<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000461-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>5.1.1906</date>, <note>Text nach einer </note><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0461" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000461-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1906-01-05">5.1.1906</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119014920">Friedrich Ueberweg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name>Georg Siebert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116443774">Hugo Renner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118564633">Josef Kohler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118505785">Karl Baedeker</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11667461X">Max Heinze</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547380">Rudolf Haym</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>5.1.1906</date>, <note>Text nach einer </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2862"/><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2862"/><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 5.1.06.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Doctor!</salute><p>Prosit Neujahr!</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2863"/>Was sagen Sie nun<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2863"/> zu der „Philosophischen Wochenschrift“? Das erste Heft ist gewiss auch Ihnen vor Augen gekommen, – dieses <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2864"/>ridiculus mus<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2864"/>! Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2865"/>pièce de résistance<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2865"/> ein Gekohle über <name>Kohler</name>’s Rechtsphilosophie! Mir tut der gute <name>Eucken</name> leid, dass sich das so halb und halb an seine Rockschösse hängen darf. Welch ein harmloser Herr übrigens <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2866"/>der Herausgeber<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2866"/> ist, sieht man an dessen – nun, sagen wir unvorsichtiger Belobung des <name>Siebert</name>’schen Buchs über <name>nachhegelsche</name> Philosophie. Er scheint keine Ahnung davon zu haben, dass dies <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2867"/>Machwerk in der ersten Auflage als Plagiat aus dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2868"/>Bädecker<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2868"/> der Philosophiegeschichte, dem bekannten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2869"/><name>Ueberweg</name>-<name>Heinze</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2869"/><name/> dargetan worden ist, – keine Ahnung, dass soeben eine zweite „Arbeit“ des buchmachenden Pastors in den „Kantstudien“ als Verhunzung von <name>Haym</name>’s Dictaten vermöbelt worden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2867"/> ist – und er hat natürlich keine Ahnung davon, dass binnen kurzem die „Vermehrung“ in der zweiten Auflage jenes ersten Buchs als Entlehnung aus der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2870"/>„Philosophie im Beginn des 20. Jahrhunderts“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2870"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2871"/>enthüllt werden wird<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2871"/>! Dies letztere bitte unter uns! Aber dieses Buch in seinem Programmhefte so gelobt zu haben, – das ist ein Unglück für den Herausgeber, das er schwer verwinden wird.</p><p>Wahrlich, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, so gilt von dieser Wochenschrift jenes Kernwort eines <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2872"/>Tübinger Philosophieprofessors<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2872"/>: „es ist ein totgebornes Kind und wird sich im Sande verlaufen“! –</p><p>Wie ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2873"/>in der Zeitung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2873"/> lese, werden Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2874"/>Herrn <name>Arnold Ruge</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2874"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2875"/>Schrift über das deutsche Studentenleben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2875"/> in zwei Auflagen drucken: ich bin nun wirklich auf das Ding begierig! Wann wird es denn etwa erscheinen?</p><p>Bei mir fängt allmählich die Arbeit an der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2876"/>4. Auflage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2876"/> an; ich werde ziemlich viel am Stil ändern, namentlich durch Auflösung der oft viel zu langen und gedrängten Sätze. Allzu grosse Vermehrung wird das nicht bedeuten!</p><p>Mit ergebenstem Gruss wie immer Ihr</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2863"><lem>Was sagen Sie nun</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Paul Siebeck an Windelband vom 9.11.1905</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2864"><lem>ridiculus mus</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Horaz: De arte poetica 139: Parturient montes, nascetur ridiculus mus: Die Berge kreißen, geboren wird eine lächerliche Maus.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2865"><lem>pièce de résistance</lem><note><abbr>frz.</abbr> Kern, Herzstück, Hauptsache („Stück, das Widerstand leistet“, Küchensprache)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2866"><lem>der Herausgeber</lem><note>die Rede ist von <name>Hugo Renner</name>, von dessen Neugründung Philosophische Wochenschrift und Literaturzeitung zum 6.1.1906 die erste <abbr>Nr.</abbr> erschien, Inhalt: Hugo Renner: Über Philosophie und ihre Popularität; Rudolf Eucken: Die Philosophie und das deutsche Publikum; Fritz Berolzheimer: J[osef] Kohler als Rechtsphilosoph; Bruno Bauch: Zum Begriff der Erfahrung; Selbstanzeigen; Besprechungen; Zeitschriftenschau. Die Zeitschrift, aus der heraus auch eine Gesellschaft für Philosophie gegründet und eine Encyclopädie der Philosophie ausgekoppelt wurde (davon erschienen lediglich zwei Bände) ging mit Ablauf des Jahres 1908 ein.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2868"><lem>Bädecker</lem><note>Anspielung auf <name>Karl Baedeker</name>s Reisehandbücher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2869"><lem><name>Ueberweg</name>-<name>Heinze</name></lem><note>gemeint ist der Grundriss der Geschichte der Philosophie von <name>Friedrich Ueberweg</name>, in 5.–9. <abbr>Aufl.</abbr> bearbeitet von <name>Max Heinze</name>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2867"><lem>Machwerk … worden</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> die Rezension von<name> Fritz Medicus</name> über Otto Siebert: Was jeder Gebildete aus der Geschichte der Philosophie wissen muss. Ein kurzer Abriss der Geschichte der Philosophie im Anschluss an Rudolf Hayms philosophische Vorlesungen herausgegeben. Langensalza 1905. In: Kant-Studien 10 (1905), <abbr>S.</abbr> 558–560, mit Hinweis auf die Entlarvung der ersten <abbr>Aufl.</abbr> von Sieberts Geschichte der neueren deutschen Philosophie seit Hegel als Plagiat.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2870"><lem>„Philosophie im Beginn des 20. Jahrhunderts“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Die Philosophie im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Festschrift für Kuno Fischer unter Mitwirkung v. O. Liebmann, W. Wundt, Th. Lipps, B. Bauch, E. Lask, H. Rickert, E. Troeltsch, K. Groos <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> W. Windelband. 2., verbesserte <abbr>u.</abbr> um das Kapitel Naturphilosophie erweiterte <abbr>Aufl.</abbr> Heidelberg: C. Winter 1907.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2871"><lem>enthüllt werden wird</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Rezension von <name>Fritz Medicus</name> über Otto Siebert: Geschichte der neueren deutschen Philosophie seit Hegel. Ein Handbuch zur Einführung in das philosophische Studium der neuesten Zeit. 2., vermehrte <abbr>u.</abbr> verbesserte <abbr>Aufl.</abbr> Göttingen 1906. In: Kant-Studien 11 (1906), <abbr>S.</abbr> 276–278.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2872"><lem>Tübinger Philosophieprofessors</lem><note>Zuschreibung des verbreiteten Witzworts nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2873"><lem>in der Zeitung</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2874"><lem>Herrn <name>Arnold Ruge</name>s</lem><rdg>Hrn. A. R.’s</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2875"><lem>Schrift über das deutsche Studentenleben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Siebeck vom 31.7.1905 sowie Arnold Ruge: Kritische Betrachtung und Darstellung des Deutschen Studentenlebens in seinen Grundzügen. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1906.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2876"><lem>4. Auflage</lem><note>von: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1907. VIII, 588 <abbr>S.</abbr> (gegenüber VIII, 575 <abbr>S.</abbr> der 3. <abbr>Aufl.</abbr>).</note></app></listApp></back></text></TEI>