<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000438-3</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>30.12.1904</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0438" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000438-3"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1904-12-30">30.12.1904</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116111585">Albrecht Dieterich</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1183730527">Arthur Goette</name><name>Dora Windelband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118763946">Hermann Usener</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1143549546">Marie Dieterich</name><name>Meta Windelband</name><name>Sigfrid Windelband</name></note><note type="repository">Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>30.12.1904</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- und UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 30.12.04</dateline><salute>Liebster Freund,</salute><p>Eben erhalte ich Deine lieben Zeilen, während ich im Begriffe bin, Dir selbst zu schreiben. Wir haben ja beide schwere Wochen der Sorge hinter uns und wissen nicht, ob wir sie nicht auch noch vor uns haben. Mit der innigen Teilnahme, die nicht nur dem grossen Gelehrten, sondern auch Deinem und Deines Bruders Schwager galt, habe ich nach den hiesigen Berichten <name>Usener</name>’s Krankheit verfolgt; <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2750"/>Deine Nichte ist ja nun, wie ich zuletzt von <name>Dieterich</name> hörte, wieder hier und Dein Schwager<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2750"/> ist schon aufgestanden, ich wünsche und hoffe für seine dauernde, vollständige Genesung das Beste! dass er in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2751"/>seinem Alter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2751"/> eine so schwere Sache bisher doch im Ganzen so kräftig ertragen hat, lässt für die weitere Entwicklung das Beste hoffen.</p><p>Aber auch Dir, liebster Carlo, wünsche ich zum <pb/> neuen Jahre, vor allem gute Gesundheit! <name>Dora</name> sagte leider, dass Du nicht ganz zufrieden damit sein durftest und am Auge gelitten habest. Das tut uns herzlich leid und wir wünschen Dir Alles Gute!</p><p>Unser Dorchen ist <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2752"/>damals<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2752"/> Knall und Fall aus G<add>[öttingen]</add> abgereist, als mein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2753"/>Schwiegersohn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2753"/> zum zweiten Male operirt war und <name>Meta</name> am Verzweifeln war. Es war eine Zellengewebsentzündung am Halse, und das zweite mal ging es auf Leben und Tod. Dann kam eine Woche hoffnungsvolle Heilung und Beruhigung, und dann trat plötzlich Gesichtsrose ein, unter diesen Umständen äusserst gefährlich. Wieder zehn Tage Angst. Der Gequälte hat auch das überstanden, und in der Woche vor Weihnachten sah es dann so gut aus, <pb/> dass auf <name>Meta</name>’s Drängen Dore sich gegen ihre und unsre Erwartung zwei Tage vor dem Fest noch entschloss, mit <name>Sigfrid</name> zusammen zu uns zu reisen. So haben wir hier mit ihr und den beiden Söhnen noch leidlich frohe Weihnachten gefeiert. Aber inzwischen ist nun schon wieder ein Rückfall eingetreten, der ja bei der Rose selten ausbleiben soll, – zum Glück nicht allzu schwer, so dass auch bei uns wieder Hoffnung eingezogen ist. Aber es geht wie bei Euch: ein fortwährendes Auf und Ab von Hoffnung und Sorge; und gerade das macht mürbe und müde.</p><p>So lass uns denn miteinander hoffen, dass das neue Jahr uns beiden Beruhigung und guten Fortgang in der Familie bringen möge! Von akademischen Dingen ist hier so wenig Meldenswertes <pb/> zu verzeichnen, wie, scheint’s bei Euch. <name>Kuno Fischer</name> liegt in mattem, teilnahmslosem Zustande da, bald etwas besser, bald etwas schlimmer; es ist sehr traurig mitanzusehen.</p><p>Meine Frau trägt mir herzlichste Grüsse und Wünsche für Dich auf! ich bitte Dich, Deinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2754"/>Fräulein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2754"/> auch meine ergebensten Empfehlungen und Neujahrsgrüsse auszurichten, mir aber Deine freundschaftliche Gesinnung zu erhalten als Deinem getreuen</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2750"><lem>Deine Nichte … Dein Schwager</lem><note> die Rede ist von <name>Marie Dieterich</name>, Ehefrau von <name>Albrecht Dieterich</name> (NDB), <abbr>geb.</abbr> Usener <abbr>sowie von</abbr> <name>Hermann Usener</name> († 21.10.1905), <abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Karl Dilthey</name> vom 10.3.1903.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2751"><lem>seinem Alter</lem><note><name>Hermann Usener</name> war zum Zeitpunkt der Abfassung des Schreibens 70 Jahre alt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2752"><lem>damals</lem><note>im Frühjahr 1901, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Ulrich Stutz vom 14.1.1900.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2753"><lem>Schwiegersohn</lem><note><name>Arthur Goette</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2754"><lem>Fräulein</lem><note>nicht ermittelt</note></app></listApp></back></text></TEI>