<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000452-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>31.7.1905</date>, <note>Text nach einer </note><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0452" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000452-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1905-07-31">31.7.1905</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532847">Johann Gottlieb Fichte</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1012416259">Oskar Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118765140">Richard Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1073410277">Robert Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116988118">Theobald Ziegler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118767208">Zacharias Werner</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>31.7.1905</date>, <note>Text nach einer </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2819"/><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2819"/><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg 31.7.05</dateline><salute>Hochverehrter Herr Doctor,</salute><p>Ihre werte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2820"/>Anfrage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2820"/> überrascht mich einigermassen. Zwar wusste ich, dass Herr R<add>[uge]</add> eine Schrift über den deutschen Studenten plant, die wesentlich eine Gegenschrift gegen die bekannten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2821"/>Vorlesungen <name>Theobald Ziegler</name>’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2821"/> sein soll: ich habe ihn zur grössten Vorsicht und Zurückhaltung ermahnt, weil er heftige, leidenschaftliche und stark subjektiv gefärbte Ansichten hat, die <abbr>z. T.</abbr> auch seinen persönlichen, etwas trüben Lebenserfahrungen entstammen. Nun haben vielleicht diese meine Aeusserungen ihn fühlen lassen, dass ich mit der Sache nichts zu tun haben möchte, und so verstehe ich es, dass er mir Nichts vom Fortgang seiner Absicht, Ihnen deren Verlag anzubieten gesagt hat.</p><p>Nun kann ich nur raten, das Manuskript sehr genau zu prüfen: von seinem Inhalte weiss oder ahne ich nicht ein Wort mehr, als ich eben schreibe. Wegen der Darstellung aber kann ich auch nur auf eine zur Vorsicht empfehlende Erfahrung hinweisen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2822"/>Herr <name>Ruge</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2822"/><name/> hat vor einigen Wochen in dem hiesigen Winter’schen Verlag einen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2823"/>Neudruck von <name>Fichte</name>’s Rede über die akademische Freiheit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2823"/> herausgegeben und dazu eine kleine Einleitung geschrieben. Den Entwurf dazu legte er mir vor; ich riet ihm manche Leidenschaftlichkeiten und einige Irrtümer, die darin vorkamen, zu streichen und empfahl eine weitgehende Umgestaltung. Diese hat er denn versucht, mir aber nicht mehr vorgelegt; ich war, als ich sie zu lesen bekam, nicht sehr zufrieden damit, und ich möchte anheimgeben, sich dieses <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2824"/>specimen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2824"/> zur Bildung Ihres Urteils anzusehen.</p><p>Was <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2825"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2826"/><name>Ruge</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2825"/> Dissertation<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2826"/> anlangt, so hat das wohl noch einige Zeit; ich habe noch Nichts davon gesehen, und dafür können Sie ja nicht gut Ihre Entscheidung von meinem zukünftigen Urteil abhängig machen, während Sie mich aller Dinge verbinden würden, wenn Sie in Bezug auf die Schrift über den Studenten mich vollständig aus dem Spiele lassen wollten.</p><p>Inzwischen sind Sie hoffentlich von Ihrer nächsten Sorge um <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2827"/>Ihren Sohn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2827"/> durch eine glücklich verlaufene Operation befreit worden und können auf seine schnelle Erholung rechnen: ich wünsche dazu von Herzen das Beste und bleibe mit den aufrichtigsten Empfehlungen und Grüssen von Haus zu Haus Ihr getreulich ergebner</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2820"><lem>Anfrage</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Paul Siebeck an Windelband vom 30.7.1905</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2821"><lem>Vorlesungen <name>Theobald Ziegler</name>’s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Theobald Ziegler: Der deutsche Student am Ende des 19. Jahrhunderts. Vorlesungen gehalten im Wintersemester 1894/95 an der Kaiser-Wilhelm-Universität Strassburg. Stuttgart: Goeschen 1895.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2822"><lem>Herr <name>Ruge</name></lem><rdg>Hr. R.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2823"><lem>Neudruck von <name>Fichte</name>’s Rede über die akademische Freiheit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Johann Gottlieb Fichte: Über die einzig mögliche Störung der Akademischen Freiheit. Als ein Beitrag zu den Zeitfragen mit einer Einleitung <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Arnold Ruge. Heidelberg: C. Winter 1905.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2824"><lem>specimen</lem><note><abbr>lat.</abbr> Probe, Probestück</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2825"><lem><name>Ruge</name>s</lem><rdg>R.s</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2826"><lem><name>Ruge</name>s Dissertation</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Paul Siebeck an Windelband vom 30.7.1905</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2827"><lem>Ihren Sohn</lem><note>Paul Siebeck hatte vier Söhne: <name>Oskar</name> (1880–1936), <name>Richard</name> (1883–1965), <name>Robert</name> (1885–1914), <name>Werner</name> (1891–1934). Welcher von diesen gemeint ist, ist nicht ermittelt (<abbr>NDB</abbr>).</note></app></listApp></back></text></TEI>