<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000531-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Hermann Diels</persName>, <placeName type="sent">Lugano</placeName>, <date>6.10.1908</date>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, Slg. Darmst. 2a 1878; acc. Darmst. 1920.250</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0531" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000531-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Lugano</placeName><date when="1908-10-06">6.10.1908</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119061457">Hermann Diels</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116705639">Louis Couturat</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117243426">Ludwig Stein</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Hermann Diels</persName>, <placeName type="sent">Lugano</placeName>, <date>6.10.1908</date>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, Slg. Darmst. 2a 1878; acc. Darmst. 1920.250</bibl></head></front><body><dateline>Lugano, 6. Oct<add>[ober]</add> 08</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege,</salute><p>Schon lange hatte ich mir vorgenommen, Ihnen über den Ausgang meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3292"/>Befürchtungen wegen des Esperanto<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3292"/> auf dem Heidelberger Philosophie-Kongress zu berichten: aber während der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3293"/>Kur in Baden i/Aargau<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3293"/>, mit der ich mich davon erholte, bin ich nicht dazu gekommen; erst eine träumerische Stunde an diesem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3294"/>See<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3294"/> lässt mich zur Feder zurückkehren. Nun wird es Sie vielleicht interessieren zu hören, dass alles ganz glatt verlaufen und von Esperanto garnicht geredet worden ist. Die beiden auf dem Genfer Kongress (1904) beauftragten Herren, Ludw<add>[ig]</add> <name>Stein</name> und <name>Couturat</name> hatten keinen Bericht geliefert, und ich habe mich gehütet, danach zu fragen. <name>Stein</name> war überhaupt nicht da, und <name>Couturat</name> hielt zwar <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3295"/>in einer Sektion einen Vortrag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3295"/> über das Verhältnis der Kunstesperanto zur Linguistik, stellte aber <pb/> keine Anträge. Der Grund scheint sehr einfach zu sein: er selber arbeitet bereits an einer „Reform“ des Esperanto, die von der Orthodoxie dieser Sekte nicht anerkannt wird: so wäre es fraglich geworden, für welchen „Dialekt“ der „Weltsprache“ die Agitation einsetzen sollte. Es scheint, diese Spaltung wird wohl der Anfang vom Ende sein.</p><p>So sind wir glücklich um das Esperanto herumgekommen und haben uns auch so recht gut verstanden; der Kongress war ausserordentlich lebhaft und inhaltsreich; ich bin ungern an ihn herangegangen und denke jetzt sehr befriedigt daran zurück.</p><p>Hoffentlich haben Sie auch gute Ferien gehabt und gehen erholt in’s Semester: ich bin mit aufrichtiger Hochachtung ergebenst der Ihrige</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-3292"><lem>Befürchtungen wegen des Esperanto</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Diels vom 2.3.1907</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3293"><lem>Kur in Baden i/Aargau</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 7.9.1908, an Hugo Münsterberg vom 10.9.1908 <abbr>u.</abbr> an Eduard Schwartz vom 30.9.1908</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3294"><lem>See</lem><note>Luganer See</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3295"><lem>in einer Sektion einen Vortrag</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Louis Couturat: D’une application de la logique au probleme de la langue internationale. In: Bericht über den III. Internationalen Kongress für Philosophie zu Heidelberg 1. bis 5. September 1908. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Th. Elsenhans. Heidelberg: C. Winter 1909, <abbr>S.</abbr> 415–424 (Sektion: Allgemeine Philosophie, Metaphysik und Naturphilosophie).</note></app></listApp></back></text></TEI>