<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000351-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>6.9.1902</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- u. UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0351" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000351-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1902-09-06">6.9.1902</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116128194">Karl Dilthey</persName></correspAction><note type="mentioned"><name>Dora Windelband</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118795686">Eduard Schwartz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117100285">Eduard Schär</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116545844">Johannes von Kries</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118757652">Ulrich Stutz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117400149">Wolfgang Windelband</name></note><note type="repository">Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Karl Dilthey</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>6.9.1902</date>, <note>4 S., hs. (dt. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Niedersächsische Staats- u. UB Göttingen, Dilth. 141</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <abbr>iE.</abbr> 6. Sept<add>[ember]</add> 1902</dateline><salute>Liebster Freund,</salute><p>Das ist doch nun wieder ein ausgesuchtes Pech, so nahe bei einander und ahnungslos und nun wieder an einander vorbeigereist! Denn leider ist Deine Karte, für die ich Dir trotzdem herzlich danke, gerade an dem Tage abgegangen, wo wir, d. h. ich mit Frau, <name>Dora</name> und unserm <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2239"/>Jüngsten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2239"/>, der nun auch schon sechzehnjährig und Oberprimaner ist, Chamonix nach drei herrlichen Wochen wieder verließen! wir sind dann über Genf nach Freiburg gereist und haben dort die Hochzeit meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2240"/>ältesten Nichte <name>Kries</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2240"/> mitgemacht, und gestern Abend finde ich Deine nachgeschickte Karte hier vor! Hoffentlich hat der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2241"/>Landgerichtsrat<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2241"/> Dir gleich aus Chamonix mitgeteilt, daß der Vogel schon ausgeflogen war, sodaß Du nicht vergeblich gewartet hast! Aber doch zu ärgerlich! Konnte <pb/> nicht dieser <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2242"/><name>Schär</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2242"/><name/> – denn um den handelt es sich ganz offenbar, er hatte auch bei mir vorgesprochen, übrigens „Pharmakognost“, <abbr>d. h.</abbr> ehemaliger Apotheker in Zürich – der nicht acht Tage früher auf den Gedanken kommen, Dir in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2243"/>Finhaut<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2243"/> zu begegnen?! Wir sahen von dem Wirtshaus Tête noire und bei der Fahrt durch die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2244"/>Gorge du Trient<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2244"/> (wir kamen von Martigny nach Chamonix) Dein Finhaut so lustig auf der Berghalde hingestreut, und ich hoffe, da muß gute Luft sein, Dich zu erholen! Wie gern hätte ich sie mit Dir geteilt! und einmal wieder gründlich mit Dir geredet! Ich habe ja guten Freundesrat nie mehr nötig gehabt als jetzt. Du weißt, daß ich im Sommer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2245"/>Tübingen abgelehnt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2245"/> habe und daß <pb/> nun die Sache mit Heidelberg losgeht. ich habe den Ruf schon und es wird nur meine und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2246"/>des Referenten Rückkehr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2246"/> aus der Sommerfrische abgewartet, um über die Modalitäten in Verhandlung zu treten. Die nächste Woche wird also die Entscheidung bringen, und ich hätte mir wohl gewünscht, mit Dir über alles Für und Wider zu reden. Es ist eine letzte Entscheidung für den Lebensrest, und es kommt vielerlei in Betracht. Im Ganzen bin ich bisher dafür anzunehmen: denn es ist von den Professuren meiner Wissenschaft, die von Berlin unabhängig sind, weitaus die wichtigste und vornehmste, und die Sachlage ist, daß, wenn ich sie ausschlüge, ein völlig unberechenbares Würfelspiel über die Besetzung <pb/> losgehen würde. Aber Haken sind viele dran, und ich muß auf mein Glück hoffen, daß es mir gelingt, die Quadratur des Kreises zu finden, die in dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2247"/>Problem <name>Kuno Fischer</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2247"/> steckt.</p><p>Und andererseits hätte ich gar zu gern mit Dir über <name>Schwartz</name> geredet. ich sah ihn im Anfang August hier einen flüchtigen Abend und hatte immer noch den Eindruck, daß er noch wenig <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2248"/>bei Euch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2248"/> eingelebt ist.</p><p>Am allermeisten aber hätte ich gewünscht, von Dir selbst Näheres zu hören, – meinen Wünschen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2249"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2249"/> Hoffnungen nach möglichst Gutes. Sollte es Dir nicht möglich sein, diesmal den Rückweg über Strassburg zu nehmen? Du bist herzlich willkommen, wie mir selbst, so auch meiner Frau <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2250"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2250"/> Tochter, die Dich bestens grüßen! Versuch’s einzurichten.</p><p>Du erfreust unbändig Deinen getreu grüßenden</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2239"><lem>Jüngsten</lem><note><name>Wolfgang Windelband</name> (* 31.8.1886)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2240"><lem>ältesten Nichte <name>Kries</name></lem><note>Tochter von Windelbands Schwager <name>Johannes von Kries</name>, Näheres nicht ermittelt (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2241"><lem>Landgerichtsrat</lem><note>nicht aufgelöst</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2242"><lem><name>Schär</name></lem><note><name>Eduard Schär</name> (1842–1913), Pharmakologe, 1881–1892 am Polytechnikum Zürich, seit 1892 <abbr>Prof.</abbr> der Pharmazie in Straßburg (Historisches Lexikon der Schweiz).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2243"><lem>Finhaut</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>z. B.</abbr>: Die Schweiz nebst den angrenzenden Teilen von Oberitalien, Savoyen und Tirol. Handbuch für Reisende von Karl Baedeker. 30. <abbr>Aufl.</abbr> Leipzig: Baedeker 1903, <abbr>S.</abbr> 321.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2244"><lem>Gorge du Trient</lem><note>Schlucht, Sehenswürdigkeit bei Vernayaz (in der Nähe von Martigny) in der Schweiz</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2245"><lem>Tübingen abgelehnt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Ulrich und Elly <name>Stutz</name> vom 15.6.1902</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2246"><lem>des Referenten Rückkehr</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Franz Böhm vom 14.8.1902</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2247"><lem>Problem <name>Kuno Fischer</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Rickert vom 2.8.1902</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2248"><lem>bei Euch</lem><note><name>Eduard Schwartz</name> (1858–1940), klassischerPhilologe <abbr>u.</abbr> Kirchenhistoriker, 1897 <abbr>o. Prof.</abbr> in Straßburg, seit 1902 in Göttingen (<abbr>NDB</abbr>); <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Karl Dilthey vom 15.11.1901.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2249"><lem>und</lem><rdg>d</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2250"><lem>und</lem><rdg>d</rdg></app></listApp></back></text></TEI>