<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000371-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Kuno Fischer</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>25.12.1902</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2618-51_10/0001</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0371" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000371-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1902-12-25">25.12.1902</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653513X">Christiane Louise Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116037660">Clemens Baeumker</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118571249">Gottfried Wilhelm Leibniz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Kuno Fischer</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>25.12.1902</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">UB Heidelberg, </bibl><ref type="link">digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heidhs2618-51_10/0001</ref></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>iE</abbr> 25 Dec<add>[ember]</add> 1902</dateline><salute>Hochverehrter Herr Wirklicher Geheimrat,</salute><p><abbr>Ew.</abbr> Excellenz bitte ich das beiliegende Exemplar der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2362"/>zweiten Auflage meiner Praeludien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2362"/> nun als einen bescheidnen Weihnachts- und Neujahrsgruss freundlichst aufzunehmen. So spät ist es damit geworden, ganz gegen meinen Wunsch und Willen. Zuerst hatte der Buchbinder, dem ich sonst vertraute, ein Exemplar nicht so hergestellt, wie es mir für Sie würdig zu sein schien, – und dann kam über mich wie über mein ganzes Haus eine schwere Influenza-Infection (noch einmal <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2363"/>wieder<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2363"/> ein böser Hauch des Strassburger Klimaʼs), von der ich erst gestern zum ersten Male wieder aufgestanden bin, um mich des von den Kindern geschmückten Weihnachtsbaums – umgekehrte Welt! – zu erfreuen, – freilich noch matt und taten<pb/>unlustig, wie man es nach einer solchen Durchrüttelung der ganzen leiblichen Existenz zu sein pflegt.</p><p>Mit meinen Gedanken lebe ich ja natürlich schon in Heidelberg, und ich bin deshalb sehr erwartungsvoll, wie die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2364"/>Veraenderungen in der philologischen und der historischen Professur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2364"/> schliesslich ausfallen werden. Dass mein hiesiges Katheder an <name>Clemens Bäumker</name> fallen soll, werden Sie erfahren haben. Ich tröste mich damit, dass von allen „Katholischen Philosophen“, die in Deutschland aufzutreiben sind, er noch immer der einzige ist, den man als einen Mann der Wissenschaft ansehen darf. Wir leben eben in der Welt der kleinsten Uebel, – darauf läuft doch selbst der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2365"/><name>Leibniz</name>ʼsche Optimismus<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2365"/> hinaus. <pb/></p><p>Lassen <abbr>Ew.</abbr> Excellenz mich hoffen, dass für Sie und Ihre hochverehrte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2366"/>Frau Gemahlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2366"/> die unvermeidlichen Uebel dieses Winters so gering wie möglich gewesen sein und bleiben mögen! und dass Sie beide mit rüstiger Gesundheit in das neue Jahr eintreten, das mir das Glück bringen wird, an Ihre Seite zu treten: und erlauben Sie mir, dass ich diesen Wunsch auch im Namen meiner Frau und Tochter ausspreche, welche sich, obwol bisher noch persönlich unbekannt, Ihrer Excellenz und Ihnen selbst ganz ergebenst empfehlen lassen. Damit verbleibe ich in der alten, treuen Verehrung <abbr>Ew.</abbr> Excellenz ergebenster</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2362"><lem>zweiten Auflage meiner Praeludien</lem><note>im Buchhandel mit Druckdatum 1903</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2363"><lem>wieder</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an <name>Karl Dilthey</name> vom 10.8.1896 u. an Georg Jellinek vom 17.3.1901</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2364"><lem>Veraenderungen in der philologischen und der historischen Professur</lem><note><abbr>vgl.</abbr> zum Kontext der Berufung Windelbands auch Horst Gundlach: Wilhelm Windelband und die Psychologie. Heidelberg: University Publishing 2017, <abbr>S.</abbr> 177–184.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2365"><lem><name>Leibniz</name>ʼsche Optimismus</lem><note>Anspielung <name>Gottfried Wilhelm Leibniz</name>: Theodizee (Gott habe die beste aller möglichen Welten geschaffen).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2366"><lem>Frau Gemahlin</lem><note><name>Kuno Fischers</name> 2. Ehefrau <name>Christiane Louise Fischer</name> (1832–1903), <abbr>geb.</abbr> Kirchhoff (<abbr>NDB</abbr>).</note></app></listApp></back></text></TEI>