<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000344-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Strassburg</placeName>, <date>25.7.1902</date>, <note>Text nach einer </note><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0344" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edww2020-000344-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1902-07-25">25.7.1902</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117338354">Paul Siebeck</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521748">Auguste Comte</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118614258">Christoph Sigwart</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118549553">Johann Gottfried Herder</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1201508282">Rüdiger Kramme</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118757652">Ulrich Stutz</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Windelband</persName> an <persName type="received">Paul Siebeck</persName>, <placeName type="sent">Strassburg</placeName>, <date>25.7.1902</date>, <note>Text nach einer </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2191"/><note>Transkription von Klaus Christian Köhnke</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2191"/><note>, Umfang und Besonderheiten nicht bekannt</note>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, NL 488</bibl></head></front><body><dateline>Strassburg <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2192"/><add>[25.7.02]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2192"/></dateline><salute>Hochgeehrter Herr Doctor,</salute><p>Ehe ich in die Ferien gehe und weitere Pläne mache, möchte ich Ihnen nochmals für Ihre Freundlichkeit und besonders für Ihren liebenswürdigen Brief vom 1. d<add>[es]</add> M<add>[onats]</add> danken. Auch ich lasse manchmal den Kopf hängen, und wenn hier allerlei Bedenkliches geschieht, sage ich mir manchmal, ob ich nicht doch besser getan hätte, in eine Wirksamkeit zu treten, in der man mir so freundlich und vertrauensvoll entgegenkam! Unter dem, was mich schließlich bestimmte, war fast das entschiedenste die Ueberlegung, daß, wenn ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2193"/>in Tübingen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2193"/> die große Wirksamkeit hätte haben wollen, die neben <name>Sigwart</name>s Umgang so mächtig lockte, ich sehr viel hätte lesen müssen und in einer gewissen Abhängigkeit vom Studienplan des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2194"/>Stifts<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2194"/>, wohl meist zwei vierstündige Collegien im Semester, – während ich hier darauf ausgehe und mit Erfolg daran arbeite, so wenig wie möglich zu lesen und Zeit für meine eignen Arbeiten zu gewinnen, an denen mir schließlich doch mehr gelegen ist und angesichts meines Lebensalters gelegen sein muß und darf.</p><p>Darin bestärkt mich die erfreuliche Thatsache, daß Sie für mich an neue Auflagen denken, und ich möchte deshalb über die beiden neu auszustattenden Kinder Ihre Meinung hören, die Präludien und die Geschichte. Es wird sich fragen, was Sie für besser halten: Das Publicum nach beiden etwa hungern zu lassen oder uns so einzurichten, daß wir nach dem voraussichtlichen Vergriffensein im nächsten Sommer gleich auf dem Platze sind.</p><p>Wenn Sie das Letztere wünschen, so biete ich dazu gern die Hand. Die Präludien sind in meinem durchschossenen Handexemplar durchcorrigirt und können, da sie wenig Aenderungen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2195"/>vertragen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2195"/>, jeden Augenblick neu gesetzt werden. Es fragt sich nur, ob es Ihnen wünschenswert erscheint, sie vielleicht durch einen oder zwei Aufsätze <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2196"/>zu erweitern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2196"/>. Es wird nicht gut sein, das Büchlein stark zu beschweren, andrerseits könnte einiges Neue dem Absatz einer zweiten Ausgabe günstig sein. Das beurteilen Sie besser als ich, und ich überlasse es Ihnen ganz. Zur Verfügung hätte ich in diesem Tone einen beinah fertig geschriebenen Aufsatz über die Grundlage der Religionsphilosophie, und wenn das Dutzend voll werden sollte, könnte auch noch ein historisches Stückchen, etwa <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2197"/>über <name>Herder</name> oder <name>Comte</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2197"/>, hinzukommen. Diese Manuskripte kann ich Ihnen, wenn Sie wünschen, noch im Herbst liefern, zugleich mit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2198"/>„Willensfreiheit“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2198"/>, die ich im September und October bestimmt abzuschließen hoffe.</p><p>Für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2199"/>„Geschichte“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2199"/> wird sich fragen, ob Sie wieder Lieferungsausgabe vorziehen oder ob der ganze Band auf einmal erscheinen soll. Die Vorarbeit ist natürlich stetig erfolgt, die Literatur zum großen Teile schon registrirt und sachlich hineingearbeitet. Ich würde wieder meine Notizen in ein durchschossenes Exemplar (ich habe dazu noch eins hier) übertragen, und Sie brauchen auch darin nur zu bestimmen, wann der Druck beginnen soll. Sofern Sie das hinsichtlich beider Bücher schon im Allgemeinen übersehen und feststellen können, wäre ich für eine baldige Mitteilung sehr dankbar, um mir die Zeit mit Rücksicht auf allerlei andre Möglichkeiten rechtzeitig einteilen zu können.</p><p>Welche Reisepläne hegen Sie – oder führen Sie vielleicht schon aus? wir denken etwa vom 8. August bis in die ersten Septembertage nach Chamonix zu gehen.</p><p>Mit verbindlichsten Grüßen von Haus zu Haus ergebenst der Ihrige</p><signed>Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2192"><lem><add>[25.7.02]</add></lem><note>Datumsnachtrag stammt von <name>Rüdiger Kramme</name> nach Autopsie (<abbr>ca.</abbr> 1992) im Verlagsarchiv Mohr/Siebeck, damals noch in Tübingen am Verlagssitz.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2193"><lem>in Tübingen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> über den abgelehnten Ruf Windelband an Ulrich und Elly <name>Stutz</name> vom 15.6.1902</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2194"><lem>Stifts</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband an Wilhelm Dilthey vom 16.7.1902</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2195"><lem>vertragen</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2196"><lem>zu erweitern</lem><note>die erste <abbr>Aufl.</abbr> von Windelbands Präludien. Aufsätze und Reden zur Einleitung in die Philosophie (1884) enthielt die Aufsätze: Was ist Philosophie? (Ueber Begriff und Geschichte der Philosophie), Ueber Socrates (Ein Vortrag), Zum Gedächtniß Spinoza’s (An seinem zweihundertjährigen Todestage gesprochen an der Universität Zürich), Immanuel Kant. Zur Säcularfeier seiner Philosophie (Ein Vortrag 1881), Ueber Friedrich Hölderlin und sein Geschick (Nach einem Vortrage in der akademischen Gesellschaft zu Freiburg <abbr>i. B.</abbr> am 29. November 1878), Ueber Denken und Nachdenken (Eine akademische Antrittsrede 1877), Normen und Naturgesetze, Kritische oder genetische Methode?, Vom Princip der Moral, Sub specie aeternitatis (Eine Meditation). Die 2., vermehrte <abbr>Aufl.</abbr> Tübingen/Leipzig: J. C. B. Mohr (Paul Siebek) 1903 enthält laut Vorwort </note><rdg>die zehn Stücke der ersten in wesentlich unveränderter, nur hie und da stilistisch gefeilter Gestalt</rdg><note> sowie zusätzlich: Aus Goethes Philosophie (Rede 1899 aus Anlaß des Straßburger Denkmals für den jungen Goethe), Das Heilige (Skizze zur Religionsphilosophie).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2197"><lem>über <name>Herder</name> oder <name>Comte</name></lem><note>eine Arbeit Windelbands über <name>Herder</name> ist nicht ermittelt, zu <name>Comte</name> hatte Windelband veröffentlicht: Fichte und Comte. In: Congrès international de Philosophie. IIme session tenue à Genève du 4 au 8 Septembre 1904. Rapports et comptes rendus. Publiés par les soins du Ed. Claparede. Avec 17 figures et 5 portraits hors texte. Genf: Henry Kündig 1905, <abbr>S.</abbr> 287–292. Nicht in Präludien wiederabgedruckt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2198"><lem>„Willensfreiheit“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Über Willensfreiheit. Zwölf Vorlesungen. Tübingen/Leipzig: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1904.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2199"><lem>„Geschichte“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Windelband: Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. 3., durchgesehene <abbr>Aufl.</abbr> Tübingen/Leipzig: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1903.</note></app></listApp></back></text></TEI>