<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000478-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Gustav Schmoller</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>1.3.1907</date>, <note>1 S., Ts. mit eigenhändiger Unterschrift, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">[S]UPERIEURE</quote>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl. Schmoller, Nr. 199a</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0478" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000478-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1907-03-01">1.3.1907</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/112883975X">Gustav Schmoller</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118677861">Bernhard Dernburg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/112883975X">Gustav Schmoller</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Gustav Schmoller</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>1.3.1907</date>, <note>1 S., Ts. mit eigenhändiger Unterschrift, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">[S]UPERIEURE</quote>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, VI. HA Nl. Schmoller, Nr. 199a</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2998"/>Heidelberg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2998"/>, den 1. März 1907.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege!</salute><p>Wie Ihnen meine Herrn Kollegen mitgeteilt haben werden, war eine gichtig-rheumatische <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2999"/>Erkrankung meiner rechten Hand<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2999"/> daran Schuld, dass ich der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3000"/>Einladung zu der Sitzung des Aktions-Komités im Anfang Januar<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3000"/> nicht Folge leisten konnte: je dankbarer ich Ihnen für die freundliche Aufforderung war, umsomehr habe ich bedauert, dieser illustren Versammlung fern bleiben zu müssen und auch nachher mich nicht in den Dienst der Sache stellen zu können. Denn jenes Leiden hat sich bis jetzt hingezogen; es hat dadurch, dass ich ihm täglich teils mit Sand-, teils mit Wasserbädern Stunden widmen musste, und dass ich in erster Linie den akademischen Pflichten, den Fakultätssachen und meinen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3001"/>im Druck befindlichen Büchern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3001"/> meine Zeit zu widmen hatte, mich von allen andern Angelegenheiten zu meinem grossen Leidwesen ferngehalten, sodass ich erst jetzt, wo das Semester zu Ende geht, an deren Abwicklung denken kann. Deshalb bitte und hoffe ich, dass Sie es mir nicht verübeln werden, wenn ich Ihrem Rufe in diesem Falle versagt habe: und als Bittgänger wird in den nächsten Tagen ein Exemplar der neuen Auflage meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3002"/>„Geschichte der Philosophie“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3002"/> sich bei Ihnen einstellen, das Sie freundlich aufnehmen wollen als ein Zeichen der dauernden Hochschätzung und Verehrung mit der ich verbleibe Ihr ergebenster</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-3003"/>Windelband<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-3003"/></signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2998"><lem>Heidelberg</lem><note>links oben Notiz von vermutlich Schmollers <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>beantw[ortet] u[nd] gedankt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2999"><lem>Erkrankung meiner rechten Hand</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Heinrich Rickert vom 7.1.1907 <abbr>u.</abbr> an Breitkopf &amp; Härtel vom 27.2.1907</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3000"><lem>Einladung zu der Sitzung des Aktions-Komités im Anfang Januar</lem><note>Ende 1906 war der Reichstag aufgelöst worden, weil am 13.12.1906 durch die Gegenstimmen der Fraktionen von Zentrum und Sozialdemokraten der Nachtragsetat zur Finanzierung des Kolonialkriegs in Deutsch-Südwestafrika (1904–08) nicht bewilligt wurde. Am 25.1.1907 fanden Neuwahlen statt. Die Sozialdemokraten verloren dabei wegen Blockbildung und Wahlabsprachen der übrigen Parteien eine erhebliche Anzahl ihrer Mandate trotz deutlichen Zuwachses an Wählerstimmen. Im Vorfeld der Wahlen gründete sich das die Regierung unterstützende Kolonialpolitische Aktionskomitee unter wesentlicher Beteilung <name>Gustav Schmoller</name>s. Dieses Kommitee hatte für den 8.1.1906 eine Agitationsversammlung einberufen, <abbr>vgl.</abbr> Kolonialpolitisches Aktionskomitee (<abbr>Hg.</abbr>): Über Reichstagsauflösung und Kolonialpolitik. Offizieller stenographischer Bericht über die Versammlung in der Berliner Hochschule für Musik am 8. Januar 1907. Berlin: Wedekind 1907 sowie den Bericht in der Freiburger Zeitung <abbr>v.</abbr> 9.1.1907, 1. Blatt, <abbr>S.</abbr> 1–2, dort den Text der Einladung: </note><rdg>Dernburg über unsere Kolonien. Zu der auf Dienstagabend im Konzertsaale der kgl. Hochschule für Musik in Berlin anberaumten Versammlung, die zu der brennenden Tagesfrage der Kolonialpolitik Stellung nahm, erging durch das unter dem Vorsitze von Professor Schmoller stehende kolonialpolitische Aktionskomitee folgende Einladung: | In der Krisis, die das Deutsche Reich heute durchzumachen hat, spielt die Frage der Kolonialpolitik eine wesentliche Rolle. Die Politik, die unserem Vaterlande so bedeutende überseeische Interessen gab, erscheint bei wissenschaftlicher und geschichtlicher Betrachtung nicht als eine Folge persönlicher Neigungen und Liebhabereien leitender Staatsmänner, sondern als ein Ergebnis der Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins wie der deutschen Volkswirtschaft, des deutschen Handels, der deutschen Schiffahrt, des deutschen Exports; in allen größeren entwickelten Staaten Europas und Amerikas sind ähnliche weltpolitische Tendenzen zu Tage getreten. Das deutsche Volk, das erst allmählich in diese Stellung hineinwächst, ist aufzuklären darüber, daß an eine Preisgabe der Weltmachtstellung und insbesondere der Kolonien nicht mehr zu denken ist, wenn es sich nicht selbst preisgeben will. Man mag über einzelne Fragen in unserer Staatspolitik denken wie man will, die weltpolitische Tendenz in unserer Senatspolitik wird man nie und nimmer aufhalten können. Von gegnerischer Seite wird man sich bemühen, den Wert unserer Kolonien überhaupt möglich herabzusetzen; man wird alles versuchen, um das ohnehin erst in kurzer Entwicklung begriffene Verantwortungsgefühl des deutschen Volkes für seine Weltmachtstellung zu ersticken. Hier muß eine Gegenaktion einsetzen. Von den einzelnen politischen Parteien werden wohl im Wahlkampf auch andere Fragen besonders die der inneren Politik aufgerollt werden. | Ueber diese Fragen denken auch die Unterzeichner dieser Einladung verschieden und sind überzeugt, dass auch in dem neuen Reichstag diese alten Gegensätze wirtschaftlicher und politischer Natur fortbestehen werden und müssen; einig aber sind sie in dem Punkte, daß eine starke und entschlossene Majorität zur Durchführung der Kolonialpolitik für die Zukunft des deutschen Volkes unentbehrlich und unerlässlich ist. Unsere Gegenaktion gegen das kleinmütige Begehren, Deutschland auf eine bloße Binnenpolitik zu beschränken und damit die Lebensfähigkeit unseres Volkes, das jährlich fast um eine Millionen Seelen wächst, zu unterbinden, soll in die weiteren Kreise des Volkes über unsere Kolonialpolitik Aufklärung bringen. Wenn Sie mit dem Plane einer solchen Gegenaktion einverstanden sind und wenn Sie es für richtig halten, daß die Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und der Literatur, der liberalen Berufe, versuchen ganz unabhängig von ihrer Parteistellung gemeinsam ihre Ueberzeugung in die Wagschale des öffentlichen Kampfes zu werfen, so laden wir Sie ergebenst ein, am Dienstag zu erscheinen, und mit uns Unterzeichneten die Frage, was geschehen soll, zu beraten.</rdg><note> Danach folgt ein ausführliches Referat über die Reden, <abbr>u. a.</abbr> von <name>Bernhard Dernburg</name>, dem neu ernannten Leiter der Kolonialbehörde (<ref type="link">http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/FreiburgerZeitung1907-01-09.htm</ref> (5.7.2017)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3001"><lem>im Druck befindlichen Büchern</lem><note>Geschichte der neueren Philosophie, Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, jeweils in 4. <abbr>Aufl.</abbr> 1907.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-3002"><lem>„Geschichte der Philosophie“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. 4., vermehrte <abbr>Aufl.</abbr> Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1907.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-3003"><lem>Windelband</lem><note>eigenhändige Unterschrift</note></app></listApp></back></text></TEI>