<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000418-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Hugo Münsterberg</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>7.5.1904</date>, <note>Text nach einer </note><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Boston Public Library, Hugo Münsterberg Collection, MS Acc 1501-2500: Series 7, Box 51, Folder 750</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0418" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000418-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1904-05-07">7.5.1904</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118785281">Hugo Münsterberg</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116343338">Albrecht Kossel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118711989">Georg Jellinek</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118629743">Max Weber</name><name>Otto Friedrich Theodor Lewald</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118789643">Robert Ezra Park</name></note><note type="repository">Boston Public Library</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2632"/><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Hugo Münsterberg</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>7.5.1904</date><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2632"/>, <note>Text nach einer </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2633"/><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2633"/><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Boston Public Library, Hugo Münsterberg Collection, MS Acc 1501-2500: Series 7, Box 51, Folder 750</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg 7 Mai 04</dateline><salute>Hochgeehrter Herr College,</salute><p>Es tut mir ganz ausserordentlich leid, dass ich Ihnen nun doch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2634"/>abschreiben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2634"/> muss. Aber es geht nicht anders. Sie wissen, dass ich mit grosser Lebhaftigkeit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2635"/>auf Ihre Vorschläge eingegangen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2635"/> bin und in dem Wunsche einer entsprechenden Vertretung der deutschen Wissenschaft auf dem Congress zu St. Louis mich gern zur Verfügung stellte. Aber mit der Zeit, und je näher ich die Verhältnisse kennen lernte, um so grösser und entscheidender sind meine Bedenken geworden.</p><p>Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2636"/>Reisen dieses Frühjahrs<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2636"/> haben mich zwingend überzeugt, dass ich in dem Alter bin, wo man nur noch mit einem gewissen Comfort reisen kann und darf. Ja, ich bin zweifelhaft, ob ich es wagen sollte, ohne jemand von den Meinigen zu reisen; diese wünschen wenigstens dringend, dass ich es nicht tue. Und das Klima von St. Louis!!</p><p>Aber selbst wenn ich es allein wagte, geht es über meine financielle Leistungsfähigkeit. Der angebotene Zuschuss von 500 D<add>[ollar]</add> reicht meinen genaueren Erkundungen nach knapp gerade für Hin- und Rückfahrt: ich müsste für mich allein, wollte ich die Reise behaglich machen und etwas davon haben, mindestens das Doppelte zulegen. Könnte und wollte ich aber für eine Ferienreise solchen Aufwand machen, ja, ganz offen gestanden, dann ginge ich zuerst nach Griechenland und Aegypten, wohin mich viel tiefere Sehnsucht zieht.</p><p>Wenn ich mit dem Entschluss gezögert habe, so ist es wesentlich aus dem Pflichtbewusstsein geschehen, dass die Gelegenheit zu einer ansehnlichen Vertretung Deutschlands bei solcher internationalen Versammlung nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2637"/>derelinquiert<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2637"/> werden sollte. Der deutsche Commissar für die Expedition, ein Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2638"/><name>Lewald</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2638"/><name/>, hat in mehrfachen Zuschriften versichert, wie gross das Interesse des Reichs an unsrer Beteiligung sei: ich will wünschen und hoffen, dass sich dies Interesse für diejenigen Collegen, die sich zu der Reise entschliessen, erfreulich betätigen möge. Es sind deren ja, wie ich höre, eine grosse und immer grössere Zahl, und seit ich das weiss, hoffe ich in meinem Alter von der persönlichen Verpflichtung entbunden zu sein.</p><p>Und so hoffe ich auch, dass Sie persönlich mich entschuldigen werden: denn zu dem, worauf ich ungern aber notgedrungen verzichte, gehört wesentlich auch das nähere, längere und ausgiebigere Wiedersehen mit Ihnen. Hoffentlich wird es mir noch einmal in anderer Weise zu teil!</p><p>Bei dieser Gelegenheit danke ich auch bestens für die Zusendung Ihres Circulars: Ihr Rat, mit Einladungen anderer Universitäten in N<add>[ord]</add> A<add>[merika]</add> vorsichtig zu sein, ist gewiss sehr am Platze. Es scheinen sich da sehr eigentümliche Vorstellungen über deutsche Gelehrte gebildet zu haben. So ging mir <abbr>z. B.</abbr> von der Columbia-University New-York eine naive Einladung zu, ich möchte noch bis zu der letzten October-Woche bleiben, wo sie ein Jubiläum feiern, ich käme dann ja noch so zum 6–8 November nach Hause, ich sollte dort während der Jubelwoche vier Vorträge halten, und dafür bot man mir zusammen – hundert Dollars!! ich glaubte mich zu verlesen, aber es war so. Natürlich habe ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2639"/>auf solche Zumutung nicht erst geantwortet<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2639"/>. Aber sie hat mir in der Tat, wenn auch nur als ein einzelnes und hoffentlich nur vereinzeltes Anzeichen, zu denken gegeben.</p><p>Lassen Sie mich mit dem Wunsche schliessen, dass Ihnen das grosse Unternehmen, das Ihnen gewiss viel Zeit und Mühe kostet und manches auch weniger Erfreuliche bringt, schliesslich durch guten Erfolg lohnen und Freude bringen möge.</p><p>ich verbleibe mit herzlicher Hochachtung Ihr ergebenster</p><signed>W Windelband</signed><postscript><p><abbr>NB</abbr>! Darf ich Sie wohl um die Gefälligkeit bitten, mir gelegentlich auf Postkarte Ihres und meines gemeinsamen Schülers <abbr>Mr</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2640"/>Esra <name>Park</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2640"/><name/> Adresse zukommen zu lassen?</p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2634"><lem>abschreiben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband, <name>Albrecht Kossel</name>, <name>Georg Jellinek</name> an Münsterberg vom 3.5.1904</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2635"><lem>auf Ihre Vorschläge eingegangen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Münsterberg vom 11.7.1903</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2636"><lem>Reisen dieses Frühjahrs</lem><note>nach Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe; <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 14.1. <abbr>u.</abbr> 23.3.1904 sowie an Franz Böhm vom 22.2.1904.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2637"><lem>derelinquiert</lem><note>Rechtssprache; <abbr>d. h.</abbr> ihrer Berechtigung (eigentlich: Eigentumsrechte) beraubt werde</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2638"><lem><name>Lewald</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Wer istʼs? 1908: <name>Otto Friedrich Theodor Lewald</name>, Geheimer Oberregierungsrat und vortragender Rat im Reichsamt des Inneren.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2639"><lem>auf solche Zumutung nicht erst geantwortet</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Max Weber</name> an <name>Georg Jellinek</name> vom 24.9.1904 aus St. Louis: </note><rdg>Bedauerlich ist aber, daß – dies unter uns! – Windelband auf die Aufforderung der Columbia-University, 4 Memorial-Reden zu halten (die höchste Ehrung die dort zu vergeben ist und daher nur mit dem Ersatz der Hotelkosten honoriert), gar nicht geantwortet hat. Die Leute sind ausser sich und ich finde auch, er hätte wenigstens ablehnen sollen. (Dies wie gesagt nur für Sie!) Die Leute sind musterhaft höflich und fein</rdg><note> (Max Weber Gesamtausgabe <abbr>Abt.</abbr> II, <abbr>Bd.</abbr> 4, <abbr>S.</abbr> 302).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2640"><lem>Esra <name>Park</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelbands Promotionsgutachten über <name>Robert Ezra Park</name>, Heidelberg, 23.7.1903 (Abschnitt Dokumente in der vorliegenden Edition).</note></app></listApp></back></text></TEI>