bereitwilligen und sachkundigen so feinsinnigen und taktvollen Hilfe verdanke: lassen Sie mich alles noch einmal in den Ausdruck herzlichsten und aufrichtigsten Dankes zusammenfassen!</p><p>Wir stecken nun auch schon in dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3320"/>Druck des Berichtes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3320"/>, ich lese gerade die Rede von <name>Royce</name>; wenn ich damit fertig bin, werde ich ihm darüber schreiben; dem Vortrag selber hatte ich leider nicht in alle Einzelheiten folgen können, so lebhaft ich den Eindruck des Ganzen auffasste. Wenn Sie ihm begegnen, haben Sie zunächst die Freundlichkeit, ihm meine besten Grüsse auszusprechen. Hoffentlich finden diese Zeilen Sie und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3321"/>Ihre verehrten Damen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3321"/> in bester Gesundheit, – ich verbleibe mit aufrichtigen Grüssen von Haus zu Haus dankbar der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-3312"><lem>Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3313"><lem>neuen Buches über America</lem><note>von Münsterberg war erschienen: Die Amerikaner. <abbr>Bd.</abbr> 1: Das politische und wirtschaftliche Leben. <abbr>Bd.</abbr> 2: Das geistige und soziale Leben. Berlin: S. Mittler <abbr>u.</abbr> Sohn 1904. Womöglich war Windelband bisher lediglich der 2. <abbr>Bd.</abbr> bekannt geworden, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Münsterberg vom 29.6.1904.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3314"><lem><name>Elster</name></lem><note><name>Ludwig Elster</name> (1856–1935), 1887 <abbr>o. Prof.</abbr> für Nationalökonomie in Breslau, 1897–1916 im Universitätsreferat des Preußischen Kultusministeriums. Seit 1.10.1907 (Abschied <name>Friedrich Althoff</name>s) Personalreferent (<abbr>NDB</abbr>; Hochschul-Nachrichten (Paul von Salvisberg), <abbr>Nr.</abbr> 1 von Oktober 1907, <abbr>S.</abbr> 8).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3315"><lem>Vortrag</lem><note>kein Bericht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3316"><lem>Tochter</lem><note><name>Dora Windelband</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3317"><lem>Professur</lem><note><name>Friedrich Paulsen</name>, seit 1894 <abbr>Prof.</abbr> für Philosophie mit einem Schwerpunkt in Pädagogik an der Berliner Universität, war am 14.8.1908 gestorben (<abbr>BEdPh</abbr>). Zur Rolle <name>Münsterberg</name>s in den Verhandlungen um eine Nachfolge ist nichts Näheres ermittelt. Windelbands Heidelberger Kollege <name>Ernst Troeltsch</name> wurde 1909 nominiert, die Berufung scheiterte jedoch (<abbr>BEdPh</abbr>, <name>Troeltsch</name> wurde erst 1914 nach Berlin berufen).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3318"><lem><name>Rein</name></lem><note>vermutlich <name>Wilhelm Rein</name> (<abbr>geb.</abbr> 1847), <abbr>Prof.</abbr> in Jena, <abbr>Hg.</abbr> der Zeitschrift für Philosophie und Pädagogik (Rudolf Eisler: Philosophen-Lexikon 1912, <abbr>S.</abbr> 587).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3319"><lem><name>Ziegler</name></lem><note><name>Theobald Ziegler</name>, Straßburg</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3320"><lem>Druck des Berichtes</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Bericht über den III. Internationalen Kongress für Philosophie zu Heidelberg 1. bis 5. September 1908. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Th. Elsenhans. Heidelberg: C. Winter 1909. Darin <abbr>S.</abbr> 62–90: Josiah Royce: The Problem of Truth in the light of recent discussion.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3321"><lem>Ihre verehrten Damen</lem><note>Ehefrau <name>Selma Münsterberg</name>, <abbr>geb.</abbr> Oppler, mit den Töchtern <name>Margareta</name> (*1889) <abbr>u.</abbr> <name>Ella</name> (*1891) (Wer ist’s? 1912, <abbr>S.</abbr> 1104).</note></app></listApp></back></text></TEI>