<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000507-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Xavier Léon</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>31.3.1908</date>, <note>4 S., Ts. (mit eigenhändiger Unterschrift), gedruckter Briefkopf </note><quote type="rdg">III. Internationaler Kongress | für Philosophie Heidelberg 1908 | Präsidium: Dr. Windelband, | Landfriedstrasse 14. | Heidelberg, den</quote>, <bibl type="pubPlace">Bibliothèque interuniversitaire de la Sorbonne Paris, Bibliothèque Victor Cousin, MSVC 371-1 Ff. 170-173</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0507" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000507-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1908-03-31">31.3.1908</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119126370">Xavier Léon</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118653245">Emile Boutroux</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118509578">Henri Bergson</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118750062">Josiah Royce</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117057436">Theodor Lipps</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119126370">Xavier Léon</name></note><note type="repository">Bibliothèque interuniversitaire de la Sorbonne Paris</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Xavier Léon</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>31.3.1908</date>, <note>4 S., Ts. (mit eigenhändiger Unterschrift), gedruckter Briefkopf </note><quote type="rdg">III. Internationaler Kongress | für Philosophie Heidelberg 1908 | Präsidium: Dr. Windelband, | Landfriedstrasse 14. | Heidelberg, den</quote>, <bibl type="pubPlace">Bibliothèque interuniversitaire de la Sorbonne Paris, Bibliothèque Victor Cousin, MSVC 371-1 Ff. 170-173</bibl></head></front><body><dateline>31.3.1908.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege!</salute><p>Empfangen Sie meinen herzlichen Dank für Ihre freundlichen Zeilen, die mir die Freude gebracht haben, dass <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3142"/>meine Vorschläge<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3142"/> Ihren und Ihrer Herren Kollegen Beifall haben und dass ich auf ihre Verwirklichung rechnen darf. Mit aufrichtigem Danke empfinde ich es, dass in Ihren Kreisen so lebhaft interessierte und so Vieles versprechende Vorbereitungen für unseren Kongress getroffen werden, und ich hoffe, dass die verschiedenen Absichten sich sehr gut miteinander vereinigen werden.</p><p>Es würde mir sehr bedauerlich sein, wenn die Erfüllung der Bitte um eine Begrüssung des Kongresses, die ich an Herrn <name>Boutroux</name> gerichtet habe, uns den Genuss des Berichts über die französische Philosophie im letzten <pb/> Drittel des vorigen Jahrhunderts beeinträchtigen sollte, den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3143"/>Herr <name>Boutroux</name> uns vorzutragen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3143"/> beabsichtigt. Ich wüsste nichts, was für den Kongress wertvoller <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3144"/>wäre,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3144"/> und ich glaube, dass die Ansprache bei der Eröffnungssitzung, wesentlich dazu bestimmt, der Continuität des Kongresses den autoritativen Ausdruck zu geben, verhältnismässig kurz sein könnte und dem nicht im Wege stünde, dass Herr <name>Boutroux</name> in einer der andern allgemeinen Sitzungen noch einmal das Wort ergriffe. Andererseits aber möchte ich auch nicht auf einen Vortrag des Herrn <name>Bergson</name> in einer der allgemeinen Sitzungen verzichten. Die Einrichtung, die ich in diesem Sinne treffen zu können meine, wird wesentlich von der Wahl des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3145"/>Themas des Herrn <name>Bergson</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3145"/> abhängen, und es wäre deshalb erwünscht, wenn ich darüber bald eine Mitteilung erhalten könnte.</p><p>Wenn nämlich, wie ich jetzt hoffen darf, Herr <name>Royce</name> aus Harvard einen der allgemeinen Vorträge übernimmt, so wird dieser <pb/> voraussichtlich über die in der angelsächsischen Philosophie brennende Frage des Pragmatismus <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3146"/>reden,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3146"/> und andererseits wird auch Herr <name>Lipps</name>, der mir zu meiner Freude eben auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3147"/>zugesagt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3147"/> hat, vermutlich ein Thema aus den allgemeinen erkenntnistheoretisch-metaphysischen Fragen wählen. Es wäre nun möglich, dass das Thema des Herrn <name>Bergson</name> dem einen oder dem andern dieser beiden Themata so nahe stünde, dass wir zwei Referate, die wenn auch mit verschiedener Wendung, sich auf denselben Stoff bezögen, in einer und derselben allgemeinen Sitzung miteinander vereinigen könnte. Da ist auch bei dem Genfer Kongress ähnlich geschehen. Man müsste dann diese allgemeine Sitzung etwa schon um 10 Uhr beginnen lassen, während ich im allgemeinen beabsichtige, die andern allgemeinen Sitzungen erst um 11 Uhr beginnen zu lassen, um die früheren Morgenstunden für die Sektionen frei zu halten. Wenn sich eine solche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3148"/>Verknüpfung des Vortrags von Herrn <name>Bergson</name> mit dem von Herrn <name>Royce</name> <pb/> oder Herrn <name>Lipps</name> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3149"/>sachlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3149"/> nicht gut einrichten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3148"/> lässt, oder wenn Herr <name>Bergson</name> damit nicht einverstanden wäre, so bliebe noch die andere Möglichkeit, dass wir die längere Sitzung als eine durchgängig französische behandelten und dass darin <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3150"/>Herr <name>Boutroux</name> und Herr <name>Bergson</name> nacheinander das Wort ergriffen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3150"/>.</p><p>Nach Ihrem Briefe, hochgeehrter Herr Kollege, nehme ich an, dass Sie mit beiden Herren über diese Fragen gesprochen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3151"/>haben,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3151"/> und ich erlaube mir deshalb die Bitte, auch diese meine neuen Vorschläge mit den Herren zu besprechen. Wie Sie es dann miteinander ausmachen, wird es mir recht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3152"/>sein,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3152"/> und ich hoffe dafür auch die Zustimmung desjenigen Herrn zu erlangen, der bei der gewählten Kombination mit in Betracht käme. Für Ihre Vermittlung im Voraus dankbar, verbleibe ich mit aufrichtiger Hochachtung Ihr ergebenster</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-3142"><lem>meine Vorschläge</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Léon</name> vom 25.3.1908</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3143"><lem>Herr <name>Boutroux</name> uns vorzutragen</lem><note><name>Boutroux</name> trug vor (<abbr>vgl.</abbr> Bericht über den III. Internationalen Kongress für Philosophie zu Heidelberg 1. bis 5. September 1908. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Th. Elsenhans. Heidelberg: C. Winter 1909): Begrüßungsansprache des Präsidenten des I. Internationalen Kongresses für Philosophie (<abbr>S.</abbr> 48–52); Dankesworte des Vorsitzenden … im Anschluss an den Vortrag von B. Croce (<abbr>S.</abbr> 122–123); La philosophie en France depuis 1867 (<abbr>S.</abbr> 124–158).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3144"><lem>wäre,</lem><note>Komma von <abbr>Hd.</abbr> hinzugefügt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3145"><lem>Themas des Herrn <name>Bergson</name></lem><note>laut Ankündigung (Kongreßbericht <abbr>S.</abbr> 9): L’idée de devenir. <name>Bergson</name> sagte seine Teilnahme wegen Krankheit ab. Anstelle von Bergsons Vortrag hielt Windelband seinen Vortrag: Über den Begriff des Gesetzes.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3146"><lem>reden,</lem><note>Komma von <abbr>Hd.</abbr> hinzugefügt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3147"><lem>zugesagt</lem><note><name>Theodor Lipps</name> sagt seine Teilnahme wegen Krankheit kruzfristig wieder ab, <abbr>vgl.</abbr> Kongreßbericht.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3149"><lem>sachlich</lem><note>danach <abbr>hs</abbr>. <abbr>gestr</abbr>.: </note><rdg>sich</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-3148"><lem>Verknüpfung … einrichten</lem><note> diese Überlegungen wurden hinfällig, als sowohl <name>Lipps</name> als auch <name>Bergson</name> ihre Teilnahme absagten.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3150"><lem>Herr <name>Boutroux</name> und Herr <name>Bergson</name> nacheinander das Wort ergriffen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Henri Bergson</name> an <name>Xavier Léon</name> vom 5.4.1908: </note><rdg>La solution que vous indiquez est décidément la meilleure; c’est d’aileurs celle à laquelle nous nous étions arrêtés l’autre jour. Je vais écrire à Windelband dans ce sens […] J’écrirai à Windelband que nous optons pour la séance de deux heures, Boutroux devant parler d’abord et moi après</rdg><note> (Henri Bergson: Correspondances. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> André Robinet. Paris: Presses Universitaires de France 2002, <abbr>S.</abbr> 190). <name>Bergson</name> mußte wegen Krankheit <abbr>bzw</abbr>. eine durch großes Arbeitspensum verursachte Erschöpfung (</note><rdg>fatigue</rdg><note>) seine Teilnahme schließlich absagen, <abbr>vgl.</abbr> <name>Bergson</name> an <name>Xavier Léon</name> vom 27.7.1908 <abbr>u.</abbr> 12.8.1908 (<abbr>vgl.</abbr> <abbr>dass</abbr>. <abbr>S.</abbr> 212–213 <abbr>u.</abbr> <abbr>S.</abbr> 218), worin <name>Bergson</name> auch von Schreiben Windelbands berichtet, dessen Bitte, in Heidelberg wenigstens ohne Vortrag anwesend zu sein, <name>Bergson</name> ebenfalls zurückweisen mußte. <name>Bergson</name>s Absage kam mit Anfang August 1908 sehr spät (<abbr>vgl.</abbr> <abbr>dass.</abbr> <abbr>S.</abbr> 225), der Kongreß begann am 1.9.1908.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3151"><lem>haben,</lem><note>Komma von <abbr>Hd.</abbr> hinzugefügt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3152"><lem>sein,</lem><note>Komma von <abbr>Hd.</abbr> hinzugefügt</note></app></listApp></back></text></TEI>