<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000460-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Albrecht Dieterich</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>25.11.1905</date>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, H-IV-102/137 (Philosophische Fakultät 1905/06, Dekan: Albrecht Dieterich), Bl. 22</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0460" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000460-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1905-11-25">25.11.1905</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116111585">Albrecht Dieterich</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118819275">Willy Hellpach</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Albrecht Dieterich</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>25.11.1905</date>, <note>2 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UA Heidelberg, H-IV-102/137 (Philosophische Fakultät 1905/06, Dekan: Albrecht Dieterich), Bl. 22</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 25t November 1905</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Dekan,</salute><p>Nachdem ich die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2855"/><name>Hellpach</name>’sche Habilitationsangelegenheit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2855"/> formell und sachlich einer in letzterer Hinsicht für mich recht mühsamen und unbequemen Prüfung unterzogen habe, beehre ich mich, der philosophischen Fakultät den Antrag zu unterbreiten, sie wolle etwa <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2856"/>folgende Antwort erteilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2856"/>:</p><p>„Die philos<add>[ophische]</add> Fakultät ist an sich gern bereit, dem Wunsche des hohen Ministeriums gemäss der technischen Hochschule durch ein Gutachten in Bezug auf ein an dieser selbst nicht besetztes Fach behilflich zu sein, und die Fakultät ist angesichts der Ungewöhnlichkeit und principiellen Wichtigkeit des Falles dem hohen Ministerium besonders dankbar dafür, dass es als Bedingung dafür eine vorherige Festlegung der Kompetenzen in Aussicht genommen hat. Gerade in dieser Hinsicht nämlich muss die Fakultät Bedenken tragen, ein Gutachten abzugeben, wenn die Entscheidung nachher noch bei der Habilitationskommission der techn<add>[ischen]</add> Hochschule liegen soll: denn nachdem diese im Uebrigen auf das Habilitationsgesuch des Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Hellpach</name> einzugehen sich bereit erklärt hat, können für die Entscheidung, so weit wir sehen, keine andern Gesichtspunkte mehr massgebend sein, als eben die, für welche unser Gutachten eingeholt werden soll, nämlich die der wissenschaftlichen Qualifikation des Habilitanden.</p><p>Diese Schwierigkeit wäre zu heben, wenn die Habilitationskommission der T<add>[echnischen]</add> H<add>[ochschule]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2857"/>vorher<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2857"/> die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2858"/>Erklärung abgäbe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2858"/>, dass sie nach Prüfung der sonstigen persönlichen und sachlichen Verhältnisse entschlossen sei, die Habilitation des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2859"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2859"/> <abbr>Dr.</abbr> <name>Hellpach</name> bei dem hohen Ministerium zu beantragen, sobald das Gutachten der Fakultät über seine wissenschaftliche Qualification zu seinen Gunsten ausgefallen sei.</p><p>Unter dieser Voraussetzung erklärt sich die Fakultät <pb/> zur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2860"/>Beurteilung der Habilitationsleistungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2860"/> des <abbr>Dr.</abbr> <name>Hellpach</name> bereit, nachdem ihr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2861"/>Referent für die philosophischen Fächer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2861"/> sich zur Uebernahme eines Berichtes darüber anheischig gemacht hat. Auch dieser aber konnte das nur mit einer gewissen Reserve übernehmen. Die Arbeiten des Habilitanden und auch seine Habilitationsschrift betreffen psychopathologische Gebiete, deren besondere Materien dem Referenten fern liegen und über die er sich, wie namentlich über eigentlich psychiatrische Fragen kein Urteil zutrauen kann. Nur der ausgesprochen wissenschaftstheoretische Gesamtcharakter der Habilitationsschrift und der allgemeiner methodologische Zug, den die Arbeiten des Habilitanden zeigen, wird es dem Referenten erlauben, sich in diesen Grenzen ein Urteil über die wissenschaftliche Befähigung des Habilitanden zu bilden.“</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2855"><lem><name>Hellpach</name>’sche Habilitationsangelegenheit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> in derselben Akte <abbr>Bl.</abbr> 19–28 Habilitationsverfahren Dr. med. et phil. <name>Willy Hellpach</name> an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Diese entschied aufgrund der Gutachten der philosophischen Fakultät Heidelberg, da es ein Fach beträfe, das an der Technischen Hochschule nicht vertreten sei (laut Schreiben vom 3.8.1905 des Ministeriums der Justiz, des Kultur und Unterrichts an die Heidelberger philosophische Fakultät vom 3.8.1905). <abbr>Vgl.</abbr> Windelbands Gutachten vom 5.2.1906 im Abschnitt Dokumente der vorliegenden Edition. <abbr>Vgl.</abbr> zum ganzen Vorgang Horst Gundlach: Wilhelm Windelband und die Psychologie. Heidelberg: University Publishing 2017, <abbr>S.</abbr> 193–223 <abbr>u.</abbr> 283–287.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2856"><lem>folgende Antwort erteilen</lem><note>Zustimmung im Fakultätsumlauf erteilt, <abbr>vgl.</abbr> <abbr>Bl.</abbr> 21 in derselben Akte. Windelbands Entwurf dient als Antwort an den Engeren Senat der Universität Heidelberg und an das vorgesetzte Unterrichts-Ministerium.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2857"><lem>vorher</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2858"><lem>Erklärung abgäbe</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2859"><lem>Herrn</lem><rdg>Hrn.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2860"><lem>Beurteilung der Habilitationsleistungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> in derselben Akte <abbr>Bl.</abbr> 23: am 8.1.1906 übermittelt der Engere Senat die Unterlagen der Technischen Hochschule über Hellpach an die philosophische Fakultät; am 12.1.1906 bittet der Dekan um das Gutachten (Windelband notiert auf der Aufforderung: </note><rdg>Mein Gutachten liegt bei. | 5/2 06 Windelband</rdg><note>); <abbr>Bl.</abbr> 28: Dankschreiben des Rektors der Technischen Hochschule vom 17.4.1906. Am 16.2.1906 fand die Probevorlesung statt, das Ministerium erteilte die venia legendi am 21.2.1906.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2861"><lem>Referent für die philosophischen Fächer</lem><note><abbr>d. i.</abbr> Windelband</note></app></listApp></back></text></TEI>