<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000414-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>23.3.1904</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_46</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0414" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000414-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1904-03-23">23.3.1904</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116037660">Clemens Baeumker</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569856">Emil Lask</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117457558">Friedrich Alfred Schmid</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117457558">Friedrich Alfred Schmid bzw. Konrad Arnold Schmid</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/137281692">Otto Baensch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116988118">Theobald Ziegler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116460083">Theodor Elsenhans</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>23.3.1904</date>, <note>4 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2740IIIA-224_46</ref></head></front><body><dateline>Heidelberg, 23.3.04</dateline><salute>Lieber Freund und College,</salute><p>Auf mehreren Wegen, durch den lebhaften Ferienverkehr der Philosophen, sind mir zu meiner Freude die günstigsten Nachrichten über <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2611"/>Ihr Befinden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2611"/> zugegangen und haben den erfreulichen Eindruck bestätigt, den ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2612"/>neulich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2612"/> bei meinem Besuche hatte: so wünsche ich denn den heilkräftigsten Fortgang und die volle Wiederherstellung Ihrer Gesundheit zum Semester!</p><p>Dieselben Besuche haben mir frohe Aussichten für zukünftige hiesige Lehrgemeinsamkeit erweckt, und über diese möchte ich <abbr>z. T.</abbr> Ihre Ansicht hören. Zuerst sprach mir vor etwa acht Tagen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2613"/>Herr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2613"/> <abbr>Dr.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2614"/>Alfr<add>[ed]</add> <name>Schmid</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2614"/>, auf den ja neulich auch unsre Unterredung kam, von der Absicht, sich ev<add>[entuell]</add> hier zu habilitieren; und zwar schien er schon auf eine baldige Ausführung des Gedankens eingerichtet zu sein. Er erwähnt jedoch <pb/> selber, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2615"/>von sich aus<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2615"/>, dass er natürlich zurücktreten würde, wenn einer der älteren darauf Anspruch mache. Nun wusste ich damals weder von <name>Lask</name> noch von <name>Baensch</name> mit einiger Bestimmtheit, wann sie etwa, falls überhaupt, aus dem Privatgelehrtentum in die Lehrtätigkeit überzugehen Lust hätten. Da aber <name>Schmid</name> wenigstens mit <name>Baensch</name> in persönlichen Beziehungen steht, so kamen wir dahin überein, dass er sich mit diesem zunächst auseinandersetzen sollte: er versprach, sich brieflich von Freiburg aus an ihn zu wenden, und das Ergebnis dieser Correspondenz sollte mir mitgeteilt werden. Nun wurde ich gestern durch einen Besuch von <name>Lask</name> überrascht, der, während er vor vierzehn Tagen noch keinerlei Absichten geäussert, sondern nur von seinen weitschichtigen Arbeitsplänen gesprochen hatte, jetzt, ohne von <name>Schmid</name>ʼs Absichten etwas <pb/> zu wissen, mich fragte, ob mir seine Habilitation hier genehm sein würde. Das bejahte ich natürlich auf das Energischste, sah mich jedoch für berechtigt an, ihm von <name>Schmid</name> und dessen Absicht der Verständigung mit <name>Baensch</name> Kenntnis zu geben: er will nun in einigen Tagen mit <name>Baensch</name> in Berlin persönlich Rücksprache nehmen und mir dann schreiben.</p><p>Dies ist der Stand der Sache, den ich Ihnen bekannt wünsche. Mir ist die Aussicht auf solche Mitarbeit sehr erfreulich; nur würden drei, vielleicht schon zwei sich doch etwas im Wege sein, – namentlich solange <name>Elsenhans</name> hier noch dociert. Wie lange das gehen wird, weiss ich nicht: es ist ja möglich, dass er bald <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2616"/>in das Pfarramt zurückkehrt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2616"/>; seine hiesigen Aussichten sind – dies bitte unter uns! – auf alle Fälle gering. Zunächst muss ich nun abwarten, was die jungen Herrn miteinander ausmachen. Jedenfalls aber möchte ich, dass <name>Schmid</name> (dessen Adresse ich nicht habe) darüber <pb/> nicht in Zweifel wäre, dass, wenn <name>Lask</name> nach seiner Besprechung mit <name>Baensch</name> die Absicht äussert, sich hier zu habilitieren, ich <name>Schmid</name> bitten müsste, solange zu warten: denn auch Sie werden der Ansicht sein, dass ich es nicht verantworten könnte, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2617"/><name>Lask</name> in der akademischen Anciennität hinter <name>Schmid</name> kommen zu lassen. Daneben ist zu erwägen, was auch <name>Lask</name> mit <name>Baensch</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2617"/> besprechen will, ob nicht einer der Herrn in die Strassburger philosophische Wüste ziehen will; und falls <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2618"/>Tübingen wirklich mit einer zweiten Mediocrität besetzt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2618"/> werden sollte, käme schliesslich auch das in Betracht. Es wäre doch ein schöner Gedanke, wenn wir die südwestdeutsche Ecke wenigstens einigermassen gegen die trüben Fluten aufrecht erhalten könnten.</p><p>Mit herzlichem Gruss von Haus zu Haus der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2611"><lem>Ihr Befinden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Sophie Rickert vom 26.2.1904</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2612"><lem>neulich</lem><note><abbr>d. h.</abbr> nach dem 26.2.1904</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2613"><lem>Herr</lem><rdg>Hr</rdg><note>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2614"><lem>Alfred Schmid</lem><note> <name>Friedrich Alfred Schmid</name> [Noerr], <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Heinrich Rickert vom 14.1.1904.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2615"><lem>von sich aus</lem><note>unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2616"><lem>in das Pfarramt zurückkehrt</lem><note><name>Theodor Elsenhans</name>, seit 1902 <abbr>PD</abbr> in Heidelberg, zuvor Stadtpfarrer in Riedlingen, ging 1908 als <abbr>o. Prof.</abbr> an die Technische Hochschule Dresden (Rektor 1916/17; <abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2617"><lem>Lask … Schmid … Baensch</lem><note> <name>Emil Lask</name> habilitierte im WS 1904/05 in Heidelberg bei Windelband mit einer Schrift über Rechtsphilosophie (vgl. Lask: Rechtsphilosophie. In: Die Philosophie im Beginn des 20. Jahrhunderts. Festschrift für Kuno Fischer <abbr>Bd.</abbr> 2. Heidelberg: C. Winter 1905). Der Habilitationsvortrag über das Thema </note><rdg>Hegel und sein Verhältnis zur Weltanschauung der Aufklärung</rdg><note> fand am 11.1.1905 statt (<ref type="link">www.leo-bw.de</ref>). Zu <name>Friedrich Alfred Schmid</name> siehe oben. <name>Otto Baensch</name> (1878–1936), Spinoza-Forscher <abbr>u.</abbr> Schüler Windelbands in Straßburg, habilitierte sich 1906 in Straßburg vermutlich bei <name>Clemens Baeumker</name> oder <name>Theobald Ziegler</name> (eine separate Schrift ist nicht ermittelt), blieb dort bis 1918 <abbr>PD</abbr>, seit 1919 Privatgelehrter in München, im März 1936 Vertretungsauftrag für Philosophie in Breslau, im selben Jahr verstorben (<abbr>vgl.</abbr> Christian Tilitzki: Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich Teil 1. Berlin: Akademie-<abbr>Vlg.</abbr> 2002, <abbr>S.</abbr> 670).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2618"><lem>Tübingen wirklich mit einer zweiten Mediocrität besetzt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Paul Siebeck</name> vom 27.3.1904</note></app></listApp></back></text></TEI>